1. Bayerische Voralpen
  2. Mangfallgebirge

Wendelsteingebiet

Berge zwischen Leitzachtal, Ursprungtal und Inntal

Das Wendelsteingebiet ist eine großartige, sehr abwechslungs­reiche Gebirgsgruppe mit vielen schönen Möglichkeiten zum Wandern. Beliebt sind vor allem die überwiegend leicht zu besteigenden Aussichtsgipfel und natürlich die zahlreich vorhandenen Berggasthäuser und Almen. Überall gibt es Sehenswertes zu entdecken, Wasserfälle, wilde Schluchten, Höhlen und noch so einiges mehr.
Stand:

Ruhige Wanderungen auf stillen Wegen

Leichte Wanderungen

Kurzbeschreibung zum Gebiet

Lage in den Bayerischen Voralpen

Das Zentrum des Gebiets mit dem Wendelstein links und dem Breitenstein rechts.

Das Wendelsteingebiet ist die östlichste der drei Unter­gruppe des Mangfallgebirges. Getrennt durch das Leitzach­tal und das Ursprungtal schließt es sich an die westlich gelegenen Schlierseer Berge an. Im Osten wird es vom Inntal begrenzt, im Süden endet es an den Brandenberger Alpen.Das Wendelsteingebiet umfasst also auch das Sudelfeld, die Flintsbacher und die Oberaudorfer Berge.Die Gebirgsgruppe liegt fast vollständig in Bayern, bis auf einen schmalen Streifen südlich des Trainsjochs. Der höchste Gipfel ist übrigens nicht der Wendelstein selbst, sondern der 1852 Meter hohe Große Traithen. Der Unterschied beträgt allerdings nur ein paar Meter.

Bahnen, Busse und Hütten

Die gesamte Gebirgsgruppe ist ausgesprochen gut zum Wandern erschlossen, sowohl bezüglich der Wege als auch der übrigen alpinen Infrastruktur.
Von Brannenburg fährt die nostalgische Zahnradbahn auf den Wendelstein, von Osterhofen im Leitzachtal eine Kabinenbahn. Weitere Seilbahnen gibt es am Sudelfeld bei Bayrischzell und am Hocheck bei Oberaudorf. Im Sommerhalbjahr verkehrt die Wendelstein-Ringlinie. Mit ihr gelangt man bequem zu allen wichtigen Start­punkten der Wanderwege.
Als Stützpunkte zum Übernachten stehen die Mitteralm (DAV), das Brünnsteinhaus (DAV) sowie das Breitenberghaus der Naturfreunde ganzjährig offen.

Schöne Wege auf den Wendelstein

Die ersten markierten Wanderwege auf den Wendelstein entstanden bereits im 19. Jahrhundert. Heute sind sie so zahlreich, dass hier nur die wichtigsten genannt werden können.

  • An erster Stelle zu nennen ist natürlich der Aufstieg von Bayrischzell im Leitzachtal. Er gehört zu den kürzeren und eignet sich wegen seiner sonnigen Südlage besonders für den Frühsommer oder Herbst, kann aber sogar im Winter gemacht werden.
  • Ebenfalls großer Beliebtheit erfreut sich die Route von Bad Feilnbach im Norden. Sie beginnt mit dem Jenbachsteig, passiert die Wirtsalm und erreicht den Wendelstein über die Weiße Wand.
  • Der Weg von Brannenburg über die Mitteralm verläuft auf gemütlichen, breiten, vorwiegend schattigen Wegen. 2020 wurden im Rahmen der so genannten Wendelstein-Streifzüge kunstvolle Sitzgelegenheiten aufgestellt, um die Strecke so etwas aufzuwerten. Besser ist es aber, wenn man an der Mitteralm abzweigt und durch den idyllischen Karkessel des Soins wandert.
  • Die landschaftlich reizvollste Route auf den Wendelstein beginnt ebenfalls in Brannenburg. Sie führt oben herum über die Rampoldplatte und die Hochsalwand. Die lange Tour erfordert eine exzellente Kondition.
  • Schon immer einer der ruhigeren Aufstiege war derjenigen von der Wallfahrts­kapelle Birkenstein im Leitzachtal über die Spitzingalm. Da passt es gut, dass er als Meditations­bergweg thematisch aufbereitet wurde. Er bietet außerdem eine vorzügliche Aussicht in die benachbarten Schlierseer Berge.

