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Petersberg und Hohe Asten (1104 m)

Wanderung zum höchsten Bauernhof Deutschlands

Petersberg und Hohe Asten zählen zu den beliebtesten Ausflugszielen im bayerischen Unterinntal. Der einfache, nicht zu lange Aufstieg ist ideal für eine entspannte Halbtageswanderung und zu jeder Jahreszeit problemlos möglich. Obendrein sorgen gleich zwei herrlich gelegene Gasthäuser für gute Laune.
Stand:

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Petersberg
Die romanische Kirche auf dem Petersberg gehörte ursprünglich zu einem Kloster.

Der Weiler Hohe Asten besteht aus zwei Berg­bauern­höfen, die einst zur Propstei auf dem Petersberg gehörten. Sicherlich versorgten sie auch schon zuvor das im Jahr 1296 zerstörte Kloster auf dem Petersberg. Aus einem Bericht des Rosenheimer Bergsteigers Dr. Julius Mayr geht hervor, dass der Vorderastenhof bereits Anfang des 19. Jahrhunderts nicht mehr landwirt­schaftlich genutzt wurde. Inzwischen dient er offensichtlich als Feriensitz.
Anders der Hinterastenhof. Er gilt als höchster ganzjährig bewirtschafteter Bauernhof Deutschlands. Allerdings liegen die Zehrenhöfe bei Unterjoch im Allgäu noch ein paar Zehnermeter höher. Außerdem wird die Vordere Esterbergalm im Estergebirge seit Längerem als Bauernhof betrieben. Die Tiere bleiben dort ganzjährig auf 1260 Metern, also 150 Meter höher als die Hohe Asten. Mit Superlativen muss man eben vorsichtig sein.Asten sind normalerweise Voralmen mit Futterställen innerhalb eines gestaffelten Almsystems.Auf den Asten verbringt das Vieh die Übergangszeit vor und nach der sommerlichen Hauptsaison. Das erspart den Futtertransport ins Tal. Aus diesen Voralmen konnten sich Dauersiedlungen entwickeln, wie es wohl im Fall der Hohen Asten geschah.
Früher wurde auf der Hohen Asten neben der Viehhaltung auch Ackerbau betrieben. Trotz der sonnigen Südlage dürften die Erträge mager gewesen sein, aber man versuchte sich so weit wie möglich selbst zu versorgen. Heute lebt der Hof von der Viehwirtschaft und und einem Berggasthof, in dem Gerichte aus der eigenen Produktion serviert werden.

Die Gegend um Flintsbach begeistert nicht nur mit ihrer schönen Landschaft, sondern ist auch historisch sehr interessant. Die Siedlungsspuren auf dem Petersberg, der Rachelburg und der Burgau unterhalb der Rachelburg reichen bis in die Bronzezeit zurück. Mehrere seit den 1990er Jahren durchgeführte Ausgrabungen, Hortfunde sowie Lesefunde durch Sondengänger belegen das.
Im Mittelalter bewachten verschiedene Burgen diese strategisch bedeutsame Stelle im Inntal. Während sich die wenigen Mauerreste der hoch gelegenen Burgruine Ober-Falkenstein schwer auffindbar im Wald verstecken, steht die besser erhaltene Burgruine Unter-Falkenstein direkt am Wanderweg zum Petersberg.

Geotipp: Südöstlich von Fischbach befindet sich neben der Autobahn ein Gletschergarten, vom Ort aus in wenigen Minuten zu erreichen. Das Geotop entstand durch den Inn-Gletscher, der dort einen Riegel aus Wettersteinkalk abschliff. Der Gletscherschliff von Fischbach zählt zu den schönsten Geotopen des Bayerischen Alpenraums.

Tourcharakter und Schwierigkeit

715 m 11 km3:40 h

Anspruch ■■■■■■ T2
Kondition ■■■■■■
Orientierung ■■■■■■
Die einfache, familientaugliche Wanderung auf den Petersberg und zur Hohen Asten macht das ganze Jahr über Spaß. Im Winter vereist die Kiesstraße häufig und lässt sich dann nur schlecht gehen. Im Zweifelsfall Grödeln einpacken.
Wer die Burgruine Ober-Falkenstein und die Rachelschlucht sehen möchte, braucht eine Pfadfindernase. Ansonsten sind die Wege aber alle gut beschildert.

Wegbeschreibung

Auf den Petersberg

Unter-Falkenstein
Der in der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts rekonstruierte Bergfried von Unter-Falkenstein war lange Zeit bewohnt. Heute wird er von der Umwelt-, Kultur- und Sozialstiftung im Landkreis Rosenheim genutzt, welche die Burg 2009 erwarb.

