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Wilde Wege um die Hohe Kisten (1922 m)

Martinisteig und Kistenkar

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Der ernsthafte Martinisteig durch den Wasserstein südlich von Eschenlohe zieht jeden Bergliebhaber sogleich in seinen Bann. Hinter jeder Ecke überrascht diese zerklüftete Steilflanke aufs Neue mit ihrer wilden Schönheit. Zusammen mit dem Abstieg durch das Kistenkar bietet diese Bergtour ein wirklich außergewöhnliches Erlebnis. Aktualisiert am

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Inhalt

  1. Tourcharakter und Schwierigkeit
  2. Wegbeschreibung
    1. Anmarsch von Eschenlohe
    2. Zur versteckten Martinihütte
    3. Martinisteig ins Estergebirge
    4. Zur Hohen Kisten
    5. Abstieg durchs Kistenkar
  3. Tourskizze mit GPS-Track
  4. Anfahrt und Einkehrmöglichkeiten
  5. Wanderkarte
Zur Galerie (9 Fotos)
Das Kistenkar ist im oberen Bereich unglaublich steil und schroff.

Die Wege hinauf ins Estergebirge sind allesamt ein hartes Stück Arbeit. Viele Höhenmetern, steile Passagen sowie lange Wegstrecken sind zu bewältigen. So ist es auch bei dem hier beschriebenen Martinisteig, der hauptsächlich von Einheimischen genutzt wird.

Für schwache Nerven eignet sich der Martinisteig definitiv nicht. Ohne solide Bergerfahrung und Übung im Steilgras­gelände könnte es dazu kommen, dass man sich weder vor noch zurück traut. Fehltritte dürfen über weite Strecken nicht passieren. Am besten macht man ihn zum Kennenlernen erst einmal bergauf. Bei Nässe ist die Unternehmung gefährlich, bei Schnee tabu.

Oben im Estergebirge gibt es verschiedene Gipfeloptionen, darunter die Hohe Kisten, den Krottenkopf und den Oberen Rißkopf.

Als Rückweg von der Hohen Kisten bietet sich das Kistenkar an. Dieser Abstieg wird häufig genommen. Er ist der schnellste und außerdem landschaftlich sehr beeindruckend.
Heikel ist allerdings der schrofige Einstiegsbereich. Es kam schon zu tödlichen Abstürzen. Wer dort rutscht, kann tief fallen.
Die Schuttreisen im Kistenkar lassen sich nur bedingt abfahren. Der weitere Steigverlauf durchs Archtal hinaus wird kaum mehr gepflegt und verfällt zusehends. Manche der abgebrochenen Stellen sind wegen des abschüssigen Terrains unangenehm zu überwinden. Doch wer den Martinisteig geschafft hat, für den sollte das kein Problem mehr darstellen.

Tourcharakter und Schwierigkeit

1400 m17 km7:10 h

Anspruch■■■■■ T5 II-
Kondition ■■■■■
Orientierung ■■■■■■

Wegbeschreibung

Anmarsch von Eschenlohe

Bevor es bergwärts geht, marschiert man ca. eine Stunde von Eschenlohe Richtung Oberau. Im Dorfzentrum führt eine Brücke über die Loisach. Auf der anderen Seite rechts in die Mühlstraße und nach Süden aus dem Ort hinaus. Dem breiten Radwanderweg folgend, läuft man an den Sieben Quellen1 vorbei und am Rand des malerischen Pfrühlmooses entlang. Später kreuzt der Radwanderweg hinter einem deutlichen Linksknick einen beachtlichen Schuttkegel. Noch vor dem zweiten Schuttkegel biegt man links in einen Forstweg ein. Schon bald endet der Forstweg an dem südlichen der beiden Schuttströme.

Zur versteckten Martinihütte

Direkt an den Forstweg schließt sich der Martinisteig2 an. Er legt sofort ordentlich los und es wird schnell klar, dass er nicht für den gemütlichen Wanderer gedacht ist. Rote Markierungspunkte begleiten uns nun durch den Wasserstein bis zur Karsthochfläche des Estergebirges. Nach den ersten Serpentinen wird die Teufelskapelle an ihrer Südseite passiert. Noch ein Stück weiter taucht die versteckte Martinihütte3 auf. Sie steht auf einem kleinen Absatz mitten in der Wassersteinwand.

Martinisteig ins Estergebirge

Von der Martinihütte quert der Martinisteig in äußerst abschüssigem Gelände südwärts. Dabei windet er sich geschickte durch mehrere Rinnen. An einem Abbruch dreht die Route nach links und zieht sich über steile Grasschrofen empor. Jeder Tritt muss doppelt sitzen. So geht es vielleicht 200 Höhenmeter, bis ein flacherer Rücken für Entspannung sorgt. Auf diesem in einer Latschengasse, die offenbar auch von Gämsen gerne genutzt wird, stetig höher. Zwischendrin den roten Pfeil an einer Felswand beachten, der nach rechts in die Flanke hineinweist. Links scheint ein Gamswechsel zu sein. Etwas später erneut aufpassen und in der Mitte einer Grasfläche rechts halten, auch wenn die Spur geradeaus zu verlaufen scheint. Die roten Punkte weisen den richtigen Weg, so dass man genau am Sattel4 zwischen Oberem Rißkopf und Schindlerskopf herauskommt.

Zur Hohen Kisten

Einige Meter unterhalb des Sattels am Schindlerskopf trifft man auf den meist recht belebten Wanderweg von der Weilheimer Hütte. Auf diesem nach links und bei gleichbleibender Höhe oberhalb des Michelfelds in einem weiten Bogen zur Hohen Kisten hinüber. Unmittelbar nach der Scharte über dem Kistenkar führt ein Steig in wenigen Minuten zum Gipfel5 hinauf.

Abstieg durchs Kistenkar

Der Einstieg ins Kistenkar beginnt an der erwähnten Scharte westlich des Gipfels. Mehrere Gedenktafeln verdeutlichen die Ernsthaftigkeit.Einfacher, aber länger wäre der Abstieg durchs Pustertal. Dieses erstreckt sich östlich der Hohen Kisten.Bei der Schrofenkletterei (II-) über dem Kistenkar hält man sich im Sinne des Abstiegs rechts. Die Rinne linker Hand unbedingt meiden! Danach im Geröll den Steinmandln folgend stets leicht nach links orientieren. Im mittleren Karbereich6 ist es teilweise möglich, ein Stück abzufahren, wobei man sich die geeigneten Bahnen suchen muss. Schließlich schwenkt die Spur nach links und kreuzt zwei schmale Latschenstreifen.
Im Archtal7 tauchen wir dann in einen schönen Bergmischwald ein. Mehrere Runsen rissen leider den Weg mit. Sie sind recht heikel zu queren. Am Ende des Archtals am besten rechts zur Urlaine hinab. Unten vom Sportplatz8 ist es nicht mehr weit bis Eschenlohe, wo wir uns ja schon auskennen.

Hinweis: Der Martinisteig dient der Jagd. Bergtouristen, vor allem größere Gruppen, sind während der Jagdsaison (August bis Spätherbst) vom Revierinhaber nicht gerne gesehen.