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Wolfsschlucht und Mühlsteinbruch Hinterhör

Kulturwanderung bei Neubeuern

Mit der Neubeurer Wolfsschlucht und dem Mühlsteinbruch Hinterhör stehen auf dieser Wanderung zwei außergewöhnliche Geotope auf dem Programm. Sehenswert sind zudem der herausgeputzte Marktplatz und das Schloss in Neubeuern. All das liegt eingebettet in eine malerische Voralpen­landschaft, durchflossen vom mächtigen Inn und mit der Alpensilhouette im Hintergrund.
Stand:

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Vom 16. bis ins 18. Jahrhundert wurden im Steinbruch bei Hinterhör Mühlsteine gewonnen und anschließend über den Inn verschifft. Die wertvolle Fracht gelangte über die Donau bis Wien und Budapest.

Die Neubeurer setzten beim Bauen auf einen regionalen Rohstoff und gewannen ihre Mauersteine aus den Steinbrüchen direkt am Schlossberg. Im Nordteil des Schlossbergs entstand durch den selektiven Abbau bestimmter Gesteins­schichten die bis zu 30 Meter tiefe und fast 300 Meter lange Neubeurer Wolfsschlucht. Sie ist heute eine überregional bekannte Touristen­attraktion und zugleich ein wertvolles Geotop.
Wirtschaftlich wichtiger als die Mauersteine, die wohl eher als Nebenprodukt abfielen, war die Herstellung von Schleifsteinen und Mühlsteinen. Diese wurden nicht nur aus der Wolfsschlucht, sondern auch im Mühlsteinbruch Hinterhör und noch einigen weiteren Brüchen gefördert. Die begehrte Ware gelangte von Neubeuern über den Inn und die Donau bis in ferne Städte.
Verwendet wurde für die Mühlsteine ein bei Neubeuern in mehreren Vorkommen vorhandener harter Kalksandstein. Mühlsteine bestanden früher übrigens meistens aus Sandstein, was jedoch problematisch war. Denn wegen des starken Abriebs beim Mahlen enthielt das Mehl zu viel Sand, wodurch es zu einer Schädigung der Zähne bereits in jungen Jahren kam.

Neben den Steinmetzarbeiten war der Inn als nasse Straße bis zum Ausbau des Eisenbahnnetzes die zweite wichtige Einnahmequelle für Neubeuern. Letztlich hing beides miteinander zusammen und so legte man dazu den interessanten Schiffleutwanderweg an, dem auch wir teilweise folgen. Neubeuern lag für die Schifffahrt günstiger, als es heute den Anschein hat. Denn vor der Begradigung floss ein Seitenarm des Inns direkt unterhalb des Marktplatzes vorbei, wo sich die Anlegestelle befand. Mehr zum Thema erfährt man im Innschifffahrtsmuseum am Marktplatz. Ausgestellt ist darin unter anderem das Modell eines Schiffzugs.

Tourcharakter und Schwierigkeit

200 m 14 km3:00 h

Anspruch ■■■■■ T1
Kondition ■■■■■■
Orientierung ■■■■■■
Die Wanderung ist ausgesprochen gemütlich und sehr einfach. Nur für den steilen Aufstieg zum Burgstall Althaus benötigt man etwas Trittsicherheit. Wer am Bahnhof in Raubling startet und nicht erst direkt in Neubeuern, hat zwar einige Kilometer mehr zu laufen, dennoch reicht ein halber Tag in jedem Fall aus.
Zum Teil verläuft die Runde wie gesagt auf dem Neubeurer Schiffleut­wanderweg, jedoch auch auf anderen Wanderwegen, so dass man mit der Orientierung ein bisschen aufpassen muss.

Wegbeschreibung

Zur Innbrück bei Neubeuern

Skulptur des Künstlers Robert Spannagel an der Innbrücke zwischen Raubling und Neubeuern.

Beim Bahnhof in Raubling am besten gleich bei der Fußgängerampel über die Kufsteiner Straße, an der es dann gut hundert Meter entlanggeht. Anschließend in die Innstraße biegen, von der man schon nach ein paar Metern rechts aus dem Ort hinausgelangt. Dort bietet sich bereits ein großartiger Blick auf die Berge. Im Osten steht das Kranzhorn, im Westen der Wildbarren und in der Ferne ist sogar das Kaisergebirge zu sehen.
Der Spazierweg leitet uns nun in wenigen Minuten zu einem Pumpwerk1, das an einem ehemaligen Seitenarm des Inns liegt. Das Pumpwerk dient dem Hochwasser­schutz. Ein kleines Stück südlich des Pumpwerks müssen wir über den Litzldorfer Bach. Drüben aufpassen und nicht dem Bach folgen, sondern links auf dem Damm neben dem Altwasser zur Neubeurer Straße. Von da ist es nicht mehr weit zur eleganten Innbrücke2.
Auf der anderen Seite des Inns beginnt bei der Skulptur vom Steinernen Schiffsmo der Schiffleut­wanderweg. Robert Spannagel fertigte das Kunstwerk aus Nagelfluh von der Biber in Brannenburg, wo das dekorative Gestein abgebaut wird.

