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Zellerhorn und Laubenstein (1350 m)

Gratkletterei über dem Priental

Zellerhorn und Laubenstein sind zwei schnell erreichbare Gipfel bei Aschau im Chiemgau. Sie stehen einander praktisch in Rufweite gegenüber, was ihren unterschiedlichen Charakter schön zur Geltung bringt. Während das felsige Zellerhorn die Kraxler erfreut, ist der Laubenstein ein griabiger Wanderberg.
Stand:

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Blick vom Zellerwandl ins Priental und hinaus zum Chiemsee.

Das Zellerhorn gehört zu einem schmalen, felsigen Kamm, der sich bogenförmig um die Ost- und Südseite des Laubensteins legt. Zwischen den beiden Gipfeln liegt der schattige und feuchte Laubenstein­kessel.
Obwohl sich der rundliche Laubenstein und das spitze Zellerhorn äußerlich stark voneinander unterscheiden, bestehen sie doch aus demselben fossilienreichen Crinoidenkalk. Auf dem flachen Gipfelplateau des Laubensteins ist dieses rötliche Juragestein leicht zugänglich und gilt als bedeutendes Geotop.Überhaupt bildet das Laubenstein­gebiet eine geologisch äußerst interessante Landschaft.Auf Grund der starken Verkarstung gibt es zahlreiche große Höhlen, Ponore und Dolinen. Besonders eindrucksvoll ist der vermutlich durch den Einbruch einer Höhle entstandene Grubalmkessel, besser bekannt unter dem Namen Eiskeller. Wir kommen auf dem Rückweg daran vorbei. An der schattigen Südostseite des Grubalmkessels herrscht ein spezielles Mikroklima, weil sich dort der Schnee lange hält und im Sommer kühle Luft aus einigen Wetterlöchern strömt. Das führt zu einer alpinen Flora, wie sie normalerweise erst über der Baumgrenze auftritt. Das Wasser läuft aus dem Grubalmkessel unterirdisch über einen Ponor ab. Mehrere Hundert Höhenmeter tiefer kommt es im Priental bei der Hammerbach­quelle wieder zum Vorschein.Wer sich genauer mit den vielfältigen Formen dieses Chiemgauer Karstgebiets befassen möchte, dem empfehle ich die geologische Rundwanderung über den Laubenstein und das Abereck.

Kulturtipp: Markantes Wahrzeichen und Top-Ausflugsziel im Priental ist das Schloss Hohenaschau. Es kann im Sommerhalbjahr im Rahmen einer einstündigen Führung besucht werden. Besondere Aufmerksamkeit verdient der barock ausgemalte Laubensaal. Mehrere Ausstellungs­räume behandeln die Baugeschichte, die Aschauer Herrschaft und die Prientaler Eisenindustrie.

Tourcharakter und Schwierigkeit

900 m 14 km5:00 h

Anspruch ■■■■■ T5  I  B
Kondition ■■■■■■
Orientierung ■■■■■■

Während der Laubenstein sehr leicht zu besteigen ist, verläuft die Route über den Hammerstein und das Zellerhorn auf einem unbezeichneten Steig. Das Gelände ist längere Zeit sehr exponiert, die Kletterei zwar technisch einfach, wegen der grasdurchsetzten Felsen aber dennoch respekteinflößend. Es gab schon schwere Unfälle! Keinesfalls bei Schnee oder Nässe unternehmen. Zwei besonders heikle Stellen sind mit Drahtseil gesichert. Man darf das jedoch nicht mit einem normalen Klettersteig verwechseln. Freies Klettern im II. Grad sollte beherrscht werden.
Am besten unternimmt man die Tour in der beschriebenen Richtung. Dann hat man die schwierigsten Passagen alle im Aufstieg. Anders herum ist es eher nicht zu empfehlen.

Wegbeschreibung

Von Aschau zur Hofalm

Vom Bahnhof Aschau folgen wir der Kampenwandstraße in Richtung Süden bis zum Ortsende. Dort geht es nach rechts zur Prien und neben dieser flussaufwärts. Das erste Zwischenziel bildet die Hofalm. Dazu kurz hinter der Kneippanlage entsprechend der Beschilderung rechts in den Heurafflerweg abzweigen. Bald endet der Teerbelag. Ein steiniger Waldweg windet sich nun in steilen Serpentinen hinauf zum lieblichen Boden der Hofalm1.

Hammerstein

Hinter der Hofalm zeigen sich Hammerstein und Laubenstein. Wir müssen links durch die Kuhweide auf den bewaldeten Rücken.

