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Wandern bei Mittenwald

Schöne Touren im südlichen Werdenfels

Der malerische Alpenort Mittenwald ist ein besonderer Anziehungspunkt für alle, die gerne Wandern und Bergsteigen. Egal wohin es gehen soll, ob entlang der jungen Isar, durch eine wilde Klamm, zu einer gastfreundlichen Alm oder auf einen der hohen Gipfel, hier findet wirklich jeder das passende Outdoorabenteuer.
Stand:

Einsame, unbekannte Wanderungen auf stillen Wegen

Leichte Wanderungen

Kurzbeschreibung zum Gebiet

Lage im Süden des Werdenfels

Bei Mittenwald gibt es viele malerische Bergseen.

Mittenwald ist der südlichste Ort des Werdenfelser Landes und befindet sich zwischen dem Wetterstein­gebirge im Westen und dem Karwendel im Osten. Die beiden mächtigen Gebirgs­gruppen besitzen einen sehr alpinen Charakter. Im Karwendel entspringt die Isar. Sie verlässt das Gebirge bei Scharnitz und fließt dann nordwärts an Mittenwald vorbei.
Zum Wandern liegt Mittenwald ausgesprochen günstig. Man kann direkt vom Orts­zentrum aus aufbrechen und befindet sich bereits nach kurzer Zeit mitten in der Natur. Vom Garmischer Massentourismus blieb der berühmte Geigen­bauort weitgehend verschont und bietet etwas mehr Beschaulichkeit.
Die ersten touristischen Besucher, welche die Mittenwalder Berge genauer erkundeten, waren der Bergsteiger Hermann von Barth (1845 - 1876) und der Reise­schriftsteller Heinrich Noë (1835 - 1896). Während Barth im Wetterstein und Karwendel viele, oft sehr schwere Erstbegehungen durchführte, interessierte sich Noë mehr für Land und Leute. Er fühlte sich der Gegend stark verbunden und gründete 1874 die Alpenvereins­sektion Mittenwald. Ihm zu Ehren legte die Sektion 1971 im Karwendel den Heinrich-Noë-Steig1 an, der für Bergerfahrene eine lohnende Unternehmung ist. Er verbindet die Bergstation der Karwendelbahn mit der Brunnsteinhütte (DAV).

Gemütliche Wanderungen auf den Spuren Heinrich Noës

Noës eigene Bergfahrten waren weniger alpin als der nach ihm benannte Steig. Er machte vor allem genussreiche Talwanderungen. Von seinen Empfehlungen kann man sich noch immer leiten lassen, etwa zum Besuch der wunderbaren beiden Soiernseen2, die in einem wildromantischen Kar liegen, umgeben von bekannten Aussichtsgipfeln wie der Schöttelkarspitze. Neben den Soiernseen besaß König Ludwig II. übrigens ein Berghaus, von dem er zur Schöttelkarspitze hinaufritt. Das ehemals königliche Haus wird heute vom DAV bewirtschaftet.
Besonders gut gefiel Noë die Vereiner Alm3 tief hinten im Seinsbachtal. Das von Noë erwähnte Jagdschloss bei den Almhütten, von dem nur eine einzige Fotoaufnahme zu existieren scheint, wurde 1877 leider von einer Lawine zerstört.
Ebenfalls lohnend ist die Wanderung von Mittenwald über den Schützensteig zur Wettersteinalm4, die in einem Felskessel zwischen dem Kämitor und dem Schachentor steht.
Die drei genannten Touren sind zu Fuß allerdings alle ziemlich weit, so dass viele lieber das Mountainbike nutzen. Noë hatte aber auch ein paar nähere Ziele auf seiner Liste wie den klaren Lautersee oder die Leutaschklamm. Damals war die Klamm natürlich noch nicht so spektakulär erschlossen wie heute.

Alpine Abenteuer à la Hermann von Barth

Für ambitioniertere Bergsteiger, die den Spuren Hermann von Barths folgen möchten, bieten die Mittenwalder Berge spannende Gipfeltouren. Zu den absoluten Klassikern zählt auf jeden Fall der Wörner. Barth nahm dafür die kaum mehr begangene Route aus dem Karwendeltal. Durchgesetzt hat sich der Aufstieg über die Hochlandhütte und den Wörnersattel. Ein wirklich schöner Gipfel für alle, die gerne ein wenig kraxeln.

Ein Muss für Geübte ist außerdem der Mittenwalder Höhenweg (siehe Topo)5, zu dem man am besten von der Bergstation der Karwendelbahn aus startet. Als ich den leichten Klettersteig vor Jahrzehnten zum ersten Mal beging, trug noch niemand ein Klettersteigset. Doch die Einstellung dazu hat sich seitdem geändert. Wegen der ausgesetzten Passagen und der Leitern wird vom DAV inzwischen ein Klettersteigset dringend empfohlen. Unbedingt auch an den Steinschlaghelm denken.

Wem die genannten Touren zu überlaufen sind, der hat statt­dessen vielleicht Lust auf die einsame Route über das Feichtl zum Doppelgipfel von Rotwandlspitze und Brunnensteinspitze. In der kargen Felsflanke des Feichtls trifft man nur ganz selten auf andere Wanderer, dafür aber umso häufiger auf Gämsen.

Die einzigartigen Mittenwalder Buckelwiesen

Eine überregional bekannte Naturerscheinung und gleichzeitig ein schönes Wanderziel sind die Mittenwalder Buckelwiesen6. Zwar kommen Buckelwiesen im gesamten Alpenraum vor, doch im Werdenfelser Land gibt es besonders gut erhaltene Bestände. Zu ihrer Entstehung werden verschiedene Theorien vorgetragen. Unabhängig davon, welche einem plausibler erscheint, auf jeden Fall sind die buckeligen Wiesen schön anzusehen.

Wandern auf historischem Boden

Zum Schluss noch ein paar Hinweise für historisch interessierte Wanderer, denn auch für diese hält die Umgebung Mittenwalds einiges bereit. Durch seine grenznahe Lage wurde der Ort immer wieder in militärische Konflikte verwickelt. Wenige Kilometer südlich kann man auf der Wanderung zur Porta Claudia bei Scharnitz die eindrucksvollen Ruinen dieser Tiroler Grenzfestung besichtigen. Zum Leidwesen der lokalen Bevölkerung kam es im Umkreis der Festung mehrmals zu Truppen­aufmärschen und Kämpfen. Dabei spielte ein beliebter Wanderweg am Grünkopf eine entscheidende Rolle und blieb als Franzosensteig im kollektiven Gedächtnis haften.