Paterzeller Eibenwald und Zellsee

Rundwanderung bei Wessobrunn

Auf dieser Wanderung durch die schöne Voralpen­landschaft westlich von Weilheim geht es um Bäume. Bei Kloster Wessobrunn können wir die tausendjährige Tassilolinde bestaunen und im Paterzeller Eibenwald erfahren wir auf einem Lehrpfad Interessantes über diese faszinierende Baumart.

Obwohl die Tassilolinde zur Zeit des namens­gebenden Bayernherzogs im 8. Jahrhundert noch nicht existierte, ist sie doch viele Hundert Jahre alt.

Eiben kennt man heute praktisch nur noch aus Parks und Gärten. Dabei waren sie früher auch in unseren Wäldern heimisch. Doch vom Mittelalter bis in die frühe Neuzeit wurden für die Produktion von Armbrüsten und englischen Langbogen enorme Mengen des besonders elastischen Eibenholzes benötigt. Das führte fast zur Ausrottung der europäischen Bestände.
Da Eiben sehr langsam wachsen, werden sie kaum aufgeforstet. Wildverbiss verhindert außerdem, das Nachwachsen junger Eiben. Rehe und Rothirsche scheinen für das Gift der Eibe nämlich unempfindlich zu sein, während beim Menschen schon geringe Mengen zum Tod führen.

Der Paterzeller Eibenwald gilt als der bedeutendste dieser Art in Mitteleuropa. Er steht seit 1939 unter Naturschutz. Völlig intakt ist er allerdings nicht mehr. Das Kloster Wessobrunn ließ vermutlich nur die unbrauchbaren Bäume stehen. Die Wald­verjüngung wurde außerdem lange Zeit durch den Wildverbiss stark beeinträchtigt.

Man sieht es ihnen vom Umfang her nicht an, doch die ältesten Eiben bei Paterzell könnten durchaus an die Tassilolinde heranreiche. Die mächtige Winterlinde mit einem Umfang von über 13 Metern entspricht aber eher dem Bild, das wir von einem uralten Baum haben. Das tatsächliche Alter der Tassilolinde ist nicht bekannt, dürfte aber deutlich unter 1000 Jahren liegen. Als maximales Alter für Winterlinden werden 600 Jahre angenommen.

Kulturtipp: Das im 8. Jahrhundert gegründete Kloster Wessobrunn blickt auf eine wechselvolle Geschichte zurück. Nachdem 2012 die letzte Schwester der Missions-​Benediktinerinnen das Kloster verlies, wird es seitdem säkular genutzt. Über diese neue Chance für Wessobrunn berichtete der Bayerische Rundfunk in der Sendereihe Zwischen Spessart und Karwendel. Das mit reichhaltigem Stuck ausgestaltete Kloster kann im Rahmen einer Führung auch von Innen besichtigt werden.

Tourcharakter und Schwierigkeit

13 km2:50 h

Anspruch■■■■■T1
Kondition■■■■■■
Orientierung■■■■■■
Die Wanderwege sind an einigen Stellen unklar ausgewiesen. Vor allem auf dem Rückweg vom Paterzeller Eibenwald nach Wessobrunn muss man aufpassen. Also am besten eine digitale Orientierungs­hilfe nutzen, um nicht Zeit mit der Suche oder Verhauern zu vergeuden.
Außerdem an festes Schuhwerk denken. Denn obwohl es sich nur um eine leichte Flachland­wanderung auf befestigten Wegen handelt, kann die Strecke teilweise recht batzig sein.

Wegbeschreibung

Kloster Wessobrunn und Tassilolinde

Die Tour beginnt beim Kloster Wessobrunn. Bevor man loswandert, lohnt ein Blick in die freundliche, im Stil des Rokoko erbaute Pfarrkirche. Die Klosterkirche steht nicht mehr. Sie wurde im Zuge der Säkularisation abgerissen. Hinter der Pfarrkirche liegt das Brunnenhaus mit drei Bassins. Das klarer Quellwasser wird für die Forellenzucht genutzt. Wir kommen noch an einer Mariengrotte vorbei und verlassen dann das Klostergelände. Dort steht die Tassilolinde1. Der Baumriese erfüllte einen unweigerlich mit Ehrfurcht und lädt zum Verweilen ein.

