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Meditationsbergweg am Wendelstein

Von Birkenstein zum Wendelsteinkircherl

Der Meditationsbergweg ist einer der fünf Wendelstein-Streifzüge. Er führt von der sehenswerten Wallfahrtskapelle Birkenstein bei Fischbachau durch eine wunderschöne, abwechslungsreiche Landschaft hinauf zum Wendelsteinkircherl. Dabei darf man sich ab der Spitzingalm über eine großartige Aussicht in die Schlierseer Berge freuen.
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Wallfahrtskapelle Birkenstein
Von außen würde man es nicht vermuten, was für eine prachtvolle Rokokoausstattung sich im Inneren der Wallfahrtskapelle Birkenstein verbirgt.

Was könnte sich besser als Ausgangspunkt für einen Meditationsbergweg auf den Wendelstein eignen als die berühmte Wallfahrtskapelle Birkenstein bei Fischbachau im Leitzachtal? Sie ist für Gläubige von nah und fern seit Jahrhunderten ein ganz besonderer Ort, um Kraft und Trost zu schöpfen, außerdem natürlich eine lohnende Touristen­attraktion.Insgesamt sieben meditative Stationen inspirieren unter dem Titel Der Friede beginnt in Dir, sich mit den zentralen Lebensfragen zu beschäftigen.Die Texte sind überwiegend weltanschauungs­neutral gehalten, zum Teil auch ein wenig christlich religiös angehaucht, letztlich aber so allgemeingültig, dass sicher jeder etwas damit anfangen kann. Die wenig begangene, nur mäßig steile und einfache Aufstiegsroute von Birkenstein über die Spitzingalm ist ideal, um in Ruhe über die Impulse nachzudenken.

Eingerichtet wurde der Themenweg 2020 im Rahmen der so genannten Wendelstein-Streifzüge. Diese beinhalten fünf der schönsten Wanderwege am Wendelstein, darunter beispielsweise auch den Jenbachweg von Bad Feilnbach, der die Kraft des Wassers zum Thema hat.

Tourcharakter und Schwierigkeit

970 m 15 km4:50 h

Anspruch ■■■■■■ T2
Kondition ■■■■■■
Orientierung ■■■■■■
Der Meditationsbergweg von Birkenstein zum Wendelstein verläuft anfangs auf einer Forststraße, ab der Spitzingalm auf einem gut gangbaren Steig, der bei Nässe allerdings schnell morastig wird. Einige früher schwer passierbare Stellen sind mittlerweile mit Stegen befestigt. Das letzte Stück von der Bocksteinscharte zur Bergstation ist ziemlich steil und bei Schnee oder Eis gefährlich. Die Orientierung fällt überall leicht, selbst bei schlechter Sicht.

Wegbeschreibung

Nach Birkenstein

Bei einer Anreise mit dem Zug läuft man am besten vom Bahnhof Geitau aus nach Birkenstein. Zwar käme auch der etwa gleich weit entfernte Bahnhof Fischbachau in Frage, doch die Strecke ist nicht so schön.
Am Bahnhof Geitau muss man durch die Unterführung und folgt dann einfach der Beschilderung. Bei der Blockhütte an einer Weide rechts den kürzeren Weg einschlagen.
Wer einen Kilometer vor Birkenstein durch die Weide der Riederalm1 abschneiden möchte, sollte bedenken, dass der Zaun am oberen Ende unter Umständen geschlossen sein kann. Besser schaut man stattdessen auf dem Hinweg erst einmal in Birkenstein2 vorbei und versucht die Abkürzung beim Abstieg.

Die Wallfahrtskapelle Birkenstein hat ihren Ursprung in einem von Birken umgebenen Felsblock, auf dem ein Marterl stand. Der überbaute Felsblock ist zum Teil noch zu sehen. Nachdem mehreren Gläubigen, darunter dem Fischbachauer Pfarrvikar Stiglmaier, am Marterl die Gottesmutter Maria im Traum erschienen war, wurde zunächst 1673 eine kleine Kapelle errichtet. Wegen der vielen Wallfahrer reichte diese bald nicht mehr aus und so entstand 1710 die reichhaltig im Rokokostil ausgestattete Loretokapelle. Im 18. Jahrhundert betreuten Einsiedler die Wallfahrts­kapelle.
Ein interessantes Detail stellt der Bückeingang in die Krypta mit dem Heiligen Grab dar. Nach der Volksfrömmigkeit sollen beim Hindurchschlüpfen Sünden und Krankheiten abgestreift werden.
Aus der Sendung Heimatgschichtn vom München TV gibt es einen ausführlichen Beitrag zu Birkenstein. Das Video über die Geschichte der Wallfahrtskapelle sollte man sich vor dem Besuch unbedingt ansehen.

