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Laubenstein und Abereck (1461 m)

Geologische Wanderung im Priental

Die Wanderung von Aschau im Priental über die Hofalm auf den Laubenstein ist landschaftlich überaus abwechslungsreich und dabei recht einfach. Von der weitläufigen Bergkuppe genießt man eine wunderschöne Aussicht über den Chiemgau. Außerdem bildet der Laubenstein ein spannendes geologisches Exkursionsgebiet mit verschiedenen Karst­formen und einem fossilienreichen Gestein.

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Malerisch liegt die Abergalm in einem kleinen Karkessel zwischen Abereck, Heuraffelkopf und Predigtstuhl.

In den Bayerischen Alpen gibt es zahlreiche Karstlandschaften, wie beispielsweise das Estergebirge, den Untersberg und eben auch das Laubenstein­gebiet. Verwunderlich ist das nicht, denn die Bayerischen Alpen bestehen zu einem beträchtlichen Teil aus Kalkgestein, welches von kohlensäure­haltigem Regenwasser durch Lösungs­verwitterung zersetzt werden kann.
Das Karsthöhlen­system des Laubenstein­gebiets fiel bei der Hebung der Alpen wohl schon vor vielen Millionen Jahren teilweise trocken. So kann die Höhlenbildung in den höher gelegenen Bereichen als weitgehend abgeschlossen betrachtet werden. Doch weiter unten sind die Karsthöhlen noch sehr aktiv und entwässern das Gebiet unterirdisch.
Das Wasser versickert im Karst durch so genannte Ponore, von denen sich einige um den Laubenstein und das Abereck gruppieren. Hydrologische Markierungen ergaben, dass das Wasser zur Hammerbachquelle im Priental fließt.

Das augenfälligste Gestein auf der Wanderung ist der rötliche, fossilienreiche Crinoidenkalk aus dem Jura. Man findet darin muschelähnliche Versteinerungen, bei denen es sich allerdings um Brachiopoden, also Armfüßer, handelt. Der Crinoidenkalk baut die Gipfel auf. Darunter lagern ältere Gesteine aus der Trias wie der Plattenkalk und der Wettersteinkalk. Alle drei sind sehr gut verkarstungs­fähig.

Tourcharakter und Schwierigkeit

950 m 17 km4:40 h

Anspruch■■■■■■T2
Kondition■■■■■■
Orientierung■■■■■■
Die Wanderung verläuft überwiegend auf befestigten Wegen und ist damit auch für weniger Geübte geeignet. Es gibt keine ausgesetzten oder gar gefährlichen Stellen. Im Laubensteinkessel und hinauf zum Abereck sind die Steige oft feucht und rutschig.
Eine gute Kondition sollte auf jeden Fall vorhanden sein, vor allem wenn man am Bahnhof und nicht erst beim Parkplatz am Schloss startet.
Der nicht bezeichneten Aufstieg durch den Laubenstein­kessel erfordert etwas Orientierungssinn. Im Nebel kann man sich am Laubenstein sowie im Bereich des Aberecks leicht verlaufen.

Wegbeschreibung

Aufstieg über die Hofalm

Die ersten paar Hunder Meter führen vom Bahnhof entlang der stark befahrenen Kampenwandstraße. Bei der Touristen­information geht es dann rechts in den Kurpark und an der renaturierten Prien entlang. Voraus ragt das prachtvolle Schloss Hohenaschau auf. Beim Schilderbaum am Heurafflerweg muss man rechts. Ein steiniger, anstrengender Weg führt in Serpentinen zur Hofalm1 empor. Sie liegt zusammen mit der Frasdorfer Hütte und weiteren Almen auf einem weitläufigen Boden.
Hinter der Hofalm nimmt man am besten die bezeichnete Abkürzung durch die Weide Richtung Laubenstein. Inmitten der Weidefläche sind unter einer Baumgruppe die Reste eines ehemaligen Kalkbrenn­ofens zu sehen. Bald wird wieder die Forststraße erreicht. Einen Kilometer weiter gibt es erneut eine Abkürzung. Diese endet an einer Kreuzung mit fünf Wegen. Dort wenden wir uns entgegen der Beschilderung links, also nach Osten, um durch den versteckten Laubenstein­kessel aufzusteigen.

