1. Kaisergebirge
  2. Zahmer Kaiser

Pyramidenspitze (1997 m) über Winkelkar

Bergtour von Durchholzen in den Zahmen Kaiser

Diese spannende Bergtour auf die Pyramiden­spitze verläuft von Durchholzen bei Walchsee über den Winkelkar-Kletter­steig. Statt zurück denselben Weg zu nehmen, kann man auch durch das zauber­hafte Kaiser­tal hinaus­wandern und lernt so fast den gesamten Zahmen Kaiser an einem Tag kennen. Eine ordentliche Ausdauer sollte dafür aber schon vorhanden sein.
Stand:

Zur Galerie (9)
Winkelkar
Blick von der Winkelalm ins gleich­namige Kar. Rechts sind die Joven­spitzen zu sehen, in der Bildmitte steht die Pyramidenspitze.

Wer von Durchholzen ins Winkelkar aufsteigt, blickt von Anfang an auf die imposanten Nord­wände des Zahmen Kaisers. Eine eindrucks­volle Landschaft, die einen sofort in ihren Bann zieht. Oben angekommen präsentiert sich dann der Wilde Kaiser in seiner ganzen Pracht. Und auf dem langen Abstieg durch das Kaiser­tal wird es ebenfalls nicht langweilig. Völlig zu Recht gilt dieses als eines der schönsten Alpen­täler überhaupt. Mit dem Auto dürfen nur die wenigen Bewohner des dünn besiedelten Tals hinein­fahren. So stört kein Verkehrslärm den Wandergenuss.

Am unteren Ende des Kaisertals gibt es noch eine kleine Über­raschung. Oberhalb der Sparchen­klamm befindet sich nämlich die archäologisch interessante Tischoferhöhle. Sie beeindruckt vor allem mit ihrem gewaltigen Portal. Bei Ausgrabungen kamen die Knochen Hunderter Höhlenbären sowie weiterer ausgestorbener Tierarten zum Vorschein. Die Höhle wurde außerdem sporadisch von den Menschen der Steinzeit und der Bronzezeit genutzt. Auf den Schau­tafeln wird das alles genau erläutert.

Tourcharakter und Schwierigkeit

1375 1570 hm 16 km6:40 h

Anspruch ■■■■■■ T4  I  A/B
Kondition ■■■■■
Orientierung ■■■■■■

Ganz so zahm, wie er vorgibt, ist der Zahme Kaiser gar nicht. Vor allem nicht im Winkel­kar (siehe Topo). Auf dem letzten Abschnitt zur Pyramiden­spitze wird es dort richtig felsig. Dabei läuft fast durch­wegs ein Drahtseil mit. Doch es sind auch ungesicherte Ier-Stellen zu bewältigen. Alpine Erfahrung muss deshalb auf jeden Fall vorhanden sein.
Geübte benötigen zwar kein Klettersteigset, ein Helm sollte jedoch besser mit. Der Kletter­steig erfreut sich großer Beliebtheit und Voraus­gehende können Steinschlag auslösen. 2014 kam es wohl auf Grund von Steinschlag zu einem tödlichen Unfall.

Deutlich einfacher als der Winkelkarsteig ist der Weg durch das Kaiser­tal. Allerdings ist dieser Abstieg sehr weit und ein echter Fitness­test. Gemütlicher gestaltet sich die Bergtour, wenn man sie auf zwei Tage aufteilt und auf der Vorderkaiserfeldenhütte (DAV) übernachtet.

Wegbeschreibung

Winkelkar

Wir begeben uns von Durchholzen zum Park­platz Am Brand, wo die Pyramiden­spitze bereits ausgeschildert ist. Das Tal liegt morgens noch lange im Schatten, während die Wände des Winkel­kars schon im Sonnen­licht erstrahlen. Bis zur Großpoiteralm darf man sich erst einmal bei moderater Steigung auf einer Kies­straße gemütlich warm­laufen. An der Großpoiteralm wechselt die Wander­route in die Almweide. Das Gelände wird langsam steiler. Mit der Winkelalm1 wird dann die letzte Hütte vor dem Talschluss erreicht.
Das nun beginnende Winkelkar ist mit seinem Geröll etwas mühsam zu gehen. Wenn die Sonne reinbrennt, kann es ziemlich anstrengend werden. Der gut markierte Steig dreht im Kar mehr und mehr Richtung Westen in den Winkel zwischen Jovenspitze, Pyramiden­spitze und Kesselschneid.

Klettersteig auf die Pyramidenspitze

Winkelkarsteig
Die Leiter am Winkelkarsteig knapp unterhalb der Pyramiden­spitze ist die schwierigste Stelle.