Gipfel im Umkreis des Wendelsteins

Rings um den Wendelstein liegen viele beliebte, einfache Gipfel, die man teils ganzjährig besteigen kann. Dazu gehören unter anderem der Schweinsberg im Westen sowie die Farrenpoint und der Sulzberg im Norden.
Ideal für leichte Wanderungen ist das Gebiet um den Berggasthof Hohe Asten bei Flintsbach, insbesondere lohnt sich der Große Riesenkopf oder natürlich auch der Wildbarren mit seiner fantastischen Aussicht über das Inntal.
Und noch einer darf in der Liste nicht fehlen, der wuchtige Brünnstein mit dem einfachen Klettersteig am Dr.-Julius-Mayr-Weg. Für Einsteiger perfekt, um etwas Felskontakt zu schnuppern.

Naturdenkmäler und Geotope

Neben den schönen Aussichts­gipfeln beherbergt das Wendelstein­gebiet auch sehenswerte Naturdenkmäler und bedeutende Geotope.

  • Bei einem Besuch auf dem Wendelstein sollte man, wenn möglich, die im Sommer­halbjahr offene Wendelstein­höhle besichtigen. Sie ist die höchst­gelegene Schauhöhle Deutschlands. Ihre Entstehung und die geologischen Zusammenhänge werden auf den Infotafeln leicht verständlich aufbereitet.
  • Geologisch Außergewöhnliches hat auch das Jenbachtal zu bieten mit der Groß­rutschung am Brechries und dem Jenbachfall. Das Tal im Norden bei Bad Feilnbach bildet eine wichtige Zustiegsroute auf den Wendelstein, ist aber auch für sich genommen eine Wanderung wert.
  • Am Breitenstein existiert eine sehr ungewöhnliche Kuriosität. Etwas versteckt befindet sich dort abseits der Wanderwege das Breitensteiner Fensterl. Das mehrere Meter hohe, durch Verwitterung entstandene Felsentor gehört zu den schönsten Bayerns.
  • Ganz im Süden, in der Nähe von Kiefersfelden, liegt die Gießen­bach­klamm. Sie ist die einzige echte Klamm im Wendelstein­gebiet und ein sehr beliebtes Ausflugsziel.
  • Nicht zuletzt gibt es bei Fischbach am Inn den bedeutendsten Gletscher­schliff Bayerns. Das Geotop lässt sich gut im Rahmen einer Wanderung besuchen.

Exkurs zum Namen des Wendelsteins

Warum der Berg Wendelstein heißt, konnte bislang nicht abschließend geklärt werden. Urkundlich taucht er bereits vor 450 Jahren als Wendelstain auf der Bayerischen Landtafel 22 von Philipp Apian auf. Zu seiner Bedeutung kursieren teils abenteuerliche Thesen, etwa dass der Namen von dem slawischen Wenden abzuleiten sei oder auf den Viehheiligen Wendelin zurückgehen könnte.
Die Volks­etymologie löste das Problem mit einer Sage. Demnach lebten am Berg freundliche, hilfsbereite Männlein, die verirrten Hirten halfen und liegen gebliebene Arbeiten auf den Almen erledigten. Als jedoch gierige Menschen aus dem Tal die Schätze der Bergmandl stehlen wollten, verwandelten sich Gold und Edelsteine in Eisenstein.
Recht plausibel ist die Theorie, dass der schnecken­haus­förmige Gipfelaufbau die Menschen an eine Wendeltreppe erinnerte. Möglich wäre auch ein Bezug zur Sonnenwende, entweder als Orientierungs­punkt zur Berechnung oder als Ort, an dem Sonnwendfeuer abgebrannt wurden.