Estergebirge

Wandern zwischen wilden Schluchten und sanften Almen

Das Estergebirge ist ein Paradies zum Wandern und Bergsteigen. Die landschaftlich äußerst abwechslungs­reiche Gebirgsgruppe im Westen der Bayerischen Voralpen beherbergt viele schöne Aussichtsgipfel, malerische Almen, aber auch wilde Schluchten und einige der beeindruckendsten Wasserfälle des Werdenfelser Landes.

Insidertipps zum Wandern im Estergebirge

Die Hohe Kisten erhebt sich über dem Pustertal im Norden des Estergebirges.

Zwischen der Loisach im Westen, der Eschenlaine im Norden und der Obernach im Osten liegt mit dem Estergebirge der landschaftlich interessanteste Teilbereich der Bayerischen Voralpen. Früher wurde die Gruppe nach ihrem höchsten Gipfel auch Krottenkopf­gebirge genannt. Der heutige Name stammt vom Gebiet um die Esterbergalm zwischen Fricken und Wank, wobei mit Esterberg schlicht der Berg im Osten gemeint ist.
Die idyllisch gelegene Esterbergalm1 ist ein von Farchant oder Garmisch-Partenkirchen aus schnell erreichbares Wanderziel und dementsprechend beliebt. Die Almwirtschaft hat ganzjährig geöffnet. Weil die Tiere auch im Winter oben bleiben, gilt die Esterbergalm als höchster Bauernhof Deutschlands. Alte Dokumente deuten darauf hin, dass die Schwaige während der mittelalterlichen Warmzeit schon einmal ganzjährig bewohnt gewesen war.

Am eindrucksvollsten wirkt das Estergebirge vom Loisachtal aus betrachtet. Seine extrem steile, zerklüftete Ostflanke wirkt abweisend und tatsächlich ist sie in weiten Teilen ein unzugängliches Niemandsland, das nur von ein paar wilden Jagdsteigen durchzogen wird. Insgesamt bildet die Gebirgsgruppe jedoch ein relativ einfaches Wandergebiet. Viele Gipfel sind mit markierten Wegen erschlossen und technisch leicht zu besteigen.
Die drei schönsten Aussichtsgipfel sind der Wank ganz im Süden, der Simetsberg im Nordosten und selbstverständlich der Krottenkopf im Zentrum. Letzterer ist zugleich der höchste Gipfel der Bayerischen Voralpen. Die Touren zu den genannten Gipfeln werden trotz ihrer Länge gerne gemacht, wobei am Wank viele natürlich auf die mechanische Aufstiegshilfe zurückgreifen. Zum Glück ist das die einzige Seilbahn im Estergebirge. Es hätte auch anders kommen können, denn in den 70er Jahren gab es Pläne für eine Großkabinenbahn auf die Hohe Kisten.

Neben einigen wenigen Hotspots hält das Estergebirge auch jede Menge an einsamen Tour­möglichkeiten bereit. Freilich muss man dazu oftmals die Hauptwander­routen verlassen. Meistens allein ist man beispielsweise auf der malerischen Lichtung von Oberreidla2. Diesen Logenplatz mit Blick zum Wettersteingebirge kennen nur die wenigsten. Ebenfalls sehr selten besucht wird der Predigtstuhl3 unterhalb des Plattenecks und östlich des versteckten Möselkars.

Wer lieber eine gemütliche Talwanderung unternehmen möchte, wird im Umkreis des Estergebirges ebenfalls fündig. So etwa in der Kuhflucht4 mit ihren fantastischen Wasserfällen. Am besten besucht man die Kuhflucht im Rahmen einer Rundwanderung durch das Loisachtal.
Weitere lohnende Ziele in den Tallagen sind außerdem die malerischen Sieben Quellen und die Asamklamm bei Eschenlohe sowie der Barmsee im Südwesten nahe der Ortschaften Krün und Klais.

Die landschaftliche Vielfalt des Estergebirges hängt eng mit seiner Geologie zusammen. Der klare geologische Aufbau folgt chronologisch den Schichten der alpinen Trias. Zu unterst liegen die Raibler Schichten. Interessant ist vor allem die Raibler Rauwacke mit ihrer zellenartigen Struktur, wie sie an der Wallgauer Bärenhöhle5 zu sehen ist. Früher besaß diese Schicht außerdem eine gewissen wirtschaftliche Bedeutung, weil sie Gipsvorkommen enthält. Gipsbrüche gab es bei Partenkirchen am Fuße des Wank und ein Stück weiter östlich bei Kaltenbrunn.
Auf dem Raibler Band liegt der viele Hundert Meter mächtige Hauptdolomit mit seinen zerklüfteten Bergflanken und wilden Schluchten. Der bereits erwähnte Kuhfluchtgraben, aber auch die Archtalschlucht6 und die sehenswerte Asamklamm7 liegen im Hauptdolomit.
Über dem Hauptdolomit folgt im zentralen Teil des Gebirgsstocks der stark verkarstete Plattenkalk, den ein weitverzweigtes System aus Karsthöhlen durchzieht. Das Wasser fließt größtenteils unterirdisch ab und kommt erst an der Kuhfluchtquelle8 und dem Großen Wasserfall9 wieder zum Vorschein. Die gerade wegen ihrer Kargheit so reizvolle Karsthochfläche ist geprägt von Schachthöhlen, Schlucklöchern, Dolinen und Karrenfeldern.