1. Ammergebirge

Tegelberg (1720 m) über Pöllatschlucht und Gratweg

Wanderung auf den Spuren der bayerischen Könige

Am Tegelberg kann man auf den Spuren der bayerischen Könige wandern. Der beliebte Ahornreitweg etwa geht auf Maximilian II. zurück. Er nutzte ihn für seine Jagdausflüge. Die elegante Marienbrücke über die Pöllatschlucht ist König Ludwig II. zu verdanken. Ohne sie wäre der aussichtsreiche Aufstieg über den Gratweg gar nicht möglich.
Stand:

Zur Galerie (8)
Während des ersten Abschnitts hat man mehrmals fotogene Ausblicke zu Alpsee, Schwansee und in die Tannheimer.

Kaum woanders scheint die bayerische Königsfamilie greifbarer als in der Gegend um Hohenschwangau.
Den Grundstein dafür legte König Ludwig I., der seinem Sohn Maximilian das Hohe Schloss in Füssen überlassen wollte. Maximilian interessierte sich jedoch mehr für Schwanstein und ließ die herunter­gekommene Burg zu Schloss Hohenschwangau ausbauen.

So kam es, dass später König Maximilian II. häufig am Tegelberg zur Jagd ging. Sein ehemaliges Jagdhaus ist heute ein Gasthaus mit Übernachtungs­möglichkeit.
Zusammen mit seiner sportlichen Frau Marie von Preußen sowie den Kindern Ludwig und Otto unternahm Maximilian II. außerdem Bergfahrten in die Ammergauer Alpen.
Der bergnarrische König Ludwig II. blieb der Gegend treu. Für romantische Landschaften hatte ja einen Sinn. Mit Schloss Neuschwanstein schuf er dort einen Touristen­magnet von Weltrang.

Gleich zu Beginn dieser königlichen Rundwanderung begeistern die wilde Pöllatschlucht und der gewaltige Pöllatfall direkt unter der Marienbrücke. Vom Gratweg blickt man dann auf den tiefblauen Alpsee und Schwansee. Im Süden präsentiert sich der wuchtige Säuling in seiner ganzen Pracht und hinter jeder Ecke der vielfältigen Ammergauer Bergwelt eröffnen sich neue Postkartenmotive.

Marienbrücke gesperrt: Die Marienbrücke wird saniert und ist deshalb voraussichtlich bis Ende 2022 gesperrt. Sie ist der einzige Zugang zum Gratweg. Als alternative Aufstiegsrouten bieten sich der beschriebene Rückweg über den Ahornreitweg oder der Schutzengelweg von der Talstation der Tegelbergbahn an.

Tourcharakter und Schwierigkeit

930 m 17 km5:30 h

Anspruch ■■■■■■ T3
Kondition ■■■■■■
Orientierung ■■■■■■
Eine gewisse Ausdauer ist für die Wanderung auf den Tegelberg durchaus nötig. Um also die herrliche Umgebung so richtig genießen zu können, sollte man entsprechend trainiert sein. An einigen Stellen gilt es außerdem den Boden im Auge zu behalten. Denn der Aufstieg von der Marienbrücke über den Gratweg führt teilweise durch steiles, felsdurchsetztes Gelände und erfordert Trittsicherheit.
Der Abstieg auf dem Ahornreitweg in die Bleckenau erweist sich dagegen als deutlich einfacher und bequemer.

Wegbeschreibung

Durch die Pöllatschlucht

Der Pöllatfall unterhalb der Marienbrücke stürzt 15 Meter über eine Felsstufe.

In Hohenschwangau befindet sich gegenüber der Bushaltestelle ein Parkplatz mit alten Bäumen. Dahinter verläuft ein Kiesweg links zur Pöllatschlucht. An ihrem Eingang steht die verfallene und abgebrannte Gipsmühle, in der einst der Gips aus der Bleckenau zermahlen wurde. Versuche, das denkmal­geschützte Gebäude wiederzubeleben, scheiterten bislang leider.
Um das erste Stück der Pöllatschlucht1 passierbar zu machen, wurde ein Metallsteg an der Felswand angebracht. Nach der klammartigen Engstelle zu Beginn weitet sich die von beeindruckenden Felswänden umrahmte Schlucht, während hoch oben schon die Marienbrücke zu sehen ist. Unter ihr stürzt der wunderbare Pöllatfall herab.
Viele Stufen leiten dann bergauf zu einer schmalen Teerstraße. Dort steht rechts das Schloss Neuschwanstein, wir müssen links zur Marienbrücke. Nur wer zeitig dran ist, kommt ohne Gedränge hinüber.

