Kraxelspaß am Wörner (2476 m)

Normalweg durch die Westflanke

(aktualisiert am )

Die Bergtour auf den Wörner ist ein Klassiker im Karwendel und in vieler Hinsicht typisch für das ganze Gebirge. Der Zustieg von Mittenwald ist lang, die Landschaft rau, der Fels nicht immer zuverlässig und die Aussicht prächtig. Die richtige Unternehmung also, um sich mit dem Karwendel anzufreunden. Vom Gipfel aus kann man dann gleich erkunden, was es sonst noch an interessanten Zielen ringsum gibt.

Hinauf zum Wörnersattel kann man die zerklüftete Westflanke des Wörners bestaunen, durch die der Gipfelanstieg erfolgt.

Der Wörner liegt im mittleren Bereich der Nördlichen Karwendelkette, dort wo diese nach Osten knickt. Er ist ringsum der einzige Gipfel, der durch einen markierten Steig erschlossen wurde. Die Erst­besteigung erfolgte vermutlich im Zuge der Zweiten Landesaufnahme Österreichs im Jahr 1853 von Süden her aus dem abgelegenen Großkar. Auf dem Gipfel wurde damals eine Signalstange für die Vermessung aufgestellt. Hermann von Barth nahm später dieselbe Route. Doch für den Südanstieg muss man erst einmal durch das halbe Karwendeltal laufen oder radeln. Deshalb setzte sich die leichter erreichbare Route von der bayerischen Seite über den Wörnersattel durch.

Schon von Weitem sind die riesigen Geröllfelder zu Füßen der Felswände erkennbar. Denn obwohl sich die Gipfel der Nördlichen Karwendelkette komplett aus Wettersteinkalk aufbauen, ist der Fels doch ziemlich brüchig. Der Wettersteinkalk liegt dort nämlich in dünn gebankter Form vor und wurde wohl auch tektonisch stark beansprucht. Durch die vielen Schwachstellen hat die Erosion leichtes Spiel. Wasser dringt in die Spalten ein, gefriert und sprengt den Fels auseinander. Der Sockel der Nördlichen Karwendelkette besteht übrigens aus dem ebenfalls gebankten Alpinen Muschelkalk, also ganz ähnlich wie gegenüber im Wettersteingebirge.

Tourcharakter und Schwierigkeit

1700 m 21 km9:30 h

Anspruch■■■■■T5 II-
Kondition■■■■■■
Orientierung■■■■■■

Anspruchsvoll wird die Tour erst ab dem Wörnersattel. Über mehrere Hundert Höhenmeter wechseln sich im Gipfelanstieg Kletter- und Gehgelände ab, wobei die Schwierigkeiten tendenziell zunehmen.
Besondere Vorsicht ist geboten, wenn noch Altschnee in den Rinnen liegt, was bis in den Sommer hinein der Fall sein kann. Außerdem auf Steinschlag achtgeben und am besten den Helm mitnehmen.

Mit nur einer IIer-Stelle scheinen die technischen Anforderungen moderat zu sein. Die anhaltende Steilheit verlangt trotzdem viel Routine und absolute Schwindelfreiheit. Für Geübte eine schöne Genusskletterei mit hohem Spaßfaktor.

Die in älteren Berichten oft beklagte sparsame Markierung wurde übrigens längst verbessert. Bei Nebel ist der Wörner gleichwohl nicht zu empfehlen. Es wäre ja auch schade um die prachtvolle Aussicht.

Wegbeschreibung

Aufstieg über den Ochsenbodensteig

Der günstigere Bahnübergang ist derjenige nördlich des Mittenwalder Bahnhofs. Drüben geht es rechts am Bahngelände entlang und an der ersten Abzweigung links. Nach der Isarbrücke führen einige Stufen zur Seilbahn hinauf. Auf der gegenüberliegenden Straßenseite steigt man hinab in das meist trockene Bachbett der Atzgrubenlaine und gelangt darin unter der Europastraße hindurch. Anschließend links halten und der Beschilderung zur Dammkarhütte folgend im Wald den Ochsenbodensteig1 empor. Das dauert mindestens eine gute Stunde.

Zur Hochlandhütte

Hinter der Schulter am Ochsenboden quert der Steig mit deutlichem Höhenverlust zu Füßen der Kreuzwand durch eine gewaltige Geröllreise, die fließend in den Schutt aus dem Dammkar übergeht. Am unteren Ende des Dammkars ignorieren wir dann die Abzweigung zur Dammkarhütte und steigen einige Meter links abwärts. Die vielen Abkürzer Am Bankerl2 könnten für Verwirrung sorgen. Zur Hochlandhütte muss man jedenfalls gleich wieder rechts. Der Weg führt nun im Wald unter dem Predigtstuhl herum und windet sich danach längere Zeit durch die Latschen, bis schließlich die Hochlandhütte3 auftaucht.

Zum Wörnersattel

Trotz der beachtlichen Wegstrecke ist an der Hochlandhütte gerade einmal die Hälfte der Höhenmeter geschafft. Und es kommt noch ein weiteres eher flaches Stück. Erst hinauf zum Wörnersattel wird es ordentlich steil. Würde der Wörnersattel4 nicht von Vierbeinern aller Art kräftig gedüngt, wäre das ein herrlicher Rastplatz. So aber flüchtet man sich vor den Fliegen und dem Geruch schnell in die Felsen.

Normalweg durch die Westflanke

Tiefblick auf den Wörnersattel beim Aufstieg durch die Westflanke zum Gipfel.

Ein großer roter Pfeil markiert am Wörnersattel den Einstieg in die Westflanke. Nach den ersten Klettermetern zieht sich der Steig eine längere Schutthalde zum Grat empor. Von dort zunächst in Gratnähe mit etwas mehr Felskontakt weiter aufwärts, bis die Markierungen auf einem Gamswechsel zurück in die Flanke leiten. An einer schmalen Rinne (IIer-Stelle) weist ein roter Pfeil nach oben. Ansonsten würde man intuitiv wohl auf dem Gamswechsel bleiben. Entweder in der Rinne oder rechts daneben in leichter Kletterei bis kurz unter den Gipfel5, der zuletzt von Südwesten gewonnen wird.

Alternativer Abstieg über die Kälberalm

Beim Rückweg könnte man von der Hochlandhütte den alternativen Abstieg über die Kälberalm wählen. Das ist nicht wirklich kürzer, bietet aber Abwechslung.
Dazu westwärts durch eine lichte Waldweide zur Oberen Kälberalm6 und ab da in Serpentinen zu einem Fahrweg hinunter. Dieser wendet sich bald darauf am Kälberalplbach nach links und folgt dessen Lauf bzw. später dem des Gassellahnbachs. Gegen Ende den Fahrweg verlassen und über die Stufen zur Europastraße abkürzen. Neben dieser geht es recht hatschert zurück nach Mittenwald.
Erwägenswert wäre außerdem die Möglichkeit über die Untere Kälberalm7 zum Versorgungsweg der Dammkarhütte, welcher nahe der Karwendelbahn beim Parkplatz am Raineck endet. Allerdings behinhaltet das einen kleinen Gegenanstieg.