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Riederecksee und Röthensteiner See

Schöne Bergseen am Risserkogel

Recht versteckt zu Füßen des Risserkogels liegen der Riederecksee und der Röthensteiner See in zwei malerischen Karkesseln. Wer die reizvollen kleinen Seen vom oben sieht, nimmt sich unwillkürlich vor, dort einmal vorbeizuschauen. Und genau das ist das Ziel dieser Wanderung, die sich ausnahmsweise einmal nicht um die Gipfel dreht.
Stand:

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Ein schmaler Steig leitet vom Riederecksee in den Blankensteinsattel.

Beim Riederecksee und Röthensteiner See bestätigt sich wieder einmal, dass Karseen häufig auf der Nordseite liegen. Kare sind nämlich eine Folge der eiszeitlichen Vergletscherung. Im Schatten erreichen die Gletscher eine größere Mächtigkeit als dort, wo sie stärker der Sonne ausgesetzt sind. Das dickere und schwerere Gletschereis auf der Nordseite verfügt über mehr Kraft zur Bildung von Karen, die dann entstehen, wenn Gletscher über eine Geländestufe mit weichen Gesteinen fließen, die sich leicht abtragen lassen. Beim Riederecksee und Röthensteiner See sind das die Kössener Schichten aus der Trias, die einen hohen Anteil an Tonstein enthalten.Nach dem Abschmelzen bleiben in den ausgeräumten Vertiefungen häufig kleine Seen zurück, deren Boden von den feinen Sedimenten des Gletscher­abriebs abgedichtet wird.Natürliche Abflüsse gibt es nur, wenn viel Wasser ins Kar strömt und die Karschwelle eine entsprechende Schwachstelle aufweist. Beim Unteren Gaisalpsee in den Allgäuer Alpen ist das der Fall, es kommt aber eher selten vor. In der Regel ist der Pegelstand im Frühling nach der Schneeschmelze am höchsten und sinkt im Verlauf des Sommers durch Verdunstung und Versickerung.In den Tegernseer Bergen existieren übrigens nur noch diese beiden Karseen.Derjenige am Seekarkreuz verlandete vor gut 100 Jahren vollständig. Ein Schicksal, das langfristig jeden Karsee ereilt. Außerdem bieten längst nicht alle Kare die Voraussetzungen für einen See. Die Mulde des gewaltigen Schinderkars beispielsweise wurde völlig mit Geröll verfüllt.

Tourcharakter und Schwierigkeit

800 m 10 km3:30 h

Anspruch ■■■■■■ T4  I
Kondition ■■■■■■
Orientierung ■■■■■■
Vom Riederecksee zum Blankensteinsattel nutzt die Wanderung einen unbezeichneten Steig, der schmal, teilweise felsig und etwas ausgesetzt ist. Trittsicherheit und Schwindelfreiheit sind dort unabdingbar. Ansonsten gibt es keine alpinen Heraus­forderungen.
Ungefähr die Hälfte verläuft auf breiten, auch ein wenig langatmigen Wirtschaftswegen, der Rest auf Steigen, die bei Nässe stellenweise morastig werden.
Von dem erwähnten kurzen Abschnitt zwischen Riederecksee und Blankensteinsattel abgesehen sind alle Wege sehr gut beschildert.

Wegbeschreibung

Riederecksattel über Sieblialm

Das Marterl am Riederecksattel erinnert an das Lawinenunglück vom 2. März 1954, bei dem vier Menschen den Tod fanden.

Bei der Kistenwinterstube führt auf der anderen Seite der Rottach ein Teersträßchen bergauf. Für uns gelten die Wegweiser Richtung Risserkogel und Blankenstein über die Sieblialm. Bei der Gabelung vor der Siebli-Winterstube, einem stolzen alten Holzhaus, muss man wie beschildert links. Den Abstecher zum Wasserfall heben wir uns für den Rückweg auf.
Bald taucht voraus die Sieblialm1 auf. Bei dieser schließt sich ein recht idyllischer, oft feuchter Steig an, der überwiegend im Wald an Sturzblöcken vorbei die Riedereckalm ansteuert. An der urigen Blockhütte der Riedereckalm mit dem kleinem Vouhaagl, also einer eingezäunten Veranda, möchte man am liebsten schon Pause machen.

