1. Berchtesgadener Alpen
  2. Reichenhaller Berge
  3. Lattengebirge

Waxriessteig zum Predigtstuhl (1616 m)

Spannende Felskulisse am Reichenhaller Hausberg

Die Wanderung auf dem meist ruhigen Waxriessteig von Bad Reichenhall zum Predigtstuhl wendet sich vorwiegend an trittsichere Geher. Sie führt durch eine wilde, von knorrigen Kiefern bewachsene Felskulisse. Zahlreiche Ausblicke in die Chiemgauer und Berchtesgadener Alpen sorgen für Abwechslung. Zurück nimmt man am besten den Weg durch das Alpgartental, dann ergibt sich eine wirklich schöne Rundtour.
Stand:

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Bad Reichenhall
Am Waxriessteig gibt es immer wieder schöne Aussichtspunkt, wie hier auf Bad Reichenhall.

Mit Seilbahnbergen wie dem Predigtstuhl ist es so eine Sache. Man müht sich stundenlang bergauf, nur um am Ende oben im Gedrängel zu stehen. Doch auf dieser Wanderung bilden ohnehin die spannenden Steige das eigentliche Ziel. Der Gipfel ist da eher Nebensache.Dass derart reizvolle Wanderrouten mitten durch so ein wildes Felsgelände wie am Predigtstuhl überhaupt existieren, sollte man aber nicht als Selbst­verständlichkeit betrachten.Ihre Bedeutung nimmt man oft dann erst richtig wahr, wenn sie plötzlich gesperrt sind. Beim Waxriessteig und dem Alpgartensteig kam das schon vor. Lawinen verursachen immer wieder Schäden. Um den Unterhalt der Steige kümmern sich Mitglieder der DAV-Sektion Bad Reichenhall ehrenamtlich. Zur Gewährleistung eines sicheren Wander­erlebnisses müssen die Steige jährlich überprüft und ausgebessert werden. Mitunter kommen noch Kosten für Transportflüge, Leitern, Stege und Seilsicherungen sowie Handwerker hinzu. Eine großartige Leistung der Sektion und ihrer freiwilligen Helfer, für die man gar nicht genug danken kann.

Museumstipp: Ein Highlight für technisch Interessierte ist die Alte Saline in Bad Reichenhall. Das Industrie­denkmal kann im Rahmen einer Führung besucht werden. In der Saline befindet sich außerdem das Salzmuseum.

Tourcharakter und Schwierigkeit

1220 m 1160 m 13 km5:00 h

Anspruch ■■■■■■ T4
Kondition ■■■■■■
Orientierung ■■■■■■
Die Wanderung kommt fast ohne Forststraßen aus und führt größtenteils über schmale, oft steile und vereinzelt luftige Bergpfade. Einige Stellen sind mit Drahtseil versehen. Es gibt auch ein paar Leitern und Stege. Schwindel­freies, trittsicheres Gehen sind obligatorisch. Die gute Beschilderung und Markierung machen die Orientierung leicht.
Nach Regentagen sollte man die Tour meiden. Außerdem keinesfalls bei Schnee und Eis unternehmen. Bereits mehrmals mussten Bergwanderer bei winterlichen Verhältnissen aus dem lawinen­gefährdeten Waxriessteig ausgeflogen werden, 2013 eine Vierergruppe unter Leitung des Ainringer Pfarrers, 2019 ein junges Paar aus München.

Wegbeschreibung

An der Saalach

Predigtstuhl
Blick von Bad Reichenhall über die Saalach zum Predigtstuhl. Links davon sind die Spechtenköpfe zu sehen.
Bevor es auf dem Waxriessteig stramm bergauf geht, darf man sich entlang der Saalach gemütlich warm­laufen. Beim Bahnhof muss man dazu durch die Unterführung und folgt dann wie beschildert knapp zwei Kilometer lang dem Uferweg, vorbei am Kieblinger Wehr, das den Saalachsee1 aufstaut. Das Kraftwerk befindet sich drüberhalb der Bürgermeisterhöhe in Kirchberg. Durch einen Stollen fließt das Wasser vom Saalachsee unter dem Berg hindurch zum Kraftwerk.
Beim Rastplatz an der Bundesstraße aufpassen. Dort beginnt auf der anderen Seite ein Forstweg, von dem nach hundert Metern rechts der Waxriessteig abzweigt.

Waxriessteig

Waxriessteig
Säulenartige Dolomitfelsen am Waxriessteig.

