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Zellerhorn und Laubenstein (1350 m)

Gratkletterei über dem Priental

Zellerhorn und Laubenstein sind zwei schnell erreichbare Gipfel bei Aschau im Chiemgau. Sie stehen einander praktisch in Rufweite gegenüber, was ihren unter­schiedlichen Charakter schön zur Geltung bringt. Während das felsige Zellerhorn die Kraxler erfreut, ist der Laubenstein ein griabiger Wanderberg.
Stand:

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Zellerwandl
Blick vom Zellerwandl ins Priental und hinaus zum Chiemsee.

Das Zellerhorn gehört zu einem schmalen, felsigen Kamm, der sich bogenförmig um die Ost- und Südseite des Laubensteins legt. Dazwischen liegt der schattige und feuchte Laubenstein­kessel.
Obwohl sich der rundliche Laubenstein und das spitze Zellerhorn äußerlich stark voneinander unterscheiden, bestehen sie doch beide aus demselben fossilien­reichen Crinoidenkalk. Auf dem flachen Gipfel­plateau des Laubensteins ist dieses rötliche Juragestein leicht zugänglich und gilt als bedeutendes Geotop.Überhaupt bildet das Laubenstein­gebiet eine geologisch äußerst interessante Landschaft.Auf Grund der guten Verkarstungs­fähigkeit des Crinoidenkalks gibt es zahlreiche große Höhlensysteme. Oberflächlich kommen Ponore, Dolinen und Karrenfelder vor. Besonders eindrucksvoll ist der vermutlich durch den Einbruch einer Höhle entstandene Grubalm­kessel, besser bekannt unter dem Namen Eiskeller. Wir kommen auf dem Rückweg daran vorbei.Wer sich genauer mit den vielfältigen Formen dieses Chiemgauer Karstgebiets befassen möchte, dem empfehle ich die geologische Rundwanderung über den Laubenstein und das Abereck.

Neben dem Zellerhorn und dem Zeller­wandl gibt es auch noch einen Zellgraben und einen Zellboden. Die Zeller­mühle am Hammer­bach im heutigen Weidach­wies brannte in der zweiten Hälfte des 19. Jahr­hunderts ab. Vermutlich geht der Name auf eine frühmittel­alterliche Klosterzelle zurück.

Tourcharakter und Schwierigkeit

900 m 14 km5:00 h

Anspruch ■■■■■ T5  I  B
Kondition ■■■■■■
Orientierung ■■■■■■

Während der Laubenstein sehr leicht zu besteigen ist, verläuft die Route über den Hammerstein und das Zellerhorn auf einem unbezeichneten Steig. Das Gelände ist längere Zeit sehr exponiert, die Kletterei zwar technisch einfach, wegen der gras­durchsetzten Felsen aber dennoch respekteinflößend. Es gab schon schwere Unfälle! Keinesfalls bei Schnee oder Nässe unternehmen. Zwei besonders heikle Stellen sind mit Drahtseil gesichert. Man darf das jedoch nicht mit einem normalen Klettersteig verwechseln. Freies Klettern im II. Grad sollte beherrscht werden.
Am besten unternimmt man die Tour in der beschriebenen Richtung. Dann hat man die schwierigsten Passagen alle im Aufstieg. Anders herum ist es eher nicht zu empfehlen.

Wegbeschreibung

Von Aschau zur Hofalm

Vom Bahnhof Aschau folgen wir der Kampen­wand­straße in Richtung Süden bis zum Ortsende. Dort geht es nach rechts zur Prien und neben dieser flussaufwärts. Das erste Zwischenziel bildet die Hofalm. Dazu kurz hinter der Kneippanlage entsprechend der Beschilderung rechts in den Heurafflerweg abzweigen. Bald endet der Teerbelag. Ein steiniger Waldweg windet sich nun in steilen Serpentinen hinauf zum lieblichen Boden der Hofalm1.

Hammerstein

Hofalm
Hinter der Hofalm zeigen sich Hammerstein und Laubenstein. Wir müssen links durch die Kuhweide auf den bewaldeten Rücken.

An der Hofalm ist bereits der aus dieser Perspektive reichlich unspektakuläre Hammer­stein zu sehen. Bei den Alm­gebäuden steigen wir weglos quer durch die Weidefläche linker Hand bergauf zum bewaldeten Rücken.
Oben findet sich ein gut erkennbarer Pfad, der problem­los bis unter den felsigen Gipfel­aufbau des Hammer­steins führt. Dort weicht er zunächst nach rechts aus und peilt anschließend einen kaminartigen Spalt in einer mehrere Meter hohen Felswand an. Beim Hinaufklettern hilft ein Drahtseil über die meist feuchten, schmierigen Felsen, was kräftiges Zupacken erfordert. Ein paar Schritte weiter erreichen wir dann den Hammerstein2, auf dem ein schlichtes Holzkreuz steht. Vom Gipfel hat man einen schönen Blick über den Laubensteinkessel zum Laubenstein.

Zellerhorn und Zellerwandl

Marterl am Zellerhorn
Mit gerade einmal 20 Jahren verunglückte der junge Bergsteiger Markus Ramsauer am Zellerhorn.

