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Kofel (1342 m) über Marxersteig

Wanderung bei Oberammergau

Der markante Kofel gilt als Wahrzeichen von Oberammergau. Entsprechend beliebt ist die Wanderung. Den versteckten Marxersteig kennen allerdings nur die wenigsten. Nach der Gipfelrast können wir anschließend noch zu den Ammerquellen ins Graswangtal absteigen und die Bärenhöhle besuchen. Aktualisiert am

In etwas mehr als einer Stunde gelangt man vom Parkplatz am neuen Friedhof zum Kofelgipfel und darf sich über die wunderbare Aussicht freuen. Eine stille Gipfelrast ist also nicht zu erwarten. Für unterwegs kann man aber immerhin auf die hier beschriebenen, weniger bekannten Steige zurückgreifen.

Ein echter Geheimtipp ist der wildromantische Marxersteig nicht mehr. Trotzdem wir er nur sporadisch genutzt. Der Steig verläuft an der Nordwestseite entlang der Einstiege zu den Kletterrouten und durch die kaminartige Schlucht der so genannten Kofelküche.
Zu dem geheimnisvollen Ort wird eine Sage erzählt: Demnach hauste in der Kofelküche einst das Kofelweib in einer reich ausgestatteten Höhle. Nachts soll das Kofelweib die kleinen Kinder ausgeliefert haben. Offenbar übernahm sie damit in Oberammergau die Aufgabe des Storchs.

Noch einsamer als der Marxersteig ist der vergessene Abstieg zu den Ammerquellen. Das lohnt sich vor allem deshalb, weil man so vom Kofel direkt zu den idyllischen Quelltöpfen der Kleinen Ammer kommt. Diese sind der zweite Höhepunkt der Tour. Das Wasser, welches hinten im Graswangtal beim Lindergries versickert, sprudelt dort mitten in den Streuwiesen wieder hervor. Ein wirklich wundervolles Naturschauspiel.
Übrigens fließt das Linderwasser nicht nur in die Ammer, sondern zum Teil auch durch tiefere Schichten bis zur Loisach.

Museumstipp: Das Oberammergau Museum befasst sich unter anderem mit den archäologischen Ausgrabungen am Döttenbichl. Auf dem kleinen Hügel zu Füßen des Kofels befand sich ein rätischer Opferplatz. Um 15 v. Chr. kam es am Döttenbichl außerdem zu einer kriegerischen Auseinandersetzung mit den Römern.

Tourcharakter und Schwierigkeit

550 m12 km4:20 h

Anspruch■■■■■■ T3 I A
Kondition ■■■■■■
Orientierung ■■■■■■

Während der Marxersteig dank der Kletterer gut ausgetrampelt ist, stellt sich die Lage auf der Südseite hinab zu den Ammerquellen schwieriger dar. Im oberen Bereich gibt es nur noch stark verwilderte Steige. Ohne pfadfinderisches Gespür oder GPS-Gerät ist man aufgeschmissen.

Sowohl der Marxersteig als auch der kurze Klettersteig am Kofelgipfel erfordern Trittsicherheit und Schwindelfreiheit. Vorsicht, die Felsen am Kofel sind teils arg glattpoliert. Die übrige Tour ist einfach.

Wegbeschreibung

Zum Grottenweg

Vom Bahnhof Oberammergau laufen wir zur Talstation der Kolbenbahn, die sich südwestlich des Orts befindet. Bei den Liftanlagen links wenden und im Waldschatten zum Fahrweg der Kolbenalm. Auf diesem einige Meter links abwärts und gleich wieder rechts in den Grottenweg1. Das ist der Talwanderweg um den Kofel, der seinen Namen von einer Mariengrotte hat. Der Kofel rückt schnell näher und man passiert eine Gruppe mächtiger Felsbrocken.

