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  2. Fünfseenland

Leutstettener Moos und Mühlthal

Würmwanderung von Starnberg nach Gauting

Auf dieser leichten Wanderung von Starnberg durch das Leutstettener Moos und entlang der Würm nach Gauting gibt es viel zu entdecken. Einen Eiszeit­findling aus der Würm-Kaltzeit beispiels­weise, eine römische Villa Rustica, eine Kirche mit heidnischem Kult und den mittelalterlichen Burgstall am Karlsberg bei Leutstetten. Anfang und Ende sind zwar zugegebener­maßen etwas hatschert, doch ansonsten erlebt man unterwegs eine wirklich facettenreiche Voralpen­landschaft.
Stand:

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Gewachsene Kulturlandschaft mit Pfeifengras-Streuwiesen im Nordosten von Percha.

Der Gletschervorstoß der Würm-Kaltzeit reichte bis weit ins Alpenvorland hinaus. Bei Leutstetten hinterließ der Isar-Loisach-Gletscher eine bogenförmige, doppelte Endmoräne mit gewaltigen Ausmaßen. Bis zu 75 Meter ist sie hoch. Im Postglazial mussten sich die Alpenflüsse erst einmal einen Weg durch die Moränenwälle bahnen. Die Würm durchbrach bei Mühlthal nordwestlich von Leutstetten die Doppel­moräne. Wir passieren den eindrucksvollen Durchbruch während der Wanderung.
Zwischen den Alpen und der Endmoräne lag vor ungefähr 20 000 Jahren eine riesige Gletscherzunge. Heute nimmt den Platz der Starnberger See ein. Wie auch der Ammersee hat er die typische Form eines Zungen­beckensees.

Ursprünglich war der Starnberger See einige Kilometer länger. Seine Nordbucht verlandete zum Leutstettener Moos, das von der Würm durchflossen wird. Seit 1980 steht das Moor unter Naturschutz. Entlang der Würm erstrecken sich die artenreichen Niedermoore, im älteren Ostteil gibt es auch Hochmoore. Im Gegensatz zu den Niedermooren haben Hochmoore durch das Torfwachstum den Kontakt zum Grundwasser verloren. Sie speisen sich ausschließlich aus Niederschlägen und sind deshalb sehr arm an Nährstoffen, so dass darin nur wenige speziell angepasste Pflanzen gedeihen.
Im so genannten Wildmoos wurde bis 1958 Torf gestochen, um Brennmaterial zu gewinnen. Der Torfstich gehörte zum Besitz von Schloss Leutstetten. Torf besteht aus unvollständig zersetzten Pflanzenresten, insbesondere von Torfmoosen. Er wächst nur etwa einen Millimeter pro Jahr. Zum Schutz der Moore wird er heute kaum noch abgebaut.

Neben den Mooren, Zungen­becken­seen und Moränen­hügeln hinterließen die Gletscher noch weitere Spuren in der Landschaft. So sind im Umfeld des Starnberger Sees zahlreiche Findlinge bekannt. Die tonnenschweren verirrten Felsblöcke wurden von den Gletschern oftmals bis aus den Zentralalpen mitgebracht. Bei Percha kommen wir an einem Findling vorbei. Weitere gibt es bei Kempfenhausen, Leutstetten und Rieden, allerdings schlecht auffindbar im Wald versteckt.

Museumstipp: Das Museum Starnberger See befasst sich in seiner hervorragend aufbereiteten Dauerausstellung mit der Wittelsbacher Flotte, den mondänen Seefesten und der Entwicklung des Ausflugstourismus. Highlight des Museums ist das 500 Jahre alte Lochmannhaus. Dieses original erhaltene Bauernhaus überrascht im Inneren mit einer noblen, schlossähnlichen Ausstattung.

Tourcharakter und Schwierigkeit

15 km3:20 h

Anspruch ■■■■■ T1
Kondition ■■■■■■
Orientierung ■■■■■■
Die Strecke von Starnberg bis Gauting ist schon ein ordentliches Stück, aber es geht ja flach dahin und die Wege sind bequem. Auf Grund der hatscherten Abschnitte am Anfang und Ende wäre es keine schlechte Idee, das Fahrrad zu nehmen.
Bitte beachten, dass kaum Beschilderungen vorhanden sind, obwohl die Tour überwiegend auf Wanderwegen verläuft. Zum Findling bei Percha und dem Burgstall Karlsburg gibt es gar keine Wegweiser.

Wegbeschreibung

Am Starnberger See zum Hohen Stein von Percha

Hoher Stein von Percha
Im Starnberger Ortsteil Percha liegt ein erratischer Block aus Amphibolit, der während der Würm-Kaltzeit vom Isar-Loisach-Gletscher dorthin transportiert wurde.