Auf dem Schiffleutweg in die Wolfsschlucht

Die Durchgangshöhle in der Neubeurer Wolfsschlucht entstand durch einen Felssturz.
Wir halten uns nun an den Schiffleutweg, wandern einige Minuten flussaufwärts und zweigen so bald möglich spitz links zum Neubeurer Ortsteil Altenmarkt ab. Bei den ersten Häusern erneut links wenden. Das ist zwar ein kleiner Umweg, aber so kommt man am Plättenstadel3 vorbei. Die ausgestellte Plätte diente einst in Kiefersfelden als Personenfähre.
Nach diesem kleinen Schlenker geht es Am Gasteig, was so viel wie gacher Steig heißt, kurz Richtung Marktplatz und dann beim Tennisplatz auf einem Fußweg zur Wolfsschlucht4 hinauf. Die Schlucht wurde durch einen Felssturz zweigeteilt. Dabei entstand eine Höhle, durch die man von dem einen in den anderen Teil gelangt. Am Ende der Schlucht die Nordwand beachten. Darin sind Gerüstlöcher und eingravierte Namen zu erkennen.

Mühlsteinbruch Hinterhör

Nach Verlassen der Wolfsschlucht muss man beim Sportplatz zuerst links und wenige Schritte weiter gleich wieder rechts auf einen Fußweg wechseln, der hinunter zum Bauhof führt. Von dort wandern wir entsprechend dem Schiffleutweg am Hepfengraben entlang. Die unbedeutenderen Steinbrüche am Eckbichl sowie am Bürgl, heute ein Freilichttheater, kann man getrost auslassen und geradewegs nach Altenbeuern laufen.
Bei der Kirche St. Rupert in Altenbeuern ist der Mühlsteinbruch Hinterhör5 deutlich ausgeschildert. Kurze Zeit später erreichen wir ihn auf einem von Alleebäumen gesäumten Sträßchen. Der mit seinen kreisrunden Abbauspuren ungewöhnliche Steinbruch zählt zu den hundert schönsten Geotopen Bayerns. Um die Mühlsteine zu gewinnen, schlug man zunächst Keiltaschen für Holzkeile in den Fels. Das Holz wurde dann bewässert, wodurch es sich ausdehnte, so dass schließlich der Mühlstein­rohling durch den Druck abgesprengt wurde.

Burgstall Althaus

Das nächste Ziel ist der Burgstall Althaus. Dazu vom Steinbruch zum Sträßchen zurück, von dem man schon nach wenigen Metern rechts auf einen gekiesten Waldweg abzweigt. Wenn der Weg wieder ins Freie führt, liegt linker Hand der Einödhof Althaus. Der Burgstall6 versteckt sich oberhalb im Wald. Vorsicht, der Aufstieg zum steilen Burgfelsen ist rutschig. Auf dem kleinen Felssporn konnte nur eine winzige Burg Platz gehabt haben. Es soll geringe Mauerreste geben, die ich allerdings nicht finden konnte. Beim Aufstieg zur Burg befindet sich rechts zwischen den Bäumen ein Zisternenbrunnen.

Panoramaweg über Holzham nach Neubeuern

Das Schloss Neubeuern überragt den herausgeputzten Marktplatz.

Ab Althaus wandern wir auf einer als Panoramaweg beschildert Nebenstraße über die Weiler Freibichl und Holzham7 zurück Richtung Neubeuern. Hinter Holzham schließt sich noch kurz ein Fußweg an.
In Neubeuern geht auf der gebogenen Straße Am Gereut und der Samerstraße zum Marktplatz, den man durch das Salzburger Tor betritt. Neubeuern wurde 1981 zum schönsten Dorf Deutschlands gekürt, einen Titel, den es auch heute noch verdient. Auf der gegenüberliegenden Seite des Marktplatzes steht das Münchner Tor, bei dem die Bäckerstiege zum Schloss Neubeuern hinaufführt. Das Schloss wurde im 18. Jahrhundert im Auftrag des Preysinger Grafen Maximilian IV. errichtet, nachdem die Burg dem Österreichischen Erbfolgekrieg zum Opfer gefallen war. Für den Grafen letztlich eine gute Gelegenheit, die unwohnliche Burg in ein komfortables Schloss zu verwandeln. Heute werden die Gebäude von einer teuren Privatschule genutzt.
Beim Rückweg kann man vom Gasteig auf einer Treppe zur Sailerbachstraße hinab und von dort geradewegs zum Inn. Das ist etwas kürzer als über Altenmarkt.