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Lindlalm am Reifenberg (998 m)

Panoramawanderung im Chiemgau

Die Wanderung zur Lindlalm auf dem Reifenberg überrascht mit einer exzellenten Aussicht in die Chiemgauer Alpen und zum Chiemsee. Ein derartiges Panorama würde man von diesem doch eher niedrigen Buckel gar nicht erwarten. Am besten startet man die Runde in Bernau am Chiemsee. Der Rückweg verläuft dann über Rottau und durch die schönen Rottauer Filze.
Stand:

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Herrenalm
Auch wenn es an der Herrenalm keine Aussicht gibt, sie liegt trotzdem unglaublich malerisch.

Der nur knapp tausend Meter hohe Reifenberg ist der letzte Vor­posten des Kampenwand­gebiets zum Alpenvorland hin. Zu seinen Füßen erstrecken sich die südlichen Chiemsee­moore, unter anderem mit den renaturierten Rottauer Filzen und Kendlmühlfilzen. Dahinter liegt dann auch schon der Chiemsee.
Im Norden ist der Reifenberg dicht bewaldet, während es auf seiner Südseite einige Almen gibt, darunter die Herren­alm, die Lindlalm und die Alm am Adersberg, heute ein Berghotel. Diese niedrigen Almen stammen in der Regel aus den letzten Jahr­hunderten, während die höheren Almen, beispielsweise an der Kampen­wand, bereits im Mittelalter entstanden.

Entlang der Nordseite des Reifenbergs verlief von 1810 bis zur Still­legung der Rosenheimer Saline im Jahr 1958 die zweite bayerische Sole­leitung. Bis Siegsdorf war die Strecken­führung der zweiten Soleleitung identisch mit derjenigen der ersten, die seit 1619 Bad Reichenhall mit Traunstein verband. Von der Soleleitung am Reifenberg selbst existiert zwar nichts mehr, doch es sind einige Bauwerke übrig geblieben, darunter das Brunnhaus und der Solehochbehälter in Bergham sowie Reste der Aufschlag­wasserleitung für den Antrieb der Pumpe in Bergham.Die Soleleitung, besonders der Abschnitt bis Inzell, musste sehr schwieriges Gelände mit vielen Steigungen überwinden.Die Brunnhäuser dienten dazu, die Sole bergauf zu pumpen. Jedes Brunnhaus verfügte über eine wasser­getriebene Pumpe, welche die Sole hinauf zu einem Hochbehälter beförderte, von dem sie dann abwärts zum nächsten Brunnhaus floss. Vollständig erhalten blieb als einziges das Brunnhaus Klaushäusl südöstlich von Rottau, in dem das Museum Salz & Moor untergebracht ist.

Tourcharakter und Schwierigkeit

470 m 16 km4:00 h

Anspruch ■■■■■■ T2
Kondition ■■■■■■
Orientierung ■■■■■■
Im Große und Ganzen hat man es auf der Wanderung mit breiten, befestigten Wegen zu tun, die zum Teil auch etwas langatmig sind. Am Reifenberg kann es stellenweise ziemlich batzing sein. Also am besten ein paar trockene Tage abwarten. Die Beschilderung ist sehr gut, trotzdem muss man mit den vielen Abzwei­gungen ein bisschen aufpassen.

Wegbeschreibung

Am Berghamer Bach nach Bergham

Bernauer Achen
Die Wanderung beginnt an der Bernauer Achen. Im Hintergrund ist bereits der Reifenberg zu sehen.

Vom Bahnhof in Bernau läuft man zunächst auf der Süd­seite der Gleis­strecke einige Hundert Meter nach Osten bis zur Bernauer Achen. Drüberhalb der Brücke rechts wenden. Gleich darauf kommt bei der Einmündung des Berghamer Bachs ein Steg. Dort muss man wieder auf die Westseite der Bernauer Achen wechseln und folgt anschließend dem Berghamer Bach südwärts zur Deutschen Alpenstraße.
Auf der anderen Seite der Alpenstraße führt geradeaus eine Neben­straße bergauf und passiert das ehemalige Brunn­haus Bergham1. Es befindet sich in Privatbesitz. Die original erhaltene Reichenbach'sche Wasser­säulen­maschine zur Beförderung der Sole steht heute im Salinenpark in Traunstein.
Bei der nächsten Kreuzung, kurz nach dem Weiler Osterham, geht es am Schilder­baum rechts und auf dem so genannten Salinenweg oberhalb der paar Häuser von Bergham vorbei. Diese schöne Panorama­strecke nutzt auch die erste Etappe des SalzAlpenSteigs. Auf der Anhöhe hinter Bergham fällt ein runder Wasser­turm auf, der aus dem Solehoch­behälter des Brunnhauses Bergham hervorging.

Wolfsschlucht und Salinentreppe

Eiserner Salinensteg
Der eiserne Salinensteg über den Schauergraben gehörte zur zweiten bayerischen Soleleitung. Am Steg verlief ein Rohr, durch das Wasser zur Pumpe im Brunnhaus Bergham geleitet wurde.

