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Wendelstein und Umgebung

Wanderungen zwischen Leitzachtal und Inntal

Der Wendelstein ist ein großartiger, sehr abwechslungs­reicher Berg zum Wandern. Man kann auf ihm immer wieder Neues entdecken. Allein zum Hauptgipfel führen mehr als eine Handvoll schöner Wege hinauf. Und natürlich gibt es auch im übrigen Wendelsteingebiet noch viele weitere lohnende Aussichtsberge und Wanderziele.
Stand:

Kurzbeschreibung und Wandertipps zum Wendelsteingebiet

Das Zentrum des Gebiets mit dem Wendelstein links und dem Breitenstein rechts.

Lage in den Bayerischen Voralpen

Das Wendelsteingebiet ist der östlichste der drei Hauptteile des Mangfallgebirges. Getrennt durch das Leitzachtal und das Ursprungtal schließt sich das Wendelstein­gebiet an die Schlierseer Berge im Westen an. Die Ostgrenze bildet das Inntal. Im Süden endet die Gebirgsgruppe an den Brandenberger Alpen.Neben den Bergen in unmittelbarer Nähe zum Wendelstein gehören also auch das Sudelfeld, die Flintsbacher und die Oberaudorfer Berge dazu.Das Gebiet liegt fast vollständig in Bayern, bis auf einen schmalen Streifen südlich des Trainsjochs. Der höchste Gipfel ist übrigens nicht der Wendelstein selbst, sondern der 1852 Meter hohe Große Traithen. Der Unterschied beträgt allerdings nur ein paar Meter.

Erschließung

Die gesamte Gebirgsgruppe ist ausgesprochen gut zum Wandern erschlossen. Auf den Wendelstein fährt von Brannenburg im Inntal die nostalgische Zahnradbahn sowie eine Kabinenbahn aus dem Leitzachtal. Kleinere Seilbahnen gibt es noch am Sudelfeld bei Bayrischzell und am Hocheck bei Oberaudorf. Im Sommerhalbjahr verkehrt die Wendelstein-Ringlinie. Mit ihr gelangt man bequem zu den Start­punkten der Wanderwege. Als zentraler Stützpunkt zum Übernachten steht das Brünnsteinhaus (DAV) ganzjährig offen.

Wege auf den Wendelstein

Die ersten markierten Wanderwege auf den Wendelstein entstanden bereits im 19. Jahrhundert. Heute sind sie so zahlreich, dass hier nur die wichtigsten genannt werden können.

  • An erster Stelle zu nennen ist natürlich der Aufstieg von Bayrischzell im Leitzachtal. Er gehört zu den kürzeren und eignet sich wegen seiner sonnigen Südlage besonders für den Frühsommer oder Herbst, kann aber sogar im Winter gemacht werden.
  • Ebenfalls großer Beliebtheit erfreut sich die Route von Bad Feilnbach im Norden. Sie beginnt mit dem Jenbachsteig, passiert die Wirtsalm und erreicht den Wendelstein über die Weiße Wand.
  • Der Weg von Brannenburg entlang der Zahnradbahn verläuft leider überwiegend auf Forststraßen und durch den Wald. 2020 wurden im Rahmen der so genannten Wendelstein-Streifzüge kunstvolle Sitzgelegenheiten aufgestellt, um die Strecke so etwas aufzuwerten. Besser ist es aber, wenn man an der Mitteralm abzweigt und durch den idyllischen Karkessel des Soins wandert.
  • Die landschaftlich reizvollste Route auf den Wendelstein beginnt ebenfalls in Brannenburg. Sie führt oben herum über die Rampoldplatte und die Hochsalwand. Die lange Tour erfordert eine exzellente Kondition.
  • Schon immer einer der ruhigeren Aufstiege war derjenigen von der Wallfahrts­kapelle Birkenstein im Leitzachtal über die Spitzingalm. Da passt es gut, dass er als Meditations­bergweg thematisch aufbereitet wurde. Er bietet außerdem eine vorzügliche Aussicht in die benachbarten Schlierseer Berge.

Weitere Gipfelziele

Im Osten des Wendelsteins gruppieren sich um die Hohe Asten ein paar sehr beliebte Gipfel. Eine fantastische Aussichtsloge zum Inntal hin ist der Wildbarren. Sommer wie Winter lohnt eine Besteigung des Großen Riesenkopfs bei Flintsbach. Und einer darf in der Liste natürlich nicht fehlen, der wuchtige Brünnstein mit dem einfachen Klettersteig am Dr.-Julius-Mayr-Weg. Für Einsteiger ideal, um etwas Felskontakt zu schnuppern.

Naturwunder und Geotope

Neben den vielen schönen Aussichts­gipfeln beherbergt das Wendelstein­gebiet auch mehrere sehenswerte Naturdenkmäler und Geotope.

  • Bei einem Besuch auf dem Wendelstein sollte man unbedingt die Wendelsteinhöhle befahren. Sie ist die höchstgelegene Schauhöhle Deutschlands.
  • Geologisch Interessantes hat auch das Jenbachtal zu bieten mit der Großrutschung am Brechries und den Jenbachfällen. Das Tal im Norden bei Bad Feilnbach bildet eine wichtige Zustiegsroute auf den Wendelstein.
  • Am Breitenstein gibt es eine mittlerweile ziemlich bekannte Kuriosität. Etwas versteckt befindet sich dort abseits der Wanderwege das Breitensteiner Fensterl, ein mehrere Meter hohes natürliches Felsentor.
  • Ideal für einen netten Familienausflug ist die Gießenbachklamm. Sie liegt im Süden in der Nähe von Kiefersfelden und ist die bedeutendste Klamm im Wendelsteingebiet.

Exkurs zum Namen des Wendelsteins

Warum der Berg Wendelstein heißt, konnte bislang nicht abschließend geklärt werden. Urkundlich taucht er bereits vor 450 Jahren als Wendelstain auf der Bayerischen Landtafel 22 von Philipp Apian auf. Zu seiner Bedeutung kursieren teils abenteuerliche Thesen, etwa dass der Namen von dem slawischen Wenden abzuleiten sei oder auf den Viehheiligen Wendelin zurückgehen könnte.
Die Volks­etymologie löste das Problem mit einer Sage. Demnach lebten am Berg freundliche, hilfsbereite Männlein, die verirrten Hirten halfen und liegen gebliebene Arbeiten auf den Almen erledigten. Als jedoch gierige Menschen aus dem Tal die Schätze der Bergmandl stehlen wollten, verwandelten sich Gold und Edelsteine in Eisenstein.
Recht plausibel ist die Theorie, dass der schnecken­haus­förmige Gipfelaufbau die Menschen an eine Wendeltreppe erinnerte. Möglich wäre außerdem ein Bezug zur Sonnenwende, entweder als Orientierungs­punkt zur Berechnung oder als Ort, an dem Sonnwendfeuer abgebrannt wurden.