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Schöttelkarspitze (2050 m) über Seinskopf

Königliche Bergtour bei Krün

Die Bergtour von Krün über den Seinskopf auf die Schöttel­kar­spitze ist land­schaftlich einmalig. Schon König Ludwig II. genoss gerne das beeindruckende Panorama auf der Schöttel­kar­spitze und ließ sich dazu oben einen Pavillon errichten. Zu diesem Zweck wurden sogar ein paar Meter des Gipfels weggesprengt, um in zu planieren. Ganz schön rabiat für einen Romantiker!
Stand:

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Schöttelkarspitze
Blick von der Scharte am Feldernkreuz zur Schöttelkarspitze.

Fast überall, wo es ein schönes Platzerl in den Münchner Hausbergen gibt, hinterließ König Ludwig II. seine Spuren. Das vom bayerischen Märchenkönig selbst in Auftrag gegebene Soiernhaus nahm einen festen Platz in seinen regelmäßigen Bergfahrten ein. Ungefähr 20 Mal soll sich der König dort jeweils für mehrere Tage aufgehalten haben.

Vom Berghaus ließ sich Ludwig II. einen Reitweg zum Gipfel der Schöttelkarspitze anlegen. Zu Fuß ging er nicht hinauf. Denn nicht die sportliche Betätigung, sondern die Bewunderung der Naturschönheit und die Einsamkeit trieben ihn in die Berge. Oben stand ein schlicht eingerichteter Pavillon, in dem er angeblich auch übernachtete. Der Pavillon verfiel nach dem Tod des Königs und brannte schließlich ab. Eine ebene Fläche am Gipfel erinnert noch an die Stelle. Erhalten geblieben ist der in gemütlichen Serpentinen ansteigende Reitweg.

Wer auf den Spuren von König Ludwig II. über den enorm langen Königsweg von Krün aufsteigen möchte, macht das am besten im Rahmen einer zweitägigen Tour mit Übernachtung im Soiernhaus (DAV). Als Tagestour sollte man stattdessen besser den hier beschriebenen, kürzeren Aufstieg über den Seinskopf wählen.

Die Route über den Seinskopf gewährt interessante geologische Einblicke in die wilde Felslandschaft auf der Westseite der Schöttelkarspitze. Schroffe, zerklüftete Wände und skurrile Türme prägen sie. Unten im Schöttelkar vereinigen sich gewaltige Schuttströme. Das viele Geröll ist typisch für den spröden Hauptdolomit, der die gesamte westliche Soierngruppe aufbaut. Im Ostteil um die Soiernspitze dominiert dagegen der hellere Plattenkalk. Auch wenn diese beiden Gipfel aus völlig unterschiedlichem Gestein bestehen, so haben sie doch den an eine Stufenpyramide erinnernden Aufbau gemeinsam. Erstaunlicherweise liegen die ansonsten überwiegend schräg gestellten Gesteinsschichten an den beiden Gipfel nahezu waagerecht da.

Tourcharakter und Schwierigkeit

1340 hm 18 km6:40 h

Anspruch ■■■■■■ T4  I
Kondition ■■■■■
Orientierung ■■■■■■
Bis zum Seinskopf ist die Strecke einfach. Danach wird es anspruchsvoller und man benötigt unbedingt eine solide Trittsicherheit. Solange noch Altschneefelder zu erwarten sind, muss von der Tour abgeraten werden. Das Risiko auf den Steilhängen abzurutschen wäre zu hoch.
An der Schöttelkarspitze selbst gibt es etwas Felskontakt. Die Kletterstellen erreichen aber kaum den ersten Grad.
Darüber hinaus ist die Unternehmung außerordentlich anstrengend und nur für Trainierte geeignet.

Wegbeschreibung

Durch die Hüttlebachklamm zum Schwarzkopf

Hüttlebachklamm
Der beliebte Weg durch die Hüttlebachklamm bei Krün kann nur mit erheblichem Aufwand in Stand gehalten werden.

