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Rauschberg (1645 m)

Schneeschuhwanderung bei Ruhpolding

Eines der lohnendsten Ziele zum Winter­wandern in der Umgebung von Ruhpolding ist zweifel­los der Rauschberg. Von seinem Gipfel bietet sich ein beeindruckendes Panorama in die tief verschneiten Chiemgauer Alpen. Und gleich nebenan lädt das Rauschberg­haus zu einer Stärkung ein.
Stand:

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Hinterer Rauschberg
Der rechte Gipfel ist der Hintere Rausch­berg. Aus der Scharte daneben geht es rückseitig hinab in die Roßgasse.

Verglichen mit anderen bayerischen Alpen­orten wirkt Ruhpolding verschlafen. Auch in den umliegenden Bergen ist es relativ ruhig, vor allem natürlich im Winter.
Vor einigen Jahrzehnten war das noch ganz anders. Denn während der Wirtschafts­wunder­jahre der Nach­kriegs­zeit entwickelte sich Ruhpolding einst zu einem der bedeutendsten Urlaubsorte Deutsch­lands. Damals reisten die Gäste sogar mit Sonder­zügen an.
Bereits Anfang der 1950er Jahren wurde die Kabinen­bahn auf den Rausch­berg gebaut. Um den einsetzenden Winter­tourismus zu fördern, entstand auf der Südseite ein kleines Skigebiet. Inzwischen hat man es längst wieder aufgegeben. Die Pisten werden heute nur noch zum Tourengehen und Schnee­schuh­wandern genutzt.Manch ein Ruhpoldinger trauert den goldenen Zeiten des letzten Jahr­hunderts mit ausgebuchten Betten hinterher.Zum Winterwandern hat es allerdings seine Vorteile, dass es mit dem Massen­tourismus am Rausch­berg vorbei ist. Selbst oben am Gipfel herrscht nur selten wirklich Hoch­betrieb und auf den weiten Wegen verteilen sich die Winter­sportler ohnehin. Nach dem geplanten Ausbau der Seilbahn könnte es mit der Ruhe aber wieder vorbei sein.

Rauschbergbahn geschlossen: Im November 2022 fuhr die alte Rausch­berg­bahn zum letzten Mal. Bis 2025 soll eine neue Bahn mit mehr Kapazität entstehen.

Tourcharakter und Schwierigkeit

1000 hm 16 km5:00 h

Anspruch ■■■■■■ WT2
Kondition ■■■■■■
Orientierung ■■■■■■

Der Rauschberg eignet sich auch für weniger Erfahrene gut zum Schnee­schuh­wandern. Die Wege sind breit, meistens gespurt und werden teil­weise sogar präpariert. Eine starke Kondition erfordert die Tour aber trotz­dem, weil Höhen­meter und Länge für den Winter ganz schön viel sind.

Lawinengefährdete Bereiche gibt es besonders in den baum­losen Süd­hängen. Falls über dem Hutzenauer Kaser präpariert wurde, ist immerhin die Aufstiegs­route einigermaßen sicher.
Nordseitig verläuft die Route vom Kienberg­sattel bis zum Roßgassen­boden durch sehr steile Hänge und unter Fels­wänden, von denen eben­falls Lawinen abgehen können. Dort wurde 2009 eine Pisten­raupe komplett verschüttet. Die Bergwacht rettete beide Insassen unverletzt.

Wegbeschreibung

Zur Sackgrabenalm bei Laubau

Unternberg
Im Westen von Laubau erhebt sich der Unternberg.

Direkt hinter der Talstation der Rausch­berg­bahn führt der Weg hinab zum Tauben­see. Der kleine See ist im Winter natürlich meistens zugefroren. Vom Tauben­see wandern wir erst einmal im Tal gemütlich in Richtung Süden. Nach kurzer Zeit fällt links ein breiter Schutt­strom auf, der die West­flanke des Rausch­bergs herab­fließt und einen gewaltigen Kegel bildet. Pionier­gehölze besiedeln das Geröll und werden teilweise wieder verschüttet. Das Bayerische Landesamt für Umwelt stuft den Schuttkegel als wertvolles Geotop ein.
Etwa zwei Kilometer weiter, auf Höhe des Ruhpoldinger Holz­knecht­museums1 bei Laubau, zweigt links der winter­taugliche Weg zum Rauschberg ab. Nach den ersten Kehren tangiert er kurz eine Forst­straße. Wenig später kommen wir schon an der kleinen Sackgraben­alm2 vorbei. Bei der Hütte steht eine eindrucksvolle Fichte mit einem Umfang von über vier Metern.

