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Burgruine Werdenfels und Pflegersee

Rundwanderung bei Garmisch-Partenkirchen

Stolz thront die gut erhaltene Ruine der Burg Werdenfels bei Garmisch-Partenkirchen über dem Loisachtal und lädt zu einer netten, kleinen Wanderung ein. Von Farchant aus führt die abwechslungsreiche Runde über die Spielleite, den Pflegersee und den interessanten Burglehrpfad zur Ruine. Dabei gibt es unterwegs viel zu entdecken, wie beispielsweise den Gletscherschliff bei Farchant, die Buckelwiesen am Reschberg und die Fossilien im Lahnenwiesgraben.
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Burgruine Werdenfels
Die Reste des Palas auf der Burgruine Werdenfels.

Die Geschichte der Burg Werdenfels ist eng mit derjenigen des Werdenfelser Landes verbunden. An ihrem gepflegten Zustand zeigt sich die große Wertschätzung, die ihr entgegen­gebracht wird. Vor ein paar Generationen fand sie allerdings noch als Steinbruch Verwendung.Schon bevor das Hochstift Freising 1294 die Grafschaften Partenkirchen und Mittenwald erwarb, muss die Burg Werdenfels existiert haben.Die beiden Grafschaften von Partenkirchen und Mittenwald verschmolzen damals zur Grafschaft Werdenfels, deren zentraler Verwaltungs- und Gerichtssitz bis in die frühe Neuzeit die namensgebende Burg Werdenfels war. Kämpfe um die Burg sind keine bekannt. Die Grafschaft verhielt sich stets friedlich. Direkt angegriffen wurde sie niemals. Sie geriet jedoch bei den überregionalen Konflikten teilweise zwischen die Fronten. Die Bevölkerung litt immer wieder sehr unter Einquartierungen und Durchzügen bayerischer, Tiroler, Kaiserlicher und Französischer Truppen. Die Soldaten nahmen sich einfach, was sie zur Verpflegung benötigten, oft genug ohne zu bezahlen.

Verwaltet wurde die Grafschaft von einem so genannten Pfleger, der Träger der Gerichtsgewalt und der landesherrlichen Rechte war. Die Pfleger lebten bis 1630 in der Burg, danach in einem neu erbauten Amtssitz unten in Schwaigwang und zuletzt in Garmisch. Von den Pflegern hat übrigens der zur Burg gehörende Pflegersee seinen Namen.Im Zuge der Säkularisation fiel die Grafschaft 1802 an das Königreich Bayern. Die Burg war damals bereits seit Langem eine Ruine.

Die Frage, was der Name Werdenfels bedeutet, konnte von den Forschern bislang nicht abschließend geklärt werden. Die plausibelste Interpretation geht davon aus, dass es von dem Wort Werder abzuleiten ist, eigentlich eine Flussinsel, in diesem Fall aber ein von Wasser und Sümpfen umgebener Fels. Geografisch stimmte das zweifellos. Auf der einen Seite fließt die Loisach, auf der anderen der Bach aus dem Lahnenwiesgraben. Außerdem war das Loisachtal zu Füßen der Burg früher nicht bebaut, sondern versumpft.

Tourcharakter und Schwierigkeit

340 m 12 km2:50 h

Anspruch ■■■■■■ T2
Kondition ■■■■■■
Orientierung ■■■■■
Die Wanderung über den Pflegersee zur Burg Werdenfels verläuft auf einfachen, überwiegend breiten, gut beschilderten Wegen und stellt nur geringe Anforderungen an die Kondition. Mehr als einen halben Tag braucht man auf keinen Fall, so dass genug Zeit bleibt für den Burglehrpfad, die Besichtigung der Ruine und vielleicht auch, um nach Fossilien zu suchen.

Wegbeschreibung

Auf die Spielleite

Gletscherschliff
Auf der Spielleite westlich von Farchant ist ein kleines Stück Gletscherschliff aufgeschlossen.

Für den Hinweg empfehle ich der Aussicht wegen, etwas weiter auszuholen und über die Spielleite zu den sonnigen Reschbergwiesen hinaufzuwandern. Bei dieser Strecke kommt man später außerdem durch den Lahnenwiesgraben, in dem sich mit etwas Glück und Ausdauer Fossilien finden lassen.
Zunächst begeben wir uns auf der Bahnhofstraße ins Dorfzentrum von Farchant. Der Beschilderung für Schafkopf, Brünstlkopf und Notkarspitze folgend geht es rechts an der Kirche vorbei und auf dem Spielleitenweg zum Waldrand.
Die regelmäßig gestuften Felsen dort am Spielplatz muten künstlich an. Das anstehende Gestein ist Plattenkalk aus der Trias. Wie man am Namen schon hört, tritt dieser Kalkstein in gebankter Form auf. Die an ein Theater erinnernden Stufen könnten also ganz natürlich entstanden sein, wobei so nahe am Dorf auch ein ehemaliger Steinbruch in Frage käme.

