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Leutstettener Moos und Mühlthal

Würmwanderung von Starnberg nach Gauting

Auf dieser leichten Wanderung von Starnberg durch das Leutstettener Moos und entlang der Würm nach Gauting gibt es so einiges zu entdecken. Einen Eiszeitfindling aus der Würm-Kaltzeit beispielsweise, eine römische Villa Rustica oder den mittelalterlichen Burgstall Karlsburg. Anfang und Ende sind zwar zugegebener­maßen etwas hatschert, doch ansonsten erlebt man unterwegs eine wirklich facettenreiche Voralpen­landschaft.
Stand:

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Im Bereich des Röhrlbachs führt der Moosrundweg durch einen sumpfigen Erlenbruch.

Der Gletschervorstoß der Würm-Kaltzeit reichte bis weit ins Alpenvorland hinaus. Bei Leutstetten hinterließ der Isar-Loisach-Gletscher eine bogenförmige, doppelte Endmoräne mit gewaltigen Ausmaßen. Bis zu 75 Meter ist sie hoch. Nordwestlich von Leutstetten durchbrach die Würm die Doppel­moräne. Die Wanderung passiert beim Mühlthal diesen eindrucksvollen Durchbruch.
Hinter der Endmoräne erstreckte sich vor ungefähr 20 000 Jahren eine riesige Gletscherzunge. Heute liegt dort der Starnberger See. Wie auch der Ammersee hat er die typische Form eines Zungen­beckensees.

Ursprünglich war der Starnberger See noch etwas länger, doch seine Nordbucht verlandete zum Leutstettener Moos, das von der Würm durchflossen wird. Entlang der Würm befinden sich die jüngeren Niedermoor­bereiche, im Osten gibt es auch ältere Hochmoore. Im so genannten Wildmoos wurde bis 1958 Torf gestochen, um Brennmaterial zu gewinnen. Der Torfstich gehörte zum Besitz von Schloss Leutstetten. Torf besteht aus unvollständig zersetzten Pflanzenresten, insbesondere von Torfmoosen. Er wächst nur etwa einen Millimeter im Jahr. Zum Schutz der Moore wird er heute kaum noch abgebaut.

Neben den Mooren, Zungen­becken­seen und Moräne­hügeln hinterließen die Gletscher noch weitere Spuren in der Landschaft. So sind im Umfeld des Starnberger Sees zahlreiche Findlinge bekannt. Die tonnenschweren verirrten Felsblöcke wurden von den Gletschern oftmals bis aus den Zentralalpen mitgebracht. Bei Percha kommen wir an einem Findling vorbei. Weitere gibt es bei Kempfenhausen, Leutstetten und Rieden, allerdings schlecht auffindbar im Wald versteckt.

Museumstipp: Das Museum Starnberger See befasst sich in seiner hervorragend aufbereiteten Dauerausstellung mit der Wittelsbacher Flotte, den mondänen Seefesten und der Entwicklung des Ausflugstourismus. Highlight des Museums ist das 500 Jahre alte Lochmannhaus. Dieses original erhaltene Bauernhaus überrascht im Inneren mit einer noblen, schlossähnlichen Ausstattung.

Tourcharakter und Schwierigkeit

15 km3:20 h

Anspruch ■■■■■ T1
Kondition ■■■■■■
Orientierung ■■■■■■
Die Strecke von Starnberg bis Gauting ist schon ein ordentliches Stück, aber es geht ja flach dahin und die Wege sind bequem. Wegen der hatscherten Abschnitte am Anfang und Ende wäre es keine schlechte Idee, das Fahrrad zu nehmen.
Bitte beachten, dass kaum Beschilderungen vorhanden sind, obwohl die Tour überwiegend auf Wanderwegen verläuft. Zum Findling bei Percha und dem Burgstall Karlsburg gibt es gar keine Wegweiser.

Wegbeschreibung

Zum Hohen Stein von Percha

Der Weg vom Starnberger Bahnhof ins Leutstettener Moos führt durch den Ortsteil Percha, wo man einen kleinen Abstecher zum Hohen Stein machen kann. Wir laufen zunächst auf der Uferpromenade Richtung Osten, wobei wir bald hinten um die Werft, den Hafen und das Seebad herum müssen. Nach der Würmbrücke geht es dann geradeaus auf der Seestraße nach Percha, dort links in die Berger Straße und schließlich hundert Meter weiter rechts zur gotischen Kirche St. Valentin im ehemals winzigen Dorfzentrum von Percha1.

Zum Findling folgt man danach der Buchhofstraße aus dem Ort hinaus. Der Hohe Stein von Percha verbirgt sich hinter der Baumreihe auf der nördlichen Straßenseite. Es gibt einen Trampelpfad. Von dem Block wurden ganz offensichtlich größere Stücke abgesprengt.

Zur Villa Rustica im Leutstettener Moos

Bei Leutstetten wurde eine römische Villa Rustica ausgegraben.

