1. Ammergebirge

Schönleitenschrofen (1706 m)

Anspruchsvolle Schneeschuhtour am Tegelberg

Die knackige Schneeschuhtour auf den Schönleiten­schrofen am Tegelberg eignet sich vor allem für schneearme Winter. Doch auch dann verlangt die teils anspruchsvolle Route mit mehreren zähen Gegenanstiegen nach einer extra Portion Ausdauer und Konzentration.

Zur Galerie (11)
Die Aufstiegsroute verläuft im oberen Bereich neben der Skipiste.

Ganz im Osten des lang­gestreckten Tegelberg­massivs und damit weit ab der Touristenströme liegt der Schönleitenschrofen. Er bildet die letzte Erhebung in einer ganzen Reihe von Felsköpfen und Gipfeln, die allesamt nur mäßig frequentiert werden – vor allem natürlich im Winter.
Als besonders vielseitig und aussichtsreich erweist sich die Route oben herum vom Latschenschrofen über die Roßscharte. Zurück kann man dann den etwas eintönigeren Weg über die beliebte Drehhütte nehmen.

Museumstipp: Bei der Tegelbergbahn wurden Teile einer römischen Villa Rustica ausgegraben. Vermutlich handelte es sich um einen großen Gutshof oder eine kleine Siedlung. Zu sehen sind die Grundmauern eines Wirtschafts­gebäudes und das Badehaus mit einer gut erhaltenen Hypokaustheizung.

Tourcharakter und Schwierigkeit

1240 m 14 km6:10 h

Anspruch■■■■■WT5 I
Kondition■■■■■
Orientierung■■■■■■

Der Aufstieg von der Tegelbergbahn bis zum Latschenschrofen ist noch recht einfach. Im oberen Bereich braucht man auf der harten, oft vereisten Skipiste eventuell bereits die Schneeschuhe.
Ansonsten beginnen die Schwierigkeiten erst am Latschenschrofen. Der Einstieg von da in den so genannten Kessel ist extrem steil und kostet Überwindung. Im Kessel herrscht oft ein hohes Lawinenrisiko. Spuren sind zudem nicht unbedingt vorhanden. Man sollte also in der Lage sein, die günstigste Route selbst zu finden.

Die schwierigste Passage kommt zum Schluss am Schönleitenschrofen.Dort muss ein abschüssiger, felsiger Hang gequert werden. Knapp unter dem Gipfel gibt es außerdem einige Meter mit leichtem Ier-Gelände. Was ohne Schnee und bei trockenen Verhältnissen kaum beeindruckt, ist bei winterlichen Bedingungen durchaus anspruchsvoll. Ein Ausrutscher könnte böse enden.

Wegbeschreibung

Latschenschrofen über Rohrkopfhütte

Unter der Nordwestseite des Branderschrofens liegt das so genannte Grüble, in das sich häufig Lawinen entladen.

Die Tour beginnt an der Talstation der Tegelbergbahn. Dank des ausgewiesenen Skitouren-Lehrpfads ist der Aufstieg über die Rohrkopfhütte problemlos zu finden. Anfangs verläuft die Route im Wald, später genießt man im Freien eine schöne Aussicht auf die vielen Seen draußen im Alpenvorland. Der Lehrpfad tangiert die Piste nur am Rande, so dass es keine Konflikte mit herab­kommenden Skifahrern geben kann. Erst das letzte Stück nach der Rohrkopfhütte1 führt kurz über die Piste.
Am Grüble, einer Mulde unterhalb von Tegelberg und Branderschrofen, verlassen wir dann den Skitouren-Lehrpfad und wenden uns entsprechend der Beschilderung nach links. Es geht südseitig um eine kleine Felsstufe herum und dahinter direkt zum Grat hinauf. Zwischen locker stehenden Fichten rückt der Latschenschrofen2 schnell näher. Kurz vor seinem Gipfel kommt man am steilen Einstieg in den bereits erwähnten Kessel vorbei. Wenn die Bedingungen dort nicht passen, gibt es zum Trost wenigstens eine ruhige Gipfelrast auf dem Latschenschrofen.

Durch den Kessel zur Roßscharte

Der Abstieg in den Kessel3 verläuft durch eine schwach ausgeprägte Rinne. Am besten am linken Rand halten. Unten nicht auf der Linie des Sommerwegs durch den Kessel, sondern möglichst weit links in sicherer Entfernung zur lawinengefährdeten Flanke des Branderschrofens. Auf der gegenüberliegenden Seite steigt man rechts der markanten Felsnadel, die als Franziskaner oder Spitzigschröfle bezeichnet wird, in einen Sattel hinauf. Von da bietet sich ein toller Blick nach Osten über das Lobental zum Geiselstein.
Am Sattel beim Wegweiser nun nach links wenden. Im Schatten kleiner Felswände, die zum Roßgern gehören, stapft man durch den Wald. Vom markierten Weg ist nur sporadisch etwas zu sehen. Ansonsten gibt es keine Schwierigkeiten, außer dass sich der Schnee hoch auftürmen kann. Immer brav oben bleiben und nicht nach rechts unten ziehen lassen. Hinter der schwach eingeschnittenen Roßscharte4 kommt noch ein namenloser Felskopf, bevor im nächsten Sattel der Steig zum Vorderen Mühlberger Älpele abzweigt.

Schönleitenschrofen

Wir halten uns am Sattel bei der Verzweigung wie beschildert geradeaus zum Schönleitenschrofen. Nach einer kurzen Verschnaufpause wird der Hang immer steiler und auch felsig, jedoch nicht wirklich ausgesetzt. Unbedingt auf dem Steig bleiben! An einem Felsaufschwung wie markiert rechts vorbei. Wer Schneeschuhe verwendet, legt diese nun besser ab. Die letzten Meter zum Gipfel des Schönleitenschrofens5 geht es über schrofiges Gelände. Oben empfängt uns ein breiter Gipfelbuckel.

Abstieg über die Drehhütte

Ist man erst einmal wieder sicher vom Schönleitenschrofen herunten, wird es einfacher. Bei der zuvor passierten Abzweigung steigt man zunächst zum Vorderen Mühlberger Älpele6 ab, das idyllisch unterhalb der Nordabbrüche des Schönleitenschrofens liegt. Von der Hütte nicht dem Fahrweg folgen, sondern links am Buchenbichel im Wald etwas bergauf. Danach schlängelt sich der Weg in Serpentinen einen Hang mit jungem Baumbestand zu einem Forstweg hinab. Der Forstweg führt direkt zur ganzjährig geöffneten Drehhütte7.
Zurück zur Rohrkopfhütte gibt es anschließend erneut einen Gegenanstieg von fast 100 Höhenmetern. Das ist schon recht zäh, aber alternativlos.