Pöllatschlucht erneut gesperrt: Der Weg durch die Pöllatschlucht war seit 2014 wegen Steinschlaggefahr gesperrt und musste aufwändig saniert werden. Die Wiedereröffnung wurde mehrmals verschoben und fand schließlich im Mai 2019 statt. Aktuell ist die Pöllatschlucht wegen Felssturzgefahr jedoch wieder geschlossen.

Gratweg von der Marienbrücke

Hinter der Marienbrücke2 startet der Steig zum Tegelberg und umfängt einen nach dem Rummel rings um Neuschwanstein mit wohltuender Stille. In vielen kurzen Serpentinen wird schnell an Höhe gewonnen. Dabei genießt man prächtige Ausblicke auf die Seen und hinüber zum Säuling. Zwischendrin gibt es ein paar felsige, abschüssige Stellen. Einige Meter sind sogar mit Seilsicherung versehen.
An einem Absatz vor dem Tegelbergkopf3 wechselt der Weg in den dichter bewaldeten Nordhang, wobei alternativ eine Überschreitung des Tegelbergkopfs (I) möglich wäre.

Auf den Tegelberg

Nach dem Gratweg wird die Strecke breiter und quert nun bei moderater Steigung längere Zeit durch den Nordhang. Je näher die Seilbahn rückt, umso mehr Seilbahnfahrer kommen uns entgegen. Auch Klettersteiggeher aus der Gelben Wand stoßen hinzu. Bald nach dem Gelben Wandschrofen trifft unser Weg am Grüble unterhalb des Branderschrofens auf den Schutzengelweg. Dieser ist der wohl beliebteste Aufstieg. Dort geht es spitz rechts und am Tegelberghaus vorbei in wenigen Minuten zur Bergstation4.

Zum Branderfleck

Tegelberg, Ahornspitze und Hoher Straußberg vom Säuling aus betrachtet.

Wer noch auf den Branderschrofen möchte, braucht oft viel Geduld. Manchmal gibt es bereits beim Startplatz der Drachenflieger eine Warteschlange, weil sich die vielen Wanderer im Klettersteig stauen.
Vergleichsweise ruhig ist es demgegenüber auf dem abwechslungs­reichen Steig zum Sattel am Branderfleck5. Dabei werden die steilen, grasbewachsenen Südhänge des Branderschrofens gequert, was eine solide Trittsicherheit erfordert.
Der Branderfleck gilt übrigens als besonders wertvolles Geotop und gab den dort aufgeschlossenen Branderfleck-Schichten seinen Namen. Neben Mergelgesteinen fallen vor allem Brekzien auf, in denen eckige Bruchstücke miteinander verkittet sind.

Abstieg auf dem Ahornreitweg

Am Branderfleck beginnt der eigentliche Ahornreitweg6. Vom Jagdhaus bis zum Branderfleck wurde nämlich nicht geritten. Der Steig ist dafür zu schmal bzw. das Gelände zu steil und ausgesetzt. Der ehemalige Reitweg schlängelt sich in Serpentinen nach Westen in den Ahorngraben hinab und mündet nahe der Pöllat in das Bleckenau­sträßchen. Zur Einkehr im Berggasthaus Bleckenau ginge es links. Ansonsten läuft man der Beschilderung Richtung Hohenschwangau folgend entlang der Pöllat durch das Jugendtal7 hinaus. Am Ende erreicht man bei der Marienbrücke wieder den Hinweg. Von da entweder links auf dem Touristen-Fußweg nach Hohenschwangau oder noch einmal durch die Pöllatschlucht.