Wir schlagen nun den beschilderten Steig links neben dem Spielplatz ein, der im Wald die Spielleite1 emporführt.
Nach kurzer Zeit kreuzt der Spielleiten­bach. Dort ist ein Stück Gletscherschliff im Plattenkalk aufgeschlossen. Offenbar war es der Loisach-Gletscher, der die Felsstufen so schön herausarbeitete. Unter der Vegetation sieht vermutlich der gesamte Hang so aus.
Weiter oben, wo es flacher wird, könnte man links einen kleinen Abstecher zur Spielleiten­quelle machen. Wirklich lohnen tut sich das aber nicht.

Auf dem Spielleitenköpfl oberhalb der Spielleite im Westen von Farchant befand sich ein bronze- und eisenzeitlicher Brandopferplatz. Im Zuge mehrerer Ausgrabungen wurde deutlich, dass das Spielleitenköpfl über viele Jahrhunderte kultisch genutzt wurde. Ein Besuch vor Ort ergibt allerdings keinen Sinn, denn auf der dicht bewaldeten Anhöhe gibt es nichts zu sehen. Mehr Info

Am Grubenkopf

Bei der Gabelung oberhalb der Spielleite, wo der Weg aus dem Wassertal heraufkommt, muss man links.Westwärts Richtung Schafkopf wäre auch möglich. Dann wendet man sich eben erst bei der nächsten Gelegenheit links.Wir landen bald auf einer breiten Kiesstraße, die einen Bogen um den unscheinbaren, komplett bewaldeten Grubenkopf beschreibt. Angesichts des lebhaften Bergbaus im Werdenfelser Land könnte man auf ihm Gruben vermuten, doch sein alter Name lautete Khrupp, was angeblich Kuhrücken bedeuten soll. Wahrscheinlich diente er als Waldweide. Die Kartografen machten aus dem unverständlichen Khrupp bei der Landesaufnahme den Gruppenkopf, der sich letztlich zum Grubenkopf abschliff.

Reschbergwiesen

Kramer
Im Süden der Reschbergwiesen erhebt sich der Kramer. Über den massigen Seeleswände liegt der Aussichtspunkt am Königsstand.

Nach einiger Zeit treten wir hinaus auf die buckligen Reschbergwiesen2. Diese Buckelwiesen sind typisch für das Werdenfelser Land. Nirgendwo sonst in den Alpen existieren noch derart große Flächen an Buckelfluren auf so engem Raum. Wegen ihres Arten­reichtums besitzen die mageren Wiesen einen hohen ökologischen Wert. Leider wurden bis weit ins 20.  Jahrhundert hinein viele Wiesen eingeebnet. Mittlerweile sind sie geschützt. Die arbeits­intensive Mahd wird vom Umweltministerium finanziell unterstützt.
Von den Reschbergwiesen hat man einen ausgezeichneten Blick auf die Nordseite des Kramers, einen der besten Aussichtsberge des Werdenfelser Landes. Aus dieser Perspektive beeindruckt vor allem der massig hervorstehende Königsstand, der höher als der eigentliche Gipfel wirkt, obwohl er 500 Meter weniger misst.

Pflegersee über Lahnenwiesgraben

Pflegersee
Am künstlich aufgestauten Pflegersee gibt es ein Gasthaus und ein Freibad.

Die Reschbergwiesen mit ihren verstreut stehenden Heuschobern werden westwärts in ihrer gesamten Länge durchquert. Anschließend taucht der Weg links in den Lahnenwiesgraben3 ab. An der Brücke existiert einige Meter bachaufwärts beim so genannten Schneckengraben am orografisch rechten Ufer eine geeignete Stelle, um nach Versteinerungen zu suchen. Fossilienführend sind die graubraunen Kössener Schichten. Es soll Brachiopoden (Armfüßer) und Belemniten (Kopffüßer) geben.
Auf der anderen Seite des Lahnenwiesgrabens wandern wir dann bergab zum Pflegersee4 mit Gasthaus und Freibad. Der künstlich aufgestaute Pflegersee gehörte zur Burg Werdenfels. Über eine hölzerne Deichelleitung versorgte er die Burg mit Wasser. Außerdem züchtete man in ihm Fische.

Burglehrpfad Werdenfels

Burgruine Werdenfels
Von der äußeren Vorburg führt der Weg in den Mitterhof.

