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Dreiländereck am Schwarzenberg (1200 m)

Kulturwanderung bei Füssen

Die landschaftlich wunderschöne Wanderung von Füssen über das historische Dreiländereck am Schwarzenberg steckt voller Überraschungen. Bei Unterpinswang etwa gibt es eine geheimnisvolle Höhlenburg zu sehen und man kann sich auf Spurensuche nach der römischen Via Claudia Augusta begeben. Mit dem Alpsee, dem Schwansee und dem Kalvarienberg folgen nach dem Schwarzenberg noch weitere Höhepunkte. Zahlreiche Orte erinnern dort an die bayerische Königsfamilie.
Stand:

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Schwansee
Blick über den Schwansee zu Tegelberg und Säuling.

Die Umgebung von Füssen und Schwangau gehört zu den berühmtesten Kultur­landschaften Bayerns. Als Erstes fallen einem dazu natürlich die Königsschlösser ein, die Füssener Altstadt oder die malerische Kirche St. Coloman. Doch auch abseits der spektakulären Touristen­attraktionen hat die Gegend viel zu bieten, sofern man sich für ihre Lokal­geschichte interessiert.Fast an jeder Ecke trifft man auf Spuren aus der Vergangenheit.Sie reichen bis in die Römerzeit und sogar noch weiter zurück. Machen wir uns also auf die Suche nach dem Verlauf der Römerstraße Via Claudia Augusta, dem rätselhaften Schalenstein am Burgschrofen, der verfallenen Höhlenburg bei Unterpinswang, dem kunstvollen alten Grenzstein am Dreiländereck sowie den Lieblingsplätzen der Wittelsbacher Königsfamilie rings um Alpsee und Schwansee.

Tourcharakter und Schwierigkeit

750 m 17 km4:30 h

Anspruch ■■■■■■ T2
Kondition ■■■■■■
Orientierung ■■■■■■
Die Wanderung verläuft überwiegend auf breiten, befestigten Wegen. Am Schwarzenberg sind die Steige zum Teil schmäler, außerdem oft morastig, jedoch stets ungefährlich.
Kondition braucht man für die lange Runde auf jeden Fall, vor allem weil mehrere Gegenanstiege an den Kräften zehren.
Das Wandergebiet ist insgesamt sehr gut beschildert, nur der Schwarzenberg fällt etwas aus der Reihe. Wegweiser und Markierungen sind dort eher spärlich vorhanden, so dass eine gewisse Orientierungs­fähigkeit von Vorteil wäre.

Wegbeschreibung

Zum Maxsteg am Lechfall

Wir spazieren vom Bahnhof erst einmal durch die Füssener Altstadt zur Lechbrücke und biegen dann beim Kloster St. Mang rechts in den Uferweg nach Bad Faulenbach.
In Bad Faulenbach nehmen wir den Ländeweg, der wegen des Steilufers nach oben ausweicht. Der Lech verengt sich dort zu einer kleinen Klamm. Die Strecke des heutigen Ländewegs wählten schon die Römer, als sie die Via Claudia Augusta bauten. Daran erinnert die Nachbildung eines römischen Meilensteins oberhalb des Lechfalls. Nach ein paar Hundert Metern geht es links über Stufen zum Maxsteg hinunter. Der Maxsteg überspannt den Fluss genau zwischen Lechfall und Lechklamm1, so dass man von der Brücke einen perfekten Blick auf die beiden Geotope genießt.

Auwald bei Ziegelwies

Nach Überqueren des Maxstegs wenden wir uns auf der anderen Seite flussaufwärts. Zum Glück müssen wir der stark befahrenen Tiroler Straße nur wenige Meter folgen und können uns dann in die stillen Lechauen begeben. Der Auwald wurde sehr liebevoll für Spaziergänger angelegt und bietet viele naturkundliche Informationen. Typisch für Auwälder ist, dass sie mehrmals jährlich überschwemmt werden. Bei Hochwasser kann man ihn also nicht betreten. Sobald die ersten Stelzen vom Baumkronenweg Ziegelwies auftauchen, läuft man links zur Tiroler Straße zurück.

GEOgrenzGÄNGER-Weg nach Unterpinswang

Spätgotischer Bildstock
Am Burgschrofen bei Unterpinswang steht dieser spätgotische Bildstock. Von der Antike bis in die Neuzeit führte dort eine wichtige Straße entlang.

