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Steinerne Agnes

Sagenhafter Rundweg im Lattengebirge

Hoch oben im Lattengebirge steht die sagenhafte Felsskulptur der Steinernen Agnes, zu der man auf einem einfachen Rundweg hinaufwandern kann. Wie von Künstlerhand geschaffen sieht sie aus, dabei waren nur Wind und Wetter am Werk. Das einzigartige Naturdenkmal gehört zu den hundert schönsten Geotopen Bayerns und wurde mit dem deutschland­weiten Prädikat Nationaler Geotop ausgezeichnet.
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Steinerne Agnes
Aus dieser Perspektive ähnelt die Steinerne Agnes tatsächlich einer Frauengestalt.

Das Lattengebirge gehört geologisch schon zu den Salzburger Kalk­hoch­alpen und ist überwiegend aus Dolomiten aufgebaut. Skurrile Ferstürme sind typisch für den Gebirgsstock.
Die Steinerne Agnes, in alten Karten als Steinerne Sennerin verzeichnet, liegt im Bereich des so genannten Oberen Ramsau­dolomits, dem Pendant zum Hauptdolomit der Bayerischen Alpen. Die Gesteins­schichten liegen an der Figur horizontal vor. Durch die unterschiedliche Verwitterungs­beständigkeit der Schichten entstand die charakteristische Form der Steinernen Agnes mit dem an einen Hut oder Pilz erinnernden Aufsatz.

Spannender als die nüchternen geologischen Erklärungen sind die düsteren Sagen zur Steinernen Agnes und dem nahen Teufelsloch, einem Felsentor hoch oben am Kamm. Die Sagen liegen in mindestens drei Varianten vor.

Nach der ersten Sage war Agnes eine begabte und hübsche junge Frau, die aber auch als hochmütig galt. Sie arbeitete als Almerin im Lattengebirge. Eines Tages lernte sie einen Jäger kennen, von dem sie schwanger wurde. Der Jäger machte sich auf Nimmer­wieder­sehen aus dem Staub. In ihrer Verzweiflung wegen des Ehrverlusts tötete Agnes auf Anraten des Teufels das Neugeborene, worauf sie durch göttliche Strafe in Stein verwandelt wurde.Der traurigen Geschichte wohnt ein wahrer Kern inne.Ledige Mütter, besonders mittellose aus der Unterschicht, erwartete in der frühen Neuzeit oft ein hartes Schicksal. Eine uneheliche Schwanger­schaft galt als Schande, die Kinder besaßen wenig Ansehen in der Gesellschaft. Die Frauen waren mit der Situation oft überfordert und hatten kaum Unterstützung zu erwarten.

Die Agnes der zweiten Sagenversion war im Gegensatz zur ersten sehr fromm und widerstand den Verführungs­versuchen des Jägers, welcher in Wirklichkeit der Teufel selbst war. Der Jäger wurde immer zudringlicher. Quer durch das Gebirge verfolgte sie der Teufel in Jägersgestalt. Da öffnete sich in letzter Minute vor ihr die Felswand zum heutigen Teufelsloch. Agnes wähnte sich schon in Sicherheit und schlüpfte hindurch, doch der Teufel kam hinterher. Am Ende rettete sie die Versteinerung vor seinem Zugriff und Engel trugen ihre Seele in den Himmel.

Nach der dritten Version war Agnes verheiratet, doch ihr Mann verließ sie während der Schwanger­schaft. Sie tötete ihr Kind nach der Geburt und stürzte sich verzweifelt in das Rotofenloch, wo sie zu Stein wurde.

Tourcharakter und Schwierigkeit

690 m 9 km3:00 h

Anspruch ■■■■■■ T3
Kondition ■■■■■■
Orientierung ■■■■■■
Der beschilderte Rundweg über die Steinerne Agnes besteht aus einem gut gangbaren, manchmal schmalen Steig, der teils mit Stufen ausgebaut ist. Vorsicht bei Nässe in den steilen Grashängen, den Gräben und Bachquerungen. Wenn noch Schnee liegt, unbedingt meiden!

Wegbeschreibung

Nach Bichllehen

Der Aufstieg zur Steinernen Agnes führt durch einen freundlichen, lichten Kiefernwald.
Die Wanderung beginnt beim Weiler Eisenrichter an der Bushaltestelle Winkl Zollhäuser. Autofahrer starten beim Parkplatz nördlich des Eisenrichter­steins. Oberhalb des Weilers Bogner wenden wir uns links. Man könnte den Rundweg aber natürlich auch anders herum machen. Das ist beliebig.
Der Weg kreuzt das meist trockene Bett des Schwarzen­grabens und verläuft im Wald­schatten südwärts. Ab Bichllehen1 geht es dann bergauf. Im Berchtes­gadener Land tragen Einzel­gehöfte oft Lehennamen auf Grund der mittel­alterlichen Siedlungs­geschichte. Den Bauern wurde vom Klosterstift ein Stück Land zur Bewirt­schaftung überlassen, es blieb aber Eigentum des Klosters. Für das geliehene Land mussten die Bauern Abgaben und verschiedene Dienste leisten.