Südanstieg zum Vorderen Rauschberg

Unterwegs auf der Piste des ehemaligen Skigebiets.

Oberhalb der Sackgrabenalm wird es vorüber­gehend ein wenig steil, bis man auf eine Forst­straßen­kreuzung trifft. An dieser Kreuzung wie beschildert gerade­aus und kurz darauf an einer Gabelung links wenden. Nun heißt es erst einmal Höhe gewinnen. Ein wenig letschert geht es den Schleifen des Fahr­wegs folgend moderat bergauf. Irgend­wann stößt links der im Winter nicht begehbare Hutzenauersteig hinzu. Ein Stück weiter wird der Wald dann beim Hutzenauer Kaser3 verlassen.
Rechts des in Serpentinen angelegten Sommer­wegs steigen wir vom Hutzenauer Kaser über die freien Hänge des ehemaligen Skigebiets unserem Ziel entgegen. Mit etwas Glück ist dieser letzte Abschnitt präpariert.

Filmtipp: Für die Sendung Unter unserem Himmel produzierte der Bayerische Rund­funk eine interessante Dokumentation über die Anfänge des Winter­sports am Rausch­berg mit dem Titel Damals in Ruhpolding. In dem 40-minütigen Film werden die goldenen Jahre des Ski­tourismus am Rausch­berg wieder lebendig.

Hochgern und Hochfelln
Aussicht vom Vorderen Rauschberg nach Westen zum Hochgern und Hochfelln.

Über der Geißwand dreht die Route nach links und zieht sich bei freier Sicht nach allen Seiten einen recht steilen Rücken hinauf. Schließlich wird der Gipfel­rund­weg erreicht, auf dem es in wenigen Minuten zum Vorderen Rauschberg4 geht.
Das Panorama ist berauschend. Im Westen stehen der Hoch­gern und der Hochfelln neben­einander, beides eben­falls sehr lohnende Winter­berge. Im Norden liegt der bewaldete Zinn­kopf. Obwohl dieser hoch oben vom Rausch­berg unscheinbar wirkt, ist er dennoch ein schönes Wanderziel.

Zum Kienbergsattel

Berchtesgadener Alpen
In der Ferne zeigen sich die Berchtesgadener Alpen.

Für den Rückweg über die Nordseite muss man zunächst in einem weiten Bogen südlich um den Hinteren Rausch­berg herum. Eine Über­schreitung ist leider nicht möglich.
Wir folgen dem Fahrweg Richtung Kien­berg­sattel hinab zu den beiden östlichen Kasern der Rausch­berg­alm. Der eine Kaser steht direkt am Wegrand, der andere etwas unter­halb. Von dort genießen wir noch ein letztes Mal die Aussicht auf Sonntags­horn und Dürrnbach­horn, bevor wir in den Wald eintauchen. Wenig später wird dann der Kien­berg­sattel5 erreicht.

Abstieg via Roßgassenboden

Roßgasse
Die anspruchsvollste Abfahrt am Rausch­berg führt durch die Roßgasse. Mit Schnee­schuhen ist das keine Option.

Vom Kienbergsattel schlängelt sich ein breiter Weg tal­wärts. Die schattige, zerklüftete Nord­seite hat einen völlig anderen Charakter als die eher sanften Süd­hänge des Rausch­bergs. Wegen der vielen Ski­touren­geher kann der Schnee sehr hart sein. Vorsicht bei Vereisung.
Am Roßgassenboden6 wird das Gelände flacher. Man hat von dort einen schönen Blick in die wilde Roßgasse. Gleich danach gelangt man an eine Kreuzung. Es gibt zwei beschil­derte Varianten zur Tal­station. Am besten die untere nehmen, denn sie ist kürzer und kommt ohne Zwischen­anstiege aus. Aber auch diese Strecke zieht sich. Fast eine Stunde dauert es noch zurück zum Ausgangspunkt.