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Brünstlkopf (1814 m) und Schafkopf

Einsame Wanderung bei Farchant

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Von Farchant führt eine schöne Wanderung über den Schafkopf zum Brünstlkopf. Bei entsprechender Ausdauer bieten sich anschließend verschiedene Möglichkeiten für den Weiterweg an. Sehr lohnen ist etwa der abenteuerliche Abstieg durch das stille Gießenbachtal mit seinen verwilderten Pfaden. Aktualisiert am

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Inhalt

  1. Tourcharakter und Schwierigkeit
  2. Wegbeschreibung
    1. Auf die Spielleite
    2. Zum Schafkopf
    3. Kammweg zum Brünstlkopf
    4. Roßalm über Hasenjöchl
    5. Durchs Gießenbachtal nach Oberau
    6. Zum Bahnhof Oberau
    7. Rückweg nach Farchant
  3. Tourskizze mit GPS-Track
  4. Anfahrt und Einkehrmöglichkeiten
  5. Wanderkarte und Literatur
Zur Galerie (10 Fotos)
Am Brünstlkopf spaltet sich der Kamm auf. Rechts geht es über das Hasenjöchl zur Notkarspitze, geradeaus kommen Zunderkopf und Felderkopf.

Obwohl sich der Brünstlkopf fast genau im Zentrum der Kramergruppe befindet, sagt sein Name kaum jemandem etwas. Bekanntere Gipfelziele wie die Notkarspitze und natürlich der Kramer laufen ihm den Rang ab. Interessant ist der Brünstlkopf vor allem für ausdauernde Bergwanderer, die in seinem Umkreis teils recht einsame Steige entdecken können.

Der Kamm, in dessen Mitte der Brünstlkopf liegt, bildete früher die Grenze zwischen der Grafschaft Werdenfels und dem Herzogtum Bayern. Die Grafschaft Werdenfels gehörte 500 Jahre lang zum Hochstift Freising. Als reichsunmittelbare Herrschaft unterstand sie direkt dem Kaiser des Heiligen Römischen Reichs. Das Kloster Ettal auf der anderen Seite der Grenze war dagegen dem bayerischen Herzog untergeben.

Viele der ehemaligen Grenzmarkierungen der Grafschaft Werdenfels existieren noch heute. Engagierte Heimatforscher machten sie in den 90er Jahren ausfindig. Am Kamm selbst wurden kaum Markierungen angebracht, da dieser ohnehin den Grenzverlauf eindeutig vorgab. Umstritten war die Grenzlinie unter anderem im Loisachtal und der Elmau, wo die Grenzsteine deshalb zahlreicher sind.

Zwischen den Werdenfelsern und Kloster Ettal kam es fortwährend zu Streitigkeiten. So dehnten die Werdenfelser ihre Jagdtätigkeit häufig ins Gießenbachtal aus, welches von jeher zu Ettal gehörte. Die Ettaler ihrerseits fällten gerne Bäume am Heuberg auf Werdenfelser Gebiet. Wirklich ernste Konflikte entstanden dadurch nicht. Man konnte sich letztlich immer gütlich einigen.

Tourcharakter und Schwierigkeit

1320 m18 km6:40 h

Anspruch■■■■■■ T4
Kondition ■■■■■
Orientierung ■■■■■■

Bis auf das letzte Drittel ist die Tour einfach. Der Steig durch das Gießenbachtal nach Oberau erfordert dann aber absolute Trittsicherheit. Die nur fußbreite Spur quert durch einen steilen Hang, auf dem man sich keinen Ausrutscher erlauben darf. Trotz guter Markierung scheint der Steig kaum begangen zu werden und ist deshalb zum Teil überwachsen. Ein schon länger zurückliegender Windbruch sorgt bis heute für Unordnung. Einige Stämme müssen umgangen werden.

Neben alpiner Erfahrung benötigt man vor allem auch eine exzellente Kondition, insbesondere wenn man wieder bis Farchant zurück muss. Bahnfahrer haben es da ein wenig leichter.

Wegbeschreibung

Auf die Spielleite

Auf der Bahnhofstraße geht es ins Dorfzentrum von Farchant, wo schon die Wegweiser zu Schafkopf und Brünstlkopf auffallen. An der Kirche rechts halten und dem Spielleitenweg zum Waldrand folgen. Dort den Steig links neben dem Spielplatz nehmen, der im Wald die Spielleite1 hinaufführt. Man beachte die schönen Felsstufen im Plattenkalk. Weiter oben ist ein freigelegtes Stück Gletscherschliff zu sehen.
Das Spielleitenköpfl rechter Hand scheint uninteressant zu sein. Der Weg passiert die Kuppe unterhalb. Zu sehen gibt es zwar tatsächlich nichts, aber archäologisch ist der Ort bedeutsam. Denn auf dem Spielleitenköpfl wurde ein bronze- und eisenzeitlicher Brandopferplatz ausgegraben.

