1. Werdenfelser Land
  2. Ammergebirge

Burgruine Werdenfels und Pflegersee

Vielseitige Wanderung bei Garmisch

Die Burgruine Werdenfels und der nahe gelegene Pflegersee lassen sich gut zu einer abwechslungsreichen Wanderung verbinden. Neben diesen beiden Highlights gibt es unterwegs noch einiges mehr zu entdecken, wie beispielsweise den Gletscherschliff bei Farchant, die Buckelwiesen am Reschberg und Fossilien im Lahnenwiesgraben.   (aktualisiert am )

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Die Reste des Palas auf der Burgruine Werdenfels.

Die Geschichte der Burgruine Werdenfels ist eng mit derjenigen des Werdenfelser Landes verbunden. An ihrem gepflegten Zustand zeigt sich die große Wertschätzung, die ihr entgegen­gebracht wird. Vor ein paar Generationen wurde sie allerdings noch als Steinbruch verwendet.
Schon bevor das Hochstift Freising 1294 die Grafschaften Partenkirchen und Mittenwald erwarb, muss die Burg Werdenfels existiert haben. Ihre Ursprünge liegen aber leider im Dunkel der Geschichte.
Die beiden Grafschaften von Partenkirchen und Mittenwald verschmolzen damals zur Grafschaft Werdenfels, deren zentraler Verwaltungs- und Gerichtssitz bis in die frühe Neuzeit die namensgebende Burg Werdenfels war. Kämpfe um die Burg sind keine bekannt. Die Grafschaft verhielt sich stets friedlich. Direkt angegriffen wurde sie niemals. Sie geriet jedoch bei den überregionalen Konflikten teilweise zwischen die Fronten. Die Bevölkerung litt dann sehr unter Einquartierungen und Durchzügen bayerischer, Tiroler, Kaiserlicher und Französischer Truppen.
Im Zuge der Säkularisation fiel die Grafschaft 1802 an das Königreich Bayern. Die Burg war damals bereits seit Langem eine Ruine.

Verwaltet wurde die Grafschaft von einem so genannten Pfleger, der Träger der Gerichtsgewalt und der landesherrlichen Rechte war. Die Pfleger lebten bis 1630 in der Burg, später in Garmisch. Von ihnen hat der Pflegersee seinen Namen. Ursprünglich wurde der See nämlich zur Wasserversorgung der Burg sowie zur Fischzucht aufgestaut. Heute wird er als Badesee genutzt.

Tourcharakter und Schwierigkeit

340 m 12 km2:50 h

Anspruch ■■■■■■ T2
Kondition ■■■■■■
Orientierung ■■■■■
Die Wanderung verläuft auf einfachen, überwiegend breiten, gut beschilderten Wegen und stellt nur geringe Anforderungen an die Kondition. Mehr als einen halben Tag braucht man auf keinen Fall, so dass genug Zeit bleibt, sich mit der Burg Werdenfels zu beschäftigen und vielleicht auch nach Fossilien zu suchen.

Wegbeschreibung

Auf die Spielleite

Für den Hinweg empfehle ich der Aussicht wegen, etwas weiter auszuholen und über die Spielleite zu den sonnigen Reschbergwiesen hinaufzuwandern. Bei dieser Strecke kommt man später außerdem durch den Lahnenwiesgraben, in dem sich mit etwas Glück und Ausdauer Fossilien finden lassen. Doch zunächst begeben wir uns auf der Bahnhofstraße ins Dorfzentrum von Farchant. Der Beschilderung für Schafkopf, Brünstlkopf und Notkarspitze folgend geht es rechts an der Kirche vorbei und auf dem Spielleitenweg zum Waldrand. Die regelmäßig gestuften Felsen dort am Spielplatz muten künstlich an. Es ist jedoch ganz natürlicher Plattenkalk.

