1. Ammergebirge

Tegelberg (1720 m) über Pöllatschlucht und Gratweg

Wanderung auf den Spuren der bayerischen Könige

(aktualisiert am )

Am Tegelberg kann man auf den Spuren der bayerischen Könige wandern. Der beliebte Ahornreitweg etwa geht auf Maximilian II. zurück. Er nutzte ihn für seine Jagdausflüge. Die elegante Marienbrücke über die Pöllatschlucht ist König Ludwig II. zu verdanken. Ohne sie wäre der aussichtsreiche Aufstieg über den Gratweg gar nicht möglich.

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Während des ersten Abschnitts hat man mehrmals fotogene Ausblicke zu Alpsee, Schwansee und in die Tannheimer.

Kaum woanders scheint die bayerische Königsfamilie greifbarer als in der Gegend um Hohenschwangau.
Den Grundstein dafür legte Ludwig I., weil er seinem Sohn das Hohe Schloss Füssen überlassen wollte. Maximilian interessierte sich jedoch mehr für Schwanstein und ließ die herunter­gekommene Burg zu Schloss Hohenschwangau ausbauen.

So kam es, dass später König Maximilian II. häufig am Tegelberg zur Jagd ging. Sein ehemaliges Jagdhaus ist heute ein Gasthaus mit Übernachtungs­möglichkeit.
Zusammen mit seiner sportlichen Frau Marie von Preußen sowie den Kindern Ludwig und Otto unternahm Maximilian II. außerdem Bergfahrten in die Ammergauer Alpen.
Der bergnarrische König Ludwig II. blieb der Gegend treu. Für romantische Landschaften hatte ja einen Sinn. Mit Schloss Neuschwanstein schuf er dort einen Touristen­magnet von Weltrang.

Gleich zu Beginn dieser königlichen Rundwanderung am Tegelberg begeistern die wilde Pöllatschlucht und der gewaltige Pöllatfall. Vom Gratweg blickt man dann auf den tiefblauen Alpsee und Schwansee. Der Säuling präsentiert sich in seiner ganzen Pracht und hinter jeder Ecke der vielfältigen Ammergauer Bergwelt eröffnen sich neue Postkartenmotive.

Tourcharakter und Schwierigkeit

930 m 17 km5:30 h

Anspruch■■■■■■T3
Kondition■■■■■■
Orientierung■■■■■■
Das moderate Tagespensum dieser Wanderung lässt genügend Zeit, um sich ausgiebig an der herrlichen Umgebung zu erfreuen. Bei der einen oder anderen Stelle sollte man aber auch den Boden im Auge behalten. Denn der Aufstieg von der Marienbrücke über den Gratweg führt teilweise durch steiles, felsdurchsetztes Gelände und erfordert Trittsicherheit.
Der Abstieg auf dem Ahornreitweg in die Bleckenau erweist sich dagegen als deutlich bequemer.

Wegbeschreibung

Durch die Pöllatschlucht

In Hohenschwangau befindet sich gegenüber der Bushaltestelle ein Parkplatz mit alten Bäumen. Dahinter verläuft ein Kiesweg links zur Pöllatschlucht. An ihrem Eingang steht die verfallene und abgebrannte Gipsmühle, in der früher Gips aus der Bleckenau zerkleinert wurde.
Um das erste Stück der Klamm1 passierbar zu machen, wurde ein Metallsteg an der Felswand befestigt. Nach dieser Engstelle ist hoch oben schon die Marienbrücke zu sehen. Unter ihr stürzt der wunderbare Pöllatfall herab. Über viele Stufen wird dann eine schmale Teerstraße erreicht, auf der die Touristenscharen zur Marienbrücke strömen. Nur wer zeitig dran ist, kommt ohne Gedränge hinüber.

Pöllatschlucht wieder freigegeben: Der Weg durch die Pöllatschlucht war seit 2014 wegen Steinschlaggefahr gesperrt und musste aufwändig saniert werden. Die Wiedereröffnung wurde mehrmals verschoben. Seit Mai 2019 ist die Pöllatschlucht wieder geöffnet.

Gratweg von der Marienbrücke

Hinter der Marienbrücke2 startet der Steig zum Tegelberg und umfängt einen nach dem Rummel rings um Neuschwanstein mit wohltuender Stille. In vielen kurzen Serpentinen wird schnell an Höhe gewonnen. Dabei genießt man prächtige Ausblicke auf die Seen und hinüber zum Säuling. Zwischendrin gibt es ein paar felsige, abschüssige Stellen. Einige Meter sind sogar mit Seilsicherung versehen.
An einem Absatz vor dem Tegelbergkopf3 wechselt der Weg in den dichter bewaldeten Nordhang, wobei alternativ eine Überschreitung des Tegelbergkopfs (I) möglich wäre.

Auf den Tegelberg

Nach dem Gratweg wird die Strecke breiter und quert längere Zeit gen Osten. Je näher die Seilbahn rückt, umso mehr Seilbahnfahrer kommen entgegen. Zudem stoßen viele Klettersteiggeher aus der Gelben Wand hinzu. Bald nach dem Gelben Wandschrofen trifft unser Weg am Grüble unterhalb des Branderschrofens auf den Schutzengelweg. Das ist der wohl beliebteste Aufstieg. Dort spitz rechts und am Tegelberghaus vorbei in wenigen Minuten zur Bergstation4.

Zum Branderfleck

Tegelberg, Ahornspitze und Hoher Straußberg vom Säuling aus betrachtet.

Wer noch auf den Branderschrofen möchte, braucht oft viel Geduld. Manchmal gibt es bereits beim Startplatz der Drachenflieger eine Warteschlange, weil sich die vielen Wanderer in dem engen Klettersteig stauen.
Vergleichsweise ruhig ist es demgegenüber auf dem abwechslungs­reichen Steig zum Sattel am Branderfleck5. Dabei werden die steilen, grasbewachsenen Südhänge des Branderschrofens gequert, was eine solide Trittsicherheit erfordert.
Der Branderfleck gilt übrigens als besonders wertvolles Geotop und gab den dort aufgeschlossenen Branderfleck-Schichten seinen Namen. Neben Mergelgesteinen fallen vor allem Brekzien auf, in denen eckige Bruchstücke miteinander verkittet sind.

Abstieg auf dem Ahornreitweg

Am Branderfleck, wo sich mehrere Routen treffen, beginnt der eigentliche Ahornreitweg. Vom Jagdhaus bis zum Branderfleck wurde nämlich nicht geritten. Der Steig ist dafür zu schmal. Der ehemalige Reitweg schlängelt sich in Serpentinen nach Westen in den Ahorngraben hinab. Nahe der Pöllat gelangt man an das Bleckenau­sträßchen. Zur Einkehr im Berggasthaus Bleckenau ginge es links. Ansonsten der Beschilderung Richtung Hohenschwangau folgend entlang der Pöllat durch das Jugendtal6 hinaus. Am Ende gelangt man wieder zur Marienbrücke. Von dort entweder links auf dem Touristen-Fußweg nach Hohenschwangau oder noch einmal durch die Pöllatschlucht.