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Berchtesgadener Hochthron (1972 m) via Mittagsloch

Wilde Steige am Untersberg

(aktualisiert am )

Die Ostabstürze des Untersbergs sind schon gewaltig. Doch es gibt ein paar natürliche Schwachstellen. Zu diesen zählt auch das Mittagsloch unterhalb des Berchtesgadener Hochthrons. Dieser teilweise als Klettersteig ausgebaute Aufstieg ist anspruchsvoll, mit seiner Durchgangshöhle aber bestimmt der originellste.

  1. Tourcharakter
  2. Wegbeschreibung
    1. Über Ettenberg zum Rossboden
    2. Aufstieg zum Scheibenkaser
    3. Klettersteig durch das Mittagsloch
    4. Abstieg über das Gatterl
  3. Tourskizze mit GPS-Track
  4. Anfahrt und Einkehrmöglichkeiten
  5. Wanderkarte
Zur Galerie (10 Fotos)
Der untere Eingang zum Mittagsloch ist riesig, der Ausstieg nach oben nur ein enger Durchschlupf.

Das wilde Untersbergmassiv ist ein Paradies zum Wandern, Klettersteig­gehen und Alpinklettern. Praktisch aus allen Himmels­richtungen führen abwechslungs­reiche Steige hinauf. So kann es oben auf dem Berchtesgadener Hochthron ganz schön voll werden und das, obwohl die Aufstiege echt weit sind. Doch die prachtvolle Rundumschau vom Gipfel ist einfach unwiderstehlich.

Lange führte der nicht vollständig gesicherte Klettersteig durch das Mittagsloch ein glückliches Schattendasein. Erst mit der Errichtung des schwereren und längeren Hochthronsteigs kam das Mittagsloch für den Abstieg in Mode. Man muss sich also auf Gegenverkehr einstellen.
Vermutlich handelt es sich beim Mittagsloch um den Rest einer Karsthöhle. Den ganzen Untersberg durchziehen ja bekanntlich weitverzweigt Höhlensysteme. Mit der berühmten Riesending-Schachthöhle beherbergt er auch die derzeit längst und tiefste Deutschlands. Einfach zugänglich sind die wenigsten Löcher. Empfehlenswert für speläologisch Interessierte ist auf jeden Fall die Schellenberger Eishöhle. Sie kann im Sommer im Rahmen einer Führung besucht werden. Das ist allerdings eine ganz andere Tour.

Tourcharakter und Schwierigkeit

1640 m20 km7:30 h

Anspruch■■■■■ T5 I B/C
Kondition ■■■■■■
Orientierung ■■■■■■

Der Aufstieg durch das Mittagsloch verlangt alpine Erfahrung, Schwindelfreiheit und Kraft in den Armen.
Geübte brauchen kein Klettersteigset, der Helm ist aber unverzichtbar. Eine Stirnlampe wird nicht benötigt. In das Mittagsloch fällt genug Licht.

Die Tour ist sehr weit und anstrengend, vor allem wenn man an der Kugelmühle startet. Scheint die Sonne, kann es ab dem Scheibenkaser schon am Vormittag brütend heiß werden, was die Kondition zusätzlich strapaziert.

Bitte nicht bei Nässe oder gar Schnee unternehmen. Denn dann wäre die Querung vom Scheibenkaser zum Mittagsloch äußerst gefährlich.

Wegbeschreibung

Über Ettenberg zum Rossboden

Bei der Bus­haltestelle Kugelmühle überquert man die Berchtesgadener Ache und läuft auf der Zufahrtsstraße zum Parkplatz am Eingang der Almbachklamm.Wer bei der Haltestelle Almbachklamm aussteigt, hat den schöneren, aber etwas weiteren Weg.Die historische Kugelmühle kann man sich kurz ansehen. Wegen der Weite der Tour besucht man die Almbachklamm allerdings besser ein anderes Mal oder hebt sie sich für den Rückweg auf. Wir wandern also gleich direkt hinauf zu dem idyllischen Vorderettenberg1 mit seiner schmucken Wallfahrtskirche.
In Vorderettenberg nach der Kirche links und auf einer kaum befahrenen Nebenstraße bergab nach Hinterettenberg. Die Straße macht dort einen weiten Rechtsbogen. Wenig später kommt der große Wanderparkplatz am Rossboden2.

Aufstieg zum Scheibenkaser

Am Wanderparkplatz Rossboden beginnt der bezeichnete Weg 466 zum Scheibenkaser. Nach einigen Kehren, die auch abgekürzt werden können, wird der Forstweg an einem Wegweiser rechter Hand verlassen. In der üblichen Serpentinenführung geht es recht steil hinauf. Kurz vor dem Hüttlein des Scheibenkasers3 öffnet sich dann der Wald und gibt den Blick auf die imposanten Felswände frei.

Klettersteig durch das Mittagsloch

Vom Scheibenkaser folgen wir einige Meter dem Zustieg des Hochthronsteigs, verlassen ihn aber bereits an der ersten Ecke nach links. Ein sandiger Steig zieht sich den Rücken über dem Scheibenkaser bis knapp unter die Felswände empor.
Wegen der Steinschlaggefahr nun am besten den Helm aufsetzen, denn es sind häufig Alpinkletterer unterwegs. Zu Füßen der Felswände quert eine dünne Spur durch sehr heikles Schrofengelände mit einigen sandigen Furchen. Besonders schwierig ist es um eine Felsnase herum.
Erst unter dem Mittagsloch, wo die Kletter­schwierigkeiten zunehmen, beginnen die Drahtseile. Ein paar Mal kräftig zupacken und man steht in der kühlen Durchgangshöhle. Vorsicht, der Höhlenlehm macht den Boden rutschig. Durch das enge Ausstiegsloch hilft eine Leiter und unvermittelt befindet man sich auf der Hochebene, wenige Meter vom Stöhrhaus entfernt. Zum Berchtesgadener Hochthron4 ist es dann bloß noch ein Katzensprung.

Abstieg über das Gatterl

Vom Stöhrhaus geht es durch ein großes Latschenfeld auf dem Normalweg bergab zum Sattel am so genannten Gatterl5. Dort treffen Wege aus allen Himmelsrichtungen zusammen. Wer nicht ans Auto gebunden ist, hat letztlich freie Wahl und könnte zur Abwechslung nach Winkl absteigen. Zurück zum Scheibenkaser führt ein schmaler Steig durch die Südflanke des Hochthrons. Kaum zu glauben, dass dieser auch als Viehtrieb genutzt wird.