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Reitstein und Platteneck (1592 m)

Einsame Gipfel westlich der Blauberge

Reitstein und Platteneck liegen in einer Art Niemandsland. Die meisten Almen ringsum wurden aufgelassen. Markierte Wanderwege sind weit und breit nicht vorhanden. So verschlägt es nur wenige Menschen dorthin. Allenfalls auf das weitläufige Platteneck flüchten sich gelegentlich ein paar Menschen, um dem Rummel am Schildenstein zu entkommen.

Die Tegernseer Berge sind eigentlich für ihr dichtes Netz an gepflegten Wanderwegen bekannt. Doch es existieren sogar dort weniger erschlossene Gebiete, in denen sich interessante Touren abseits der markierten Wege unternehmen lassen. Vor allem im Süden, wo die Tegernseer Berge an die Brandenberger Alpen grenzen, wird man fündig. Im Umkreis des Reitsteins etwa gibt es einige wirklich sehr einsame Wege und Steige, die allenfalls von ein paar Liebhabern oder den Jägern genutzt werden.

Natürlich gestaltet sich die Orientierung auf derartigen Touren ein wenig mühsamer. Man sollte es also gelassen sehen, wenn man sich verläuft und umkehren muss. Wer weiß, manchmal erweist sich der vermeintlich falsche Pfad auch als besonders reizvoll. Insofern sollte der Routenvorschlag hier eher als Anregung verstanden werden, sich selbst auf die Suche nach den versteckten, unbekannten Ecken zu machen.

Tourcharakter und Schwierigkeit

980 m1040 m16 km5:40 h

Anspruch■■■■■■ T3
Kondition ■■■■■■
Orientierung ■■■■■

Obwohl die beschriebene Route technisch einfach ist, sollte man trotzdem über ausreichend Bergerfahrung verfügen. Denn man kann sich auf solchen Unternehmungen nie ganz sicher sein, dass man nicht doch in schwierigeres Gelände gerät.

Die eigentliche Herausforderung stellt wie gesagt die knifflige Orientierung dar. Teilweise sind die Steige verwachsen und schlecht erkennbar. Ein Abschnitt ist sogar völlig weglos. Es handelt sich also um ein echtes Pfadfinder- und Wildnis­erlebnis! Am besten warten, bis der Schnee weitgehend verschwunden ist, weil die Pfade sowieso schon schwer genug zu finden sind.

Wegbeschreibung

Zur Bodigbergalm

Der Bus hält in Bayerwald ein Stück westlich der Trifthütte. An dieser startet der Weg zur Bodigbergalm. Am besten läuft man nicht entlang der Straße zur Trifthütte, sondern direkt am Weißachufer, wo es kleine Trampelpfade gibt. Bei der Weißachbrücke nahe der Trifthütte1 schlägt man dann den Wirtschaftsweg zur Bodigbergalm ein. Dieser kreuzt noch einen ausgeschilderten Talwanderweg und hält sich vorerst Richtung Süden. Die großartige Landschaft mit Bächen, Wasserfällen und Schluchten lenkt gut von der monotonen Trasse ab.Besonders beeindruckt der wilde Totengraben, durch den ein alter Triftsteig führt. Aber das ist eine andere Tour.Wenn man an der idyllisch gelegenen Diensthütte mit Stauweiher vorbeikommt, ist die Bodigbergalm nicht mehr weit.

Auf den Reitstein

An der Bodigbergalm2 endet die Ausbaustrecke. Eine zunächst deutliche Spur steuert das Stacheleck an und gabelt sich bald an einem Bach auf. Ich versuchte es mit dem rechten, also westlichen Ast. Zwei Wanderer hinter mir entschieden sich für den linken. Sie kamen ebenfalls oben an. Selbst wenn der Pfad zwischenzeitlich schlecht zu erkennen ist, verliert er sich doch niemals völlig. Leicht ansteigend umrundet er das Stacheleck in einem teils steilen Hang bis zu einem alten Jägerstand. Von dort in engen Serpentinen auf die Anhöhe zwischen Stacheleck und Reitstein.
Anschließend über einen buckligen, licht bewaldeten Rücken nach Süden. Dabei passiert man einen historischen Grenzstein – nicht den letzten für heute. Auf dem Reitsteingipfel3 steht ein schlichtes Kreuz. Wenige Meter südöstlich des Gipfels liegen die verwitterten Holzreste einer zusammen­gefallenen Jagdhütte herum. Der Blick zum Guffert ist prachtvoll.

Weiterweg zum Platteneck

Der in regelmäßigen Abständen mit Grenzsteinen markierte Streifen zwischen Bayern und Tirol ist fast baumfrei. Also läuft man durch diese Schneise einfach von Grenzstein zu Grenzstein. Zuerst etwas abwärts – dann gemütlich ansteigend zur Hochfläche des Plattenecks. Einen ausgeprägten Gipfel sucht man dort vergeblich. Die Plattenalm4 duckt sich auf der bayerischen Seite in eine Mulde, während die Grenze in Luftlinie den Blaubergkamm anvisiert.

Abstieg zur Königsalm

Ab der Plattenalm geht es einer dünnen Spur folgend grob Richtung Nordosten. Es ist nicht gleich klar, welches der Steig zur Königsalm ist. Vor allem muss man achtgeben, nicht hinüber zum Schildenstein zu geraten. Der Steig verläuft anfangs hangparallel durch eine Latschengasse und zieht sich danach einen Rücken hinab. Unten über eine Weide und rechts zum herrschaftlichen Gebäude der Königsalm5, welches sich hinter einer Kuppe verbirgt. Der Name der Alm und das herrschaftliche Gebäude erinnert an die Zeit, als König Maximilian I. in der Gegend auf die Jagd ging.Wer wieder zum Ausgangspunkt an der Trifthütte zurück muss oder zur Bushaltestelle Klamm möchte, kann nun von der Königsalm bequem nach Klamm absteigen.

Über das Graseck nach Wildbad Kreuth

Trotz Gegenanstiegs ist es lohnender, von der Königsalm noch zum Aussichtsplatz am Graseck6 hinaufzuwandern, statt die Kiesstraße nach Klamm zu nehmen.
Vom Graseck gibt es einen Schleichweg nach Siebenhütten. Die Schilder oben verraten den versteckten Pfad nicht, der genau hinter der Brotzeitbank beginnt. Er überquert den Gerlosbach oberhalb eines Wasserfalls und mündet später im Gerlosgraben in einen Forstweg. Man erreicht auf diesem romantischen, kaum genutzten Abkürzer den beliebten Wanderweg von Siebenhütten nach Wildbad Kreuth.
Wer noch in Siebenhütten7 einkehren will, wendet sich rechts. Andernfalls gleich talauswärts und an der großen Kreuzung bei der Forellenzucht entweder rechts zur Bushaltestelle Wildbad Kreuth oder geradeaus zur Bushaltestelle Siebenhütten.

Mindestens seit Ende des Mittelalters sind die schwefelhaltigen Heilquellen am Hohlenstein bekannt. Das dort errichtete Wildbad mit Kapelle gehörte bis zur Säkularisation dem Kloster Tegernsee. 1817 erwarb es König Maximilian I. und ließ es zu einem noblen Kurbad ausbauen. Wildbad Kreuth befindet sich bis heute im Besitz der Wittelsbacher.