Entscheidung an der Weggabelung

Auf dem Weg zwischen Geitau und Birkenstein ist in der Ferne bereits die Spitze des Wendelsteins zu sehen.
Einige Hundert Meter südöstlich von Birkenstein gabeln sich mehrere Wege. Dort kommt gleich die erste Station auf dem Meditations­bergweg. Bei ihr geht es darum, wie man im Leben kluge Entscheidungen trifft.
Lebe ich nur das Leben, das andere von mir erwarten, meine Familie, meine Freunde, meine Kollegen? Oder habe ich den Mut, meine eigenen Träume zu verwirklichen, selbst wenn ich dabei auf Schwierigkeiten und Widerstände stoße?
Oft spüren wir, was das Richtige wäre, fürchten aber die Meinungen anderer oder dass wir scheitern könnten. Das endlose Aufschieben macht unglücklich und lässt das Leben unerfüllt vorüberziehen.
Was die Wanderung betrifft, fällt die Wahl sicher leichter als diejenige für den richtigen Lebensweg. Die obere der drei Kiesstraßen führt bergauf zum Wendelstein.

Innehalten bei der Bucht am Wegrand

Himmelsliege am Meditationsbergweg
An der zweiten Station auf dem Meditationsbergweg kann man in der Himmelsliege nachdenken.
Nach ein paar Hundert Metern auf der Forststraße lädt schon die nächste Station zum Innehalten ein oder man genießt einfach nur die herrliche Aussicht von der Holzliege. Der Text auf der Schautafel fragt nach der aktuellen Lebenssituation und dem inneren Frieden.
Bin ich mit mir und meinem Leben im Reinen, meinen Beziehungen, meiner Arbeit, meiner Vergangenheit? Erkenne ich, dass es an mir selbst liegt, aus welcher Perspektive ich die Dinge betrachte?
Wer seine innere Geborgenheit gefunden hat, kommt auch mit der äußeren Wirklichkeit besser zurecht, sieht sie gelassener.

Licht- und Schattenseiten

Ein Stück weiter beschreibt die Forststraße eine S-Kurve. Kurz davor steht die dritte Tafel mit der Frage nach der eigenen Ganzheit.
Spalte ich meine Schattenseiten ab? Oder akzeptiere ich mich in meiner Gesamtheit mit allen negativen Gefühlen, Fehlern und Schwächen? Lasse ich auch Wut, Scham und Eifersucht zu?
Der meditative Text nimmt Bezug auf einige Giftpflanzen, die in der Umgebung wachsen. Viele Pflanzengifte besitzen in geringen Dosen eine Heilwirkung und werden in der Medizin eingesetzt. Das ist ein passender Vergleich. Vielleicht kann aus unangenehmen Gefühlen, wenn sie nicht verdrängt werden, mit der Zeit eine konstruktive Energie erwachsen.
Energie braucht man nun auf jeden Fall, denn der Weg wird steiler.

Wunden in der Landschaft und im Inneren

Installation am Meditationsbergweg
Der Text auf der Installation lautet: Der Weg meines Herzens führt mich durch die Enge und öffnet mich für Gnade, Liebe, Vergebung und Heilung.
Zwei Kehren höher fällt eine zunächst rätselhafte Installation aus aneinander­gelehnten Baum­stämmen auf. Sie bilden einen nach hinten enger werdenden Durchlass. Das Thema ist Wunden und Heilung.
Leide ich unter Wunden aus der Vergangenheit? Findet mit der Zeit vielleicht von allein Heilung statt oder muss ich dafür aktiv etwas tun? Kann ich Menschen, die mich verletzten, irgendwann vergeben?
Schleppt man alten Groll mit sich herum, vergiftet das die Gegenwart. Man verlernt zu genießen und Freude zu erleben. Doch so wie manche Wunden in der Landschaft Pflege und Renaturierungs­maßnahmen benötigen, heilen auch seelische Wunden nicht in jedem Fall ohne fremde Hilfe.
Das Hindurch­schlüpfen bei der Installation aus Baumstämmen folgt einer uralten Symbolik, so wie der Bückeingang unter der Kapelle in Birkenstein. Nach dieser zugegebenermaßen etwas magischen Vorstellung wird dabei die Last, die uns niederdrückt, vom Rücken abgestreift.

Grandiose Aussicht bei der Spitzingalm

Wendelstein
Von der Spitzingalm hat man eine geniale Perspektive auf den Wendelstein.
Während die Kiesstraße nach rechts zu den Hütten der Spitzingalm3 biegt, wechseln wir links auf einen Steig. Bald treffen wir auf die fünfte Tafel. Sie stimmt ein auf die wunderbare Aussicht der folgenden Passage. Direkt voraus erhebt sich der Wendelstein, unten liegen die Hütten der Spitzingalm und auf der anderen Seite des Leitzachtals sind die Schlierseer Berge zu sehen. Die Weite der Landschaft begeistert. Ihre Schönheit kann dabei helfen, wenigstens für einen Moment innere Zufriedenheit zu erlangen und davon etwas in den Alltag hinüberzuretten.
Der Steig verläuft nun längere Zeit über sonnige Almweiden, in denen einzelne Baumgruppen stehen.