An der Hofalm ist bereits der aus dieser Perspektive reichlich unspektakuläre Hammerstein zu sehen. Bei den Almgebäuden steigen wir weglos quer durch die Weidefläche linker Hand bergauf zum bewaldeten Rücken. Oben findet sich ein gut erkennbarer Pfad, der problemlos bis unter den felsigen Gipfelaufbau des Hammersteins führt. Dort weicht er zunächst nach rechts aus und peilt anschließend einen kaminartigen Spalt in einer mehrere Meter hohen Felswand an. Beim Hinaufklettern hilft ein Drahtseil über die meist feuchten, schmierigen Felsen, wobei kräftiges Zupacken erforderlich ist. Ein paar Schritte weiter erreichen wir dann den Hammerstein2, auf dem ein schlichtes Holzkreuz steht. Vom Gipfel hat man einen schönen Blick über den Laubensteinkessel zum Laubenstein.

Zellerhorn und Zellerwandl

Mit gerade einmal 20 Jahren verunglückte der junge Bergsteiger Markus Ramsauer am Zellerhorn.

Wir steigen in den Einschnitt südlich des Hammersteins ab und queren von da etwas in die Westflanke hinein, wobei sich die Spur schnell wieder zum Kamm emporzieht. Bevor es richtig heikel wird, mahnt das Gedenkkreuz für einen verunglückten jungen Bergsteiger zur Vorsicht. Es wird sogleich ordentlich luftig. Im Osten brechen durchwegs hohe Felswände ab. Auf der anderen Seite befinden sich abschüssige Grasschrofen mit lockerem Baumbestand. Vor dem Zellerhorn umgeht der schmale Steig einen Felsturm und wagt sich dahinter in einen grasbewachsenen Steilhang mit wenig soliden Griffen. Das ist die schwierigste Stelle. So ist man froh, dass bald ein Drahtseil auftaucht, welches das letzte Stück bis zum Gipfel des Zellerhorns3 hinaufleitet.
Nach dem Zellerhorn führt die Route wie gehabt meist am Grat entlang oder knapp darunter. Bei den Verästelungen stets links halten. Nach kurzer Zeit geht es durch eine erdige Rinne (I) und an einigen Felszacken vorbei zum kleinen Kreuz am Zellerwandl4.

Laubenstein

Vom Zellerwandl kann man entweder noch vor bis zum höchsten Punkt an der Zellerwand5 laufen oder gleich direkt zur Laubensteinalm absteigen. Das Gelände ist nun deutlich einfacher. Unter der hohen Vegetation lässt sich der Pfad zur Alm allenfalls erraten. Die grobe Richtung sollte aber klar sein.
Auf der Laubensteinalm fällt ein von einer Klaubsteinmauer umgebener Almanger auf. Genutzt wird er offenbar nicht mehr. Von der Alm sind es nur mehr wenige Minuten bis zum Laubensteingipfel6, der uns mit einer riesigen, sonnigen Rastfläche empfängt.

Rückweg über das Laubensteingatterl

Der Schlüssellochgang in der gleichnamigen Höhle am Laubenstein. Datenquelle: Manfred Bromba (CC BY-SA 4.0)

Zurück bei der Laubensteinalm wandern wir auf dem Fahrweg zum so genannten Laubensteingatterl7. Im Süden erstreckt sich die oben beschriebene baumlose Mulde des Eiskellers.
Nur wenige Meter nordöstlich des Laubensteingatterls liegt die bekannte Schlüssellochhöhle. Es gibt einen deutlichen Trampelpfad. Ohne entsprechende Ausrüstung kommt man allerdings nicht weit hinein. Schon hinter dem engen Schlüssel­loch­gang ganz am Anfang wartet die erste Abseilstelle.
Schlüsselloch­förmige Gänge sind übrigens nicht untypisch für Karsthöhlen. Sie entsteht, wenn der Wasserdruck in einem zunächst kreisrunden Gang mit der Zeit nachlässt. Die Erosionskraft des Höhlenbachs wirkt dann nur mehr nach unten statt wie zuvor gleichmäßig nach allen Seiten. Wer ein Stück in die Höhle hineinkriechen möchte, sollte an den Helm und die Taschenlampe denken.
Vom Laubensteingatterl bis zur Hofalm wechselt die Wanderroute anschließend zwischen einem steinigen Almweg und verschiedenen Forststraßen hin und her. Ein paar Hundert Meter vor der Frasdorfer Hütte wenden wir uns dann rechts zur Hofalm, wo sich der Kreis wieder schließt.