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Zwölferköpfl (1656 m) über Mineckergrat

Weglose Bergtour

Der Aufstieg über den Mineckergrat zum Zwölferköpfl ist eine der einsamsten Routen im Estergebirge. Echte Wildnis­fans kommen bei dieser anspruchsvollen, weglosen Grat­wanderung voll auf ihre Kosten. Genuss­wanderer dürften das Ganze dagegen eher als Schinderei empfinden.
Stand:

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Mineckergrat
Vom Mineckergrat schaut man über das Loisachtal in die Ammergauer Alpen.
Wer von Eschenlohe ins Estergebirge will, nimmt normaler­weise den Weg durch das Archtal oder das Pustertal. Zwischen diesen beiden wild­romantischen Tälern erstreckt sich ein sehr unzugäng­liches Gebiet mit besten­falls halb­scharigen Steigen. Mittendrin steht das Zwölferköpfl, welches den Mineckergrat nach Osten hin abschließt. Wer Ruhe sucht und die Abgeschiedenheit mag, ist am Zwölferköpfl genau richtig. Auch die Aussicht loht sich, eine große Fernsicht wird aber nicht geboten. Dafür müsste man noch weiter bis zur Hohen Kisten aufsteigen.

Tourcharakter und Schwierigkeit

1020 m 13 km6:00 h

Anspruch ■■■■■ T5  II
Kondition ■■■■■■
Orientierung ■■■■■■

Die größte Herausforderung dieser Bergtour liegt in der Orientierung. Zwar gibt der Minecker­grat die grobe Richtung vor, doch die klein­räumige Gelände­beurteilung bedarf viel Erfahrung mit weglosen Touren. Bewaldung, Gestrüpp, Felsstufen sowie Steil­gras­schrofen führen dazu, dass man oft keinen rechten Überblick hat, wie es hinter der nächsten Ecke weitergeht. Einzelne kurze Kletter­stellen am Mineckergrat erreichen den II. Grad und sind durchaus ausgesetzt. Das Absturzrisiko in den steilen Passagen ist hoch. Keinesfalls bei Nässe oder gar Schnee unternehmen!

Technisch etwas einfacher als der Minecker­grat ist die sich daran anschließende Über­schreitung des Zwölfer­köpfls mit Abstieg ins Pustertal. Die Ier-Stellen dort sind unproble­matisch und es gibt zumindest teilweise einen deutlichen Steig.

Wegbeschreibung

Zum Parkplatz an der Urlaine

Wir begeben uns zunächst auf der Bahnhof­straße ins Dorf­zentrum von Eschenlohe und überqueren die Loisach­brücke. Drüben dann geradeaus in die Krottenkopfstraße und kurz vor dem Wengererhof rechts in die Schellen­berg­straße. Am Waldrand hinten befinden sich ein Wander­parkplatz neben einem großen Holz­lagerplatz1. Dort nicht weiter zur Urlaine laufen, sondern spitz links auf die Forst­straße ins Estergebirge abzweigen.

Einstieg zum Mineckergrat

Am einfachsten folgt man ab dem Holz­lager­platz einen guten Kilometer dem beschilderten Weg ins Pustertal. An der nächsten Gabelung erst einmal rechts. Das ist die Route über den Hahnbichlsteig. Bald schneidet der Wanderweg eine Forst­straßen­schleife ab. Gleich danach muss man rechts auf einen untergeordneten Forstweg wechseln, der durch den Hang quert.Etwas kürzer, jedoch kaum schneller, wäre der weitgehend weglose Aufstieg direkt vom Holz­lager­platz durch den Wald.Wenn sich der Forstweg aufspaltet, den unteren Ast nehmen. Er verjüngt sich schnell zu einem Trampelpfad, der aber nach ein paar Schritten an der Abbruchkante zum Archtal endet. Also wieder ein Stück zurück bis zum Forstweg.

Mineckergrat

Mineckergrat
An einigen Stellen ist der Grat exponiert und felsdurchsetzt.

