1. Ammergebirge

Tegelberg (1720 m) über Pöllatschlucht und Gratweg

Wanderung auf den Spuren der bayerischen Könige

Überall auf dieser schönen Rund­wanderung am Tegelberg sind die Spuren der bayerischen Könige präsent, nicht nur die Schlösser, auch die Wege und Berg­häuser stammen von ihnen. Der beliebte Ahorn­reitweg etwa, den wir beim Abstieg nehmen, geht auf Maximilian II. zurück. Er nutzte ihn für seine Jagd­ausflüge. Die elegante Marien­brücke, die den Pöllatfall in schwindel­erregender Höhe überspannt, ist König Ludwig II. zu verdanken. Ohne sie wäre der aussichts­reiche Aufstieg über den Gratweg gar nicht möglich.
Stand:

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Alpsee
Während des ersten Abschnitts hat man mehrmals fotogene Ausblicke zu Alpsee, Schwansee und in die Tannheimer.

Kaum woanders scheint die bayerische Königs­familie greifbarer als in der Gegend um Hohen­schwangau. Den Grundstein dafür legte der junge Kronprinz Maximilian, der spätere König Maximilian II. Als 17-Jähriger kam er 1829 auf einer Wanderung an der herunter­gekommenen Burg Schwanstein vorbei und war sofort begeistert. Seine Schwärmerei für das Mittelalter entsprach dem damaligen Zeitgeist. Er erwarb die Ruine zu einem überhöhten Preis und ließ sie zu Schloss Hohenschwangau ausbauen. Das Schloss diente der königlichen Familie viele Jahre als Sommer­residenz. Maximilian II. ging häufig am Tegelberg zur Jagd. Sein ehemaliges Jagdhaus ist heute ein Gasthaus mit Übernachtungs­möglichkeit.
Zusammen mit seiner sportlichen Frau Marie von Preußen sowie den Kindern Ludwig und Otto unternahm er außerdem Bergfahrten in die Ammergauer Alpen.

Der bergnarrische König Ludwig II. blieb Hohenschangau treu. Für romantische Land­schaften hatte ja einen Sinn. Mit Schloss Neuschwanstein schuf er einen Touristen­magnet von Weltrang.
Die nach seiner Mutter benannte Marien­brücke entstand 1866, drei Jahre vor dem Baubeginn an Neuschwan­stein. Sie ersetzte einen älteren Holzsteg aus der Zeit seines Vaters. Die für die damalige Zeit neuartige Konstruktion fasziniert noch heute. Trotz aller Träumereien war Ludwig moderner Technik gegenüber sehr aufgeschlossen.

Tourcharakter und Schwierigkeit

930 hm 17 km5:30 h

Anspruch ■■■■■■ T3
Kondition ■■■■■■
Orientierung ■■■■■■
Eine gewisse Ausdauer ist für die Wanderung auf den Tegelberg durchaus nötig. Um also die herrliche Umgebung so richtig genießen zu können, sollte man entsprechend trainiert sein. An einigen Stellen gilt es außerdem den Boden im Auge zu behalten. Denn der Aufstieg von der Marienbrücke über den Gratweg führt teilweise durch steiles, felsdurchsetztes Gelände und erfordert Trittsicherheit.
Der Abstieg auf dem Ahornreitweg in die Bleckenau erweist sich dagegen als deutlich einfacher und bequemer.

Wegbeschreibung

Pöllatschlucht erneut gesperrt: Der Weg durch die Pöllat­schlucht war 2014 wegen eines Fels­sturzes und permanenter Steinschlag­gefahr gesperrt worden und musste aufwändig saniert werden. Die Wieder­eröffnung verschob sich mehrmals und fand schließlich im Mai 2019 statt. Bereits ein Jahr später brachen abermals Felsen ab, so dass die Schlucht vorerst leider gesperrt bleibt. Immerhin sieht man von der Marien­brücke aus auch einiges.

Durch die Pöllatschlucht

Pöllatfall
Der Pöllatfall unterhalb der Marienbrücke stürzt gut 15 Meter eine Felsstufe aus Hauptdolomit herab.

In Hohenschwangau befindet sich gegenüber der Bus­haltestelle ein Parkplatz mit alten Bäumen. Dahinter verläuft ein Kiesweg links zur Pöllatschlucht. An ihrem Eingang steht die verfallene und abgebrannte Gipsmühle, in der einst der Gips aus der Bleckenau zermahlen wurde. Versuche, das denkmal­geschützte Gebäude wiederzu­beleben, scheiterten bislang leider.
Um das erste Stück der Pöllatschlucht1 passierbar zu machen, wurde ein Metallsteg an der Felswand angebracht. Nach der klammartigen Engstelle zu Beginn weitet sich die von beeindruckenden Felswänden umrahmte Schlucht, während hoch oben schon die Marienbrücke zu sehen ist. Unter ihr stürzt der wunderbare Pöllatfall herab.
Viele Stufen leiten dann aus der Pöllat­schlucht bergauf zu einer schmalen Teer­straße. Rechter Hand steht Schloss Neu­schwan­stein, wir müssen links am historischen Aussichts­punkt Jugend vorbei. Lange vor dem Schlossbau hatte König Maximilian diesen Aussichts­punkt anlegen lassen. Es muss einst ein idyllischer Ort gewesen sein. Der Blick auf Neuschwanstein ist einmalig.