Sobald es im Talschluss des Winkelkars2 in die Felsen geht, helfen Drahtseile, wobei sich die Kletter­stellen mit Gehgelände abwechseln. Einige Passagen des Kletter­steigs (siehe Topo) sind recht exponiert. Bald breitet sich das ganze Winkelkar unter uns aus.Kurz vor dem so genannten Gamsangerl zweigen deutliche Spuren rechts ab. Dort könnte man ohne Kletter­schwierig­keiten, aber durch sehr gefährliches Schrofen­gelände die Joven­spitze erklimmen. Vorsicht, die Berg­wacht hatte dort schon mit verstiegenen Wanderern zu tun.Die Pyramidenspitze ist nun nicht mehr fern. Über dem begrünten Sattel am Gams­angerl kommen die letzten luftigen Kraxel­meter mit einigen Klammern als Trittstufen an der schwierigsten Stelle (B). Zwischendrin den über­raschend schönen Tiefblick ins Scheibling­steinkar beachten! Gleich darauf steht man dann auf dem Gipfel der Pyramidenspitze3. Nach Süden hin gibt es eine weite Gras­fläche mit Blick zum Wilden Kaiser, die viel Platz zum Ausruhen bietet.

Vordere Kesselschneid

Die Vordere Kesselschneid südlich der Pyramiden­spitze ist mit ihren 2001 Metern der höchste Punkt im Zahmen Kaiser und in wenigen Minuten unschwierig zu erreichen. Auf der Kessel­schneid hat man in der Regel auch mehr Ruhe bei der Gipfelrast.

Vorderkaiser­feldenhütte über Stein­gruben­schneid

Zahmer Kaiser
Aus dieser Perspektive vom Elferkogel ist der Name Zahmer Kaiser durchaus angebracht.

Wir wandern zunächst am Kamm entlang über den unscheinbaren Elferkogel. Sein Name erinnert daran, dass die Menschen früher Berg­spitzen als natürliche Sonnen­uhr zur Bestimmung der Tageszeit nutzten. Beim so genannten Vogelbad4, einer Scharte kurz vor dem Zwölfer­kogel, verzweigen sich dann die Wege.Wer wieder nach Durchholzen zurückmuss, könnte beim Vogelbad den verwegenen und aufgelassenen Steig durch das Egersgrinn wählen.Die meisten marschieren vom Vogelbad oben am Kamm weiter zum Petersköpfl. Ebenso reizvoll, aber ohne zusätzliches Auf und Ab, verläuft die Strecke links hinab zur Hinter­kaiser­felden­alm. Dabei beeindrucken vor allem die gewaltigen Wand­fluchten der Stein­gruben­schneid.
Ab der Hinterkaiserfeldenalm5 wird es immer bequemer. Ein breiter Weg führt nun quer durch den Hang zur ersten Einkehr­möglichkeit des Tages auf der Vorderkaiser­feldenhütte6.

Kaisertal und Tischoferhöhle

Ritzaualm
Ab der Vorderkaiserfeldenhütte (DAV) reiht sich Einkehr an Einkehr. Hier im Bild die Ritzaualm, zu der es eine Abkürzung durch die Weide gibt.

Von der Vorderkaiserfeldenhütte geht es bergab zur Ritzau­alm. Zwischen diesen beiden gibt es bei der Linkskehre oberhalb der Alm einen etablierten Abschneider durch die Weide. In der Ferne erhebt sich der markante Pendling.
Hinter der zum Berggasthof ausgebauten Ritzau­alm7 kommt man auf dem steilen Fahrweg flott voran.
Relativ weit unten werden der Veitenhof und ein weiteres Gehöft passiert, bevor eine auffällige Informationstafel auf die Tischofer­höhle hinweist. Bis zur Höhle8 sind es nur ein paar Minuten. Man muss danach allerdings wieder bergauf. Besonders an heißen Tagen ist eine Pause an der kühlen Höhle angenehm.

Sparchenklamm

Nach der Tischoferhöhle steigt man am schönsten gleich ganz zur Sparchen­klamm ab. Ein schmaler Beton­steg, den nur auf einer Seite ein Geländer absichert, über­brückt die Schlucht. Gebaut wurde der Steg nicht zum Wandern, sondern als Rohr­brücke für die Kufsteiner Trink­wasser­versorgung. Durch die Rohre im Boden der Brücke fließt das Wasser aus dem Kaisertal zum Hoch­behälter an der Theaterhütte.
Der kühle Ort am kalten Kaiser­bach, auch Sparchen­bach genannt, lädt an heißen Tagen zum Rasten ein. Im Anschluss geht es über eine steile Stiege mit Gegenanstieg Richtung Theater­hütte und von dort rechts zur Bushaltestelle Kaisertal.