1. Ammergebirge

Teufelstättkopf (1758 m) über Sonnenberggrat

Überschreitung von Oberammergau nach Linderhof

Das Pürschlinghaus mit dem nahen Teufelstättkopf ist einer der Hauptanziehungs­punkte in den Bergen zwischen Oberammergau und Linderhof. Hängt man den Sonnenberggrat davor und wandert anschließend oben herum weiter Richtung Brunnenkopfhütte, dann ergibt sich eine abwechslungsreiche und verhältnismäßig einsame Überschreitung.

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Panorama vom Teufelstättkopf mit Laubeneck, Hennenkopf und Klammmspitze. Links im Hintergrund ist die Hochplatte zu sehen.

Teufelstättkopf und Sonnenberg liegen im östlichen Teil des Klammspitzkamms. Dieser lange Kamm zieht sich vom Kofel bei Oberammergau über viele Gipfel und Grattürme bis zum Lobental in der Nähe von Halblech.
Geologisch markiert der Klammspitzkamm den Übergang von den Flyschbergen zu den Kalkalpen. Während in den nördlich vorgelagerten Trauchbergen und der Hörnlegruppe das Flyschgestein sanfte Hügel hervorbringt, bildet das Kalkgestein am Klammspitzkamm schroffe Felszacken aus. Gerade dieser unterschiedliche Charakter der Berge um Oberammergau macht den besonderen Reiz der Landschaft aus.Die Naturschönheit der Gegend blieb auch den bayerischen Königen nicht verborgen.König Maximilian II. besaß ein Jagdhaus am Pürschling sowie ein weiteres am Brunnenkopf. Sein Sohn, der Märchenkönig Ludwig II., verabscheute zwar die Jagd, besuchte aber ebenfalls gerne die beiden Berghäuser.
In der Zeit nach dem Ersten Weltkrieg übernahm die DAV-Sektion Bergland die Gebäude, sanierte sie und baute sie nach ihren Bedürfnissen um. Die Brunnenkopfhäuser sind in ihrer Substanz noch weitgehend original. Das heutige August-Schuster-Haus am Pürschling wurde dagegen Anfang der 70er Jahre an Stelle der ehemaligen Wirtschaftsgebäude errichtet. Das alte königliche Pürschlinghaus oben auf dem Felssporn wird von der Sektion Bergland intern genutzt.
Die Einöde Linderhof war ursprünglich auch nur eine bessere Jagdunterkunft. Wohl bei einer der zahlreichen Hofjagden seines Vaters lernte Ludwig II. den Einödhof kennen. Er ließ ihn später in mehreren Phasen zum Schloss ausbauen.Linderhof ist die einzige größere Schlossanlage des Märchenkönigs, die komplett fertiggestellt wurde.Dass er einerseits die Schlichtheit seiner Berghäuser genoss und gleichzeitig einen derartigen Prunkbau verwirklichte, scheint nicht so recht zusammenzupassen. Man darf die Schlösser Ludwigs jedoch nicht als Nutzbauten verstehen, sondern als Stein gewordene Theaterkulissen seiner Fantasiewelt.

Tourcharakter und Schwierigkeit

1350 m 1240 m 18 km5:50 h

Anspruch■■■■■■T4
Kondition■■■■■
Orientierung■■■■■■

Die Steige am Klammspitzkamm sind vielerorts schmal, exponiert und anspruchsvoll. Insbesondere der Abschnitt über den Sonnenberggrat eignet sich nur für erfahrene Bergwanderer. Trotz der Sicherungen kam es dort bereits mehrmals zu tödlichen Unfällen. Der zweite Teil ab dem August-Schuster-Haus gestaltet sich etwas einfacher.
Auf keinen Fall sollte man die Tour unternehmen, wenn Schnee liegt oder die Steige nass sind. Vorsicht ist außerdem bei Gewitterneigung geboten, denn man kann nicht überall problemlos vom Grat talwärts flüchten.
Bitte auch bedenken, dass die Strecke wirklich sehr weit ist und es fortwährend auf und ab geht. Auf den holprigen Steigen kommt man zudem nicht wirklich schnell voran.