Wir schlagen nun den beschilderten Steig links neben dem Spielplatz ein, der im Wald die Spielleite1 emporführt. Nach kurzer Zeit kreuzt er ein Bächlein. Dort ist ein Stück Gletscherschliff im Plattenkalk aufgeschlossen. Zur Quelle des Bächleins könnte man weiter oben, wo es flacher wird, links einen kleinen Abstecher machen. Wobei sich das aber nicht wirklich lohnt.

Auf dem Spielleitenköpfl oberhalb der Spielleite im Westen von Farchant befand sich ein bronze- und eisenzeitlicher Brandopferplatz. Im Zuge mehrerer Ausgrabungen wurde deutlich, dass das Spielleitenköpfl über viele Jahrhunderte kultisch genutzt wurde. Ein Besuch vor Ort ergibt allerdings keinen Sinn, denn auf der dicht bewaldeten Anhöhe gibt es nichts zu sehen. Mehr Info

Pflegersee über Reschbergwiesen

Im Süden der Reschbergwiesen erhebt sich der Kramer. Über den massigen Seeleswände liegt der Aussichtspunkt am Königsstand.

Bei der Gabelung oberhalb der Spielleite, wo der Weg aus dem Wassertal heraufkommt, muss man links.Westwärts Richtung Schafkopf wäre auch möglich. Dann wendet man sich eben erst bei der nächsten Gelegenheit links.Wir landen bald auf einer breiten Kiesstraße, die einen Bogen um den Grubenkopf macht und zu den buckligen Reschbergwiesen2 hinausführt. Bei den Reschbergwiesen handelt es sich um die für das Werdenfelser Land charakteristischen Buckelwiesen, die wegen ihres Artenreichtums als ökologisch äußerst wertvoll gelten. Leider wurden in der Vergangenheit einige Wiesen eingeebnet. Mittlerweile sind sie geschützt. Von den Reschbergwiesen hat man einen ausgezeichneten Blick auf die Nordseite des Kramers, an der vor allem der massig hervorstehende Königsstand beeindruckt.

Die Reschbergwiesen mit ihren verstreut stehenden Heuschobern werden nun westwärts in ihrer ganzen Länge durchquert. Schließlich taucht der Weg links in den Lahnenwiesgraben3 ab. An der Brücke existiert einige Meter bachaufwärts beim so genannten Schneckengraben am orografisch rechten Ufer eine geeignete Stelle, um nach Fossilien zu suchen. Auf der anderen Seite des Lahnenwiesgrabens wandern wir dann bergab zum Pflegersee4 mit Gasthaus und Freibad.

Burglehrpfad zur Ruine Werdenfels

Ausblick von der inneren Vorburg über das Loisachtal zum Estergebirge.

Beim Pflegersee beginnt der Burglehrpfad Werdenfels. Auf ihm werden mehrere Bodendenkmäler erläutert, die in Zusammenhang mit der Erbauung der Burg stehen, darunter einige Anlagen zur Kalkherstellung und ein Steinbruch. An einer Stelle sind sogar noch Wagenspur­rillen erkennbar. Ohne die Hinweistafeln würde man daran glatt vorbeilaufen. Der Lehrpfad leitet uns kreuz und quer durch den Wald, bis er nach einem guten Kilometer an der Burgruine Werdenfels5 endet.
Durch die im 15. Jahrhundert entstandene äußere Vorburg geht es in die etwas ältere innere Vorburg und schließlich in die hochmittel­alterliche Kernburg mit dem gut erhaltenen Palas. Der Bergfried ist zu einem Schutthaufen zusammengefallen. Aus dem Palas hat man einen wunderbaren Blick über das Loisachtal. Auf der gegenüberliegenden Talseite lässt sich sogar der Wasserfall der Kuhfluchtquelle erkennen.

Rückweg nach Farchant

Wir verlassen die Burg nach der Besichtigung durch den nördlichen Hinterausgang, wobei man vorher natürlich noch bei der Werdenfelser Hütte einkehren könnte. Der Steig am Hinterausgang überwindet einen kleinen Graben und mündet wenig später in den Fahrweg ins Tal. Unten verläuft am Waldsaum ein Weg zurück nach Farchant.