Aufstieg über den Schwarzenberg

Watzmann und Hochkalter
Aus der Ferne grüßen der Watzmann, die Blaueisspitze und der Hochkalter.
Nach den ersten Serpentinen folgt der Steig einem mit Kiefern bewachsenen Rücken. Solche lichten Schneeheide-Kiefernwälder sind im Lattengebirge verbreitet. Man findet sie beispiels­weise auch an der Hochplatte und dem Dötzenkopf. Sie gedeihen an trockenen, sonnigen Standorten auf humusarmem Felsboden.
Rechts klafft ein eindrucksvoller Graben. Die Felsen gegenüber sind dunkel, was wohl zu dem Namen Schwarzenberg führte. Bald schlängelt sich der Steig einen steilen, gras­bewachsenen Hang empor und quert dann durch den Kotberg­riedlbach. Wir passieren noch die Rotofenalm-Diensthütte und sehen nun voraus voller Freude das Naturdenkmal aufragen. Eine gute Aussicht ins Zentrum der Berchtesgadener Alpen gibt es obendrein.

An der Steinernen Agnes

Steinerne Agnes
Unvermittelt treten die Bäume zurück und voraus ragt die Steinerne Agnes aus den Latschen heraus.
Um die Steinerne Agnes2 ganz aus der Nähe zu betrachten, kann man auf ihrer Ostseite durch eine Latschengasse hinaufsteigen.Bitte an dem wertvollen Natur­denkmal nicht herumkraxeln, auch wenn es einem noch so in den Fingern juckt.2009 verletzte sich dort ein Bergsteiger bei einem Absturz schwer. Außerdem bröckelt die Figur. Ein Teil der Hutkrempe brach 2016 ab, möglicherweise in Folge von Kletter­aktivitäten.
Folgt man ein kleines Stück dem Weg in Richtung Dreisesselberg, bietet sich nochmals eine ganz andere, interessante Perspektive. Oberhalb fallen weitere Felstürme auf, die in der bayerischen Uraufnahme als Drei Jäger verzeichnet sind.
Das Teufelsloch befindet sich übrigens nicht wie manchmal wegen der Sage vermutet direkt bei der Steinernen Agnes, sondern 300 Höhenmeter weiter oben am Grat zwischen Keilkopf und Mottkopf. Wenn die Sonne hindurchscheint, ist es bis vom Tal aus zu erkennen. Besonders gut sieht man es vom Freimahder Köpfl auf der Nordseite.

In den Rotofensattel

Untersberg
Blick zum Untersberg. Die beiden Zacken ganz links gehören zum Vorderen Rotofen.

Für den Rückweg über den Rotofensattel nimmt man gleich direkt unterhalb der Steinernen Agnes den Steig nach Osten. Also nicht mehr zur Diensthütte zurück. Es geht nun längere Zeit bei gleichbleibender Höhe durch den Hang.
Nach einigen Minuten kommt eine Lichtung. Dort stand früher die Hütte der aufgelassenen Rotofenalm3. Schon erstaunlich, dass in diesem Gelände Alm­wirtschaft überhaupt möglich war. Auch die Steinbergalm weiter westlich wurde aufgegeben. Heutzutage sind derart gefährliche Weidegründe keine Option mehr. Interessanter­weise war die Rotofenalm Standort eines Signalfeuers, genau wie am Feuerbichel drüben am Untersberg. Die Vermutung liegt nahe, dass ein Zusammenhang mit der Grenzfestung Hallthurm bestand.
Nach einer Weile leitet der Weg bergauf in den Rotofensattel4, der zwischen dem Mittleren und Vorderen Rotofen liegt.

Die Silhouette der drei Rotofenzacken ähnelt einer liegenden Frau, weshalb das Gebirge im Volksmund Schlafende Hexe genannt wird. Der Große Rotofenturm am Vorderen Rotofen heißt wegen seiner markanten Form auch Montgelas-Nase. Das Felswort Ofen bezeichnet die teils überhängende Südwand, an der auffälliges rotes Tongestein auftritt.

Abstieg zum Eisenrichterstein

Hinter dem Rotofensattel wandern wir durch dichten Wald zügig talwärts. Unten am Eisenrichterstein5 rechts zum Ausgangspunkt zurück.Alternativ könnte man auch links zur Befestigung Hallthurm laufen, wo der Bus ebenfalls hält. Die Entfernung ist identisch. Von der ehemaligen Berchtesgadener Talsperre steht noch ein Turm. Im Wald existieren beiderseits Mauerreste.