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Schachen (1866 m) aus dem Reintal

Rundwanderung mit Rückweg via Kälbersteig

Es gibt viele gute Gründe, um auf den Schachen zu wandern. Vor allem natürlich das prachtvolle Panorama und die abwechslungsreichen Wege. Außerdem steht am Schachen oben das schmucke Königshaus von Ludwig II. Es kann besichtigt werden, ebenso wie der botanische Alpengarten. Für das leibliche Wohl wird im Schachenhaus gesorgt.

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Aus dieser Perspektive ist deutlich zu erkennen, dass das Königshaus später auf Wunsch von Ludwig II. erweitert wurde.

Kaum zu glauben, dass der Schachen als Standort für das Königshaus nur die zweite Wahl war. Ursprünglich wollte es König Ludwig II. auf dem Eckenberg am Wank errichten lassen. Doch dort gab es Probleme mit der Trinkwasser­versorgung.
Besichtigt werden kann das Königshaus am Schachen in den Sommermonaten im Rahmen einer etwa einstündigen Führung. Die Personenzahl ist auf 30 begrenzt. Wenn also viel Andrang herrscht, kann man Pech haben.
Das eher schlicht gehaltene, wohnliche Erdgeschoß passt vom Stil her gut zu einem bayerischen Alpenschloss. Die Wände sind mit Zirbenholz vertäfelt. Dafür wurde der Zirbelkiefer­bestand am Schachen weiter ausgedünnt. Im ersten Stock befindet sich der pompöse Türkische Saal. Darin träumte sich der König in seine exotische Märchenwelt. Die Diener mussten mitspielen und sich verkleiden. Die ganze Szene dürfte ziemlich skurril gewesen sein!Ludwig II. verbrachte am Schachen vor allem seine Geburtstage und Namenstage.Offenbar feierte er lieber für sich allein in der Bergeinsamkeit als zusammen mit der höfischen Gesellschaft. Normalerweise blieb er mehr als eine Woche am Stück oben.

Wenige Meter vom Schachenschloss entfernt liegt ein kleiner Alpengarten, der vom Botanischen Garten München-Nymphenburg unterhalten wird. Er ist von Mitte Juni bis Ende August geöffnet. Der Alpengarten am Schachen existiert seit 1901 und beherbergt Pflanzen aus den europäischen Gebirgen, aber auch dem Himalaya, den Rocky Mountains und der Arktis. In München lassen sich diese nur bedingt kultivieren, denn viele alpine Pflanzen brauchen ihre natürlichen klimatischen Bedingungen, um optimal zu gedeihen.

Tourcharakter und Schwierigkeit

1150 m 23 km7:30 h

Anspruch■■■■■■T3 A
Kondition■■■■■
Orientierung■■■■■■
Die Wanderung von Garmisch auf den Schachen stellt vor allem hohe Ansprüche an die Fitness. Bei Bedarf kann man die Tour mit einer Übernachtung im Schachenhaus auf zwei Tage verteilen.
Der Aufstieg ist tendenziell etwas anspruchsvoller, denn im Teufelsgsaß muss man trittsicher und schwindelfrei unterwegs sein. Insgesamt verläuft die Runde aber auf überwiegend einfachen, breiten Wegen, die bestens ausgeschildert sind.

Wegbeschreibung

Partnachklamm

Bevor es richtig losgeht, muss man zunächst auf einem eintönigen Sträßchen vom Skistadion zum Eingang der Partnachklamm1 laufen. Die Klamm ist dann gleich das erste Highlight der Tour. Frühmorgens kann man sie noch relativ in Ruhe genießen, bevor die Touristen­massen anrücken. In die enge Schlucht mit ihren bis zu 80 Metern senkrecht aufschießenden Felswänden fällt kaum Licht. Das fast schwarze Gestein des Alpinen Muschelkalks lässt sie noch düsterer wirken. Innen ist es meistens einige Grad kühler als außerhalb. Überall tropft es von oben herab. Das Wasser tost so laut, dass man sich kaum unterhalten kann. Ein wirklich beeindruckendes Naturerlebnis. Nach dem letzten Tunnel endet die Klamm recht unvermittelt.