Am Ende des erwähnten Forstwegs geht es links den locker bewaldeten, gras­bewachsenen Hang hinauf. Der Rücken ist noch recht breit, so dass man den steilen Stellen rechts oder links ausweichen kann. Zum Teil sind spärliche Spuren zu sehen. Wer bereits am Anfang Probleme hat, sollte besser umkehren. Über dem ersten Aufschwung präsentiert sich der Mineckergrat2 zunächst von seiner sanften Seite. An einem mit Farn und Bärlapp bewachsenen Platz hat man einen guten Blick hinüber zum Zundereck und Zunderkopf, zwei ebenfalls sehr einsame Gipfel. Kurze Zeit später zieht sich der Grat plötzlich zusammen, wodurch er zusehends luftiger wird. Nun kommt die schwierigste und gefährlichste Passage. Zwei kleine Felsstufen (II) müssen abgeklettert werden. Die erste Stufe ist mehrere Meter hoch, die zweite nur mannshoch.Es gäbe zu dieser Kletterei alternativ einen von Frank Steiner entdeckten Wildwechsel in der Südflanke, der jedoch kaum weniger gefährlich erscheint.Auf die Kletterstellen folgt fels­durchsetztes, heikles Steilgras. Bald wird der Grad dann einfacher. Gestrüpp und umherliegende Stämme machen das Vorankommen allerdings bis zuletzt beschwerlich.

Zwölferköpfl

Hohe Kisten
Panorama vom Zwölferköpfl. An der Hohen Kisten links im Bild laufen Kreuzwand und Archtalwand zusammen.

Bei der versteckten, heimeligen Lichtung der verfallenen Mineckhütte3 weitet sich das Gelände und gibt den Blick frei auf die zerklüftete Archtal­wand, die über dem Kistenkar emporragt.
Von links taucht ein regelmäßig genutzter Steig auf, der bis zum Gipfel führt. Er kommt vom Hahnbichl­steig herauf, über den wir später zurück­wandern. Gleich hinter der Lichtung versperrt ein Felskopf den Weg. In der Mitte besitzt er einen Spalt, durch den man problemlos nach oben schlüpft. Danach schlängelt sich der Steig bei bester Aussicht im Krummholz um ein paar Ecken herum zum Gipfel des Zwölferköpfls4.

Ins Pustertal

Pustertal-Jagdhaus
Die südliche der beiden Hütten im Pustertal war früher der Kaser der Pustertalalm. Heute dienen beide als Jagdhäuser.

Am latschenbewachsenen Südgrat des Zwölferköpfls gibt es einen frei­geschnittenen Steig, der in eine markante Scharte zu Füßen der Hohen Kisten hinab­leitet. In der Scharte drängt uns eine auf­schießende Wand aus Hauptdolomit in brüchiges Schrofen­gelände ab. Nach der kurzen Kraxel­einlage wird es schnell wieder einfacher.
Über jede Menge Geröll kann man nun ins Pustertal absteigen. Nicht vergessen, vorher nach der besten Route Ausschau zu halten. Ein kleiner, manchmal ausge­trockneter Tümpel neben dem unscheinbaren Hinteren Kopf5 dient als Orientierungs­punkt. Das Latschenfeld rechts unbedingt meiden. Der Richtung treu bleibend geht es anschließend durch den Wald. Nach einem Bachbett wird dann der markierte Wanderweg erreicht, der in wenigen Minuten zum Pustertal-Jagdhaus6 führt. Früher war das eine Alm, die zum Weiler Wengwies gehörte.

Abstieg auf dem Hahnbichlsteig

Bald nach dem Pustertal-Jagdhaus kann man links den markierten Hahnbichlsteig7 nehmen.Der alternative Abstieg geradeaus über die Forststraße wäre etwas weiter, jedoch bequemer und letztlich sogar schneller.Entgegen seinem Namen kann der Hahnbichl­steig die vielen Forst­straßen am Schellenberg nicht komplett vermeiden. Bei Nässe sind einzelnen Stellen unangenehm morastig. Die Weg­führung ist ab dem Gebiet der ehemaligen Schellen­berg­alm unter dem Elferköpfl recht verwirrend, aber zum Glück stehen an den vielen Abzweigungen überall Schilder. Sonst wäre glatt noch der ein oder andere Verhauer möglich. Unten kommt man wieder beim Holzlagerplatz heraus.