Zum Schafkopf

Wenn das Gelände oberhalb der Spielleite abflacht, wird die Forststraße aus dem Wassertal geschnitten. Ein paar Serpentinen höher kreuzt unser Steig einen untergeordneten Forstweg, bevor wir an der darauffolgenden Forststraße zum Schafkopf nach recht müssen.
Bereits an der ersten Forststraßen­kurve dann geradeaus auf einen schmäleren Weg wechseln und nach wenigen Metern wieder links.
Damit wäre der eigentliche Steig zum Schafkopf erreicht. Dieser tangiert später nochmals kurz einen Forstweg. Zum Glück ist die Strecke wirklich prima beschildert, sonst hätte man mit den zahlreichen Abzweigungen ziemlich zu kämpfen. Gegen Ende wird ein abschüssiger Grashang gequert. Oben am Rücken rechts zum Ausblick mit Kreuz und Bank2.

Kammweg zum Brünstlkopf

Vom Schafkopf wandert man auf dem Reschbergrücken westwärts. Dabei geht es zunächst abwärts in den Gießenbachsattel3, bei dem der Gießenbacher Weg kreuzt.
Vom Gießenbachsattel steigen wir anschließend bergauf zum Brünstlkreuz. Die letzten Fichten müssen nun den Latschen weichen. Ganz am Schluss wird es etwas schrofig. Das Brünstlkreuz ist der schönste Rast- und Brotzeitplatz auf der gesamten Tour.
Vom Brünstlkreuz haben wir nicht mehr weit zum geringfügig höheren Brünstlkopf4. Die vielen Hinterlassenschaften der Schafe deuten darauf hin, dass diese gerne am Brünstlkopf lagern.

Roßalm über Hasenjöchl

Wir wenden uns am Brünstlkopf rechts zur Notkarspitze und steigen ins Hasenjöchl5 ab.Vom Hasenjöchl wäre es gar nicht mehr weit auf die Notkarspitze. Wer also noch Lust und Energie hat, könnte die Tour zur Notkarspitze verlängern.Der Steig zur Roßalm im Gießenbachtal zweigt direkt am Hasenjöchl ab. Bald beeinträchtigen Latschen und Fichten die Aussicht. An der Gabelung beim Wassertrog rechts halten. Kurz vor der Roßalm wird ein großer Dolinentrichter passiert.
Der Roßalm-Kaser6 wird heute als Diensthütte genutzt. Am Ostende der Almlichte befindet sich eine Jagdhütte in uriger Blockbauweise. Linker Hand steht dort ein Wegweiser in der Weide, welcher uns die Richtung nach Oberau zeigt. Geradeaus ginge es dagegen auf dem breiten Gießenbacher Weg zurück zum Gießenbachsattel.

Durchs Gießenbachtal nach Oberau

Wir werfen noch einen Blick über die Lichtung der Roßalm und tauchen schnell in den Wald ein. Bis zur Gabelung Ettal-Oberau bleibt die Strecke bequem. Während der leichtere Steig Richtung Ettal unten am Gießenbach entlangführt, zieht sich der unsrige nach Oberau durch einen abschüssigen Hang. Genau auf die roten Punkte achten, um die dünne Spur nicht zu verlieren. Der anfangs lichte Wald wir zunehmend dichter.
Nach über einer Stunde auf dem vergessenen Steig trifft man auf einen Forstweg und gelangt auf diesem zum Rabenkopflift7. Beim Lift kann man entweder dem Forstweg folgen oder direkt über die grüne Skipiste hinab nach Oberau.

Zum Bahnhof Oberau

Unten in Oberau laufen wir ostwärts am Kirchbichel vorbei bis zur Pfarrkirche St. Ludwig. Auf der Anhöhe rechts davon steht noch eine weitere Kirche. Diese heißt St. Georg und besitzt einen sehenswerten Bergfriedhof.
Zum Bahnhof biegen wir bei St. Ludwig in die Alte Dorfstraße ein und wenden uns gleich danach rechts.

Rückweg nach Farchant

Wer zurück nach Farchant muss, sollte gar nicht erst nach Oberau hinein. Stattdessen folgt man kurz vor dem Häuschen unten am Rabenkopflift der Beschilderung nach rechts zum Arbeiterkreuz auf den Kirchbichel8. Oben am Kirchbichel bei der zweiten Möglichkeit rechts. Über die Südseite des Kirchbichels geht es dann bergab ins Loisachtal und am Waldrand entlang bis Farchant.
Der Wanderweg kommt dabei an der so genannten Neuen Schanz vorbei. Diese Wallanlage wurde von Bayern zu Beginn des Spanischen Erbfolgekriegs als Verteidigung gegen Tirol angelegt. 1703 kam es zu einem Gefecht, bei dem sich die bayerischen Truppen der österreichischen Übermacht nach einigen Stunden ergeben mussten.