Der Weg vom Starnberger Bahnhof ins Leutstettener Moos führt als Erstes durch den Ortsteil Percha, wo man einen kleinen Abstecher zum Hohen Stein machen kann. Wir laufen zunächst auf der Uferpromenade Richtung Osten, wobei wir bald hinten um die Werft, den Hafen und das Seebad herum müssen. Nach der Würmbrücke geht es dann geradeaus auf der Seestraße nach Percha, dort links in die Berger Straße und schließlich hundert Meter weiter rechts zur gotischen Kirche St. Valentin im ehemals winzigen Dorfzentrum von Percha1.
Zum Findling folgt man in Percha der Buchhofstraße aus dem Ort hinaus. Der Hohe Stein von Percha verbirgt sich hinter der Baumreihe auf der nördlichen Straßenseite. Es gibt einen Trampelpfad.
Von dem Block wurden ganz offensichtlich größere Stücke abgesprengt. Bearbeitungs­spuren an Findlingen sind häufig, wie zum Beispiel auch am Grauen Stein bei Oberaudorf. Größere Gesteinsbrocken, insbesondere kristalline aus den Zentralalpen, besaßen fern ihres natürlichen Vorkommens in vorindustrieller Zeit einen hohen Wert.

Ins Leutstettener Moos

Leutstettener Moos
Im Bereich des Röhrlbachs führt der Moosrundweg durch einen sumpfigen Erlenbruch.

Nach dem Abstecher zum Hohen Stein zweigt man am Ortseingang von Percha rechts auf den Fußweg zur Autobahn­unterführung ab. Auf der anderen Seite der Autobahn liegt ein Wohngebiet. Wir müssen nun zur Heimatshausener Straße, die das Wohngebiet an der Westseite passiert und treffen so auf den Moosrundweg. Gleich nach den letzten Häusern beginnt das Leutstettener Moos. Mehrere schön gestaltete Stationen erläutern die Entstehung des Moors und seine ökologische Bedeutung.
Wie wir erfahren, besteht das Leutstettener Moos teilweise aus ehemals landwirt­schaftlichen Flächen. Um zu verhindern, dass die artenreichen Streuwiesen mit ihren seltenen Orchideen verbuschen, werden sie als ökologische Pflege­maßnahme alle drei Jahre gemäht. Die Besitzer müssen das zwar nicht selbst erledigen, aber dulden.

Auf zwei Abschnitten, wo das Wasser manchmal knietief stehen kann, gibt es Holzstege. Dort wächst ein etwas düsterer, unheimlicher Erlenwald. Diese Baumart kommt mit der Situation der zeitweisen Überflutungen gut zurecht. Im Frühling blühen im Wasser überall Sumpfdotterblumen.

Villa Rustica

Villa Rustica bei Leutstetten
Bei Leutstetten wurde eine römische Villa Rustica ausgegraben.

Wenn der Boden wieder fester wird, kommt bald eine Gabelung, an der man links zur Ausgrabungsstätte der Villa Rustica2 gelangt. Unter dem Glaspavillon ist ein gut erhaltene Hypokaust­heizung zu sehen. Die Römer legten eben Wert auf Wohnkomfort. Drahtkörbe zeichnen den Grundriss des Hauptgebäudes nach. Als Villa Rustica bezeichnet man Gutshöfe mit Ackerbau und Viehzucht. Der vorliegende Gutshof datiert auf das zweite Jahrhundert nach Christus. Er bestand lediglich einige Jahrzehnte, wohl wegen seines abgelegenen Standorts und des wenig ertragreichen Bodens. Spätere Generationen trugen die Mauersteine des verlassenen Anwesens bis auf die Fundamente ab, für ihre eigenen Häuser, vor allem aber wohl für die Leutstettener Kirche.

Leutstetten

Aus Naturschutzgründen sollen die Mooswiesen nordwestlich der Villa Rustica gemieden werden, auch wenn es deutliche Trampelpfade gibt. Man nimmt also nach Leutstetten3 brav den Feldweg. Weit ist es nicht mehr.

Das Schmuckstück der kleinen Ortschaft bildet das Renaissance­schloss aus dem 16. Jahrhundert. Es kann leider nur von außen besichtigt werden. Mitglieder der Wittelsbacher Familie nutzen es als privaten Wohnsitz. Bemerkenswert sind die schönen alten Bauernhäuser und besonders die in ihrem Kern gotische Kirche St. Alto. Unter dem rechten Seitenaltar ist der römische Grabstein des Besitzers der Villa Rustica eingemauert. Früher verehrte man in St. Alto die drei heiligen Jungfrauen, die je nach Region mit unterschiedlichen Namen auftreten. In St. Alto heißen sie Ainpet, Gberpet und Firpet. Möglicherweise handelt es sich um die Christiani­sierung der heidnischen Schicksals­göttinnen.