Südwestlich des Wasserturms nehmen wir vor einer Vieh­weide wie beschildert links den Weg Richtung Wolfsschlucht und Salinentreppe. Nach einem anfangs steilen Anstieg flacht er im Wald wieder ab. Die Abzweigung zur Lindlalm ignorieren wir, denn die längere Strecke über die Wolfs­schlucht ist reizvoller. Nach einiger Zeit kommt der eiserne Salinensteg. Zuvor kann man einen kleinen Abstecher in die nicht übermäßig beeindruckende Wolfsschlucht2 machen, wo Aufschlag­wasser für den Betrieb der Pumpe im Brunn­haus Bergham entnommen wurde.
Auf der anderen Seite des Schauergrabens zieht sich die Salinentreppe Hunderte Stufen zu einem Kiesweg empor. Neben der Treppe verlaufen eiserne Wasserrohre. Jedes in der Umgebung verfügbare Wasser wurde bei Bedarf zur Solepumpe geleitet, damit diese ununterbrochen betrieben werden konnte. Reste solcher Aufschlag­wasser­leitungen gibt es in den Chiemgauer Alpen auch andernorts, etwa am Brunnweg bei Eisenärzt unterhalb der berühmten Wallfahrtskirche Maria Eck.

Über die Herrenalm auf den Reifenberg

Über der Salinentreppe wandern wir auf einem gemütlichen Kiesweg oberhalb der Wolfs­schlucht entlang, bis wir an eine Forststraße gelangen. Auf dieser spitz links und nach wenigen Metern rechts auf einen Steig wechseln, der bald ins Freie zur bewirteten Herrenalm3 führt. Der Kaser liegt ausgesprochen idyllisch in einem Kessel. Die Alm heißt so, weil sie früher dem Kloster Herrenchiemsee gehörte.
Hinter der Herrenalm steigt man einfach weiter geradeaus durch die Weide bergauf bis zu einem befestigten Weg, der in ein paar Minuten zur Lindlalm4 hinaufleitet. Der höchste Punkt am Reifenberg liegt ein kleines Stück westlich der Lindlalm. Im Süden verdeckt der Schwarzen­berg leider die Kampenwand, die nur ein wenig hervorlugt. Gut zu sehen ist dagegen die Hochplatte, ein lohnender Aussichtsberg, den man ebenfalls von Rottau aus besteigen kann.

Abstieg über Adersberg nach Rottau

Gedererwand
Unterwegs nach Adersberg mit der Gedererwand vis-a-vis.

Beim Abstieg nach Rottau folgen wir entsprechend der Beschilderung zunächst dem Ostrücken mit herrlichem Blick über den Chiemsee. Am Waldsaum neben der Weide kann es batzig sein. Der Weg dreht später nach rechts. Direkt voraus erhebt sich die Gedererwand. Bald darauf wird Adersberg5 erreicht, wo ein Hotel steht.
Von Adersberg besser nicht die öde Straße nehmen, sondern gleich an der Kehre rechts auf einen oft feuchten und rutschigen Pfad abzweigen. Er mündet unten in den breiten Weg, der durch das Rottauer Tal nach Rottau6 hinausläuft. Wer müde ist, könnte in Rottau dann den Bus nehmen. Die Haltestelle befindet sich an der Hauptstraße.

Durch die Rottauer Filze

Rottauer Filze
Der Rückweg führt durch das Hochmoor der Rottauer Filze.

In Rottau steht an der Hauptstraße eine Kapelle, bei der wir in die Kapellenstraße biegen und anschließend das Dorf links auf der Eichet­straße verlassen. Ziel ist die gepflegte Kneippanlage7 am Waldrand mit Tretstelle, Armbecken, Fitnessgeräten und stylishen Holzliegen. Eine gute Gelegen­heit für eine erfrischende Pause.

Von der Kneippanlage geht es nachher neben dem Saliter­bach auf einem teils mit Bohlen befestigten Pfad in die Rottauer Filze8. Zusammen mit den ebenfalls sehr sehens­werten Kendlmühlfilzen weiter westlich bilden diese einen großen Moorkomplex. Die südlichen Chiemseemoore sind Reste des postglazialen Urchiemsees, der durch Verlandung um mehr als die Hälfte schrumpfte. Beim inzwischen aufgegebenen Torfabbau wurde in den Rottauer Filzen ein zwei Kilometer langer Bohlenweg aus der Hallstatt­zeit um 600 v. Chr. entdeckt. Da er mitten im Moor endet, wird eine kultische Bedeutung vermutet. Eine Hinweistafel macht auf das unsichtbare Boden­denkmal aufmerksam. Nach einem guten Kilometer mündet der Moorpfad in einen breiten Kiesweg, auf dem man links an der Bahnstrecke zurück nach Bernau gelangt.