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Schneeschuhtour am Hochfelln (1671 m)

Komplizierte Route aus der Nesselau

Erfahrene Schneeschuhgeher finden am Hochfelln interessante Routen abseits des Skibetriebs. Besonders abenteuerlich ist der Aufstieg aus der Nesselau über den Thoraukopf. Allerdings braucht man für diese lange Schneeschuhtour eine enorme Ausdauer und einen sehr guten Orientierungssinn.

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Unterwegs zum Thoraukopf mit dem Hochfelln im Hintergrund.

Nach Osten, zum Ruhpoldinger Talkessel hin, fächert sich das Hochfellngebiet in mehrere Seitentäler auf. Alle Täler sind durch Wanderwege erschlossen. Über die Höhenzüge dazwischen verlaufen teils schmale Steige. Diese sollen aber im Winter wegen der Wald-Wild-Schongebiete nicht begangen werden.
Die übliche Route für Wintersportler beginnt am Parkplatz an der Staudigl-Hütte und führt über die historische Glockenschmiede sowie die Farnbödenalm zum Hochfelln. Im Folgenden soll es dagegen um den einsamen Aufstieg aus der Nesselau gehen, welcher noch ein Stück weiter südlich verläuft.
Nach einem etwas längeren Anmarsch mausert sich diese Option zu einer richtigen Panorama­tour. Ab der Nesselauer Alm hat man fast durchgehend eine schöne Aussicht. Vom Gipfel blickt man an klaren Tagen bis zum Chiemsee und ins Kaisergebirge.

Tourcharakter und Schwierigkeit

1060 m 20 km7:30 h

Anspruch■■■■■ WT5
Kondition■■■■■
Orientierung■■■■■■

Technisch am anspruchsvollsten und auch nicht leicht zu finden ist der Abschnitt ab der Nesselauer Alm. Wegen mehrerer steiler Querungen, ausgesetzter Stellen und diffiziler Geländebeurteilung wird einem dort einiges abverlangt. Die Hänge sind kaum bewaldet und sehr lawinengefährdet.
Der Abstieg ist einfacher. Im oberen Bereich braucht man auf der harten Skipiste aber unbedingt Schneeschuhe mit Harscheisen oder noch besser Grödeln. Nur so findet man Halt und vermeidet es abzurutschen.
Bitte die Tour keinesfalls in die entgegen­gesetzte Richtung unternehmen, um nicht auf dem Rückweg in Schwierigkeiten zu geraten.

Wegbeschreibung

Anmarsch nach Brand

Von Ruhpolding nach Brand heißt es erst einmal Boden gutmachen. Oder man nimmt den Bus, der allerdings nur selten fährt. Der Wanderweg verläuft am Westufer der Urschlauer Achen und ist recht geschickt ausgewiesen, so dass man kaum auf Straßen laufen muss.
Um das Gewerbegebiet Mühlfeld macht der Weg einen Bogen. Dahinter kommt der ehemalige Steinbruch am Haßlberg1. Dort wurde der so genannte Ruhpoldinger Marmor abgebaut, ein dekorativer Jurakalk, der vor allem in Kirchen Verwendung fand. Eine Schautafel informiert über das Geotop, welches zu den schönsten Bayerns zählt.
Wenig später passieren wir die historische Glockenschmiede. Sie ist im Winter geschlossen. Angesichts der langen Tour würde die Zeit dafür aber sowieso nicht ausreichen. Bald nach der Glockenschmiede erreichen wir den Ortsteil Brand2.

Aufstieg durch die Nesselau

Der eigentliche Aufstieg beginnt in Brand. Bis zur Nesselauer Alm3 gibt es noch einen Fahrweg. Danach muss man sich selbst zurechtfinden. Der Steig ist jedenfalls selbst bei mäßiger Schneelage kaum zu erahnen.
Man stapft hinter der Nesselauer Alm noch ein Stück geradeaus weiter und lässt sich von einem Baumstreifen nach rechts abdrängen. Oberhalb der ersten Geländestufe liegt eine Mulde. Dort stand ein inzwischen abgegangener Almkaser. Unter einer Baumgruppe sind Mauerreste vorhanden.
Nun noch einige Meter rechts bergauf und dann nach links zu einem Waldstück queren. Der Steig führt im Waldstück unter einer Felswand entlang. Wenn die Wand zurückweicht, geht es ziemlich anstrengend in einem Bogen empor in den Sattel zwischen Gröhrkopf und Nesselauer Schneid.

In den Thorausattel

Vor dem Weiterweg unbedingt noch einmal die aktuellen Bedingungen prüfen. Im Zweifelsfall käme der Gröhrkopf4 als Ausweichziel in Frage.
Das erste Teilstück von der Nesselauer Schneid bis zu einem hervorstehenden Felspfeiler ist am steilsten. Dabei so gut wie möglich die Höhe halten. Vorsicht, manchmal fahren dort Tourengeher ab. Jenseits des Pfeilers sorgt eine Wanne für eine kleine Verschnaufpause. Anschließend links ansteigend aus der Wanne heraus auf einen Rücken, hinter dem es wieder steiler wird. Ein Felsabbruch wird oberhalb gequert. Diese Stelle ist heikel, da das Terrain nach unten immer stärker abfällt. Zum Glück wird es danach schnell einfacher. Unter der Wand des Weißgrabenkopfs erstreckt sich ein lockeres Latschenfeld, durch dessen oberen Bereich es zum Thorausattel5 hinaufgeht.

Vom Thoraukopf zum Hochfelln

Ausgesetzter, überwechteter Grat am Thoraukopf.

Im Thorausattel treffen wir auf einen Steig, der vom SalzAlpenSteig und anderen Weitwander­wegen genutzt wird. Er ist auch im Schnee einigermaßen zu finden. Zunächst weicht er dem Thoraukopf westseitig aus. Dann folgt er kurz dem ausgesetzten, eventuell überwechteten Grat und quert einen abschüssigen, gefährlichen Hang nach rechts zu einer Rinne. Durch die Rinne wird eine Scharte in dem von der Thorauschneid heraufziehenden Rücken gewonnen. Von da auf dem Rücken bei abnehmender Schwierigkeit weiter aufwärts. Der finale Anstieg zum Hochfelln6 zieht sich noch ein wenig. Ein paar Meter vor dem Gipfel treffen wir auf den präparierten Rundweg.

Abstieg über die Bründlingalm

Im oberen Abschnitt muss man auf der Skipiste absteigen. Dabei unbedingt am Pistenrand bleiben. Das Gelände ist ziemlich steil und kann den Blutdruck durchaus ansteigen lassen. Mit blanken Schuhen hat man keine Chance.
Hinter der Bründlingalm7 wird es flacher. Nun nach rechts orientieren. Die Mittelstation der Seilbahn bleibt links liegen. Bis zur Steinbergalm gibt es einen Fahrweg. Von der Steinbergalm kann man dann die Zufahrtsstraße ein Stück weit auf einem rutschigen Fußweg abkürzen. Dieser beginnt an der Rückseite des Berggasthauses und führt durch einen Graben mit Bach. Kurz vor Ruhpolding wenden wir uns links und laufen direkt auf die Dorfkirche St. Georg zu, die malerisch auf einem Hügel steht. Auf der anderen Seite des Hügels geht es durch das Dorfzentrum zurück zum Bahnhof.