Wir steigen in den Einschnitt südlich des Hammersteins ab und queren von da etwas in die Westflanke hinein, wobei sich die Spur schnell wieder zum Kamm empor­zieht. Bevor es richtig heikel wird, mahnt das Gedenk­kreuz für einen verunglückten jungen Berg­steiger zur Vorsicht. Es wird sogleich ordentlich luftig. Im Osten brechen durchwegs hohe Felswände ab. Auf der anderen Seite befinden sich abschüssige Grasschrofen mit lockerem Baumbestand. Vor dem Zellerhorn umgeht der schmale Steig einen Felsturm und wagt sich dahinter in einen grasbewachsenen Steilhang mit wenig soliden Griffen. Das ist die schwierigste Stelle. Gut, dass bald ein Drahtseil auftaucht, welches uns das letzte Stück bis zum Gipfel des Zellerhorns3 hinaufleitet.

Nach dem Zellerhorn führt die Route wie gehabt meist am Grat entlang oder knapp darunter. Bei den Verästelungen stets links halten. Nach kurzer Zeit geht es durch eine erdige Rinne (I) und an einigen Felszacken vorbei zum kleinen Kreuz am Zellerwandl4.

Laubenstein

Laubenstein
Der plateauartige Laubenstein ist ein hübscher Rast- und Aussichtsplatz. Rechts steht das Zellerhorn. Im Hintergrund ist die Kampenwand zu sehen.

Vom Zellerwandl kann man entweder noch vor bis zum höchsten Punkt an der Zellerwand5 laufen oder gleich direkt zur Laubensteinalm absteigen. Das Gelände ist nun deutlich einfacher. Unter der hohen Vegetation lässt sich der Pfad zur Alm allenfalls erraten. Die grobe Richtung sollte aber klar sein.
An der Laubensteinalm fällt ein von einer Klaubstein­mauer umgebener Almanger auf. Genutzt wird er offenbar nicht mehr. Von der Alm sind es nur noch wenige Minuten zum Laubenstein6. Auf der großen, unbewaldeten Gipfelfläche findet man, selbst wenn viel los ist, ein ruhiges Plätzchen.

Laubensteingatterl und Grubalmkessel

Zurück bei der Laubensteinalm wandern wir auf dem Fahrweg zum so genannten Lauben­stein­gatterl7. Im Süden erstreckt sich dort die bereits erwähnte baumlose Mulde des Grubalm­kessels. Die karge Grubalm wurde bereits in der zweiten Hälfte des 19. Jahr­hunderts aufgegeben.

Der 400 Meter lange Grubalm­kessel, auch Eiskeller genannt, liegt bei Aschau im Chiemgau mitten im Karst­gebiet am Lauben­stein. Er ist eine durch Einsenkung oder Höhlen­einsturz entstandene Polje. In der Wanne hält sich der Schnee lange und im Sommer strömt zudem kalte Luft aus einigen Wetter­löchern. Dadurch wächst an der Südost­seite eine für diese Höhe ungewöhn­liche alpine Flora, wie sie für Schnee­tälchen typisch ist. Das Wasser läuft aus dem Kessel über einen Ponor (Schluckloch) ab und kommt mehrere Hundert Meter tiefer bei der Hammer­bach­quelle wieder zum Vorschein. Mehr Info

Schlüssellochhöhle

Schlüssellochgang
Der Schlüssellochgang in der gleichnamigen Höhle am Laubenstein. Datenquelle: Manfred Bromba (CC BY-SA 4.0)

Nur wenige Meter nordöstlich des Lauben­stein­gatterls liegt die bekannte Schlüssellochhöhle. Es gibt einen deutlichen Trampelpfad. Ohne entsprechende Ausrüstung kommt man allerdings nicht weit hinein. Schon hinter dem engen Schlüssel­loch­gang ganz am Anfang wartet die erste Abseilstelle.
Schlüsselloch­förmige Gänge sind übrigens nicht untypisch für Karst­höhlen. Sie entsteht, wenn der Wasserdruck in einem zunächst kreis­runden Gang mit der Zeit nachlässt. Die Erosionskraft des Höhlenbachs wirkt dann nur mehr nach unten statt wie zuvor gleichmäßig nach allen Seiten. Wer ein Stück in die Höhle hineinkriechen möchte, sollte an den Helm und die Taschenlampe denken.

Rückweg über die Hofalm

Vom Laubensteingatterl bis zur Hofalm wechselt die Wanderroute anschließend zwischen einem steinigen Almweg und verschiedenen Forststraßen hin und her. Ein paar Hundert Meter vor der Frasdorfer Hütte wenden wir uns dann rechts. Ein Pfad überquert die Weide zur Hofalm. Unter einer großen Fichte sind die Fundamente eines verfallenen Kalkofens8 zur Herstellung von Branntkalk zu sehen. Ab der Hofalm geht es auf dem Hinweg zurück.

Kulturtipp: Markantes Wahrzeichen und Top-Ausflugsziel im Priental ist das Schloss Hohenaschau. Es kann im Sommer­halbjahr im Rahmen einer einstündigen Führung besucht werden. Besondere Aufmerk­samkeit verdient der barock ausgemalte Laubensaal. Mehrere Ausstellungs­räume behandeln die Baugeschichte, die Aschauer Herrschaft und die Prientaler Eisenindustrie.