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Herzogstand (1732 m) über Rauteckkopf

Geheimtipp von Schlehdorf

(aktualisiert am )

Mitten durch die zerklüftete Nordseite von Herzogstand und Heimgarten führt eine versteckte Route. Sie verläuft über einsame Almen, durch enge Latschengassen und über den unbekannten Rauteckkopf. Oben kommt man am Schlehdorfer Kreuz heraus. Die übrige Wanderung ist ein Klassiker.

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  1. Tourcharakter
  2. Wegbeschreibung
    1. Von Schlehdorf zur Unteraueralm
    2. Rauteckalm
    3. Schlehdorfer Kreuz über Rauteckkopf
    4. Gratweg zum Herzogstand
    5. Abstieg auf dem Pionierweg
  3. Tourskizze mit GPS-Track
  4. Anfahrt und Einkehrmöglichkeiten
  5. Wanderkarte und Literatur
Zur Galerie (10 Fotos)
Ungewöhnliche Perspektive vom Rauteckkopf auf den Jochberg.

Der Gratweg zwischen Herzogstand und Heimgarten ist die vielleicht schönste Wander­strecke in den Kocheler Bergen. Auf der eine Seite liegt der Kochelsee, auf der anderen der Walchensee. Diese geniale Perspektive lockt die Bergfreunde in Scharen an. Viele nehmen die Herzogstandbahn, den Reitweg oder steigen von Ohlstadt über die Bärenfleckhütte auf.
Kaum jemand ahnt, dass man auch von Norden über den Rauteckkopf zum Gratweg gelangen kann. Diese interessante Route ist nicht einmal schwer, was angesichts des stark zerklüfteten, scheinbar unzugänglichen Felsgeländes wirklich erstaunt. Sollte man diesen Aufstieg also besser geheimhalten? Die Meinungen darüber gehen auseinander. Spätestens seit der Alpenverein die Tour in der Ausgabe 4/2017 des Alpinwelt-Magazins veröffentlichte, stellt sich die Frage aber ohnehin nicht mehr.

Tourcharakter und Schwierigkeit

1150 m20 km6:50 h

Anspruch■■■■■■ T3
Kondition ■■■■■
Orientierung ■■■■■■

Die Wanderung ist insgesamt nicht besonders schwer oder gefährlich. Trotzdem kommt es sowohl auf dem Gratweg als auch am Pioniereweg immer wieder zu schwere oder sogar tödliche Bergunfälle. Man sollte also auf den schmalen und etwas ausgesetzten Steige schon trittsicher unterwegs sein.

Für den unmarkierten und teilweise weglosen Aufstieg zum Schlehdorfer Kreuz bedarf es einer guten Orientierungs­gabe, sonst könnte der Ausflug im Unterholz oder dem Latschen­dickicht enden.

Außerdem unbedingt genug Zeit einplanen. Erstens ist die Strecke sehr weit und zweitens muss man eventuell an der ein oder anderen Stelle suchen, wo es weitergeht.

Wegbeschreibung

Von Schlehdorf zur Unteraueralm

Die erste Stunde folgt man ab Schlehdorf ganz einfach dem regulären Weg für den Herzogstand. Das Ziel wirkt noch fern, während es im Westen des Kochelsees über die Wiesen der so genannten Raut geht. Raut ist ein Rodungsname und kommt von dem Wort reuten.
Nach einigen Kilometern bleibt der See hinter uns, während die Forststraße am Jochfleck in den Wald eintaucht. Links zweigt der Jocher Höhenweg ab. Ein Stück weiter sind wir dann mit dem Pionierweg dran. Theoretisch könnte man auch auf der Forststraße bleiben und von Westen zur Rauteckalm aufsteigen. Das ist jedoch etwas hatschert.Der erste Graben, den der Pionierweg kreuzt, heißt Teufelsgraben. Kurz bevor der Weg in den Graben biegt, hält man nach einer Pfadspur Ausschau. Mit dieser beginnt der unbezeichnete Tourabschnitt. Die Spur windet sich neben dem Teufelsgraben im Zickzack bergauf und dreht bald nach links zur Unteraueralm1. Die hübsch gelegene Hütte wird nur noch privat genutzt.