Anfangs quert der noch breite Waxriessteig2 bei moderater Steig durch den Hang, wobei er zweimal die Richtung wechselt und sich der Rothofen­rinne nähert. Die namens­gebende Waxriese, eine Rinne weiter nördlich, kreuzt die heutige Routen­führung nicht mehr. In einer langen Serie aus Serpentinen gewinnt man schnell an Höhe. Zwischen den locker stehenden Kiefern ist immer wieder der wuchtige Hochstaufen zu sehen. Felstürme ragen im Wald auf. Von der Rothofen­rinne trennt uns eine imposante Barriere aus säulenartigen Dolomitfelsen. Über viele Stufen mit einigen gesicherten Metern wird sie letztlich überwunden. Danach führt der Waxriessteig durch die Rothofen­rinne, die an ihrem oberen Ende nicht mehr so wild ist. Hinter ein paar ausgesetzten Ecken mündet der Steig schließlich in einen breiten Kiesweg und dieser gleich darauf in eine Forststraße.An dieser Stelle verirrten sich in der Vergangenheit immer wieder bergab gehende Wanderer, weil sie versehentlich rechts in die Forst­straßen­sack­gasse liefen und im Anschluss irgendwelchen Trampel­pfaden folgend in gefährliches Steilgelände gerieten. Die Bergwacht hatte dort häufig zu tun. Inzwischen wurde die Beschilderung optimiert.

Wax bedeutet übrigens spitz, scharfkantig. Eine Riese wiederum ist eine hölzerne Rutsche für den Transport von Baumstämmen. Die Wälder im Lattengebirge wurden früher intensiv genutzt, weil man für die Salzpfannen in der Reichenhaller Saline viel Brennholz benötigte. Wohl wegen des schwierigen, zerklüfteten Geländes hieß sie Waxriese. Vielleicht war mit Riese aber auch die Rinne selbst gemeint, durch die ständig etwas herabrieselt.

Schlegelalm-Diensthütten

Schlegelalm-Diensthütte
Von der Oberen Schlegelalm-Diensthütte sieht man das Sonntagshorn in den Chiemgauer Alpen.

Nach dem Ende des Waxriessteigs passieren wir bald das Häuschen des Schlegelalm-Sessellifts. Der Lift fährt nur im Winter während des Skibetriebs. Ab der nahe gelegenen Unteren Schlegelalm-Diensthütte gibt es wieder einen schmalen Bergweg. Kurze Zeit später bietet sich von der Oberen Schlegelalm-Diensthütte3 eine tolle Aussicht in die Chiemgauer Alpen und bei klarer Sicht bis zum Kaisergebirge. Außerdem hat man dort einen ruhigen Rastplatz für die Brotzeit, der besser ist als oben am Predigtstuhl.

Moosensteig zum Predigtstuhl

Predigtstuhl
Perspektive vom Predigtstuhl zum Staufenmassiv.

Wer den Predigtstuhl auslassen möchte, kann von der Diensthütte direkt zur Schlegelmulde wandern, ansonsten links dem Moosensteig folgen, der von der Moosenalm im Süden aus fast das gesamte Latten­gebirge der Länge nach durchquert. Das letzte Stück ist noch einmal anstrengend. Von der Bergstation gibt es einen breit ausgebauten Touristenweg mit Rast­bänken, Aussichts­punkten und Panorama­tafeln über den Gipfel­buckel des Predigtstuhls4. Das protzige goldene Gipfelkreuz stiftete der Unternehmer Max Aicher, der Seilbahn und Gastronomie zusammen mit der Schneizlreuther Familie Posch besitzt.

Historisches: Seit 1928 ist die denkmalgeschützte Predigtstuhlbahn von Bad Reichenhall auf den Predigtstuhl in Betrieb. Damit gilt sie als die älteste noch originale Großkabinenbahn der Welt. Das Tragseil musste bis heute niemals erneuert werden. Ihre kühne Konstruktion mit nur einer einzigen monumentalen Zwischen­stütze war für die damalige Zeit eine technische Glanzleistung.

Abstieg durch den Alpgarten nach Bayerisch Gmain

Alpgartensteig
Schwindelfrei sollte man für den Alpgartensteig schon sein.
Vom Predigtstuhl gelangt man im Zickzack zur Alm­einkehr in die Schlegelmulde. Von da gibt es einen kurzen Gegen­anstieg Richtung Hochschlegel, bevor der Alpgarten­steig links abzweigt.Statt durch das Alpgartental hinabzuwandern, könnte man zusätzlich noch beim Hochschlegel und Dreisesselberg vorbeischauen. Der Abstieg erfolgt in diesem Fall weiter östlich via Mitterberg und Eichelberg.Der Alpgartensteig5 quert anfangs durch die steile Nordostseite des Hochschlegels, wobei man einen guten Blick auf die eindrucksvollen, zerfurchten Abbrüche des Dreisesselbergs hat. Bald dreht er talwärts und schlängelt sich durch ein Latschenfeld. Unvermittelt kommt dann ein Felsstufe, die recht luftig mittels mehrerer Leitern überwunden wird. Überwiegend im Wald geht es nun lange Zeit bergab. Das letzte Stück verläuft am Wappach. Ja, der Bach heißt tatsächlich so. Man kann entweder den Weg links oder rechts davon nehmen. Beide sind schön. Unten endet der Alpgartensteig am Bayerisch Gmainer Wanderzentrum6. Von da sind nur noch ein paar Minuten zum Bahnhof.Autofahrer haben noch einen kleinen Talhatscher vor sich, zunächst mehr oder weniger am Wappach entlang, später mit kleinem Gegenanstieg auf einem Steig zum Festplatz.