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Hochschrutte (2247 m) aus dem Pitzental

Weglose Bergtour

(4)

Die wenigsten Wanderer, die sich in die Ödnis des hinteren Pitzentals begeben, wissen, dass man von dort auf die Hochschrutte gelangen kann. Der Talschluss scheint eine Sackgasse zu sein. Imponierend und beklemmend zugleich! Doch in seinem Südostwinkel gibt es eine Schwachstelle, durch die man ins Wiesjoch hinaufschlüpfen kann.

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Inhalt

  1. Tourcharakter und Schwierigkeit
  2. Wegbeschreibung
    1. Zur Zwirche am Heiterwanger See
    2. Ins Pitzental
    3. Durch die Schrutte auf den Plattberg
    4. Abstieg nach Lähn
    5. Hinweis
  3. Tourskizze mit GPS-Track
  4. Anfahrt und Einkehrmöglichkeiten
  5. Wanderkarte
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Das Panorama von der Hochschrutte lässt keine Wünsche offen. So kann man am Gipfel den Aufstieg vom Heiterwanger See über das Pitzental zum Wiesjoch Revue passieren lassen.

Die abgeschiedene Geröllwüste am Pitzenboden ist Geschmacksache. Man kann sich dort hinten wie in der kanadischen Wildnis fühlen. Keine liebliche Landschaft, doch sehr beeindruckend.
Ganz oben am Danielkamm reihen sich dann die höchsten Ammergauer Gipfel aneinander. Das Blickfeld ist enorm – Wetterstein, Mieminger, Lechtaler und Tannheimer. Nur die Ammergauer stehen sich selbst etwas im Weg.

Bis zum Pitzenboden gibt es keine nennenswerten Schwierigkeiten. In der Schrutte, einer steilen Schuttreise im hinteren Pitzental, ist sicheres Stehvermögen von Vorteil. Stöcke nicht vergessen! Die Ier-Stellen an der Hochschrutte sind kaum der Rede wert, doch das Gefahrenpotenzial am ausgesetzen Grat ist hoch. Im Norden bricht er fast senkrecht ab. Im Süden bieten die spärlich mit Gras bewachsenen Kalkplatten kaum eine Chance, einen Ausrutscher noch einmal abzufangen. Alles in allem eine ausgewachsene Bergtour, keine Bergwanderung mehr.
Bitte nicht bei schlechter Sicht, sonst wird es im weglosen Tourenabschnitt heikel!

Tourcharakter und Schwierigkeit

1300 m1190 m16 km7:00 h

Anspruch■■■■■■ T4 I
Kondition ■■■■■■
Orientierung ■■■■■■

Wegbeschreibung

Zur Zwirche am Heiterwanger See

Vom Bahnhof Heiterwang-Plansee sind es gut zwei Kilometer bis zum Heiterwanger See. Gerade am Morgen ist der See besonders stimmungsvoll. Man wandert am Südufer entlang, bis der Fahrweg nach Norden zur Zwirche1 abknickt. Bei der Zwirche handelt es sich um den Schwemmkegel des Pitzenbachs. Der Schwemmkegel trennt den Heiterwanger See vom Plansee. 1908 wurde ein Verbindungskanal gegraben.

Ins Pitzental

Vor der Zwirche wechseln wir entsprechend der Wegweiser rechts auf den Alpenrosenweg. Dieser legt sogleich mit einigen Serpentinen forsch los. Bald bieten sich erste Tiefblicke zum Heiterwanger See, von dem sich die Route mehr und mehr entfernt. An der Ausbuchtung des Kaltwasserbachs2 gibt es eine Verzweigung. Die meisten Wanderer halten sich an den Alpenrosenweg und steigen zur Kohlbergspitze auf. Wir wollen aber tiefer ins Pitzental hinein. Auf einem passablen Steig geht es relativ eben voran, wobei einige Bachläufe gequert werden. An einer Hirtenhütte3 ist die Ausbaustrecke vorbei.

Durch die Schrutte auf den Plattberg

Am Pitzenboden verlieren sich die feinen Trittspuren schnell im Schotterbett des Pitzenbachs. In einem weiten Rechtsbogen steuert man auf die kegelförmige Schuttreise in der Südostecke zu. Die Latschen geben die grobe Aufstiegsspur vor. An der Engstelle im mittleren Bereich der Schrutte wird es am steilsten und mühsamsten. Zwei Schritte vorwärts und einen zurück! Sobald die Felsen und Latschen zurückweichen, schwenk man nach rechts in die flacheren Grasmatten und peilt das Wiesjoch4 an. Die kleinen Felsstufen stellen kein Hindernis dar.
Vom Wiesjoch stehen uns das Pitzenegg und die Hochschrutte offen, doch heute ist Letztere dran. Der Grat ist anfangs breit, wird dann jedoch luftig mit zwei kurzen Kletterstellen (I). Schön den verblassten Markierungen folgen und nicht in die Südflanke ausweichen. Am Gipfel5 ist nicht übermäßig viel Platz, doch es ist sowieso selten jemand oben.

Abstieg nach Lähn

Der Ostgrat ist kaum einfacher und so ist man nicht traurig, wenn die steilen Grasschrofen am kleinen Pfuitjöchle ausgestanden sind. Spärlich markiert und auf kaum erkennbarem Pfad wandert man die Pferdeweide am Farenegg hinab. An einem Wegweiser wird der Alpenrosenweg gekreuzt und wenig später ein Fahrweg erreicht.
Wer in der Bichlbacher Alm einkehren möchte, muss dort links. In die andere Richtung führt der Fahrweg in langen Schleifen nach Lähn. Direkter und schöner ist es, durchs Wiestal6 nach Lähn abzusteigen. Das ist gut markiert. Kurz nachdem der Fahrweg bei der Unteren Wies einen Bach quert, geht es links. Der Steig verläuft an ebendiesem Bach und wechselt immer mal wieder die Seite.

Hinweis

Bei sommerlicher Hitze ist die beschriebene Tourrichtung wegen des nordseitigen Aufstiegs von Vorteil. Wer es anders herum plant, sollte wissen, dass sich die Schrutte nicht zum Abfahren eignet.