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Schoßrinn-Wasserfall im Priental

Wanderung von Aschau nach Grattenbach

Die Wanderung von Aschau auf dem Prientalweg zum Wasserfall an der Schoßrinn belohnt mit einem einzigartigen Naturschauspiel. Egal zu welcher Jahreszeit, die Schoßrinn ist immer ein Erlebnis. Im Frühling, wenn das Schmelzwasser herabtost, im Sommer, wenn man sich an der Gumpe abfrischen kann oder im Winter, wenn der Wasserfall zu einem Eisfall erstarrt.
Stand:

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Schoßbach
Der Schoßbach führt oft nur wenig Wasser, so dass dann lediglich ein dünner Schleier herabrieselt.

Mit einer Fallhöhe von 75 Metern bildet die Schoßrinn bei Hainbach den eindrucksvollsten Wasserfall des Prientals. Der Wasserfall dürfte relativ jung sein, weil es noch keine Anzeichen für die Bildung einer Klamm gibt. An der Rückwand erkennt man dünnbankiges, teils stark verfaltetes Gestein. Es handelt sich dabei um den Alpinen Muschelkalk aus der Trias, ein beständiges Gestein, das für die Entstehung einer Klamm durchaus geeignet wäre. Die Partnachklamm bei Garmisch-Partenkirchen beispielsweise liegt im Alpinen Muschelkalk. Sie hat aber natürlich auch einen ganz anderen Wasser­durchfluss als die Schoßrinn.Bei den Wasserfällen im Priental scheinen die Felswände gleichsam aus dem Talboden herauszuwachsen.Seitentäler, die vom Haupttal durch eine Felswand getrennt sind und über diesem sozusagen in der Luft hängen, findet man überall in den Alpen. Das Phänomen hat mit der eiszeitlichen Vergletscherung zu tun und ist leicht zu verstehen. Die Gletscher der Haupttäler besaßen durch ihre größere Masse eine viel stärkere Erosionskraft als die kleinen Lokalgletscher der Seitentäler. Sie konnten den Talboden damit viel tiefer ausräumen. Die ursprünglich fließenden Übergänge verschwanden. Wir verdanken die schönen Wasserfälle des Prientals also dem Prien-Gletscher, der die Felsabbrüche schuf, über die heute die Bergbäche herabstürzen.

Immer wieder gerätselt wird über den Namen der Schoßrinn, dabei lässt sich die Bedeutung ganz einfach erklären. Die Schoßrinn, auf Schriftdeutsch Schussrinne, ist nämlich ein Fachbegriff aus der Mühlentechnik und bezeichnet die hölzerne Leitung, über die das Wasser mit hoher Geschwindigkeit auf das Mühlrad gleitet wird. Ein wirklich passender Name für diesen Wasserfall!

Kulturtipp: Markantes Wahrzeichen und Top-Ausflugsziel im Priental ist das Schloss Hohenaschau. Es kann im Sommer­halbjahr im Rahmen einer einstündigen Führung besucht werden. Besondere Aufmerk­samkeit verdient der barock ausgemalte Laubensaal. Mehrere Ausstellungs­räume behandeln die Baugeschichte, die Aschauer Herrschaft und die Prientaler Eisenindustrie.

Tourcharakter und Schwierigkeit

250 m 160 m 11 km2:40 h

Anspruch ■■■■■ T1
Kondition ■■■■■■
Orientierung ■■■■■
Der Prientalweg von Aschau nach Grattenbach ist durchgängig befestigt und gut beschildert. Schatten und Sonne wechseln sich ab. Während der Talweg nahezu ohne Steigungen verläuft, muss man für die Abstecher zur Hammerbachquelle und zur Schoßrinn jeweils ein Stück bergauf.
Die Wanderung eignet sich ganzjährig und ist auch bei eher trübem Wetter eine Option.

Wegbeschreibung

Renaturierte Prien bei Aschau

Schloss Hohenaschau
Auf der Wanderung sieht man das prachtvolle Barockschloss Hohenaschau von allen Seiten.

Bevor es richtig schön wird, muss man vom Aschauer Bahnhof in südlicher Richtung ein Stück an der lauten Kampenwand­straße entlang. An der Touristen­information geht es dann am Kurpark vorbei zur Prien.
Der Fluss wurde im Süden von Aschau auf einer Länge von mehreren Hundert Metern liebevoll renaturiert. Ein paar der typischen Aschauer Bankerl laden zum Verweilen ein. Für uns ist das natürlich noch zu früh.
Wir laufen nun erst einmal neben der Prien flussaufwärts und genießen dabei einen herrlichen Blick auf das Schloss Hohenaschau.

Von ihrer Quelle am Spitzstein bis zur Mündung bei Rimsting in den Chiemsee begleitet die Prien ein 36 Kilometer langer Themenweg. An den Stationen dieser Prientaler Flusslandschaft stehen kleine Infotafeln, die verschiedene Aspekte des Flusses beleuchten. Wir werden einige davon auf der Wanderung sehen.
Die im Folgenden beschriebene Strecke begleitet die Prien auf ihrem reizvollsten Abschnitt und umfasst knapp ein Drittel ihrer Gesamtlänge. Wer den kompletten Fluss erkunden will, nimmt am besten das Rad.

Oberweidach und Hammmerbach

Priental
Typische Prientaler Landschaft mit Blumenwiesen, Mischwäldern und hellen Kalkfelsen.

