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Schildenstein (1613 m) und Wolfsschlucht

Rundtour bei Wildbad Kreuth

Bei der Wanderung auf den Schildenstein genießt man eine tolle Fernsicht und erlebt in der Großen Wolfsschlucht die wilde Seite der Tegernseer Berge. Besonders an heißen Tagen ist die Wolfsschlucht ideal für den Rückweg. Verspricht der frische Berg­bach unten im Talgrund doch eine willkommene Abkühlung.
Stand:

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Schildenstein
Der Schildenstein von Westen her betrachtet.

Der Schildenstein zählt völlig zu Recht zu den bekanntesten und beliebtesten Tegernseer Bergen. Er bietet ein sehr schönes Panorama mit einem beein­druckenden Blick auf den Guffert im Süden. Darüber hinaus begeistert die Wanderung vor allem mit ihren land­schaft­lichen Gegen­sätzen. Sie führt uns über blühende Alm­weiden aber auch durch die raue Fels­landschaft der Großen Wolfsschlucht.
Kein Wunder also, dass der Schildenstein an manchen Tagen recht überlaufen ist. Doch das gehört in den Blaubergen irgendwie mit dazu.

Vom Achensee über den Schildensteinsattel und durch die Wolfsschlucht verlief seit alters ein Saumpfad. Die Klöster St. Georgenberg und Tegernsee pflegten darüber einen regen Austausch und betrieben Handel. Man wählte diese gefährliche Route wohl wegen ihrer Kürze. Oder der Steig war damals besser. Der Name des Schildensteins, erstmals 1200 als Schiltenstain genannt, hängt möglicher­weise mit einem Grenz­schild am Übergang zusammen. Ebenfalls denkbar wäre, dass mit Schild eine in Vergessenheit geratene runde Flur in der unmittelbaren Umgebung oder die Bergform selbst gemeint war.

Tourcharakter und Schwierigkeit

820 m 14 km4:40 h

Anspruch ■■■■■■ T4  I
Kondition ■■■■■■
Orientierung ■■■■■■

Die Schilder, welche den felsigen Steig über der Großen Wolfsschlucht nur für Geübte empfehlen, sollten durchaus ernst genommen werden. Im Zweifelsfall besser hin und zurück den Weg über die Geißalm nehmen. Tritt­sicherheit und Schwindel­freiheit sind obligatorisch. Immerhin wurden ausreichend Draht­seil­sicherungen angebracht. Die Kletterstellen erreichen kaum den I. Grad. Trotzdem ist der Abschnitt nicht ganz ungefährlich, vor allem, weil es in der nordseitigen Wand nie wirklich trocken wird. Die Bergwacht ist dort immer mal wieder gefordert und leider bleiben selbst schwere Bergunfälle nicht aus.
Falls weitere Wanderer unterwegs sind, muss mit Steinschlag gerechnet werden. Und natürlich sollte man auch selbst umsichtig sein, um keinen Stein loszutreten.
Bei starkem Regen, Gewittergefahr oder wenn noch Schnee drin liegt, meidet man die Wolfsschlucht am besten ganz.
Abgesehen davon verläuft die Wanderung auf einfachen, ungefährlichen Steigen.

Wegbeschreibung

Wildbad Kreuth

Autofahrer starten am besten beim Parkplatz Siebenhütten an der Gernbergbrücke. Bei einer Anreise mit dem Linienbus ist die Haltestelle Wildbad Kreuth dagegen oft günstiger, weil die Haltestelle Siebenhütten seltener angefahren wird.
Wer beim großen Wanderparkplatz von Wildbad Kreuth startet, läuft wie beschildert erst ein Stück an der Weißach entlang Richtung Westen. Der befestigte Kiesweg macht dabei einen Bogen um den Gebäude­komplex von Wildbad Kreuth1, welcher sich am Hochufer hinter den Bäumen versteckt.

Mindestens seit Ende des Mittelalters ist die schwefel­haltige Heil­quelle am Hohlen­stein bekannt. Das dort errichtete Wildbad mit der Kapelle zum Heiligen Kreuz gehörte bis zur Säkularisation dem Kloster Tegernsee. 1818 erwarb es König Maximilian I. und ließ es zu einem noblen Kurbad ausbauen. Neben dem Heil­wasser verwendete man bei der Kur auch Ziegen­molke. Kurhaus und Sanatorium wurden 1973 geschlossen. Wildbad Kreuth befindet sich bis heute im Besitz der Wittelsbacher. Mehr Info

Zur Geißalm

Geißalm
Auf dem Weg zum Schildenstein kommt man an der Geißalm vorbei. Die aus Bruchsteinen gemauerte Hütte befindet sich in einem gepflegten Zustand.