Rauteckalm

Wir begeben uns auf der Lichtung der Unteraueralm in die rechte obere Ecke. Von da gibt es eine Verbindung zur Rauteckalm. Der oft feuchte Steig durch den Wald ist gut zu erkennen und verläuft ohne großen Höhengewinn westwärts. Auf der heimeligen Lichtung der ehemaligen Rauteckalm2 steht eine urige Jagdhütte in Blockbauweise. Ab da existiert kein Pfad mehr, doch es sind noch vereinzelt Begehungsspuren zu sehen, die wohl von den Jägern stammen. Von der Jagdhütte geht es links durch eine Schneise hinauf zur oberen Almlichte, wo sich erstmals eine gute Aussicht zum Kochelsee und ins Alpenvorland bietet.

Schlehdorfer Kreuz über Rauteckkopf

Über der Rauteckalm so gut wie möglich dem Unterholz ausweichen, bis man an einer Geländekante steht. Diese Kante gibt nun die Richtung vor, wobei die Latschen das ein oder andere Mal den Weg versperren. Ein schwacher Pfad hilft, die Durchschlupfe zu finden. Bald wird dann der Rauteckkopf3 erreicht. Er ist so unscheinbar, dass man ihn glatt übersehen könnte.
Eine freigeschnittene Latschengasse leitet vom Rauteckkopf über einen Rücken direkt zum Schlehdorfer Kreuz4 empor. Die letzten Meter sind steil und felsig. Oben am Grat endet das abseitige Abenteuer.

Gratweg zum Herzogstand

Am Schlehdorfer Kreuz muss man sich zwischen dem Heimgarten und dem Herzogstand entscheiden. Letzterer ist die bessere Wahl, weil man so den schöneren Rückweg hat. Auf dem Gratweg herrscht oft viel Betrieb. Kein Wunder bei der Aussicht. Einige Stellen sind gesichert.
Am Herzogstand5 oben gibt es ein paar interessante Details zu beachten. Der heutige Pavillon wurde nach einem Brand neu errichtet. Den ersten Pavillon ließ König Ludwig II. erbauen. Daneben sind Betonfundamente zu sehen, die von einem ehemaligen Bunker stammen. Mehrere Stahl­verankerungen im Gipfelbereich zeugen von einer Bergantenne, die sich bis 1934 auf dem Herzogstand befand. Schautafeln informieren über die Geschichte der Funkstation.

Abstieg auf dem Pionierweg

Vom Herzogstand windet sich der Wanderweg in gemütlichen Serpentinen durch ein großes Latschenfeld bergab und führt unter dem Martinskopf hinüber zum Herzogstandhaus6. Ab da wandern wir auf dem zur Kiesstraße ausgebauten königlichen Reitweg weiter talwärts. Nach der Schlehdorfer Alm wird die steile Skiabfahrt gerne als Abkürzung genutzt. Nicht ideal für die Vegetation, aber in den Karten offiziell so eingetragen.
Schließlich treffen wir auf das obere Ende des Pionierwegs. Der Reitweg dreht dort rechts nach Urfeld. Hinter der sumpfigen Grasfläche Am Alple durchquert der Pionierweg den Grenzgraben. Das ist der Erste von mehreren Bächen. Nach dem Aussichtspunkt an der Neischl-Rast7 erfordert das abschüssige Gelände erhöhte Aufmerksamkeit. Jenseits des Teufelsgrabens ist der Weg bereits vom Aufstieg her bekannt.

Tipp: Auf dem Kochelsee verkehrt im Sommerhalbjahr ein Ausflugsboot. Während der Fahrt hat man eine schöne Perspektive auf die umliegenden Berge und erfährt interessante Details über den Kochelsee.