Kofel über Marxersteig

Bevor der Grottenweg dicht an die Nordwand des Kofels heranführt, zweigt an einem deutlichen Graben rechts der Marxersteig2 ab. Es gibt keine Beschilderung, doch jemand hat rote Punkte angebracht. Nahe der Kofelwände geht es im Zickzack aufwärts. Einmal schmiegt sich der Steig direkt an die Felsen, meist hält er jedoch respektvoll Abstand. Hindernisse werden links umgangen.
Weiter oben kommt man an ein Geröllfeld, das Ausgangspunkt einiger Kletterrouten ist. Der Marxersteig bleibt neben dem Schutt im Wald.
Gegen Ende des Geröllfelds spaltet sich der Fels und gibt die schmale Schlucht der Kofelküche frei. Man wagt sich zwischen die aufschießenden Wände hinein und steht nach einer kleinen Halbhöhle vor einer etwas schmierigen Felsstufe. Eine Eisenkette entschärft die Kletterstelle, die ohne Sicherung ein leichter IIer wäre. Wer absolut schwindelfrei ist, sollte im Anschluss links den Grat hinausbalancieren und sich die Schlucht von oben ansehen.
Schon wenige Meter über der Felsstufe erreicht der Steig dann den regulären Weg. Nun links in ein paar Minuten am Drahtseil zum Kofelgipfel3.

Abstieg zu den Ammerquellen

Bis zum Kofelsattel nehmen wir den gut gesicherten Normalweg. Am Kofelsattel4 verzweigen sich an einem Unterstand mehrere Wege.
Zu den Ammerquellen muss man den westlich ansteigenden wählen, welcher nicht bezeichnet oder markiert ist. Er verläuft vielleicht 100 m parallel zum Königsteig und schwenkt dann auf einer Lichtung nach Osten, um dem Vorderen Rappenkopf auszuweichen. Die Spuren werden nun immer schwächer. Bald folgt eine Kehrtwende Richtung Westen in eine sumpfige Quellmulde. Linker Hand stehen Felsen. Bei diesen südwärts durch einen dichten Fichtenwald steil hinab zu einer langgestreckten Lichtung. Diese ist ebenfalls feucht, weil aus ihr ein Bach entspringt. Früher lag dort das Gebiet der Weglalm5.
Im Westen der Lichtung landet man zunächst auf einem holprigen Grünweg, der sich schließlich in eine Kiespiste verwandelt. Auf dieser geht hinunter ins Graswangtal zu den Ammerquellen.

Ettaler Weidmoos

Die Ammerquellen6 liegen im Naturschutzgebiet Ettaler Weidmoos. Wir wandern an einigen Quelltöpfen vorbei zu einer Nebenstraße. Auf dieser kurz links und gleich wieder rechts Richtung Ettal. Ein Teil des Quellwassers wird dort abgezweigt und mit Hilfe eines Dükers als Mühlbach unter der Ammer durchgeleitet.
Hinter der Brücke beim Düker7 könnte man einen Abstecher zum Gasthof Ettaler Mühle machen. Nach Oberammergau muss man aber den linken Weg einschlagen. Dieser Abschnitt entlang der Ammer ist landschaftlich besonders schön. Birken säumen den Wanderweg und zu beiden Seiten erstrecken sich die artenreichen Feuchtwiesen des Ettaler Weidmooses.

Bärenhöhle

Unterwegs nach Oberammergau könnte die Bärenhöhle8 besucht werden. Sie fällt vor allem durch ihr großes Portal auf. Wegen andauernder Steinschlaggefahr wurde der offizielle Zugang zurückgebaut. Die Höhle darf auf eigene Gefahr betreten werden.
Nach der Bärenhöhle bleiben wir bis zum Bahnhof Oberammergau weiterhin an der Ammer. Dieses letzte Stück ist nicht mehr so schön, unter anderem wegen der lauten Deutschen Alpenstraße.

Alternative via Döttenbichl

Wer kein Interesse an der zwar großen, aber schmucklosen Bärenhöhle hat, kann die kürzere Strecke an der Kleinen Ammer und am Döttenbichl9 vorbei zum bereits bekannten Grottenweg wählen.

Tourskizze