Der Weg Richtung Unterpinswang startet in Ziegelwies2 gegenüber dem Eingang zum Baumkronenweg. Nach einem kurzen Anstieg im Wald kommt eine Kiesfläche mit großen Holzinstrumenten zur Kinderunterhaltung. An dieser Stelle spitz rechts abzweigen.
Bis Unterpinswang gehört die Strecke auch zum GEOgrenzGÄNGER, einem Themenweg, der mit Schautafeln über die geologischen Besonderheiten der Gegend informiert.
Es geht zunächst mit etwas Auf und Ab unterhalb der Rotwand3 entlang, aus der früher bunte Jurakalke gewonnen wurden. Diese sehen ähnlich wie Marmor aus und fanden unter anderem in der Barockkirche St. Mang in Füssen Verwendung.
Beim so genannten Kratzer, der seinen Name von den Brems­geräuschen der Fuhrwerke hat, biegt der GEOgrenzGÄNGER nach Süden in einen Sattel. Dahinter leitet links ein Fußweg an einem spätgotischen Bildstock vorbei in den Talboden von Unterpinswang. Genau diese Route am Kratzer soll die Via Claudia Augusta genommen haben.

Abstecher zur steinernen Altstraße

Römerstraße am Stiglberg
Ob es sich bei dieser alten Straße am Stiglberg bei Unterpinswang um die Via Claudia Augusta handelt ist umstritten.
Vor dem Aufstieg zum Schwarzenberg wäre noch ein Abstecher zur steinernen Altstraße am Stiglberg möglich. Dazu folgt man bei dem erwähnten Sattel vor dem Bildstock etwa 300 Meter dem Forstweg, der einen Rechtsbogen um den Kratzer beschreibt. Bei der Gabelung zwischen Stiglberg und Kratzer rechts.
Der in den Fels geschlagene, gut hundert Meter lange Straßen­abschnitt wurde früher von manchen Forschern für ein Originalstück der Via Claudia Augusta gehalten. Die typischen Spurrillen, wie man sie von der Via Raetia im Werdenfels kennt, fehlen aber. Außerdem scheint es zweifelhaft, dass die Römer diesen Umweg wählten. Vermutlich entstand die Trasse am Stiglberg bei einer Strecken­verlagerung um 1540 zur Verringerung der Steigung. Nach allgemeiner Übereinkunft der Heimatforscher nahm die Römerstraße die Route über den Kratzer und passierte die Stelle, an welcher der Bildstock steht.

Höhlenburg Schloss im Loch

Schloss im Loch bei Pinswang
Die Höhlenburg Schloss im Loch bei Pinswang im Lechtal wurde unter einer gewaltigen, überhängenden Felswand errichtet.

Östlich von Unterpinswang liegt am Waldrand ein Teich. Bei diesem beginnt der Aufstieg zum Schwarzenberg. Es lohnt sich auf jeden Fall, nach der ersten Kehre links an der Höhlenburg Schloss Loch4 vorbeizuschauen. Den felsigen Zugang entschärft eine Eisenkette.
Dass in Blickweite der ehemaligen Römerstraße bei Unterpinswang diese hoch­mittelalterliche Burg liegt, kann kein Zufall sein. Schließlich war die Straße auch lange nach den Römern eine wichtige überregionale Verkehrsverbindung.
Unterhalb der Höhlenburg erstreckt sich eine Wallanlage, die vermutlich der Straßen­sicherung diente. Von der Höhlenburg selbst sind ein paar Grundmauern erhalten geblieben.
Das Schloss Loch gehörte ursprünglich dem Allgäuer Geschlecht der Hohenegger. Anfang des 14. Jahrhunderts eroberte Tirol im Zuge seiner Macht­ausdehnung nach Norden die Höhlenburg. Die Hohenegger errichteten daraufhin die sehenswerte Burg Eisenberg im Füssener Alpenvorland.

An der höchsten Stelle in der Burg befinden sich in einer waagerechten Felsplatte drei napfartige Vertiefungen unterschiedlicher Größe. Solche Schalensteine kommen in den Alpen häufig vor. Ihren Zweck konnte bislang niemand abschließend klären. Datierungen sind schwierig. Die vor Witterung gut geschützten Näpfe könnten prähistorischen Ursprungs sein, aber auch erst aus dem Mittelalter oder der Neuzeit stammen. Eingeritzte christliche Kreuzsymbole lassen vermuten, dass die Menschen den als heidnisch interpretierten Schalenstein entzaubern wollten. Die Bedeutung des Schalensteins ist ebenso unklar wie der Grundriss der Burg. Der Ort dürfte bereits in der Steinzeit als Lager gedient haben. Eine genaue Erforschung steht noch aus.