Das letzte Stück von der Riedereckalm zum Riederecksattel2 verläuft im Freien. Dabei tritt langsam der Risserkogel ins Blickfeld, am Sattel dann auch der Blankenstein.
Der schöne Bildstock im Sattel erinnert leider an ein trauriges Ereignis aus dem Jahr 1954. Damals verunglückten vier junge Skifahrer in einer Lawine, die sie beim Queren der Schneeböden über dem Riederecksee selbst ausgelöst hatten.

Riederecksee und Blankensteinsattel

Der Blankensteinsattel mit der Blankensteinnadel.
Vom Riederecksattel geht es in wenigen Minuten hinunter in den versteckten Karkessel mit dem türkisgrünen Riederecksee3. Ein wirklich einzigartiger Ort. Wir passieren die private Skihütte oberhalb des Sees und folgen dann nicht dem bezeichneten Wanderweg rechts zur Blankensteinalm, sondern laufen einfach geradeaus weiter.
Hinter einem Weidedurchlass beginnt ein deutlicher Pfad. Er quert den Blockschutt zu Füßen des Blankensteins und schraubt sich anschließend durch steile Grasschrofen empor. Dabei rücken die aufschießenden hellen Felswände immer näher. Vorsicht, wenn geklettert wird, besteht Steinschlag­gefahr. An der ein oder anderen Stelle braucht man die Hände. Unbedingt gelegentlich zum Riederecksee umschauen. Der Tiefblick ist fantastisch.
Gegen Ende wird das Gelände zunehmend exponierter. Vor dem Blankensteinsattel4 führt der Steig direkt an der markanten Blankensteinnadel vorbei.Wer Lust auf einen Gipfel verspürt, kann in weniger als einer halben Stunde den Risserkogel erreichen. Der Normalweg auf den Blankenstein erfordert Klettererfahrung im II. Grad.

Rückweg über den Röthensteiner See

Durch Verlandung ist der Röthensteiner See zweigeteilt. Dahinter sind der Setzberg und der Wallberg zu sehen.

Der Steig auf der Westseite des Blankenstein­sattels präsentiert sich zu Beginn stark erodiert und ausgewaschen. Links ist die obere Stufe des Röthensteinkars zu sehen. Gut möglich, dass der flache grasbewachsene Fleck dort einst von einem winzigen See eingenommen wurde.
Im Wald wird der Weg besser. Bald weichen die Bäume wieder zurück und da liegt der Röthensteiner See5 umrahmt von felsigen Steilhängen auf einer heimeligen Lichtung. Eigentlich sind es bedingt durch die Verlandung inzwischen zwei Seen.
Vom Röthensteiner See geht es nun zügig talauswärts. Ab der Röthensteinalm muss man leider wieder mit einem Teersträßchen vorliebnehmen. Hätte Kies nicht ausgereicht?

Nahe der Rottachalm6 zweigt links der Weg auf den Wallberg ab, ebenfalls eine schöne Tour. Die restliche Strecke zur Kistenwinterstube ist eher langweilig, doch es gibt ja noch den wundervollen Siebli-Wasserfall7 zu sehen. Aufpassen, denn bergab kann man die Abzweigung direkt hinter der Blockhütte leicht übersehen.
Der Sieblifall ergießt sich über eine ungefähr 15 Meter hohe Stufe aus Oberrhätkalk, demselben Gestein, aus dem auch der Blankenstein besteht. Mit den bewachsenen großen Felsblöcken und dem rauschenden Gebirgsbach bildet der romantische Ort einen tollen Ausklang für die Wanderung.