Beim Pflegersee beginnt der Burglehrpfad Werdenfels, auf dem mehrere Bodendenkmäler erläutert werden, die in Zusammenhang mit der Erbauung der Burg stehen.
Insgesamt sechs Anlagen zur Kalkherstellung5 machten die Archäologen ausfindig. Die runden, von einem Wall umgebenen Vertiefungen sind teilweise direkt in das Festgestein geschlagen. Der Kalk wurde darin gebrannt, gelöscht und möglicherweise auch eingesumpft.
Die Kalkherstellungs­anlagen gruppieren sich in der Nähe eines Kalkstein­bruchs, den der Burglehrpfad ebenfalls passiert. Zwischen den Anlagen besteht jeweils ein gewisser Abstand. Der Grund dafür war vermutlich der große Bedarf an Brennholz, das man direkt vor Ort aus dem Schlosswald entnahm. Somit gab es um jede Anlage eine Rodungsinsel. Die Entfernung zur Burg mag überraschen, doch es war vom Gewicht her sinnvoller, den gebrannten Kalk zu transportieren, als das Rohmaterial aus dem Steinbruch oder das Brennholz.
Die vielen Wagen, die zwischen dem Steinbruch, den Kalkherstellungs­anlagen und der Burg verkehrten, hinterließen im Felsboden mit der Zeit tiefe Spurrillen. Eine Tafel weist darauf hin.

Kalkstein besteht chemisch aus Kalkziumkarbonat (CaC03). Beim Brennen des Kalksteins entweicht Kohlendioxid und zurück bleibt Kalziumoxid (Ca0). Gegenüber dem Ausgangs­material hat Branntkalk nur mehr das halbe Gewicht. Der Stoff ist stark ätzend. Augenkontakt führt zur Erblindung. Durch Zugabe von Wasser wird aus dem Branntkalk der so genannte Löschkalk, ein immer noch ätzendes Pulver. Zur Qualitäts­verbesserung und Lagerung wird der Löschkalk mit Wasser in Gruben eingesumpft. Früher verblieb dieser Sumpfkalk über viele Monate oder gar Jahre in den Kalkgruben. Durch eine lange Lagerung wird der Sumpfkalk immer feiner. Besonders hochwertiger Kirchenkalk reift bis zu 25 Jahre und ist entsprechend teuer.

Der Burglehrpfad leitet uns kreuz und quer durch den Wald. Je nachdem, wie intensiv man die Texte liest, dauert das durchaus eine Stunde. Am Ende erreicht man die Burgruine Werdenfels6. Auf dem ehemaligen Burganger steht die Werdenfelser Hütte, bei der man einkehren kann.

Burgruine Werdenfels

Burgruine Werdenfels
Ausblick vom Mitterhof über das Loisachtal zum Estergebirge.

Als erstes betritt man die im 15. Jahrhundert errichtete äußere Vorburg, wo der Hundezwinger lag. Vom Torturm existiert nur noch ein Maueransatz. Aus der Vorburg geht es ein wenig ansteigend durch das Mittertor in den Mitterhof aus dem 14 Jahrhundert. In diesem standen hölzerne Wirtschafts­gebäude. An den inneren Hof schließt sich die hochmittel­alterliche Kernburg mit dem gut erhaltenen Palas an. Der Bergfried ist zu einem Schutthaufen zusammen­gefallen.
Während die Erweiterungen zweifellos von den Freisinger Pflegern stammen, weiß man nicht sicher, wer die Burg ursprünglich erbaute. Weil Freising seit 1249 Garmisch besaß, kämen die Freisinger Bischöfe als Erbauer in Frage. So lautet zumindest die wahrscheinlichste These.

Ab der zweiten Hälfte 17. Jahrhunderts fungierte die verlassene Burg immer wieder als Steinbruch unter anderem für die Kirchen in Farchant und Garmisch. Anfang und Mitte des 20. Jahrhunderts fanden unsachgemäße Sanierungen statt. Der überarbeitete Grundriss des Burgenforschers Zeune verdeutlicht die unterschiedlichen Bauphasen.

Von der Burgruine hat man einen wunderbaren Blick über das Loisachtal zum Estergebirge. Direkt gegenüber erhebt sich der Wank, ein beliebter Wanderberg. Weiter nördlich ist sogar der Wasserfall an der Kuhfluchtquelle zu sehen.

Rückweg nach Farchant

Wir verlassen die Burg nach der Besichtigung durch den Hinterausgang in der Nordostecke. Dieses Thürl gab es wohl schon immer. Es verdeutlicht den wenig wehrhaften Charakter der Burg als Verwaltungssitz. Der Steig hinter dem Thürl überwindet einen kleinen Graben und mündet wenig später in einen Fahrweg, der sich talwärts schlängelt.
Unten verläuft am Waldsaum ein Weg zurück nach Farchant. Dieser überquert bald den Bach aus dem Lahnenwiesgraben, führt an der Lourdesgrotte vorbei und erreicht nach einem Kilometer wieder den Spielplatz an der Spielleite.