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Hochschrutte (2247 m) aus dem Pitzental

Spannende Bergtour am Danielkamm

(aktualisiert am )

Die zum Teil weglose Route vom Pitzental auf die Hochschrutte ist nahezu unbekannt. Schließlich scheint der Talschluss eine Sackgasse zu sein. Imponierend und beklemmend zugleich! Doch in seinem Südostwinkel gibt es eine Schwachstelle, durch die man ins Wiesjoch hinaufschlüpfen kann.

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  1. Tourcharakter
  2. Wegbeschreibung
    1. Zur Zwirche am Heiterwanger See
    2. Pitzental
    3. Durch die Schrutte ins Wiesjoch
    4. Hochschrutte
    5. Abstieg über das Pfuitjöchle
    6. Wiestal nach Lähn
  3. Tourskizze mit GPS-Track
  4. Anfahrt und Einkehrmöglichkeiten
  5. Wanderkarte
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Das Panorama von der Hochschrutte lässt keine Wünsche offen. Unten sind der Heiterwanger See und ein Stück vom Pitzental zu sehen.

Die Hochschrutte, auch Plattberg genannt, liegt im mittleren Bereich des Danielkamms. Der Gipfel ermöglicht eine hervorragende Aussicht, wird aber trotzdem eher selten bestiegen.
Von Süden ist der Danielkamm leicht zugänglich und mit vielen Wanderwegen erschlossen. Nach Norden brechen dagegen fast durchwegs zerklüftete Felswände ab, die nur wenige Durchlässe offen lassen. Einer davon ist die so genannte Schrutte, ein steiler Schuttstrom im hintersten Winkel des Pitzental. Über diesen kann man ins Wiesjoch gelangen und von da aus weiter zur Hochschrutte.

Urtümlich und wild präsentieren sich die Ammergauer Alpen im abgeschiedenen Talschluss des Pitzentals. Die karge Ödnis aus Geröll und Latschenfeldern erinnert an Bilder, wie sie aus Kanada bekannt sind. Eine raue Landschaft fern jeder alpinen Postkarten­idylle.

Tourcharakter und Schwierigkeit

1300 m1190 m16 km7:00 h

Anspruch■■■■■■ T4 I
Kondition ■■■■■
Orientierung ■■■■■■

Bis zum Pitzenboden trifft man auf keine nennenswerten Schwierigkeiten. Das steile Geröll der Schrutte erfordert dann sicheres Stehvermögen. Stöcke nicht vergessen!
Am Grat vom Wiesjoch zum Gipfel gibt es ein paar Ier-Stellen. Sie wären eigentlich kaum der Rede wert, doch das Gefahren­potenzial am ausgesetzten Grat ist hoch. Im Norden geht es fast senkrecht hinab und die spärlich mit Gras bewachsenen Kalkplatten auf der Südseite bieten kaum eine Chance, einen Ausrutscher noch einmal abzufangen.

Bitte nicht bei schlechter Sicht unternehmen. Hinten im Pitzental kann man sich wirklich schnell verlaufen, ganz zu schweigen von der kleinräumigen Geländebeurteilung, für die auch ein gewisser Überblick nötig ist.

Die beschriebene Tourrichtung hat den Vorteil, dass man die weglose Route im Aufstieg bewältigt. Wer die Tour trotzdem lieber andersherum macht, sollte wissen, dass das grobe Geröll in der Schrutte zum Abfahren ungeeignet ist.

Wegbeschreibung

Zur Zwirche am Heiterwanger See

Vom Bahnhof Heiterwang-Plansee sind es gut zwei Kilometer bis zum Heiterwanger See. Gerade am Morgen ist der See besonders stimmungsvoll. Man wandert am Südufer entlang, bis der Fahrweg nach Norden zur Zwirche1 abknickt. Bei der Zwirche handelt es sich um den Schwemmkegel des Pitzenbachs. Der Schwemmkegel trennt den Heiterwanger See vom Plansee. 1908 wurde ein Verbindungskanal gegraben.