Durch den Mühlgraben

Unterhalb der Tassilolinde kommt eine Brücke. Kurz danach endet der Fußweg an der Schmuzerstraße. Auf dieser nun nach links aus dem Ort hinaus. Nach einem knappen Kilometer tauchen am Mühlbach ein paar Häusern auf. Hinter diesen weist die Beschilderung rechts Richtung Zellsee in eine Wiese am Hang. Einige Meter bergab schlängelt sich am Waldsaum ein schlecht erkennbarer Trampelpfad entlang. In den Zäunen gibt es Durchlässe für Wanderer. Nach einem Pferdehof wandern wir auf einem Feldweg weiter, später einer Nebenstraße, und gelangen so nach Zellsee. An der Staatsstraße gibt es dort eine Unterführung.

Zellsee

Dämme unterteilen den Zellsee in verschieden große Fischteiche.

Nach der Straßenunterführung geht es auf einem Feldweg zum Zellsee. Am Waldsaum zweigt links ein untergeordneter Weg ab. Dieser führt nach einer Biegung am Zellsee2 entlang. Wer stattdessen direkt zum Paterzeller Eibenwald möchte, bleibt auf dem Hauptweg. Am Zellsee passieren wir zu Beginn einen der Dämme, die den See in sehr unterschiedlich große Fischteiche unterteilen. Der Zellsee wurde einst vom Kloster Wessobrunn für die Fischzucht aufgestaut. Auffällig sind die großen Schilfflächen. Viele Vögel, Insekten und Amphibien finden am Zellsee ihren Lebensraum. Bitte das Betretungsverbot beachten und auf dem Wanderweg bleiben, um das wertvolle Biotop nicht zu stören.
Am Südende des Zellsees verläuft eine Straße. Auf dieser nach rechts wenden und schon nach ein paar Metern erneut rechts. In nordwestlicher Richtung nähern wir uns wenig später dem Paterzeller Eibenwald.

Paterzeller Eibenwald

Wir erreichen den Paterzeller Eibenwald3 von Süden her und folgen dem Eibenpfad durch das idyllische, von kleinen Bächlein durchzogene Naturschutzgebiet. Zehn Stationen vermitteln Wissenswertes über die Eibe. Interessant ist unter anderem ein drehwüchsiger Stamm. Die mächtigste Eibe wurde leider Opfer von Brandstiftung.
Während der Eibenpfad nur durch den Ostteil verläuft, setzt sich der Eibenwald jenseits der Straße fort. Dazu nicht den Weg zum Parkplatz nehmen, sondern denjenigen zweihundert Meter weiter südlich. Beschildert ist das nicht. Drüberhalb der Straße führt ein Weg geradeaus in den Wald. Schon nach wenigen Schritten zweigt links ein Pfad ab, der sich den Hang hinaufzieht. Bald mündet der Pfad in einen breiteren Weg, dem wir spitz rechts folgen. Es kann dort ziemlich batzig sein. Das Quellwasser tritt zum Teil direkt aus dem Waldboden aus. An einigen Stellen bildete sich Quelltuff, der früher abgebaut wurde. Nach einer Biegung kommt ein Längsweg. Nun erneut spitz rechts. Wir passieren noch ein Wasserschutzgebiet mit Brunnen und gelangen dann bei Hanslehen4 ins Freie.

Rückweg nach Wessobrunn

Die Strecke von Hanslehen bis Wessobrunn ist gut beschildert. Zunächst geht es über eine Wiese und anschließend von Hanslehen die Zufahrtsstraße hinab. Danach schnurstracks in den Wald hinein und gleich darauf bei der ersten Gabelung links. Gemütlich wandert man auf einem Forstweg westwärts, bis dieser endet und ein Steig in den Schlittbach­graben abtaucht. Auf der anderen Grabenseite muss man noch ein wenig bergauf, dann wird wieder Wessobrunn erreicht.

Weitere Wandervorschläge

Der vorliegende Wander­vorschlag streift einige der schönsten Ecken bei Wessobrunn. Aber die Gegend hat natürlich noch einiges mehr zu bieten. Am besten studiert man dazu die offizielle Wanderkarte der Gemeinde Wessobrunn.