Widauersteig auf den Scheffauer (2111 m)

Plaisir-Klettersteig bei Kufstein

(aktualisiert am )

Angesichts der heute üblichen schweren Sportklettersteige hat der Widauersteig am Scheffauer fast etwas Nostalgisches. Statt des maximalen Nervenkitzels sucht er sich lieber die günstigste Linie durch die zerklüftete Nordwand. So kann man unterwegs ganz entspannt die schöne Aussicht zum Zahmen Kaiser genießen.

Blick aus dem Klettersteig auf die Schuttreise am Fuße der Scheffauer Nordwand.

Der Scheffauer zählt zu den am häufigsten bestiegenen Gipfeln im Wilden Kaiser. Dies gilt sowohl für den Südanstieg von der Steiner Hochalm als auch für den versicherten Widauersteig von der Kaindlhütte.
Benannt wurde der Widauersteig nach Thomas Widauer aus Hinterstein. Widauer gilt als der erste autorisierte Bergführer des Kaisergebirges. In seinem Heimatgebirge gelangen ihm einige Ers­tbesteigungen, darunter die bekannte Ellmauer Halt. Der Scheffauer gehört allerdings nicht dazu. Er wurde bereits 1794 von Franz Berndorffer im Rahmen seiner botanischen Exkursionen erreicht. Jäger und Hirten dürften aber wohl vorher schon oben gewesen sein.
Der Widauersteig entstand übrigens 1911, wenige Jahre nach dem Tod von Thomas Widauer.

Tourcharakter und Schwierigkeit

1080 m 11 km5:30 h

Anspruch■■■■■■T4 I A/B
Kondition■■■■■■
Orientierung■■■■■■

Für den im oberen Abschnitt zum Klettersteig ausgebauten Widauersteig muss man trittsicher und schwindelfrei sein. Echte Kletter­schwierigkeiten sind nicht zu bewältigen. Im leichten Ier-Gelände wurde zum Teil auf Sicherungen verzichtet. Bergerfahrene können ihr Klettersteigset zu Hause lassen. Wegen der vielen Begeher ist mit Steinschlag zu rechnen. Also den Helm nicht vergessen und darauf achten, selbst keine Steine loszutreten. So schlimm wie in der Steinernen Rinne, wo ein Stein nach dem anderen fliegt, ist es zum Glück nicht.

Wegbeschreibung

Fußmarsch oder Kaiserlift

Der Weg von Kufstein zum Brentenjoch ist lange und hatschert. Er wurde von mir beim Zettenkaiser ausführlich beschrieben. Ich empfehle für den Scheffauer den 2015 wieder­eröffneten Kaiserlift zu nehmen. Man hat so einfach mehr Muße für die eigentliche Tour.
Wer bis zur Kaindlhütte mit dem Mountainbike fahren möchte, kann dieses übrigens im Lift mitnehmen. Es gibt dafür spezielle Haken an den Sesseln.

Panoramaweg zur Kaindlhütte

Von der Bergstation müssen wir erst einmal hinab zum Brentenjoch. Wer gleich zu Beginn eine Stärkung benötigt, hat an der Brentenjochalm1 die Gelegenheit dazu.
Auf dem beliebten Panoramaweg geht es dann vom Brentenjoch in Richtung Kaindlhütte. Die breite Kiesstraße führt dabei zunächst noch weiter bergab. Nach einem guten Kilometer gibt es eine Abkürzung über den Gaisbach zur Steinberghütte2. Die Abkürzung sollte man möglichst nicht verpassen. Viele rennen einfach daran vorbei.
Von der Steinberghütte zieht sich anschließend ein ausgewaschener Pfad durch die Weidefläche zurück zur Kiesstraße. Kurz darauf gelangt man auf dieser zur Steinbergalm, auf der auch die Kaindlhütte3 steht.

Zum Widauersteig

Südöstlich der zahlreichen Hütten der Steinbergalm liegen einige große Blöcke herum. Zwischen diesen steuert eine Pfadspur auf den Wald zu. Gleich bei den ersten Bäumen trennen sich Widauersteig und Riegensteig. Normalerweise nimmt man zum Scheffauer an dieser Stelle links den Widauersteig. Nach einem Steilstück geht es an einem Tümpel vorbei und im Freien direkt auf die Nordwand des Scheffauers zu.Die zweite Möglichkeit wäre, vorerst rechts dem Riegensteig bis zum Großen Friedhof4 zu folgen, einem interessanten Felssturzgelände. Dort muss man dann aber endgültig links. Die Verbindung zwischen dem Großen Friedhof und dem Widauersteig scheint kaum mehr begangen zu werden.

Klettersteig

Auf der gegenüberliegenden Seite des Kaisertals befindet sich der Zahme Kaiser.

Im Schatten der Scheffauer Nordwand quert der Widauersteig durch ein großes Geröllfeld zum Einstieg in den versicherten Abschnitt. Wer im Klettersteig5 auf den ersten Metern keine Probleme hat, ist der Tour gewachsen. Schwieriger wird es nicht mehr. Kletterstellen und Gehpassagen wechseln sich ab. Die Route gewinnt durch eine Rinne schnell an Höhe. Danach helfen Klammern über eine glatte Rampe. Es folgt eine längere Querung nach Westen. Im letzten Abschnitt zieht sich der Widauersteig über gestuftes Gelände steil empor. Ganz am Ende muss man noch durch eine steinschlag­gefährdete Rinne. Unbedingt an die Markierungen halten. Sie leiten so gut wie möglich um die Gefahrenzone herum.

Scheffauer

Nach dem Ausstieg steht man in einem Sattel. Dort kommt auch ein Steig von der Steiner Hochalm im Süden herauf. Im Osten liegen die Hackenköpfe – eine schwere, weglose Tour im IIten Grad. Zum Gipfel des Scheffauers6 sind es nur mehr wenige Minuten.