Filmtipp: Die Dokumentation Dohlensommer auf Schloss Leutstetten berichtet über die Forschungen der Ornithologin Auguste von Bayern, die sich seit ihrer Kindheit für die intelligenten Rabenvögel interessiert. Nebenbei gewährt der Film auch ein paar Einblicke ins Innere des Schlosses.

Schönbergweg nach Mühlthal

Haus zum Kapeller
Das einzeln gelegene Haus zum Kapeller an der Würm wurde ursprünglich von einem Eremiten bewohnt, diente später als Jagdhaus und steht seit Längerem leer.
Wir verlassen Leutstetten nach Westen und wenden uns jenseits der Würmbrücke rechts, wo der Schönbergweg am Auwald entlangführt. Nach ein paar Minuten kommt die so genannte Drei-Bethen-Quelle. Sie heißt wohl so wegen der drei betenden Jungfrauen in der Kirche St. Alto von Leutstetten. Esoteriker holen sich das angeblich energie­geladene, heilsame Quellwasser kanisterweise, obwohl das Gesundheitsamt wegen der starken Keimbelastung dringend vom Trinken abrät.
Nach dem ehemaligen Eremitenhaus beim Kapeller nähern wir uns dem Mühlthal. Historisch Interessierte wollen sich zuvor aber bestimmt den Burgstall auf dem Karlsberg ansehen.

Auf die Karlsburg

Der Burgstall der Karlsburg4 liegt direkt oberhalb von Mühlthal auf der Endmoräne. Wer das Denkmal besuchen möchte, überquert nördlich von Mühlthal die Staatsstraße und läuft dann geradeaus in den Wald. Nach 200 Metern spitz links wenden, wo ein schmaler Weg zum Burgstall hinaufleitet.

Die Quellenlage zur Karlsburg, ursprünglich Karlsberg genannt, ist dürftig. Moderne Forschungs­ergebnisse liegen keine vor. Mitte des 19. Jahrhunderts beschäftigte sich der Bibliothekar Heinrich Konrad Föringer intensiv mit der Geschichte von Karlsberg. Unter seiner Leitung fanden Ausgrabungen statt, auf deren Basis er einen Grundriss­plan erstellte. Was über die Burg seitdem publiziert wurde, basiert größtenteils auf seinen Schriften.
Auf der Landkarte von Philipp Apian aus dem 16. Jahrhundert erscheint der Karlsberg noch als bewohnte Ruine. Um 1550 wurden sie für den Bau von Schloss Leutstetten abgetragen. Im Südostteil sind noch die überwucherten Fundamente der Außenmauer mit den halbkreis­förmigen Türmen zu erkennen. Das Baumaterial bestand vor allem aus Feldsteinen, also großen Kiesel­steinen, die man vor Ort aus der Moräne holte. Vermutlich musste auch der ein oder andere Findling dran glauben. Ziegelsteine sind ebenfalls nachgewiesen. Als Mauer­verkleidung dienten Quader aus Kalktuff. Unweit der Karlsburg gibt es am Würmhang ein Kalktuff­vorkommen. Interessanter­weise entspricht das Baumaterial demjenigen der Villa Rustica.
Ein mächtiger Doppelgraben trennt die Hauptburg von der Vorburg. Über das Plateau verteilt gibt es mehrere Löcher. Sie stammen von den Ausgrabungen aus dem Jahr 1837. Laut dem Bayerischen Denkmalamt sind auf der Anhöhe neben dem hochmittel­alterlichen Burgstall auch prähistorische Siedlungsspuren vorhanden.

Von Mühlthal nach Gauting

Würm
Ab Mühlthal führt der Wanderweg bis Gauting immer an der Würm entlang.

Bei Mühlthal beginnt der sportliche Teil der Wanderung, denn nach Gauting ist es noch ziemlich weit.Ein wenig kürzer, aber nicht wirklich schön wäre der zweite Teil des Moosrundwegs zum Bahnhof Starnberg Nord. Er führt leider viel an Straßen entlang. Die letzten Infostationen zur Kläranlage und Bienenzucht sind auch nicht mehr wirklich interessant.Die Würm macht hinter dem Mühlthal­durchbruch eine Schleife nach Osten. Nur wenige Hundert Meter Luftlinie von der Karlsburg entfernt biegt der Weg um den Sporn des Schloßbergs herum. Oben liegt ein trapezförmiger, von einem Graben umgebener Burgstall. Auf der westlichen Würmseite gab es ein Vorwerk. Zu der mittelalterlichen Burg existieren keine schriftlichen Überlieferungen. Ob sie in Beziehung zur Karlsburg stand, ist unklar.

Nach einiger Zeit taucht die Reismühle5 auf. Die Gebäude werden von Künstlern als Ateliers und Ausstellungsräume genutzt. Bei der Reismühle überqueren wir die Würm und wandern neben einer Pferdekoppel geradewegs nach Gauting hinein. Im Ort links in die Bahnhofstraße biegen. Bis zum Bahnhof sind es noch ein paar Hundert Meter.