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Zwölferköpfl (1656 m) über Mineckergrat

Weglose Bergtour

(aktualisiert am )

Der Aufstieg über den Mineckergrat zum Zwölferköpfl ist eine der einsamsten Routen im Estergebirge. Echte Wildnisfans kommen bei dieser anspruchsvollen, weglosen Gratwanderung voll auf ihre Kosten. Genusswanderer dürften das Ganze dagegen eher als Schinderei empfinden.

  1. Tourcharakter
  2. Wegbeschreibung
    1. Zum Parkplatz an der Urlaine
    2. Einstieg zum Mineckergrat
    3. Mineckergrat
    4. Zwölferköpfl
    5. Ins Pustertal
    6. Abstieg auf dem Hahnbichlsteig
  3. Tourskizze mit GPS-Track
  4. Anfahrt und Einkehrmöglichkeiten
  5. Wanderkarte
Zur Galerie (9 Fotos)
Vom Mineckergrat schaut man über das Loisachtal in die Ammergauer Alpen.
Wer von Eschenlohe ins Estergebirge will, nimmt normalerweise den Weg durch das Archtal oder das Pustertal. Zwischen diesen beiden wunder­schönen Tälern erstreckt sich ein sehr unzugängliches Gebiet mit bestenfalls halbscharigen Steigen. Mittendrin steht das Zwölferköpfl, welches den Mineckergrat nach Osten hin abschließt. Wer Ruhe sucht und die Abgeschiedenheit mag, ist am Zwölferköpfl genau richtig. Auch die Aussicht loht sich, eine große Fernsicht wird aber nicht geboten. Dafür müsste man noch weiter bis zur Hohen Kisten aufsteigen.

Tourcharakter und Schwierigkeit

1020 m13 km6:00 h

Anspruch■■■■■ T5 II
Kondition ■■■■■■
Orientierung ■■■■■■

Die größte Herausforderung liegt in der Orientierung. Zwar gibt der Mineckergrat die grobe Richtung vor, doch die kleinräumige Gelände­beurteilung bedarf viel Erfahrung mit weglosen Touren. Bewaldung, Gestrüpp, Felsstufen sowie Steilgrasschrofen führen dazu, dass man oft keinen rechten Überblick hat, wie es hinter der nächsten Ecke weitergeht. Einzelne kurze Kletterstellen am Mineckergrat erreichen den II. Grad und sind durchaus ausgesetzt. Das Absturzrisiko in den steilen Passagen ist hoch. Keinesfalls bei Nässe unternehmen!

Technisch etwas einfacher als der Mineckergrat ist die Überschreitung des Zwölferköpfls mit Abstieg ins Pustertal. Die Ier-Stellen sind unproblematisch und es gibt zumindest teilweise einen deutlichen Steig.

Wegbeschreibung

Zum Parkplatz an der Urlaine

Wir begeben uns zunächst auf der Bahnhofstraße ins Dorfzentrum von Eschenlohe und überqueren die Loisachbrücke. Drüben dann geradeaus in die Krottenkopfstraße und kurz vor dem Wengererhof rechts in die Schellenbergstraße. Am Waldrand hinten befinden sich ein Wanderparkplatz und ein großer Holzlagerplatz1. Dort nicht weiter zur Urlaine, sondern spitz links auf die Forststraße ins Estergebirge abzweigen.

Einstieg zum Mineckergrat

Am einfachsten folgt man ab dem Holzlagerplatz einen guten Kilometer dem beschilderten Weg ins Pustertal. An der nächsten Gabelung also erst einmal rechts. Bald kürzt der Wanderweg eine Forststraßen­schleife ab. Gleich danach muss man rechts auf einen untergeordneten Forstweg wechseln, der den Hang quert.Etwas kürzer, jedoch kaum schneller wäre der weglose Aufstieg direkt vom Parkplatz durch den Wald.Der Forstweg ist eine Sackgasse. Es schließt sich zwar noch ein Trampelpfad an, aber dieser endet nach ein paar Schritten an der Kante zum Archtal hin.

Mineckergrat

Am Ende des erwähnten Forstwegs geht es links den locker bewaldeten, gras­bewachsenen Hang hinauf. Der Rücken ist noch recht breit, so dass man den steilen Stellen rechts oder links ausweichen kann. Zum Teil sind spärliche Spuren zu sehen. Wer bereits am Anfang Probleme hat, sollte besser umkehren. Über dem ersten Aufschwung präsentiert sich der Mineckergrat2 zunächst von seiner sanften Seite. An einem mit Farn bewachsenen Platz hat man einen guten Blick hinüber zum Zundereck. Kurze Zeit später zieht sich der Grat plötzlich zusammen und wird zusehends luftiger. Nun kommt die schwierigste und gefährlichste Passage. Zwei kleine Felsstufen (II) müssen abgeklettert werden. Die erste Stufe ist mehrere Meter hoch, die zweite nur mannshoch.Es gäbe zu dieser Kletterei alternativ einen von Frank Steiner entdeckten Wildwechsel in der Südflanke, der jedoch kaum weniger gefährlich erscheint.Auf die Kletterstellen folgt fels­durchsetztes, heikles Steilgras. Bald wird der Grad dann einfacher. Gestrüpp und umherliegende Stämme machen das Vorankommen allerdings bis zuletzt beschwerlich.

Zwölferköpfl

An der idyllischen Lichtung der verfallenen Mineckhütte3 weitet sich das Gelände. Von links taucht ein regelmäßig genutzter Steig auf, der bis zum Gipfel führt. Er kommt vom Hahnbichlsteig herauf, über den wir später zurückwandern. Gleich hinter der Lichtung steht ein Felskopf, mit einem Spalt in der Mitte, durch den man nach oben schlüpft. Danach schlängelt sich der Steig im Krummholz um ein paar Ecken herum zum Gipfel des Zwölferköpfls4.

Ins Pustertal

Am latschenbewachsenen Südgrat des Zwölferköpfls gibt es einen frei­geschnittenen Steig, der in die Scharte vor der Hohen Kisten hinableitet. In der Scharte drängt uns eine aufschießende Wand aus Hauptdolomit in brüchiges Schrofengelände. Nach der kurzen Klettereinlage wird es schnell wieder einfacher.
Über jede Menge Geröll kann man nun ins Pustertal absteigen. Nicht vergessen, vorher nach der besten Route Ausschau zu halten. Ein kleiner, manchmal ausgetrockneter Tümpel neben dem unscheinbaren Hinteren Kopf5 dient als Orientierungs­punkt. Das Latschenfeld rechts unbedingt meiden. Der Richtung treu bleibend geht es anschließend durch den Wald. Nach einem Bachbett wird dann der markierte Wanderweg erreicht, der in wenigen Minuten zum Pustertal-Jagdhaus6 führt.

Abstieg auf dem Hahnbichlsteig

Bald nach dem Jagdhaus kann man zwischen dem Hahnbichlsteig7 links und dem Weg geradeaus zur Forststraße wählen. Der Hahnbichlsteig kann die vielen Forststraßen aber auch nicht komplett vermeiden. Bei Nässe sind einzelnen Stellen unangenehm. Die Wegführung ist recht verwirrend, aber zum Glück stehen an den vielen Abzweigungen überall Schilder. Sonst wäre glatt noch der ein oder andere Verhauer möglich. Unten kommt man wieder beim Holzlagerplatz heraus.