Marienbrücke wieder freigegeben: Die Sanierung der Marienbrücke wurde im Juli 2022 abgeschlossen, nachdem sie über ein Jahr gesperrt gewesen war. Die Brücke ist somit wieder freigegeben.

Gratweg von der Marienbrücke

Die Marienbrücke2 ist oft stark besucht. Nur wer zeitig loswandert, kommt ohne Gedränge hinüber und kann den luftigen Tiefblick in Ruhe genießen. Hinter der Marienbrücke startet dann der Steig zum Tegelberg. Nach dem Rummel rings um Neuschwanstein umfängt er einen mit wohltuender Stille. In vielen kurzen Serpentinen gewinnt der Gratweg schnell an Höhe. Dabei bieten sich prächtige Ausblicke auf Alpsee und Schwansee sowie hinüber zum Säuling, weitere schöne Wanderziele in dieser fantastischen Gegend. Zwischendrin gibt es ein paar felsige, abschüssige Stellen. Einige Meter sind sogar mit Seilsicherung versehen.

Auf den Tegelberg

Gelber Wandschrofen
Hinter dem Gelben Wandschrofen sind der Forggensee und der Bannwaldsee zu sehen.

An einem Absatz vor dem Tegelbergkopf3 wechselt der Weg in den dichter bewaldeten Nordhang, wobei alternativ eine Über­schreitung des Tegelberg­kopfs (I) möglich wäre.
Die Strecke wird nun breiter und quert bei moderater Steigung längere Zeit durch den Nordhang. Je näher die Seilbahn rückt, umso mehr Seilbahnfahrer kommen uns entgegen. Auch Klettersteiggeher aus der Gelben Wand stoßen hinzu.
Bald nach dem Gelben Wandschrofen trifft man am Grüble unterhalb des Brander­schrofens auf den Schutz­engel­weg. Dieser ist der wohl beliebteste Aufstieg. Beim Grüble handelt es sich um einen gut erhaltenen Karkessel, der von einem kleinen, eiszeit­lichen Lokal­gletscher zeugt. Nun geht es spitz rechts und am Tegelberghaus vorbei in wenigen Minuten zur Bergstation4.

Zum Branderfleck

Tegelberggebiet
Tegelberg, Ahornspitze und Hoher Straußberg vom Säuling aus betrachtet.

Wer noch auf den Branderschrofen möchte, braucht oft viel Geduld. Manchmal gibt es bereits beim Startplatz der Drachen- und Gleitschirm­flieger eine Warteschlange, weil sich die vielen Wanderer im Klettersteig stauen.
Vergleichsweise ruhig ist es demgegenüber auf dem abwechslungs­reichen Steig zum Sattel am Branderfleck5. Dabei werden die steilen, grasbewachsenen Südhänge des Branderschrofens gequert, was eine solide Trittsicherheit erfordert.
Der Branderfleck gilt übrigens als besonders wertvolles Geotop und gab den dort aufge­schlossenen Branderfleck-Schichten aus der Kreide seinen Namen. Neben Mergel­gesteinen fallen vor allem Brekzien auf, in denen eckige Bruchstücke miteinander verkittet sind.

Ahornreitweg und Jugendtal

Branderfleck
Am Ahornreitweg öffnet sich beim Branderfleck der Blick nach Osten auf den Kamm vom Geiselstein zum Gabelschrofen.

Am Branderfleck beginnt der eigentliche Ahornreitweg6. Vom Jagdhaus bis zum Branderfleck wurde nämlich nicht geritten. Der Steig ist dafür zu schmal bzw. das Gelände zu steil und ausgesetzt. Der ehemalige Reitweg schlängelt sich in Serpentinen nach Westen in den Ahorn­graben hinab und mündet nahe der Pöllat in das Bleckenau­sträßchen. Zur Einkehr im Berggasthaus Bleckenau ginge es links. Ansonsten läuft man der Beschilderung Richtung Hohen­schwangau folgend entlang der Pöllat durch das Jugendtal7 hinaus. Am Ende erreicht man bei der Marienbrücke wieder den Hinweg. Von da entweder links auf dem Touristen-Fußweg nach Hohen­schwangau oder noch einmal durch die Pöllatschlucht.

Die Anhöhe, auf der Schloss Neuschwan­stein steht, wird als Jugend­berg bezeichnet. Der Name geht wohl auf einen durch Aufforstung entstandenen jungen Wald zurück. Nahe dem Schloss befindet sich der beliebte Aussichts­punkt Jugend. Im 19. Jahr­hundert gab es dort eine ausgehauene Berg­terrasse. König Maximilian II. ließ damals in der Umgebung von Hohen­schwangau Wege, Brücken, Berg­häuser und Rast­plätze anlegen. Bereits in seiner Kindheit war der spätere König Ludwig II. daher sicher öfters auf der Jugend. Mehr Info