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Trainsjoch (1707 m) vom Gießenbachtal

Alte Route über die Guggenalm

Die Wanderung vom Gießenbachtal zum Trainsjoch bildet die ruhigere Alternative zu dem zwar deutliche kürzeren, jedoch häufig überlaufenen Aufstieg aus dem Ursprungtal. Besonders lohnt sich dabei die fast vergessene alte Route über die Guggenalm und die Bartholomäus­kapelle, auf der man oft völlig allein unterwegs ist. Ein bisschen Orientierungs­sinn braucht man dafür allerdings schon.
Stand:

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Trainsjoch
Immer am Kamm entlang geht es mit viel Auf und Ab zum Trainsjoch hinauf.

Bis in die 1950er Jahren war die hier beschriebene Route über die Guggenalm auf das Trainsjoch noch in den Karten als Wanderweg verzeichnet. Doch irgendwie geriet sie in Vergessenheit, obwohl das der vielleicht schönste Aufstieg zu dem beliebten Panorama­gipfel ist. Man läuft nämlich sehr lange am Kamm entlang, genau auf der Grenze zwischen Bayern und Tirol. Geografisch zählt die Gruppe um das Trainsjoch noch zu den Bayerischen Voralpen. Jenseits der Thierseer Ache schließen sich die Brandenberger Alpen an.
Die Almen auf der Nordseite gehören zu Oberaudorf und Kiefers­felden, diejenigen auf der Südseite zu Thiersee. Dort liegt auch die namensgebende Trainsalm. Die Sprach­wissenschaft leitet das Bestimmungs­wort Trains übrigens von Troje für Viehtrieb ab, was bei einer Alm auf jeden Fall plausibel klingt. Interessanter­weise findet man das Wort nicht weit entfernt auch im Hofnamen Trojer nahe der Gießenbach­klamm.

Tourcharakter und Schwierigkeit

1350 m 20 km7:20 h

Anspruch ■■■■■■ T3
Kondition ■■■■■■
Orientierung ■■■■■■
Sofern man nicht mit dem Auto bis hinter ins Gießenbachtal fährt, braucht man für die Tour wirklich ausgesprochen viel Ausdauer. Außerdem sollte man sich weglos orientieren können. Bei schlechter Sicht besser meiden. Technisch ist die Wanderung dagegen leicht, auch wenn die Steige teilweise etwas holprig daherkommen.

Wegbeschreibung

Anmarsch von Kiefersfelden

Wer es sich antun möchte, bereits in Kiefersfelden loszulaufen, nimmt den Weg am Kieferbach zum Wasser­rad unterhalb der Gießenbach­klamm. Für Trailrunner ist das okay, für alle anderen eine Gewalttour. Wobei derartiges bis weit ins 20. Jahrhundert hinein für die Wanderer noch ganz selbst­verständlich war. Die Aufstiege ins Wendelstein­gebiet begannen damals gewöhnlich an den Bahnhöfen der Inntalbahn. Eine Ausnahme bildete nur der Wendelstein selbst, dank der Zahnradbahn.
Der Rosenheimer Bergsteiger Dr. Julius Mayr (1855 - 1935) löste das Problem des abgelegenen Trainsjochs mit einer zweitägigen Tour. Er startete in Oberaudorf und übernachtete auf dem Brünnsteinhaus (DAV). Ebenfalls keine schlechte Idee!

Gießenbachtal

Vordere Gießenbachklamm
Die Wanderung beginnt mit der wildromantischen Gießenbachklamm.

Vom angeblich größten Wasserrad Bayerns an der ehemaligen Bleiersag, das 35 Haushalte mit Strom versorgt, laufen wir am Gießenbach hinter zur Vordere Gießen­bach­klamm1. Dort gibt es ein weiteres Wasser­kraftwerk. Neben dem Fallrohr des Kraftwerks leiten Stufen zum Klammweg hinauf. Der starke Bewuchs verstellt leider etwas den Blick in die Gießen­bach­klamm. Sehr schön zu sehen sind immerhin die Sinter­bildungen aus Kalktuff an den Schluchtwänden. Sie entstehen durch stark kalkhaltiges Wasser, das über die Felsen herab­läuft. Wo die Sonne das Wasser erwärmt, fällt Kalk aus, so wie zu Hause im Wasserkocher.
Oberhalb der Klamm staut ein Wehr den Gießenbach zu einem kleinen See auf. Dahinter steht die beliebte Schopperalm, auf der es in der Früh noch ruhig ist.
Wir wandern von der Schopperalm geradeaus zum Kreuzbichl, wo es rechts zur Kies­straße ins Gießenbach­tal geht. Zweieinhalb Kilometer muss man nun bis zum Wanderparkplatz2 mit der öden Piste vorliebnehmen.

