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Siebenhütten und Große Wolfsschlucht

Wanderung bei Wildbad Kreuth

Die wildromantische Wanderung über Siebenhütten in die Große Wolfsschlucht unternahmen bereits vor 200 Jahren die noblen Kurgäste von Wildbad Kreuth. Heutzutage wollen die meisten möglichst schnell hinauf in die Blauberge. Für die Schönheit der Strecke bleibt da wenig Zeit. Es lohnt sich daher, diesem Teilabschnitt einmal eine eigene Tour zu widmen.
Stand:

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Die beliebte Wandereinkehr in Siebenhütten hat am frühen Morgen noch geschlossen.

Man würde es kaum für möglich halten, dass der beliebte Wanderweg von Wildbad Kreuth durch die Große Wolfsschlucht ein uralter Saumpfad ist, der schon im Mittelalter genutzt wurde. Er verband die Klöster Tegernsee und St. Georgenberg bei Stans in Tirol, die über diese Route einen regen Handel unterhielten. Schmuggler nutzen ihn sicher auch, Hirten natürlich und außerdem die bayerischen Jäger, die alle Hände voll zu tun hatten, die Tiroler Wilderer in Schach zu halten.
Bei so viel Betrieb blieben die Schwefelquellen am Hohlenstein wohl nicht lange unentdeckt. Wegen der heilsamen Wirkung des Wassers bei Haut­krankheiten und Gelenk­leiden wurde das Kloster Tegernsee auf die Schwefelquellen aufmerksam. Das Gebiet um das heutige Wildbad Kreuth gehörte bis zur Säkularisation dem Kloster Tegernsee. Abt Heinrich V. ließ schließlich 1511 an der Quelle ein Badhaus errichten, aus dem später das noble Wildbad Kreuth hervorging.

Schwefelquellen sind in den Bayerischen Alpen übrigens stets ein Indiz dafür, dass das Wasser durch gipshaltige Raibler Schichten fließt. Oberflächlich sieht man in der Gegend um Wildbad Kreuth eigentlich ausschließlich Hauptdolomit. Dieses Gestein tritt typischerweise durch eine stark zerklüftete Landschaft in Erscheinung, welche der Wolfsschlucht ihren rauen Charakter verleiht. Unter dem Hauptdolomit lagern jedoch normalerweise die Raibler Schichten.

Tourcharakter und Schwierigkeit

180 m 10 km2:20 h

Anspruch ■■■■■■ T2
Kondition ■■■■■
Orientierung ■■■■■

Der Weg über Siebenhütten in die Große Wolfsschlucht ist kurz und sehr einfach. Trotzdem sollte man festes Schuhwerk anziehen, denn der Steig führt teilweise direkt durch das steinige Bachbett der Felsweißach. Gerade an heißen Sommertagen ist die Wanderung ein Genuss, weil es immer am Bach entlanggeht.

Wer sich spontan dafür entscheidet, vom Talschluss der Großen Wolfsschlucht doch noch den steilen, ausgesetzten Steig in die Blauberge hinaufzukraxeln, muss trittsicher und schwindelfrei sein.

Wegbeschreibung

An der Hofbauernweißach nach Siebenhütten

Entlang der Hofbauernweißach geht es von Wildbad Kreuth nach Siebenhütten.

Man kann die Wanderung entweder an der Bushaltestelle Wildbad Kreuth beginnen oder an der nächsten Haltestelle Siebenhütten. An beiden gibt es jeweils einen großen Parkplatz. Der Weg ist gut beschildert. Die beiden Alternativen treffen nahe der Herzoglichen Fischzucht1 bei der Brücke über die Hofbauernweißach zusammen.
Neben dem breiten Kiesbett der Hofbauernweißach laufen wir dann auf einem Fahrweg taleinwärts und erreichen recht schnell das idyllisch an einer Bachschleife gelegene Siebenhütten2.
Ursprünglich war Siebenütten unter dem Namen Pförneralm bekannt, welche sieben Kreuther Bauern aus Pförn gehörte. König Maximilian I. erwarb die Alm, für die sich in der Folge der Name Siebenhütten einbürgerte. Auf der Alm wurden fortan Geißen gehalten, denn Ziegenmolke war Teil der Kuranwendungen in Wildbad Kreuth. Heute stehen noch vier Hütten, auch wenn es nur drei zu sein scheinen. Doch eine ist eine Doppelhütte, wie man aus der Flurkarte leicht erkennen kann.

Große und Kleine Wolfsschlucht

Gumpen im Talschluss der Großen Wolfsschlucht. Von dort führt ein ausgesetzter Steig hinauf in die Blauberge.
Gleich nach Siebenhütten entfernt sich die Hofbauern­weißach und verschwindet in einem einsamen Tal. Früher lagen dort hinten eine Triftklause, eine Winterstube und die Hofbauern Weißachalm. Aber alle Bauten sind schon seit Langem verfallen.
Unser Weg passiert bald die winzige Lichtung der Oberhofer Weißachalm3 und die Königshütte, wohl eine ehemalige Jagdunterkunft von Maximilian I. Wenig später verjüngt sich der Weg zu einem Steig, der am Bachbett der Felsweißach verläuft, teilweise sogar mittendrin. Die Schlucht wir zunehmend enger. Dann kommt links die Kleine Wolfsschlucht, in der es einen eleganten Wasserfall zu bestaunen gibt, der sich bestimmt über 20 Meter als helle Schnur den Felsen herabzieht. Wenige Minuten nach diesem Abstecher stehen wir auch schon ganz hinten im Talschluss der Großen Wolfsschlucht4. Nette Gumpen laden zum Rasten und Baden ein.

Denkmal und Quelle am Hohlenstein

Auf dem Rückweg kann man bei Siebenhütten zur Abwechslung rechts zum Hochufer hinauf. Wer das Denkmal für Maximilian I.5 zu Füßen des Hohlensteins sehen möchte, muss an der ersten Gabelung rechts, also nicht dem Kiem-Pauli-Weg folgen. Nach etwa 200 Metern steht das Denkmal rechts ein wenig im Wald versteckt. Daneben sprudelt eine Quelle.
Kurz drauf gelangen wir zum Alten Bad in Wildbad Kreuth mit der Kapelle zum heiligen Kreuz. Das heutige Gebäude entstand Ende des 17. Jahrhunderts, nachdem das erste Badhaus abgebrannt war. Leider ist die Kapelle immer geschlossen. Vom Alten Bad führt ein Fahrweg zur Herzoglichen Fischzucht hinab. Ab da geht es auf dem Hinweg zurück.