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Staufen-Überschreitung (1782 m)

Bergtour vom Zwiesel zum Hochstaufen

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Die Überschreitung der Staufengruppe vom Zwiesel zum Hochstaufen ist eine der spannendsten Bergtouren in den Chiemgauer Alpen. Fast könnte man sich auf dem felsigen Kamm mitten im Hochgebirge wähnen, wäre da nicht der freie Blick hinaus auf das hügelige Alpenvorland. Aktualisiert am

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Inhalt

  1. Tourcharakter und Schwierigkeit
  2. Wegbeschreibung
    1. Von Inzell nach Einsiedl
    2. Gamsknogel über Kohleralm
    3. Zwiesel
    4. Überschreitung zum Hochstaufen
    5. Abstieg nach Bad Reichenhall
  3. Tourskizze mit GPS-Track
  4. Anfahrt und Einkehrmöglichkeiten
  5. Wanderkarte
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Die lange Passage vom Zwiesel über den Mittelstaufen zum Hochstaufen bildet den interessantesten Teil der Tour.

Schon von Weitem beeindruckt die Staufengruppe mit ihrem wuchtigen Erscheinungsbild und den felsigen Gipfeln. Gut 1300 Höhenmeter ragt sie über dem Chiemgauer Alpenvorland empor. Für eine Bergkette der ersten Reihe ist das beachtlich.

Die Gipfel der Staufengruppe sind aus hellem Wettersteinkalk aufgebaut. Der bewaldete Sockel besteht überwiegend aus Alpinem Muschelkalk. Dieser ansonsten vor allem im Karwendel verbreitete Aufbau verleiht der Gebirgsgruppe einen recht alpinen Charakter.
Die steilen, felsigen Hänge boten wenig Raum für die Almwirtschaft, so dass es im zentralen Teil abgesehen von den wenigen Steigen kaum menschliche Eingriffe gibt.

Die sicher interessanteste Möglichkeit, um das Staufenmassiv zu erleben, ist die Überschreitung vom Hinterstaufen über den Mittelstaufen zum Hochstaufen. Wegen des tiefen Einschnitts zwischen Hinterstaufen und Mittelstaufen wird die Überschreitung allerdings nicht sehr häufig unternommen. Knapp 350 Höhenmeter muss man zur Roßscharte abgeben. Da fallen die anderen Gegenanstiege kaum mehr ins Gewicht. Wenn einem das viele Auf und Ab aber nichts ausmacht, dann darf man sich über eine wirklich vielseitige und aussichtsreiche Bergtour freuen.

Tourcharakter und Schwierigkeit

1500 m1730 m21 km8:10 h

Anspruch■■■■■■ T4 I B
Kondition ■■■■■
Orientierung ■■■■■■

Bei der Staufen-Überschreitung handelt es sich um eine ausgesprochen anstrengende Bergtour, die über mehrere Stunden trittsicheres, konzentriertes Gehen erfordert. Die ersten Drahtseile und Eisenklammern hat man bereits am Gamsknogel zwischen den Fingern. Es folgen mehrere klettersteigartige Passagen sowie kurze ungesicherte Kletterstellen. Mitunter ist es ein bisschen luftig, aber nie wirklich heikel.

Bitte beachten, dass es am Kamm kaum Rückzugsmöglichkeiten gibt, wenn das Wetter umschlägt. Also keinesfalls bei Gewitterneigung unternehmen.

Wegbeschreibung

Von Inzell nach Einsiedl

Im Ortskern von Inzell gibt es bei der Kirche eine Straßen­unterführung. Auf der anderen Seite laufen wir neben der Adlgasser Straße Richtung Osten aus dem Ort hinaus. Später an einer Linkskurve geradeaus nach Breitmoos halten und hinter Breitmoos den Feldweg links nach Einsiedl einschlagen. Das pittoreske Gehöft von Einsiedl1 mit der gotischen Nikolauskirche ist der eigentliche Ausgangspunkt für die Staufen-Überschreitung. Der hatscherte Anmarsch von Inzell wäre damit geschafft.

Gamsknogel über Kohleralm

In Einsiedl wenden wir uns zum Waldrand und folgen der Beschilderung zum Gamsknogel. Es sticht ein gelbblaues Symbol ins Auge, das eine so genannte SalzAlpenTour bezeichnet und uns bis zur Kohleralm begleitet. Etwa auf halber Höhe läuft die markierte Strecke eine lange Forststraßenschleife aus, die abgeschnitten werden kann. Danach stehen zwei Steige zur Auswahl, wobei der westliche kürzer ist. Der Wald wird lichter. Zwischen den Felsen wachsen unzählige Himbeersträucher. Relativ unvermittelt steht man dann vor der Kohleralm2 und erblickt den latschenbewachsenen Gamsknogel. Dieser gehört zusammen mit Zwiesel und Zennokopf zum Hinterstaufen.
Beim felsdurchsetzten, teils gesicherten Aufstieg zum Gamsknogel3 gibt es nun auch Gelegenheit, sich mit dem Gelände am Staufenkamm anzufreunden.

Zwiesel

Hinter dem Gamsknogel geht es im Wesentlichen am felsigen Grat entlang. Einmal ist kräftiges Zupacken gefragt. Ansonsten gelangt man ohne Probleme nur etwas holprig mit kleinem Gegenanstieg hinüber zum Zwiesel4. Dieser Gipfel markiert den höchsten Punkt in der Staufengruppe und ist entsprechend beliebt.

Überschreitung zum Hochstaufen

Einige Meter südöstlich des Zwiesels beginnt am Zennokopf mit dem Mittelstaufensteig der abenteuerlichste Teil. Über schrofiges Gelände steigt man südseitig zum Roßkar ab. Der Grat wäre zu alpin. Das letzte Stück ins Kar ist sehr steil und mit Drahtseil gesichert. Anschließend quert der Steig im Geröll zu einem Schwachpunkt im Grat hinüber. In ausgesetzter Kletterei wird der letzte Felszacken vor der Roßkarscharte5 überwunden.
Der Gegenanstieg von der Roßkarscharte zum Mittelstaufen präsentiert sich zunächst einfacher als der gerade überwundene Abstieg. Doch bald dominieren erneut Fels und Stahl. Das bleibt so, bis wir östlich des Hendelbergskopfs mit dem breit ausgebauten Weg von der Padingeralm zusammentreffen. Von da ist es nicht mehr weit auf den Hochstaufen6. Wenige Meter unterhalb des Gipfels steht das vom DAV betriebene Reichenhaller Haus.

Abstieg nach Bad Reichenhall

Die logische Fortsetzung der Tour wäre eigentlich der Fuderheuberg über die Steinernen Jäger. Ich konnte für weitere Klettereinlagen allerdings keine Motivation mehr aufbringen und wählte den gemütlichen Abstieg über die Padingeralm7. Der Weg ist mit vielen Stufen befestigt, so dass man auf ihm flott vorankommt.
Gleich nach der Padingeralm rechts vom Sträßchen abzweigen und an die Wegweiser zum Nonner Unterland bzw. der Nonner Kirche halten. Wir kreuzen das Sträßchen nochmals und erreichen bald die ehrwürdige Nonner Kirche8. Sie wurde 790 erstmals urkundlich erwähnt und dürfte damit eine der ältesten Kirchen der Gegend sein.
Von Nonn geht es anschließend hinab zur Saalach und über die Fußgängerbrücke. Auf der anderen Seite links und dann nach Bad Reichenhall hinein. Den Bahnhof findet man nördlich des Stadtzentrums, also nach Überqueren der Gleise linker Hand.