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Naturjuwel Oberes Isartal

Wanderung von Vorderriß nach Krün

Das Obere Isartal ist die letzte alpine Wildfluss­landschaft Bayerns. Am besten erlebt man sie auf einer Wanderung von Vorderriß nach Krün. Viele fahren freilich mit dem Rad, doch nur wer sich zu Fuß aufmacht, kann unterwegs auch die vielfältige Pflanzen- und Tierwelt entdecken, die so manche Rarität bereithält.

  1. Tourcharakter
  2. Wegbeschreibung
    1. Vorderriß
    2. Am Ochsensitz
    3. Radwanderweg an der Isar
    4. Über die Auhütte nach Krün
  3. Tourskizze mit GPS-Track
  4. Anfahrt und Einkehrmöglichkeiten
  5. Wanderkarten und Literatur
Zur Galerie (9 Fotos)
Typisches Erscheinungsbild einer dynamischen Fluss­landschaft. Links gräbt die Isar den Prallhang ab, während sie auf der anderen Seite Kies ablagert.

Ein frei fließender Gebirgsfluss, der sein Bett ungehindert verlagern kann – solche Bilder kennt man sonst eher aus Kanada. Für Bayern ist der 16 Kilometer lange Abschnitt der Isar zwischen Wallgau und dem Sylvensteinspeicher dagegen etwas ganz Besonderes. Wegen ihrer Einzigartigkeit wurde die wertvolle Wildfluss­landschaft im Oberen Isartal in die Liste der schönsten Geotope Bayerns aufgenommen und steht unter strengem Naturschutz. Die Wanderwege dürfen keinesfalls verlassen werden.Häufige Hochwasser­ereignisse, eine hohe Fließ­geschwindigkeit und der unablässige Nachschub an Geröll sorgen für einen dynamischen Flusslauf.Immer wieder werden die Kiesbänke von der Isar umgelagert. Die stark gefährdete Deutsche Tamariske ist auf genau diesen Lebensraum angewiesen. Als Pionierpflanze wächst sie auf frisch gebildeten Kiesbänken. Sie braucht viel Sonne und ist dadurch an anderen Standorten den übrigen Pflanzen unterlegen.
Im Kies brüten auch seltene Vögel wie der Flussuferläufer und der Flussregenpfeifer. Ihre Eier sind perfekt an die Umgebung angepasst und sehen wie Kieselsteine aus. Es besteht daher die Gefahr, sie beim Umherlaufen zu zertreten.
Ebenfalls gut getarnt ist die Gefleckte Schnarrschrecke. Man würde sie wohl kaum sehen, wenn sie nicht durch ihr lautes Schnarren auf sich aufmerksam machen würde.

Filmtipp: Im Isartal zwischen Vorderriß und Wallgau wurde bis in die 1960er Jahre Ölschiefer abgebaut und zu Steinöl verarbeitet. Die Sendung Zwischen Spessart und Karwendel des Bayerischen Rundfunks machte sich auf Spurensuche nach dem Steinöl aus dem Karwendel.

Tourcharakter und Schwierigkeit

210 m120 m17 km3:50 h

Anspruch■■■■■ T1
Kondition ■■■■■■
Orientierung ■■■■■

Von Vorderriß bis Krün haben wir durchgängig breite, bequeme Wege, die auf Dauer jedoch etwas hatschert werden können. Am Markgraben gibt es einen kurzen Anstieg, ansonsten ist die Strecke praktisch bretteleben. Wegen der gut 17 Kilometer braucht man trotzdem ausreichend Kondition.

Vorsicht bei sommerlicher Hitze. Es gibt kaum Schatten und man kann auch nur an wenigen Stellen an die Isar, um sich abzukühlen. Unbedingt genug zum Trinken mitnehmen.

Wegbeschreibung

Vorderriß

Bevor man loswandert, lohnt sich ein kleiner Rundgang in Vorderriß mit seinen geschichts­trächtigen Gebäuden. Anschließend über die Isarbrücke und der Mautstraße Richtung Wallgau folgen. Linker Hand erstreckt sich an der Rißbachmündung eine weitläufige Kiesfläche, in der sich kaum Pflanze halten können. Denn der Rißbach mit seinem großen Einzugsgebiet führt während der Schneeschmelze oder nach Unwettern viel Wasser, das alles mit sich reist.

Vorderriß besteht aus einem Gasthof, einer stillgelegten Sägemühle, einem Forstanwesen und dem ehemaligen königlichen Jagdhaus. Bekanntheit erlangte der Ort vor allem durch die Kindheits­erinnerungen des Schriftstellers Ludwig Thoma. Sein Vater war Oberförster in der Riß. Damals weilte auch König Ludwig II. häufig im dortigen Königshaus, das sein Vater Maximilian II. hatte errichten lassen.Mehr Info

Am Ochsensitz

Nach einem knappen Kilometer auf der Mautstraße kommt der Einödhof am so genannten Ochsensitz1. Die Jachenauer Sölde gelangte um 1900 auf Grund von Wilderei in Staatsbesitz. Die Isar zieht dort eine schöne Schleife, wodurch ein langgezogener eleganter Prallhang entstand. Gleich hinter dem Hof befindet sich eine Brücke. Auf der anderen Seite beginnt dann der Radwanderweg entlang der Isar.

Radwanderweg an der Isar

Bald nach der Brücke am Ochsensitz entfernt sich der Kiesweg ein Stück von der Isar und verläuft oberhalb durch den bewaldeten Hang. Dabei werden wilde Gräben gekreuzt, die offensichtlich immer wieder den Weg zerstören. Später geht es über sonnige Schotter­terrassen, auf denen niedrige Büsche wie Wacholder, Latschen und Weiden wachsen. Beim Prallhang beim Pfetterkopfgraben2 bietet sich dann einer der besten Blicke über die mäandernde Isar.
Nach einiger Zeit fällt am gegenüber­liegenden Hang bei Schröfeln im Wald eine helle Felswand auf. In diesem Bereich stand früher das oben erwähnte Ölschieferwerk. Wir passieren die beiden Ölgräben, bei denen das Ölschiefer­vorkommen gefunden wurde. Ein paar Meter vor dem großen Schuttstrom des Oberen Ölgrabens3 gibt es eine Abzweigung zur Grube Kurt. Der Stollen ist verschlossen. Viel zu sehen gibt es nicht.
Die Strecke wird nun bewaldeter. Vor dem Markgraben4 muss der Weg nach oben ausweichen, bis er den Graben an einer geeigneten Stelle überwinden kann. Die kleine Anstrengung wird mit einer herrlichen Aussicht belohnt. Von da sind es noch etwa zwei Kilometer bis zur meist gut besuchten Auhütte5.

Über die Auhütte nach Krün

Hinter der Auhütte hat man zwei Möglichkeiten. Der linke Weg verläuft am Hochufer, der rechte näher an der Isar. Im Süden ist nun das Wettersteingebirge zu sehen. Kurz nachdem der Weg zum Soiernhaus links abzweigt, überqueren wir bei Krün die Isar und anschließend den Obernachkanal.Der Obernachkanal zweigt einen Teil des Isarwassers ab und leitet es über das Kraftwerk Obernach zum Walchensee, wo es für das Walchenseekraftwerk benötigt wird. Der natürliche Wasserzufluss des Walchensees reicht nämlich für den Betrieb des Kraftwerks nicht aus.In Krün biegen wir bei der Kirche rechts in die Hauptstraße. Nach knapp 200 Metern kommt die Bushaltestelle.