Wegbeschreibung

Aufstieg über die Kolbenalm

Wir laufen vom Bahnhof Oberammergau knapp 200 Meter auf der Rottenbucher Straße ortsauswärts und dann links zur Talstation der Kolbenbahn. Von den Liftanlagen führt ein Fußweg im Waldschatten am Kolbenbach entlang. Man gelangt auf diesem nach wenigen Minuten an den Fahrweg, der sich über die Kolbenalm zum Kolbensattel hinaufschlängelt. Die Kolbenalm ist in Wirklichkeit ein stattlicher Berggasthof.
Bald nach der Kolbenalm1 zweigt links der steile Steig zum Sonnenberggrat ab. Im Zickzack zieht er sich neben dem Brunnberggraben empor. Der Bach des Brunnberggrabens wird von einer Quelle gespeist, auf die der Name des Brunnbergs zurückgeht.
Etwa auf halber Höhe kreuzt bei einem Unterstand der Königsteig vom Kofel, der zum Kolbensattel verläuft. Wir halten uns stattdessen bergwärts. Der Wald locker nun mehr und mehr auf. Unter dem so genannten Zahn biegt der Steig nach rechts und nähert sich dem zackigen Sonnenberggrat.Früher wechselte die markierte Route östlich des Zahns über den Grat auf die gefährliche Südseite. Obwohl der alte Steig noch teilweise vorhanden ist, lässt man das besser bleiben. Er wurde aus gutem Grund verlegt.

Sonnenberggrat zum Pürschling

Der Steig am Sonnenberggrat ist landschaftlich sehr reizvoll.

Knapp unterhalb des Sonnenberggrats windet sich der Steig nun in einer längeren Traverse romantisch an den Felsen entlang. Drahtseile helfen an ein paar ausgesetzten Stellen. Zwischendrin kann man den Gipfel des Sonnenbergs2 mitnehmen, was leicht zu übersehen ist. Gegen Ende stößt von unten ein Steig hinzu. Dort wechselt man in die Südflanke, auf der das extrem abschüssige Gelände äußerste Konzentration erfordert. Es gab schon tödliche Abstürze! Zuletzt geht es wieder zurück auf die Nordseite, wo kurz darauf das August-Schuster-Haus3 am Pürschling erreicht wird.

Teufelstättkopf

Von Westen gleicht der Teufelstättkopf einer unbezwingbaren Burg und ist doch einfach zu besteigen.

Am Pürschlinghaus gabelt sich der Weg Richtung Brunnenkopf­hütte auf. Der Höhenweg links stellt die schnellere und bequemere Variante dar. Er wird vom Maximiliansweg genutzt. Für die Weit­wanderer mit ihrem schweren Gepäck ist das natürlich sinnvoll. Sowohl Maximilian II. als auch Ludwig II. sind diese Strecke übrigens einst gegangen. Trotz allem, wir nehmen die vielseitiger, ein wenig anspruchsvollere Gipfel­route. Dazu geht es wie beschildert rechts an der Bergwacht­hütte vorbei zum Grat empor und dahinter in einen Sattel. Aufpassen, wann rechts der Abstecher zum Teufelstättkopf4 abzweigt. Der Aufstieg zum Gipfel ist unschwierig. Nur für die letzten Meter werden die Hände benötigt. Das Drahtseil möchte man angesichts der speckigen Felsen nicht missen.

Hennenkopf

Der Weiterweg vom Teufelstättkopf Richtung Brunnenkopf muss den Gipfeln ausweichen, da diese nicht überschritten werden können. Die Felswände des Laubenecks werden nordseitig passiert, der Hennenkopf später an seiner Südseite. Beide Gipfel könnten einfach bestiegen werden. Zum Laubeneck existieren nur schwache Trampelpfade. Der markierte Steig zum Hennenkopf ist besser zu finden und kürzer. Gleich nach der Querung unter seinen Südabbrüchen kommt man rechts durch ein Trümmerfeld zum Gipfel5. Dieser bietet nochmals eine lohnende Fernsicht.

Abstieg nach Linderhof

Nach dem Hennenkopf leiten Serpentinen einen steilen Grashang abwärts zu dem bereits erwähnten Höhenweg vom August-Schuster-Haus. Dieser taucht bald in den Wald ein und führt am Dreisäuler Kopf unterhalb vorbei. Unweit der Brunnenkopfhütte mündet er schließlich in den ehemaligen Reitweg6 von König Maximilian II. Der Reitweg zu den Brunnenkopfhäusern ist ein sehr beliebter Wanderweg. Auf ihm gelangt man bequem hinab ins Graswangtal zu Schloss Linderhof.
Falls der Bus noch nicht gleich kommt, kann man sich im Schlosspark die Zeit vertreiben. Er ist auf jeden Fall einen kurzen Besuch wert. Für eine Besichtigung der kompletten Anlage benötigt man fast einen halben Tag.