Das Wasserkraftwerk am Gießenbach bei Kiefersfelden nahm 1910 den Betrieb auf und ist damit eines der ältesten in Bayern. Zum Vergleich, das Walchensee­kraftwerk wurde erst 14 Jahre später fertig. Der Steig durch die Gießenbach­klamm diente ursprünglich dem Material­transport für den Bau der Staumauer. Über Druckrohre fließt das Wasser vom Stausee zu den beiden Turbinen am unteren Ende der Klamm. Mehr Info

Guggenalm über Kohlstatt

Jagdhütte auf der Guggenalm
Ab der versteckten Guggenalm muss man sich weglos orientieren können.
Beim Wanderparkplatz wenden wir uns wie beschildert spitz links zur Guggen-Kohlstatt. Bei moderater Steigung zieht sich die Forst­straße im Wald­schatten am Saugraben bergauf. Nach einiger Zeit kommt bei der ehemaligen Kohlstatt eine Gabelung. Wir müssen links Richtung Thiersee und Reinhardsberg. Der rechte Ast führt zur Oberaudorfer Alm, über die der Abstieg verläuft. Gleich danach steht etwas von den Bäumen verdeckt eine Diensthütte. Wenige Schritte weiter muss man an einer Kurve von der Forststraße rechts auf einen unter­geordneten Weg wechseln. Er führt aus dem Wald hinaus zur Guggenalm3. Auf der Lichtung stehen eine Jagdhütte und ein Kaser, jeweils von einem Almanger mit Klaubsteinmauer umgeben.

Zur Bartholomäuskapelle

Bartholomäuskapelle
An dem alten Übergang von der Oberaudorfer Alm zur Trainsalm steht die 2012 neu errichtete Bartholomäuskapelle.
Bei der östlichen größeren Hütte, also dem Kaser, gibt es in der rechten oberen Ecke der Einzäunung einen Durchlass. Man passiert ein Stück oberhalb eine Quell­fassung und steigt auf der Almlichte konsequent nach links oben, bis man einen Weidezaun erreicht. Anschließend folgt ein kurzer Abstieg zur Bartholomäus­kapelle4. Die verschindelte, innen modern gestaltete Kapelle wurde 2012 an Stelle eines vor langer Zeit verschwundenen Vorgängerbaus errichtet. Sie steht in einer Einsattelung, die einen alten Übergang zwischen Bayern und Tirol bildet.

Auf das Trainsjoch

Trainsjoch
Nur langsam rückt das Trainsjoch näher.
Ab der Kapelle bleibt man am besten auf der linken Seite des Weidezauns. Über herrlich bucklige Almweiden geht es immer am Rücken bergauf, von einem Grenzstein zum nächsten. Hinter einem großen Holzkreuz tauchen die Hütten der Trainsalm auf. Im Norden ist der Brünnstein zu sehen, einer der schönsten Berge der Gegend. Unbedingt auch mal zum Kaisergebirge und dem Pendling umdrehen. Das Tourenziel rück nur langsam näher. Gegen Ende wird der Kamm felsiger und es geht mehrmals Auf und Ab. Am Gipfel des Trainsjochs5 ist man nach dem ruhigen Aufstieg dann doch überrascht, wie viel dort los sein kann.

Abstieg über die Oberaudorfer Alm

Oberaudorfer Alm
Auf der Oberaudorfer Alm stehen mehrere denkmal­geschützte Hütten.
Beim Abstieg wandern wir zunächst ein Stück am Kamm zurück und zweigen bald links zur Oberaudorfer Alm ab. Steil, rutschig und über viel Wurzelwerk quetscht sich der Steig dort durch enge Latschen­gassen. Aufpassen, wenn er nach links knickt. Oberhalb der Oberaudorfer Alm lichtet sich das Gestrüpp. Von da kann man direkt neben einem schwach ausgeprägten Graben über die Weide zu den Almhütten6 absteigen.
Bei der Oberaudorfer Alm beginnt ein breiter Weg hinab ins Gießenbachtal. Nicht den rechten Fahrweg zur Guggen-Kohlstatt nehmen. Das wäre länger. Unten kommt man bei der Hinteren Gießenbachklamm7 heraus. Ab da wie beim Hinweg.