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Pupplinger Au und Ickinger Au

Isarwanderung von Wolfratshausen nach Schäftlarn

Die einfache Wanderung von Wolfratshausen entlang der Isar durch die Wildnis der Pupplinger Au und weiter über das Ickinger Wehr nach Schäftlarn bietet überraschend viel Abwechslung. Sie lohnt sich zu jeder Jahreszeit, besonders jedoch im Frühling, wenn dort in den lichten Wäldern Orchideen und andere seltene Blumen blühen.

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Die Isar hat in der Pupplinger Au bei Wolfratshausen viel Platz.

Die Pupplinger Au zählt zu den schönsten Wildfluss­landschaften Bayerns. Sie wird nur noch übertroffen vom Oberen Isartal bei Vorderriß. Bereits 1912 nahm der Bayerische Landes­ausschuss für Naturpflege die Pupplinger Au in die Liste der Schutzgebiete auf.
Das weitläufige, von der Isar und Loisach durchflossene Tal füllte bis ins Spätglazial vor etwa 14 000 Jahren der Wolfratshauser See, dessen Becken durch die eiszeitlichen Gletschervorstöße ausgeschürft worden war.Auf Grund vielfältiger Eingriffe hat die Fluss­landschaft einiges von ihrer ursprünglichen Dynamik eingebüßt.Vor allem wegen des Sylvensteinspeichers, der das Hochwasser eindämmt und das Geschiebe zurückhält. Nur im Zentrum der Puppliner Au, südöstlich der Loisachmündung, scheint die Isar die Kiesbänke noch regelmäßig umzulagern. Dort sieht man schön die verschiedenen Stadien der Besiedelung mit Pionierpflanzen.

Ein auffälliges Merkmal der Pupplinger Au sind die lichten Schneeheide-Kiefernwälder. Auf den nährstoff­armen Schotter­terrassen kann sich die genügsame Kiefer gegenüber anderen Bäumen behaupten. Das Wasser versickert schnell im Kies. Kiefern mit ihren Pfahlwurzeln kommen damit gut zurecht und sie widerstehen auch starken Stürmen besser als beispiels­weise die flachwurzelnden Fichten.
Die Schneeheide-Kiefernwälder wirken auf den ersten Blick völlig natürlich und sind doch stark von menschlichem Einfluss geprägt. Lange Zeit wurden sie als Weide genutzt, was die Verbuschung verhinderte und ihren parkähnlichen Charakter hervorbrachte. Ökonomisch lohnt sich das heute nicht mehr, doch seit einigen Jahren werden die Schneeheide-Kiefernwälder aus Naturschutz­gründen wieder beweidet. Die Rinder halten das Gras klein. Sonst würde schnell eine dichte Streufilzauflage aus abgestorbenen Pflanzenresten entstehen, welche die seltenen Pflanzenarten der Pupplinger Au wie Enziane und Orchideen erstickt.

Tourcharakter und Schwierigkeit

13 km3:00 h

Anspruch■■■■■T1
Kondition■■■■■■
Orientierung■■■■■■
Die Wanderroute durch die Pupplinger und die Ickinger Au ist nur sporadisch beschildert, dafür wenigstens teilweise mit gelben Punkten markiert. Wirklich verlaufen kann man sich aber ohnehin nicht, denn es gibt kaum Verzweigungen und es geht immer mehr oder weniger an der Isar entlang.
Die Wege sind eher schmal, stellenweise auch batzig. Ein Stück verläuft direkt am Uferabbruch eines Prallhangs, einige Meter über der reißenden Isar. Vorsicht, wer dort mit kleinen Kindern unterwegs ist.

Wegbeschreibung

Zur Isarbrücke bei Wolfratshausen

Vom Bahnhof in Wolfratshausen bis zur Isarbrücke sind es knapp zwei Kilometer. Man läuft immer an der Sauerlacher Straße entlang. Auf halber Wegstrecke steht die Barockkirche St. Nantwein, die zu Ehren des Heiligen Nantovinus erbaut wurde. Der Rompilger Nantovinus kam 1286 auf seiner Heimreise durch Wolfratshausen, wo er aus Habgier und auf Grund falscher Anschuldigungen hingerichtet wurde.
Nach den letzten Häusern beginnen bereits die Isarauen und wir erreichen schließlich die Marienbrücke1. Auf der anderen Flussseite geht es links in die Pupplinger Au.

Betretungsregeln: Die Isarauen zwischen Wolfratshausen und Schäftlarn stehen unter Naturschutz. Zwischen dem 15.3. und dem 15.10. gilt ein Wegegebot, vor allem aus Gründen des Vogelschutzes, aber auch wegen der empfindlichen Vegetation.