Pitzental

Vor der Zwirche wechseln wir entsprechend dem Wegweiser rechts auf den Alpenrosenweg. Dieser legt mit einigen Serpentinen sogleich anstrengend los. Bald bieten sich erste Tiefblicke zum Heiterwanger See, von dem sich der Steig mehr und mehr entfernt. An der Einbuchtung des Kaltwasserbachs2 gibt es eine Verzweigung. Die meisten Wanderer folgen von da weiter dem Alpenrosenweg und steigen zur Kohlbergspitze auf. Wir wollen aber tiefer ins Pitzental hinein. Auf dem gepflegten Steig geht es nun relativ eben voran, wobei einige Bachläufe gequert werden. An einer Hirtenhütte3 ist die Ausbaustrecke dann vorbei.

Durch die Schrutte ins Wiesjoch

Am Pitzenboden verlieren sich die feinen Trittspuren im Schotterbett des Pitzenbachs. Dem meist trockenen Bachbett folgend steuert man in einem weiten Rechtsbogen auf die kegelförmige Schuttreise in der Südostecke zu. Das Pizental fächert sich in mehrere Gräben auf. Der Richtige ist der einfachere Hauptstrang in der Mitte. Später geben die freien Streifen zwischen den Latschen die grobe Aufstiegsspur vor. An der Engstelle im mittleren Bereich der Schrutte wird es am steilsten. Das Vorankommen in dem rutschigen Geröll gestaltet sich ziemlich mühsam! Sobald die Felsen und Latschen zurückweichen, schwenkt man nach rechts in die flacheren Grasmatten und peilt das Wiesjoch4 an. Die kleinen Felsstufen stellen kein Hindernis dar.

Hochschrutte

Der Name Wiesjoch könnte passender nicht sein. Das üppige Grasland wird als Schafweide genutzt. Für Kühe wäre das Terrain zu gefährlich. Vom Wiesjoch könnte man übrigens auch zum Pitzenegg hinaufsteigen. Aber die höhere Hochschrutte ist natürlich der attraktivere Gipfel. Am Anfang präsentiert sich der Grat noch gemütlich, wird dann jedoch schnell luftiger mit zwei kurzen Kletterstellen. Schön an die verblassten Markierungen halten und keine Ausflüge in die plattige Südflanke unternehmen. Der Grat verlangt bis zuletzt volle Konzentration. Am Gipfel5 ist nicht übermäßig viel Platz. Für die wenigen Besucher reicht es allemal.

Abstieg über das Pfuitjöchle

Das Gelände am Ostgrat ist ebenfalls steil und der Steig recht schmal. Erst am Kleinen Pfuitjöchle6 sind die Grasschrofen überstanden. Von da wandern wir auf einem kaum erkennbaren, nur spärlich markierten Pfad den sanften Südhang hinab. Manchmal weiden dort oben Pferde. An einem Wegweiser kreuzt der Alpenrosenweg. Wir bleiben stattdessen geradeaus auf dem Rücken der Farenegg und gelangen nach einiger Zeit an einen breiten Fahrweg.

Wiestal nach Lähn

Wer noch in der Bichlbacher Alm einkehren möchte, wendet sich auf dem Fahrweg nach links. In die andere Richtung führt er in langen Schleifen nach Lähn hinunter. Direkter und außerdem schöner ist es dagegen, durch das Wiestal7 nach Lähn abzusteigen. Das ist gut markiert. Kurz nachdem der Fahrweg bei der Unteren Wies den Oberlauf des Moosbachs quert, geht es links. Der Steig verläuft im Wiestal entlang des Moosbachs, dessen Seite er immer mal wieder wechselt. Unten im Talgrund geradeaus weiter an einem Lawinenschutz­wall vorbei und schließlich links nach Lähn hinein.

Lähn im Außerfern hieß ursprünglich Mittewald, bis der Ort 1456 von einer Lawine (Lahne) zerstört und an anderer Stelle wieder aufgebaut wurde. Im schneereichen Winter 1689 kam es erneut zu einem Lawinenunglück. Heute sorgen massive, meterhohe Wälle für einen zuverlässigen Lawinenschutz.Mehr Info