In Krün geht es bei der Kirche St. Sebastian hinab zur Isar. Unmittelbar auf der anderen Flussseite startet der Aufstieg zur Schöttelkarspitze. Wer sich die Hüttlebach­klamm1 ansehen möchte, muss dafür einen kleinen Umweg in Kauf nehmen. Lohnend ist das allemal. Der Graben verengt sich schnell zu einer wild zerklüfteten Schlucht, durch die ein gut befestigter Steig führt.
Das nächste Etappenziel oberhalb der Hüttlebach­klamm ist ein netter, aber unspektakulärer Aussichts­punkt namens Schwarzkopf2.

Über das Felsenhüttl zum Seinskopf

Seinskopf
Panorama vom Seinskopf mit Karwendel und Wettersteingebirge. Im Tal unten ist Mittenwald zu sehen.

Im Anschluss an den Schwarzkopf folgt die Route vorüber­gehend einem Schuttstrom, der mitten durch den Wald fließt und kleinere Bäume unter sich begräbt. Aufpassen, wann die Markierungen links aus dem Schutt hinausleiten. Durch zunehmend lichteren Wald quert der Weg nun mäßig ansteigend den Hang nach Norden. Dabei werden zwei wild aussehende Gräben gekreuzt.
Beim so genannten Felsenhüttl3 zweigt der Herzogsteig ins Schöttelkar ab. Wir steigen dagegen wieder stärker bergwärts und kommen bald in einer Scharte neben dem Felsenköpfel4 heraus. Von da erblickt man jenseits des Schöttelkars erstmals die Schöttelkar­spitze.

Seinen Namen hat das Gebiet von der längst aufgegebenen Schöttel­alm am Fuße des Kars, die vor allem aus Wald­weiden bestand. Vermutlich gibt es einen Bezug zu der im Isartal heimischen Familie Schöttl. Ihr bekanntestes Mitglied ist der Jäger Adam Schöttl aus Fall, der 1705 beim Aufstand gegen die öster­reichische Besatzung einen Teil der Gebirgs­schützen anführte.

Während die letzten Fichten und Latschen zurückweichen, gewinnen wir aus der Scharte wenig später den Seinskopf5, der mit einer wirklich prachtvollen Aussicht über das Werdenfelser Land aufwartet.

Zur Schöttelkarspitze

Der Weg vom Seinskopf Richtung Schöttelkarspitze quert einen abschüssigen Hang.

Hinter dem Seinskopf wird erst einmal etwas Höhe abgegeben. Es stehen zwei gleichwertige Varianten zur Auswahl – entweder über den Kamm oder durch die Südflanke. Beide Steige sind recht schmal. An der Schaf­kehre6 treffen sie sich wieder. Der Name weist darauf hin, dass die steilen Grashänge am Seinskopf früher mit Schafen beweidet wurden. Von der Schafkehre ist es nicht mehr weit zum Feldernkreuz, an dem sich eine alpine Scharte zur Schöttelkarspitze hin öffnet.
In brüchigem Fels (I) kraxelt man abwärts in den Sattel zwischen Feldernkreuz und Schöttelkarspitze. Von tief unten lachen die beiden smaragdgrünen Seen aus dem Soiernkessel herauf. Die andere Seite fällt zum Schöttelkar hin ab. In einer kurzen, heiklen Querung gelangt man dann auf einem brösligen Band zur Nordseite, wo der Steig in den königlichen Reitweg mündet. Von da sind es nur noch ein paar Schritte bis auf den Gipfel7.

Rückweg via Ochsenalm

Isar
Das Bett der jungen Isar bei Krün ist eine wertvolle, naturbelassene Flusslandschaft. Im Hintergrund ragt die Arnspitze hervor.

Der Abstieg von der Schafkehre zur Ochsenalm beginnt mit einer steilen Schotterspur, die etwas mühsam zu gehen ist. Die Hänge werden nur von einer dünnen Grasnarbe bedeckt. Daher möglichst genau auf dem Weg laufen, damit dieser nicht noch mehr ausfranst. Weiter unten in den Latschen flacht der Weg ab. Nach der Ochsenalm8 wird eine Kiesstraße erreicht, der man bis hinab zur Seinsalm an der Isar folgt, was sich noch eine ganze Weile zieht.
An der Isar geht es schließlich flussabwärts auf dem abwechslungsreichen Uferweg in etwa einer halben Stunde zurück nach Krün.