Im Süden von Wildbad Kreuth liegt die Herzogliche Fischzucht. Dort trennen sich nach der Brücke über die Hofbauernweißach die Aufstiegsrouten.
Wer lieber über die Große Wolfsschlucht aufsteigt, schlägt den Weg nach Siebenhütten ein. Zur Geißalm geht es dagegen rechts. Nach nur wenigen Metern zweigt dann links der markierte Wanderweg über die Geißalm zum Schildenstein ab. Er wird schnell schmäler und steigt westwärts im Wald höher. Nach einer Biegung tritt man unvermittelt ins Freie und sieht voraus bereits die Geißalm2 mit ihrer stattlichen, langgezogenen Hütte liegen.
Ursprünglich war die Geißalm eine kleine Kälberalm. Ab der ersten Hälfte des 19. Jahr­hunderts ließ man auf ihr dann aber Geißen weiden. Für den Kurbetrieb in Wildbad Kreuth wurden nämlich große Mengen Ziegenmolke benötigt. Ziegenmolke galt als Heilmittel und wurde bei der Kur sowohl äußerlich angewendet als auch getrunken. Heute grasen auf der Alm wieder Kälber.

Schildenstein via Graseck

Blaubergkamm
Panorama vom Schildenstein mit dem Blauberg­kamm vom Predigtstuhl bis zum Halserspitz.

Bei der Geißalm nimmt man den linken Ast, der am Waldsaum einen breiten Rücken hinauf­führt. Rechts ginge es zur Königsalm hinab. Bald wird das Graseck3 erreicht. Das ist ein schöner Aussichtspunkt mit Bank oberhalb der Königsalm.
Der Steig bleibt nach dem Graseck noch etwas am Waldsaum und schlängelt sich dann ziel­strebig dem Schildenstein entgegen. Während­dessen weicht der Wald langsam den Latschen. Am Schildenstein­sattel flacht das Gelände ab. Von dort steigt man über losen Schotter und einfache Schrofen in wenigen Minuten auf den Gipfel4.

Abstieg in die Große Wolfsschlucht

Strudeltopf
An den Strudeltöpfen unten in der Großen Wolfsschlucht lassen sich die überhitzten Füße bei einer gemütlichen Rast abkühlen.

Vom Schildenstein­sattel verläuft unser Weiterweg anschließend nach Osten auf den Blaubergkamm zu. Im Sattel vor dem Predigtstuhl zweigt dann links der Steig in die Wolfsschlucht ab. Zuvor wäre noch ein kurzer Abstecher zur bewirteten Blaubergalm möglich.
Hinter einem Buchenwäldchen beginnt der wilde Teil. Gleich am Anfang muss man durch eine abschüssige, sandige Runse. Ein Drahtseil hilft bei dieser heiklen Querung. Es folgen noch einige gesicherte Stellen in etwas lockerem und meist auch feuchtem Fels. Nach den letzten Felsstufen, die an kleinen Gumpen und Wasser­fällen vorbeiführen, steht man unten in der Großen Wolfsschlucht5.

Im Tal der Felsweißach

Felsweißach
Die Felsweißach begleitet uns aus der Wolfsschlucht hinaus nach Siebenhütten.

Wildromantisch schlängelt sich der Wanderweg zunächst mehr oder weniger durch das Bach­bett der Felsweißach. Nach den ersten paar Hundert Metern kann man rechts beim Wasserfall in der Kleinen Wolfsschlucht vorbeischauen.
Im Bereich der Königshütte wird das Tal breiter. Die Königshütte erinnert ebenso wie die Königs­alm auf der anderen Seite des Schilden­steins an die Zeit, als König Maximilian I. in der Gegend um Wildbad Kreuth auf die Jagd ging.
Ab der Königshütte gibt es einen Fahrweg. Er leitet über die Oberhofer Weißachalm talauswärts Richtung Wildbad Kreuth.

Rückweg über Siebenhütten

Siebenhütten
Ansicht von Siebenhütten um 1900. Das Hütten­ensemble blieb bis heute in seiner Ursprünglichkeit erhalten. Nur der Weg wurde mittlerweile zur Kiesstraße ausgebaut. Foto: Zerle, München

An einer Schleife der Hofbauern­weißach liegt das malerische Siebenhütten6. Von den einst tatsächlich sieben Hütten der ehemaligen Pförneralm, die sieben Kreuther Bauern gehörten, stehen noch vier, wobei eine davon eine Doppelhütte ist. Der 2015 neu erbaute kleine Getreide­kasten integriert sich so, als ob er schon immer dagewesen wäre. König Maximilian I. erwarb einst die Pförneralm, um dort Geißen zu halten, so wie oben auf der Geißalm. Der Molke­bedarf in Wildbad Kreuth war offenbar hoch. Siebenhütten blieb im Besitz der Wittels­bacher und wandelte sich von einer Alm schließlich zu einer reinen Wandereinkehr.

Von Siebenhütten geht es entlang der Hof­bauern­weißach wieder zurück nach Wildbad Kreuth. Der kalte Gebirgsbach lädt mit seinen Kiesbänken und Felsen zum Schluss noch zu einer Rast oder vielleicht sogar einem erfrischenden Bad ein.