Dreiländereck am Schwarzenberg

Nach der Höhlenburg schlängelt sich der Steig neben einer Felswand recht steil bergauf. Man hält sich stets an die Wegweiser zum Dreiländereck und ignoriert die Abzweigungen rechter Hand. Mit der Zeit wird der Steig flacher und führt durch einen grabenartigen, manchmal morastigen Einschnitt. Später muss man rechts im Zickzack zu einer Forststraße hinauf. Nach einigen Hundert Metern auf der Forststraße geht es links zum Gipfelkreuz5. Wenige Schritte südlich des Kreuzes steht am Dreiländereck ein kunstvoller alter Grenzstein. Dort trafen bis Anfang des 19. Jahrhunderts die Grafschaft Tirol, das Kurfürstentum Bayern und das Hochstift Augsburg zusammen. Der Grenzstein erfüllt bis heute seinen Zweck auf der Landesgrenze.

Abstieg zum Alpsee

Pindarplatz
Am Pindarplatz über dem Alpsee soll König Maximilian II. den griechischen Dichter Pindar gelesen haben.

Vom Grenzstein am Dreiländereck folgt man einem sporadisch markierten, unscheinbaren Steig Richtung Osten, der bald nach rechts schwenkt. Nicht auf dem Rücken weiterlaufen. Der breiter werdende Steig führt die Südseite hinab. Auf halber Höhe schließt sich ein Forstweg an, der unten in die Fürstenstraße mündet. Auf dieser gelangt man zum Alpsee.
Am Westende des Alpsees befindet sich der beliebte Platz am Marienmonument6, den die bayerische Königin Marie von Preußen besonders liebte. Kein Wunder, die Aussicht ist einmalig. Ihr Gatte, König Maximilian II., hielt sich gerne weiter östlich am Pindarplatz auf.

Vom Alpsee zum Schwansee

Vom Marienmonument wandern wir am Nordufer des Alpsees entlang. Der Weg verläuft leicht ansteigend durch einen offenen Kiefernwald. Die sonnige, trockene Südlage auf Felsuntergrund gefällt den Kiefern. Andere Bäume haben damit Probleme.
Bei dem bereits erwähnten Pindarplatz gibt es nochmals einen tollen Blick über den See. Danach links zum tiefer gelegenen Schwansee wenden. Sein Wasser bezieht der Schwansee unterirdisch vom Alpsee. Das dort anstehende Kalkgestein ist stark verkarstet. Es kam sogar schon zu einem Erdfall, weil eine Karsthöhle im Untergrund einstürzte. Das Wasser tritt an Karstquellen wieder hervor und fließt in den Schwansee. Eine Quelle sprudelt direkt neben dem Wanderweg.
Beim Schwansee7 kann man je nach Belieben links oder rechts herum. Am Nordende gibt es einen Badeplatz. Der parkähnliche Charakter der Umgebung ist kein Zufall, sondern beruht auf dem einstigen Schlosspark, den Maximilian II. sich dort anlegen ließ.

Über den Kalvarienberg

Marienkapelle
Auf halber Höhe am Kalvarienberg Füssen steht die neugotische Marienkapelle.

Zwischen dem Schwansee und Füssen steht der Kalvarienberg. Die Aussichts­plattform oben bietet ein großartiges Panorama. Doch vorher müssen wir gut 150 Höhenmeter Gegenanstieg in Kauf nehmen.
Von der Nordwestecke des Schwansees zieht sich eine Kiesstraße bergauf. Nicht versehentlich der Königstraße eine Etage tiefer nehmen, außer man möchte den Kalvarienberg umgehen. Nach einiger Zeit zweigt von der Kiesstraße ein Steig ab, der sich durch einen lichten Kiefernwald zum Kalvarienberg8 hinaufschlängelt. Über der Grabkapelle wurde ein künstlicher Gipfel mit Kreuzigungs­szene errichtet.

Der Kalvarienberg entstand zwischen 1837 und 1842. König Ludwig II. schätzte den Kalvarienberg sehr. Er besaß eine wenig bekannte religiöse Seite und betete öfters an den Kreuz­weg­stationen.
Vom Kalvarienberg geht es anschließend immer dem Kreuzweg folgend über die Nordseite nach Füssen hinunter. Auf halber Strecke steht die Marienkapelle. Ursprünglich war die Nordseite übrigens fast baumlos. Man muss vom Kreuzweg einen wirklich schönen Blick auf die Stadt gehabt haben.

Sehenswürdigkeiten in Füssen: Bei einem Bummel durch die romantische Altstadt von Füssen kann man die Wanderung gemütlich ausklingen lassen. Sehenswert sind die Kirchen St. Mang und Heilig Geist. Wer mehr Zeit hat, kann das Museum der Stadt Füssen im ehemaligen Barockkloster St. Mang oder das Hohe Schloss besichtigen.