Pupplinger Au

Offene Schneeheide-Kiefernwälder mit kleinen Lichtungen sind typisch für die Pupplinger Au.
Bei der Treppe an der Marienbrücke muss man zuerst links, zweigt dann aber gleich nach wenigen Schritten rechts ab. Also nicht vor bis zum Isarufer. Der zunächst breite Weg wird schnell schmäler und passiert einen Tümpel, vermutlich das Überbleibsel eines ehemaligen Seitenarms.
Die wunderschöne Wildnis der Pupplinger Au2 mit ihrer abwechslungsreichen Vegetation zieht einen von Anfang an in ihren Bann. Zwischen den Kiefern gedeihen Wacholder, Heckenkirschen, Berberitzen und Weißdorn. Es blühen Blumen, die man sonst eher aus den Alpen kennt, wie die Weiße Silberwurz oder der Gelbe Frauenschuh.
Die Isar ist erst einmal nicht zu sehen, doch bald biegt der Pfad nach links und zieht sich nun haarscharf am Ufer eines Prallhangs entlang. Ein Stück weiter leitet ein Schild des Isartalvereins nach rechts von der Isar weg um ein Vogelschutz­gebiet herum. Später erhascht man einen Blick über die riesige Kiesfläche im Bereich der Loisachmündung. Darauf herumlaufen darf man nicht, auch wenn es noch so reizvoll wäre. Auf den Kiesbänken brüten Flussuferläufer und Flussregenpfeifer. Außerdem wachsen dort gefährdete Pflanzenarten wie die Deutsche Tamariske.

Ickinger Wehr

Am Nordende der Pupplinger Au verläuft der Weg wieder neben der Isar. Am Steilufer auf der anderen Seite liegt die so genannte Weiße Wand, eine Moräne aus der Würm-Kaltzeit mit hohem Kalkanteil. Voraus taucht schließlich das Ickinger Wehr3 auf. Am Wehr wird ein Teil des Isarwassers abgezweigt und über den Mühltalkanal zum Kraftwerk Mühltal geleitet.
Wir wechseln nun beim Wehr auf die Westseite der Isar, weil es am Kanal nicht so schön zum Wandern ist. Von der Brücke ist die Floßrutsche zu sehen, ein Highlight auf den sommerlichen Vergnügungsfahrten von Wolfratshausen nach München. Am Wehr kann man mitunter auch den Wellenreitern zuschauen.

Ickinger Au

Nach dem Ickinger Wehr folgen wir zunächst einem breiten Kiesweg und halten uns bei der ersten Gabelung rechts Richtung Kloster Schäftlarn. Wer müde ist, könnte dort ansonsten geradeaus zum Bahnhof Icking. Wenig später wird der naturnah angelegte Auenbach überquert, der als Ausgleichs­maßnahme entstand, um etwas von der typischen Auenlandschaft wiederher­zustellen.
Der Weg verjüngt sich nun in der Ickinger Au, teilweise ist er morastig. An einer Bachfurt vor der Lichtung am so genannten Isarspitz4 kann man sich nasse Füße holen.
Hinter dem Isarspitz wachsen noch einmal viele Wacholderbüsche. Sie konnten sich wohl gerade wegen der Beweidung ausbreiten, weil die Tiere sie im Gegensatz zu den Sprösslingen anderer Büsche nicht fraßen. Wir verlassen dann bald das Naturschutzgebiet. Zuletzt geht es im Freien oder alternativ links im Hang auf dem schattigen Gregoriweg zum Kloster Schäftlarn5. Wer noch auf einer Kiesbank entspannen möchte, unten beim Bruckenfischer in Dürnstein ist das erlaubt.

Kloster Schäftlarn

Der liebevoll gestaltete Prälatengarten von Kloster Schäftlarn ist öffentlich zugänglich.
Im Kloster Schäftlarn leben Benediktiner. Die Mönche betreiben ein Gymnasium mit Internat, außerdem Forstwirtschaft, eine Imkerei sowie die fast schon obligatorische Schnaps­brennerei.
Neben der Besichtigung der prächtigen barocken Klosterkirche St. Dionysius lohnt sich in Schäftlarn auch ein Rundgang durch den liebevoll gestalteten Prälatengarten mit seinen farbenprächtigen Rosenstöcken. Der Garten wird von ehrenamtlichen Helfern gepflegt. Sein Springbrunnen sprudelt durch den natürlichen Wasserdruck einer Hangquelle oberhalb des Klosters.
Damit endet dann die Wanderung. An der Nordwestecke des Klosters führt auf der gegenüber­liegenden Straßenseite ein steiler Fußweg in einer viertel Stunde zum Bahnhof Ebenhausen-Schäftlarn hinauf.