Nach dem Abstecher zum Hohen Stein zweigt man am Ortseingang von Percha rechts auf den Fußweg zur Autobahn­unterführung ab. Auf der anderen Seite der Autobahn liegt ein Wohngebiet. Wir müssen nun zur Heimatshausener Straße, die das Wohngebiet an seiner Westseite passiert und treffen so auf den Moosrundweg. Gleich nach den letzten Häusern beginnt das Moor. Mehrere schön gestaltete Stationen erläutern die Entstehung des Moors und seine ökologische Bedeutung. Auf zwei Teilstücken, wo das Wasser bestimmt knietief steht, wurden Holzstege errichtet. Dort wächst ein etwas düsterer, unheimlicher Erlenwald.
Wenn der Boden wieder fester wird, kommt bald eine Gabelung, an der man links zur Ausgrabungsstätte der Villa Rustica2 gelangt. Unter dem Glaspavillon ist ein gut erhaltene Hypokaust­heizung zu sehen. Die Römer legten eben Wert auf Wohnkomfort.

Aus Naturschutzgründen sollen die Mooswiesen nordwestlich der Villa Rustica gemieden werden, auch wenn es deutliche Trampelpfade gibt. Man nimmt also nach Leutstetten3 brav den Feldweg. Weit ist es nicht mehr. Das Renaissance­schloss in Leutstetten kann nur von außen besichtigt werden. Es wird von Mitgliedern der Wittelsbacher als privates Wohnschloss genutzt. Sehenswert in Leutstetten ist außerdem die Kirche St. Alto. Unter dem rechten Seitenaltar wurde der römische Grabstein des Besitzers der Villa Rustica eingemauert.

Filmtipp: Die Dokumentation Dohlensommer auf Schloss Leutstetten berichtet über die Forschungen der Ornithologin Auguste von Bayern, die sich seit ihrer Kindheit für die intelligenten Rabenvögel interessiert.

Von Leutstetten nach Mühlthal

Wir verlassen Leutstetten nach Westen und wenden uns jenseits der Würmbrücke links, wo ein Fußweg am Auwald entlangführt. Nach ein paar Minuten kommt die so genannte Drei-Bethen-Quelle. Sie heißt wohl so wegen der drei betenden Jungfrauen in der Kirche von Leutstetten. Esoteriker holen sich das angeblich energiegeladene Quellwasser kanisterweise, obwohl das Gesundheitsamt wegen starker Keimbelastung vom Trinken abrät. Nach dem ehemaligen Eremitenhaus beim Kapeller nähern wir uns dem Mühlthal. Historisch Interessierte wollen sich zuvor aber bestimmt den Burgstall auf dem Karlsberg ansehen.

Auf die Karlsburg

Der Burgstall Karlsburg4 liegt oben auf der Endmoräne östlich des Mühlthals. Man überquert die Staatsstraße und geht dann geradeaus in den Wald. Nach 200 Metern spitz links wenden, wo ein schmaler Weg zum Burgplateau hinaufleitet.
Die Burg war bereits im 16. Jahrhundert eine Ruine und wurde schließlich für den Bau des Schlosses in Leutstetten fast komplett abgetragen. Im Südostteil sind noch die überwucherten Fundamente der Außenmauer mit den halbkreisförmigen Türmen zu erkennen. Ein mächtiger Doppelgraben trennt die Hauptburg von der Vorburg. Über das Plateau verteilt gibt es mehrere Löcher. Sie stammen von Ausgrabungen aus dem Jahr 1837. Laut dem Bayerischen Denkmalamt sind auf der Anhöhe neben dem hochmittelalterlichen Burgstall auch prähistorische Siedlungsspuren vorhanden.

Von Mühlthal nach Gauting

Ab Mühlthal führt der Wanderweg bis Gauting immer an der Würm entlang.

Bei Mühlthal beginnt der sportliche Teil der Wanderung, denn nach Gauting ist es noch ziemlich weit.Ein wenig kürzer, aber nicht wirklich schön wäre der zweite Teil des Moosrundwegs zum Bahnhof Starnberg Nord. Er führt leider viel an Straßen entlang.Die Würm macht hinter dem Mühlthal­durchbruch eine Schleife nach Osten. Nur wenige Hundert Meter Luftlinie von der Karlsburg entfernt biegt der Weg um den Sporn des Schloßbergs herum. Oben liegt ein trapezförmiger, von einem Graben umgebener Burgstall. Auf der westlichen Würmseite gab es ein Vorwerk. Zu der mittelalterlichen Burg existieren keine schriftlichen Überlieferungen. Ob sie in Beziehung zur Karlsburg stand, ist unklar.
Nach einiger Zeit taucht die Reismühle5 auf. Die Gebäude werden von Künstlern als Ateliers und Ausstellungsräume genutzt. Bei der Reismühle überqueren wir die Würm und wandern neben einer Pferdekoppel geradewegs nach Gauting hinein. Im Ort links in die Bahnhofstraße biegen. Bis zum Bahnhof sind es noch ein paar Hundert Meter.