1. Berchtesgadener Alpen
  2. Göllstock

Hoher Göll (2522 m) und Hohes Brett

Überschreitung vom Mannlgrat zum Jenner

Fast 2000 Meter ragt der Hohe Göll aus dem Tal­boden empor. Damit ist er einer der besten Aussichts­berge in den Berchtes­gadener Alpen. Ein besonders interessanter Aufstieg führt über den Mannlgrat-Klettersteig. Vom Hohen Göll kann man anschließend ohne viele zusätzliche Höhen­meter weiter zum Hohen Brett wandern.
Stand:

Zur Galerie (11)
Hohes Brett
Das Hohe Brett mit der Brettgabel im Abendlicht.

Vom Tal aus wären der Hohe Göll und das Hohe Brett kaum zusammen an einem Tag zu schaffen. Möglich wird das erst durch die Bus­verbindung zum Kehlstein­haus auf der einen und die Jennerbahn auf der anderen Seite. Am besten startet man die Bergtour beim Kehlstein­haus, weil der Klettersteig über den Mannlgrat (siehe Topo) bergauf angenehmer zu gehen ist.
Bereits am Mannlgrat scheint das Hohe Brett zum Greifen nahe. Doch das täuscht. In dem hoch­alpinen Gelände kommt man nur langsam voran. Die Zeit bis zur letzten Tal­fahrt kann somit durchaus knapp werden. Notfalls muss man vom Jenner eben zu Fuß absteigen oder in einem der Berghäuser übernachten.

Historisches: Das Kehlsteinhaus, auch Eagle’s Nest genannt, war ein Geschenk der NSDAP an Adolf Hitler zu dessen 50. Geburtstag. Hitler mochte das Haus nicht und war nur wenige Male oben. Trotzdem wird es gerade von Touristen stark mit ihm in Verbindung gebracht. Wer dagegen wirklich etwas über die NS-Zeit erfahren möchte, besucht besser die Dokumentation Obersalzberg.

Tourcharakter und Schwierigkeit

1100 m 1130 m 10 km5:40 h

Anspruch ■■■■■ T5  I  B/C
Kondition ■■■■■■
Orientierung ■■■■■■

Den technisch schwierigsten Abschnitt bildet der luftige Kletter­steig am Mannlgrat (siehe Topo). Er wird oft unterschätzt. Im Juli 2018 stürzte eine 49-jährige Frau im Bereich der Durch­stiegs­löcher tödlich ab. Ebenfalls tödlich verunglückte ein 35-jähriger Mann im September 2022, als er sich gegen einen lockeren Felsen lehnte und mit diesem in die Tiefe fiel. Geübte können im Mannlgrat gerade noch so auf das Kletter­steigset verzichten. Der Helm muss dagegen unbedingt mit. Bei der Überschreitung des Hohen Bretts kommen dann weitere, meist gesicherte Kletterstellen.

Länge und Höhenmeter scheinen auf den ersten Blick im Rahmen zu bleiben. Allerdings bewegt man sich doch viel oberhalb von 2000 Metern, wo das Atmen schon etwas schwerer fällt.

Große Vorsicht ist bei schlechter Sicht geboten. Besonders im Bereich des Hohen Bretts verirrt sich immer mal wieder jemand. Angesichts der großartigen Fernsicht vom Steinernen Meer bis zum Untersberg ergibt die Bergtour bei zweifelhaftem Wetter aber ohnehin keinen Sinn. Außerdem am besten abwarten, bis der Schnee weitgehend verschwunden ist.

Wegbeschreibung

Mannlgrat vom Kehlstein

Mannlköpfe
Der Mannlgrat mit den Mannlköpfe. Weiter hinten ist der Kehlstein zu sehen.