Die Prien umfließt den Hügel, auf dem Schloss Hohenaschau thront, an seiner Westseite. Dort liegt Oberweidach mit dem großen Park der mondänen Villa Elisabeth. Die Villa war der Alterssitz der Ehefrau von Theodor von Cramer-Klett. Mittlerweile befindet sich das Anwesen nicht mehr im Besitz der Familie.
An den Abzweigungen fallen immer wieder die Schilder des Grenzenlos-Wanderwegs auf. Dessen dritte Etappe verläuft von Aschau nach Sachrang. Er wird uns auf der ganzen Wanderung begleiten.
Gleich nach Oberweidach kommt dann Hammerbach1, wobei die beiden Orte fast miteinander verschmolzen sind.

Vom 16. bis zum 19. Jahrhundert wurde in Hammerbach bei Aschau im Priental Roheisen zu Gebrauchs­eisen verarbeitet. Grund für die Wahl dieses Standorts war der Holz­reichtum der Gegend sowie die gleichmäßig starke Schüttung der Karst­quelle des Hammerbachs, welcher die Schmiede­hämmer antrieb. Ob Holzer, Köhler oder Drahtzieher, viele Menschen der Region lebten damals ganz oder teilweise von der Eisen­industrie. Einige der Gebäude des Hammerwerks stehen noch heute. Mehr Info

Abstecher zur Hammerbachquelle

Die Berge im Westen des Prientals sind stark verkarstet und reich an Höhlen. Wie Färbeversuche ergaben, entwässert praktisch das gesamte Laubenstein­gebiet unterirdisch zur Hammerbachquelle. Um die Quelle zu sehen, muss man zunächst in Hammerbach die Straße bergauf. An ihrem Ende schließt sich ein Wanderweg an, auf dem man sie in wenigen Minuten erreicht.

Über die Kette nach Bach

Prienklamm bei Hammerbach
Die Prien präsentiert sich mal sanft und mal als reißender Wildfluss.

Zwischen Hammerbach und dem nächsten Ort Bach durch­bricht die Prien einen Fels­riegel aus hartem Wetterstein­kalk und bildet eine kleine Klamm. Wegen der Prienklamm muss der Weg dort über die so genannte Kette nach oben ausweichen. Ursprünglich durfte die Passage ausschließlich von den Fuhrwerken für das Hammerwerk benutzt werden und war mit einer Kette abgesperrt.
Am Scheitelpunkt duckt sich die Kettenkapelle in eine Felsnische. Auf der anderen Seite gelangen wir nach Bach, wo das einzige Wirtshaus auf der Wanderung steht.

Elisabethenweg zur Schoßrinn

Schoßrinn
Im Frühjahr während der Schneeschmelze oder nach starken Regenfällen ergießen sich über die Schoßrinn gewaltige Wassermassen.

Wir bleiben in Bach auf der Westseite der Prien und wandern auf dem so genannten Elisabethenweg weiter nach Einfang. Vermutlich heißt der Weg so wegen der oben erwähnten Elisabeth von Cramer-Klett.
Rechter Hand fallen dünnbankige rote Schichten der Ammergau-Formation auf, die gar nicht zu dem hellen Kalkgestein der Gegend passen wollen. Durch tektonische Kräfte landeten die bunten Jurakalke dort unter älteren Kalk­gesteinen aus der Trias. Eine Schautafel des Grenzenlos-Wanderwegs erläutert weiter Details zu dieser geologischen Besonderheit.

Den Wasserfall bei der Einöde von Einfang2 kann man nur aus der Ferne betrachten, doch die Schoßrinn ist ja schon ganz nah. Es geht noch durch ein kurzes Waldstück und dann beim Weiler Schoßrinn wie beschildert rechts zum Wasserfall3 hinauf.
Wenn der Schoßbach viel Wasser führt, spritzt einem bereits am Beobachtungs­punkt die Gischt entgegen und man kann sich im kaum weiter nähern. Meist tröpfelt es aber nur sanft herab.

Prien-Versickerung zwischen Hainbach und Grattenbach

Prien-Versickerung
Zwischen Grattenbach und Hainbach versickert die Prien in ihrem Schotterbett.

Autofahrer, die nicht mit dem Bus zurückfahren möchten, sollten sich bei der Schoßrinn auf den Rückweg machen. Ansonsten könnte man die Wanderung auf dem Prientalweg je nach Belieben noch bis Sachrang verlänger, wobei ich empfehle, nur bis Grattenbach zu laufen. Danach wird es zum Teil recht eintönig.Südwestlich der Schoßrinn liegen die Häuser von Hainbach4. Der Wanderweg wechselt bei Hainbach zunächst über die Prien und kurz darauf über die Staatsstraße. Hinter dem Parkplatz Hainbach dann links wenden, nicht an der Straße bleiben. Bei Normalwasser ist das Flussbett der Prien dort trocken. Wir werden gleich sehen, warum.
Die Prien beschreibt nun einen Bogen nach Osten, während der Weg ein wenig Abstand hält. Vor den Häusern von Stein sprudelt die Prien über eine Felsstufe und versickert danach im Kies. Je nachdem wie viel Wasser der Fluss führt, verschiebt sich die Prien-Versickerung5 weiter flussabwärts. Bei Hochwasser versickert sie gar nicht.
Auf dem letzten Kilometer von Stein bis Grattenbach kann man gut beobachten, dass das Wasser bei felsigem Untergrund hervortritt und bei Schotter unterirdisch fließt.