Am Flintsbacher Bahnhof grüßt der Petersberg mit der Kirche oben bereits herab. Zu seinen Füßen thront die Burgruine Unter-Falkenstein1 über dem Inntal. Vom Bahnhof erreicht man sie in wenigen Minuten. Dazu am Maigrabenbach entlang, über die Kufsteiner Straße und dann links. Eine Besichtigung der aufwändig sanierten Anlage lohnt sich. Schautafeln informieren über ihre Geschichte.
Beim Parkplatz unterhalb der Ruine startet der steile Fahrweg durch den so genannten Hundsgraben Richtung Petersberg und Hohe Asten. Die vermeintlichen Abkürzer ignoriert man am besten, um sich nicht zu verlaufen. Wir kommen nun an ein paar netten Wasserfällen vorbei. Später beschreibt der Weg einen weiten Bogen um den Petersberg2, bis es schließlich spitz links zu selbigem hinaufgeht. Ursprünglich hieß die Kuppe übrigens einmal Kleiner Madron. Der benachbarte Große Madron überragt den Petersberg um 100 Meter.
Die romanische Wallfahrtskirche St. Peter am Madron stammt in ihrem Kern von dem hochmittelalterlichen Kloster ab. In der ehemaligen Propstei befindet sich ein Gasthaus.

Von der Wiese hinter dem Gasthaus hat man einen tollen Blick auf den Felssporn der Maiwand. Wer mag, könnte gleich von da auf einem schmalen, etwas ausgesetzten Steig vom Petersberg hinab. Das ist kürzer als der reguläre Weg. Die Stufen wurden sicher vor langer Zeit in den Fels geschlagen. Vielleicht war die Steinerne Stiege ein alter Fluchtweg?

Hohe Asten

Hohe Asten
Der prachtvolle Berggasthof Hohe Asten ist ganzjährig geöffnet.

Nach dem Abstecher zum Petersberg geht es auf dem Fahrweg weiter. Bald kommt das Gehöft vom Bauer am Berg3, an dem der so genannte Sommerweg rechts abzweigt. Ortsunkundige Wanderer übersehen diese Stelle häufig und bleiben auf dem längeren Fahrweg. Bei Nässe wird der Sommerweg schnell sehr morastig. Neben dem Bauernhaus führt der Sommerweg über eine sumpfige Wiese in den Wald hinein. Man darf sich nun von den unbezeichneten Querwegen nicht aus dem Konzept bringen lassen und orientiert sich konsequent nach links oben. Sobald der Weg ins Freie wechselt, rechts über eine Weide und an zwei großen Bäumen vorbei zur Hohen Asten4 hinauf. Die Lage der Höfe ist einmalig. Der Blick schweift über das Inntal zum Heuberg und zum Kranzhorn. Im Süden steht der Wildbarren. Allesamt lohnende Ziele für die nächste Wanderung.Wer noch Kraft hat und einen schönen Aussichtsgipfel besteigen möchte, könnte in etwa einer Stunde auf den Großen Riesenkopf wandern oder etwas näher auf den Rehleitenkopf.

Rückweg über den Wagnerberg

Beim Abstieg kann man zur Abwechslung den Weg über den Wagnerberg nehmen. Dazu an der Westseite des Petersbergs bei der spitzen Kurve links abzweigen. Die Strecke zum Wagner am Berg ist gut beschildert, was wegen der Querwege auch dringend nötig ist. Das denkmal­geschützte Bauernhaus am Wagnerberg5 steht recht idyllisch auf einer kleinen Lichtung.

Rachelburg und Rachelschlucht

Rachelschlucht
Im Felsen der Rachelwand klafft ein scheinbar bodenloser Spalt, die so genannte Rachelschlucht.

Von der Wegbiegung kurz vor dem Wagner am Berg wäre ein Abstecher zur Burgruine Ober-Falkenstein möglich. Besser bekannt ist sie unter dem Namen Rachelburg. Sehenswert ist außerdem die schaurige Felskluft der Rachelschlucht. Der Eingang zur Schlucht wurde durch einen Felssturz versperrt, aber man kann von oben hineinblicken.
Zur Rachelburg und Rachelschlucht zweigt man an der genannten Biegung rechts auf einen untergeordneten Weg ab, läuft ostwärts über die Wiese des ehemaligen Burgangers (Burgau) und biegt hinter einem Stadel links in den Wald. Vorsicht am Weidezaun. Nun entweder direkt zwischen den wild umher­liegenden Felsblöcken empor oder auf dem recht verfallenen alten Zugang.
Durch den westlichen Teil des Burgfelsens zieht sich die Kluft der Rachelschlucht. Am östlichen Ende befinden sich die wenigen Mauerreste der Rachelburg6. Sie diente beim Bau von Unter-Falkenstein wohl als Steinbruch und wurde nahezu komplett abgetragen. Raubgrabungen verursachten weitere Schäden.

Philosophenweg nach Flintsbach

Nördlich des Anwesens am Wagnerberg dreht der Wanderweg links in eine abschüssige Flanke, tangiert eine winzige Lichtung und zieht sich dann am Bachbett des Maigrabens talwärts. Rechter Hand den sehenswerten Philosophenfall7 beachten, der vom Wasser des Maigrabens gespeist wird. Unten im Tal wandert man auf dem Philosophenweg im Schatten der Rachelwand zum Ausgangspunkt zurück.