Der Kehlsteingipfel befindet sich nur wenige Meter vom Kehlstein­haus entfernt. Hinter dem Gipfel leitet ein perfekt ausge­bauter Panorama­weg durch ein unüber­sichtliches Fels­labyrinth. Schon nach kurzer Zeit beginnt der Klettersteig1, wobei die ersten Schrofen noch ungesichert zu meistern sind. Mit seinen engen Durch­schlupfen, Höhlen, Kaminen, Traversen sowie senkrechten Auf- und Abschwüngen ist der Mannlgrat der abwechslungsreichste Tourenabschnitt. Auf Grund mehrerer Zwischenabstiege nimmt das viel Zeit in Anspruch und am Ende hat man noch nicht so richtig an Höhe gewonnen.

Hoher Göll

Nach dem Ausstieg aus dem Klettersteig empfängt uns eine karge, hochalpine Land­schaft. Im Geröll geht es nun konsequent bergauf zum Nordgrat, der die Grenze zwischen Bayern und Salzburg markiert. Am Grat oben stößt der ebenfalls recht anspruchs­volle Schuster­steig vom Purtscheller­haus dazu. Entlang der Ost­abbrüche gelangt man dann über weiterhin schotteriges Gelände und eine kleine Fels­stufe unschwierig zum Göllgipfel2.

Göllscharte

Umgäng
Der Abstieg ins Alpeltal würde durch die Umgäng führen, ein vom Gletscher abgehobeltes, stark verkarstetes Hochtal.

Über den südöstlichen Vorgipfel, auf dem abermals ein Kreuz steht, wandern wir hinab zur Göllscharte. Unbedingt genau an den Steig halten, denn im Boden klaffen tiefe Spalten und Löcher. Im Bereich der Göll­scharte3 zweigt der Steig durch das Alpeltal rechts ab. Dieser führt durch das gewaltige Karstgebiet der so genannten Umgäng, in der bis in den Sommer hinein Schnee liegen kann. Der Gletscher verschwand erst im 19. Jahrhundert. Die komplexen Höhlen­systeme in der Umgäng sind ein Paradies für Höhlenforscher. Wer mehr darüber wissen möchte, die Münchner Höhlen­geschichte II vom Verein für Höhlenkunde in München beschäftigt sich intensiv mit der Umgäng.

Über das Hohe Brett

Der Steig zum Hohen Brett quert von der Göllscharte im Schatten der beiden Archen­köpfe durch eine recht urtümliche Land­schaft. Die Felsen sind deutlich vom Gletscher abgeschliffen. Dazwischen liegt viel Geröll herum. Ohne erkennbaren Weg, aber gut markiert geht es auf eine Einkerbung im Grat zu. Dieser wird zuletzt durch einen gesicherten Kamin erklettert. Exponiert folgt man der Schneide, bis das Gelände abflacht. Bald dreht die Route nach links, wo es wieder ausgesetzt wird. Nach einem weiteren Kamin mit Drahtseil und etwas Kraxelei wird der Rücken breiter. Der Anhöhe folgend erreicht man über den Brettriedel schließlich problemlos das Hohen Brett4.

Abstieg zum Jenner

Pfaffenkegel
Der Abstieg vom Jägerkreuz über den Pfaffenkegel zum Carl-von-Stahl-Haus lässt die Tour gemütlich ausklingen.

Am plateauartigen Rücken des Hohen Bretts geht es hinunter zum nahen Jägerkreuz5. Dort dreht der Steig scharf links in die schrofige Südflanke. Das sind nun die letzten Klettermeter. Ein Stück weit läuft ein Drahtseil mit, das an der Stelle gar nicht verkehrt ist.
Danach wandern wir am Pfaffenkegel vorbei zum Carl-von-Stahl-Haus6 oder kürzen bereits vor dem Pfaffenkegel Richtung Jenner ab. Zuletzt mit Gegen­anstieg auf einem bequemen Wanderweg zur Berg­station der Jennerbahn. Wer noch Kraft und Lust hat, die Aussicht oben vom Jenner auf den Königssee ist fantastisch.