Einzigartigkeit und Begegnung

Jenseits des Gebiets der Spitzingalm quert der Steig einen Waldstreifen mit kleinen Lichtungen. Auf einer der Lichtungen stehen schlichte, jeweils aus einem Stück Baumstamm gefertigte Sitze im Kreis. Eine gute Gelegenheit, an dem ruhigen Platz noch einmal durchzuatmen, bevor man den lauten Wendelstein erreicht. Die Station vergleich die Vielfalt in der Natur mit der eigenen individuellen Einzig­artigkeit.
Achte ich meine Einzigartigkeit, aber auch die der anderen? Respektiere ich ihre Eigenheiten? Trete ich ihnen frei von Vorurteilen gegenüber? Begegne ich ihnen auf Augenhöhe?
Das ist zweifellos eine der schwierigsten Aufgaben, die uns das Leben stellt. Der öffentliche Diskurs ist oft aufgeheizt, polarisiert und von Schuld­zuweisungen geprägt. Andere Meinungen werden niedergebrüllt, Menschen in Schubladen gesteckt, statt sich mit ihnen in einem offenen Austausch auseinander­zusetzen. Manche verkriechen sich frustriert in ihre Filterblase.

Dankbarkeit und Freude am Ziel

Wendelsteinkircherl
Das 1890 erbaute Wendelsteinkircherl bildet den Zielpunkt des Meditationsbergwegs.

Mittlerweile ist der Wendelstein schon recht nahe gerückt. Im Bereich der Bocksteinscharte4 stoßen die Wege von Bayrischzell und von Bad Feilnbach hinzu. Im Zickzack geht es zuletzt recht steil zur Bergstation und dem bewirtschafteten Wendelstein­haus hinauf. Daneben steht hoch oben auf der Schwaigerwand das Wendelstein­kircherl. Der Platz ist fotogen gewählt. Extremer Witterung ausgesetzt muss das Kircherl an dem exponierten Standort allerdings einiges aushalten. Trotzdem sieht das über hundert Jahre alte Gemäuer wie neu aus. Im Jahr 2017 erfolgte nämlich eine grundlegende Renovierung.
Beim Aufgang zur Kirche kommt man an der letzten Tafel des Meditationsbergwegs vorbei mit einem Dankesbuch zum Festhalten persönlicher Gedanken.
Von der Kirche kann man Richtung Inntal und Sudelfeld schauen. Der Felskopf daneben heißt Gacher Blick. Gach war er wohl mal vor langer Zeit, als ihn noch kein Geländer absicherte. Er bietet bei klarem Wetter eine Fernsicht bis in die Zentralalpen.

Wendelsteinhöhle: Ein Besuch in der geologisch äußerst interessanten Wendelsteinhöhle ist immer wieder ein Erlebnis. Ihre weitverzweigten Gänge waren einst Teil eines Karstgebiets, das schon vor Millionen von Jahren trocken fiel. Der künstlich angelegte Eingang befindet sich neben dem Bahnhof der Zahnradbahn. Die Besichtigung erfolgt selbstständig. Schautafeln erläutern die geologischen Hintergründe. Im Winter ist die Höhle geschlossen.

Gipfelsteig und alternativer Rückweg

Der Meditationsbergweg endet zwar am Wendelstein­kircherl, doch der Gipfel ist nah. Man erreicht ihn über einen spannenden, mitten durch die Südwand gesprengten und mit Geländer gesicherten Steig. Der Aufstieg dauert etwa 20 Minuten. Um den Gipfel führt der lohnende Panoramaweg mit interessanten Informationen zur komplexen Geologie des Wendelsteins. Er wurde für die Streifzüge neu gestaltet. Bis zu einer Stunde sollte man dafür einplanen.

Wer nicht wieder nach Birkenstein zurückmuss, könnte alternativ den kürzeren Weg über die Wendelsteinalm nach Bayrischzell wählen. Nimmt man die Seilbahn, kann man am Bahnhof Osterhofen in den Zug einsteigen oder im Tal zum Ausgangspunkt zurücklaufen.
Eine weitere Möglichkeit wäre es, beim Abstieg kurz vor der Bocksteinscharte rechts die Route über die Durhamer Alm, die Aiblinger Hütte und die bewirtete Kesselalm nach Birkenstein einzuschlagen. Diese Strecke ist nur minimal länger als der Hinweg.