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Widauersteig auf den Scheffauer (2111 m)

Plaisir-Klettersteig bei Kufstein

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Angesichts der heute üblichen, schweren Sportklettersteige hat der Widauersteig schon fast etwas Nostalgisches. Statt des maximalen Nervenkitzels sucht er sich lieber die günstigste Linie durch die zerklüftete Nordwand des Scheffauers. Es wäre ja echt schade um die Aussicht zum Zahmen Kaiser, wenn man nur mit Klimmzügen beschäftigt wäre.

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Der Scheffauer zählt zu den am häufigsten bestiegenen Bergen im Wilden Kaiser. Dies gilt sowohl für die Südroute von der Steiner Hochalm als auch für den Widauersteig (siehe Topo), der nach dem Kaiserführer Thomas Widauer benannt wurde. Wegen der vielen Leute kann es im Widauersteig zu Steinschlag kommen. Ich habe es selbst erlebt. Ein Mann konnte gerade noch hinter einem Felsen in Deckung gehen. Also den Steinschlaghelm nicht vergessen und darauf achten, keine Steine loszutreten. So schlimm wie in der Steinernen Rinne, wo ein Stein nach dem anderen fliegt, ist es zum Glück nicht. Bergerfahrene können ihr Klettersteigset zu Hause lassen. Einzelne kurze Ier-Stellen müssen ohne Sicherung überwunden werden.

Ursprünglich wollte ich beim Abstieg nach Süden hinab, auf dem Wilden-Kaiser-Steig zur Walleralm und über das Hochegg zurück zur Kaindlhütte. Zwei Einheimische aus Scheffau rieten mir von diesem aus ihrer Erfahrung eher langweiligem Unterfangen ab. Weit ist es obendrein. Angesichts der brütenden Sommerhitze war die kühle Nordseite sicher die bessere Wahl. An den Engstellen kam es allerdings zu Wartezeiten, da am frühen Nachmittag noch immer viele bergauf wollten.

Wegbeschreibung zur Bergtour

Fußmarsch oder Kaiserlift

Der Weg von Kufstein zum Brentenjoch ist lang und wenig reizvoll. Er wurde von mir beim Zettenkaiser beschrieben. Ich empfehle für den Scheffauer als Aufstiegshilfe den 2015 wiedereröffneten Kaiserlift. Man hat so einfach mehr Muße für die eigentliche Tour.

Zur Kaindlhütte

Die Kiesstraße von der Bergstation des Kaiserlifts zur Kaindlhütte teilt man sich mit vielen Wanderern und Mountainbikern. Letztere können ihre Räder übrigens im Lift mitnehmen. Es gibt dafür spezielle Haken an den Sesseln.
Die ersten 20 Minuten dürfen wir erst einmal bergab. Wer gleich zu Beginn eine Stärkung benötigt, hat an der Brentenjochalm1 die Gelegenheit dazu. Später die Abkürzung über den Gaisbach zur Steinberghütte nicht verpassen! Die meisten rennen einfach daran vorbei, weil es nicht beschildert ist. Von der Steinberghütte2 gibt es einen ausgewaschenen Pfad durch die Weide, der zurück zur Kiesstraße leitet. Kurz darauf gelangt man auf dieser zur Steinbergalm, zu der auch die Kaindlhütte3 gehört.

Widauersteig

Südöstlich der zahlreichen Hütten führen Spuren zwischen einigen großen Blöcken hindurch in den Wald, wo sich Widauersteig und Riegensteig sogleich trennen. Normalerweise wendet man sich bereits an dieser Stelle links zum Widauersteig. Nach einem Steilstück geht es an einem Tümpel vorbei und dann im Freien direkt auf die Felswände des Scheffauers zu.
Die zweite Möglichkeit wäre, vorerst rechts dem Riegensteig bis zum Großen Friedhof4 zu folgen. Dabei handelt es sich um ein interessantes Felssturzgelände. Dort muss man dann endgültig links. Die Verbindung zwischen dem Großen Friedhof und dem Widauersteig scheint kaum mehr begangen zu werden.
Im Geröll treffen sich die Varianten wieder und queren gemeinsam zum Einstieg in den Klettersteig5. Wer die ersten Meter keine Probleme hat, ist der Tour gewachsen. Kletterstellen und Gehgelände wechseln sich ab. Durch die Bruchstellen an den etwa 60 Grad geneigten Kalkplatten sind breite Querungen und treppenartige Anstiege entstanden. Gegen Ende zieht sich der Steig durch eine steinschlaggefährdete Rinne. Nach dem Ausstieg sind es nur noch wenige Minuten zum Gipfel6.