Zur Bockhütte im Reintal

Hinter der Partnachklamm trennen sich die Wanderwege. Wir bleiben unten an der Partnach, also Richtung Reintal und Bockhütte. Aber natürlich kann man die Runde auch anders herum machen und über den Kälbersteig aufsteigen. Das ist Geschmackssache.
Auf einer breiten Kiespiste geht es also bei angenehmer Steigung an der Partnach entlang. Im Gegensatz zu dem widerstands­fähigen Alpinen Muschelkalk der Partnachklamm dominieren nun die weicheren Raibler Schichten und der spröde Hauptdolomit, erkennbar an der zerklüfteten Felslandschaft auf der Ostseite.
Nach einigen Kilometern wird der Weg vor der Hinterklamm2 schmäler. Die Klamm kann nur von einem Aussichtspunkt aus mehr schlecht als recht eingesehen werden. Wie die versteckte Mitterklamm liegt sie im Raibler Kalk. Wenig später kommt dann kurz vor der Bockhütte die Abzweigung zum Schachen.

Aufstieg durch das Teufelsgsaß

Das Reintal ist ein typisches vom Gletscher überformtes Trogtal.
Bisher ging es eher flach dahin. Doch das ändert sich nun. Im Zickzack gewinnt der Steig schnell an Höhe. Über der Karschwelle wird der Wald lichter und man erblickt die wilde Welt des Oberreintals. Die Abzweigung zur Oberreintalhütte bleibt rechts liegen. Diese Selbstversorger­unterkunft des DAV wird überwiegend von Kletterern als Stützpunkt genutzt. Im unteren Teil des Oberreintals3 biegt unser Steig nach links in das Teufelsgsaß, eine steile, felsige Flanke. Vorsicht bei Nässe! Im Schatten wuchtiger Wände schraubt sich der Steig durch die Latschen höher, während man über das Reintal bis zum Zugspitzplatt schauen kann. Kurz bevor der Schachen4 erreicht wird, befindet sich links das Belvedere, ein wundervoller Aussichtspunkt, an dem König Ludwig viel Zeit verbracht haben soll. Im Bereich des Belvedere wachsen in der Krummholzzone Grünerlen statt der sonst im Wetterstein üblichen Latschen. Das ist ein Hinweis darauf, dass dort kein Kalkgestein ansteht, sondern der Boden sauer ist.

Rückweg auf dem Kälbersteig

Beim Abstieg folgen wir anfangs dem breiten Schachenweg, auch als Königsweg bezeichnet, auf dem Ludwig II. einst mit dem Einspänner von Elmau über die Wettersteinalm zu seinem Schloss hinauffuhr. Ringsum wachsen viele Zirben, oftmals auf Felsblöcken. Gleich nach der ehemaligen Hirtenhütte der Schachenalm wird unterhalb des Schachentorkopfs das Schachengatterl5 passiert. Der Wald wird nun dichter und ein paar Ecken weiter zweigt der Kälbersteig ab, während der Schachenweg rechts über eine Schulter zur Wettersteinalm führt.

Der Kälbersteig hält sich bis zum Keilschrofen an eine Geländerippe und quert dann hinter einem Viehzaun bald nach rechts. Anschließend wird er breiter und kreuzt bis zur kleinen Lichtung der verschwundenen Kälberhütte6 mehrmals eine Forststraße. Der ebene Boden an der Kälberhütte dürfte früher als Voralm gedient haben. Danach wird es noch einmal steiler bis gut 400 Höhenmeter tiefer wieder der Hinweg bei der Partnachklamm erreicht wird. Am Nachmittag kommt es in der Klamm oft zu einem ziemlichen Gedränge, so dass man viel Geduld braucht.