In den Laubensteinkessel

Überall im Laubensteingebiet gibt es Dolinen und Schächte. Für das Vieh ist das gefährlich.
Von der genannten Kreuzung queren wir auf einem teils gras­bewachsenen Forstweg durch die Nordseite des Laubensteins. An einem Kahlschlag ist unten die Hofalm zu sehen. Gleich danach zweigt an einer Biegung rechts ein schmälerer Weg ab, der sich schnell zu einem Trampelpfad verjüngt und in den Laubenstein­kessel2 führt. Nur wenige Wanderer nehmen diese Route, so dass man etwas auf die Spur achtgeben muss.
Auf der linken Seite ragt das spitze Zellerhorn empor, ein spannendes Tourenziel, das sich allerdings nur für Geübte eignet. Rechter Hand erhebt sich der Laubenstein. Das Zentrum bildet eine feuchte Karstmulde. Es plätschert darin eine kleine Quelle. Außerdem fließt von Süden her ein Bach hinein. Ein oberirdischer Abfluss existiert nicht. Das Wasser versickert irgendwo in einem Schluckloch und tritt erst im Tal bei der Hammerbach­quelle wieder hervor.
Im Kessel gedeiht eine üppige Lägerflur. Auch wenn er früher einmal von der Laubensteinalm genutzt wurde, so dürften die Nährstoffe doch eher eingeschwemmt worden sein, als auf einem Viehleger zu beruhen.

Laubenstein

Der Ausstieg aus dem Laubenstein­kessel ist steil und rutschig, doch bald flacht das Gelände ab. In diesem Bereich liegen vielen Brocken aus Crinoidenkalk herum. Kurz darauf kommen wir an einem eingezäunten Loch vorbei, vermutlich eine Doline. Voraus sind schon die Hütten der Laubensteinalm zu sehen. Man kann jedoch auch gleich rechts weglos zum Laubenstein3 hinauf. Den Crinoidenkalk überdeckt nur eine dünne Grasnarbe. Am Gipfel und am Wanderweg kommt das rötliche Gestein zum Vorschein.

Abereck und Abergalm

Karren sind eine typische oberflächliche Karsterscheinung.
Statt gleich direkt zur Hofalm zurückzulaufen, bietet es sich an, die Runde noch über das Abereck zu erweitern. Dazu zweigt man wie beschildert nach der Laubenstein­alm links vom breiten Almweg ab. Dort fällt der eingezäunte Schacht des Laubensteinponors auf, in den ein mäanderndes Bächlein verschwindet.
Dem Nordrücken folgend geht es nun mit Gegenanstieg durch lichten Baumbestand auf das unscheinbare Abereck4. Direkt am Abereck gibt es einige recht tiefe Dolinen.
Der Wanderweg beschreibt nach dem Abereck einen Bogen um den Kessel der Abergalm. In unmittelbarer Nähe der Abergalm sieht man einige kleinere Karrenfelder, eine typische oberflächliche Karsterscheinung. Unter dem Predigtstuhl halten wir uns rechts und wandern hinab zur Grozachhütte, die der Bergwacht gehört. Kurz vor der Grozachhütte liegt rechter Hand unter einer der Baumgruppen der Eingang zum Abergofen. Die Schachthöhle wird von einer Naturbrücke überspannt. Wie die hineinleitenden Gräben zeigen, fungiert der Abergofen auch als Ponor. Auf der anderen Seite des Wegs befinden sich südlich der Hütte mehrere Dolinen.

Zum Eiskeller

Von der Grozachhütte folgen wir dem breiten Wanderweg Richtung Frasdorfer Hütte und Hofalm, wobei man wieder einmal ein Stück abkürzen könnte. Bald passieren wir den länglichen Eiskeller5. Er ist die größte Karst­hohlform des Laubensteingebiets. Diese Eintiefungen entstehen, weil der unterhöhlte Untergrund irgendwann nachgibt, aber auch weil feineres Material durch die Ponore ausgeschwemmt wird. Früher wurde der Kessel almwirtschaftlich genutzt, so dass er nicht bewaldet ist und sich optimal studieren lässt.

Der durch Verkarstung entstandene längliche Grubalmkessel im Laubensteingebiet wird gemeinhin als Eiskeller bezeichnet. An seiner schattigen Südostseite unter dem Abereck hält sich der Schnee lange und im Sommer strömt kalte Luft aus einigen Wetterlöchern. Dadurch wächst dort eine für diese Höhe ungewöhnliche alpine Flora. Das Wasser läuft aus dem Kessel unterirdisch über einen Ponor ab und kommt mehrere Hundert Meter tiefer bei der Hammerbachquelle wieder zum Vorschein.Mehr Info

Rückweg vom Laubensteingatterl

Am Nordende des Eiskellers gelangt man zur Gabelung am Laubenstein­gatterl und von da zurück zum Hinweg.
Im Umkreis des Laubenstein­gatterls liegen bedeutende Höhlen. Nach Westen führt ein Trampelpfad zum trichterförmigen Eingang der Großen Spielberg­höhle, ein anderer nach Nordosten zur Schlüsselloch­höhle. In letztere kann man mit Helm und Lampe einige Meter bis zur ersten Abseilstelle hineinkriechen. Der schlüsselloch­förmige Gangabschnitt gleich am Anfang ist nicht ungewöhnlich für Karsthöhlen. Am Beginn der Gangbildung schießt das Wasser mit vollem Druck durch einen Felsspalt. Die mechanische Erosion lässt dadurch eine kreisrunde Röhre entstehen. Wird die Röhre größer, lässt der Wasserdruck mit der Zeit nach, so dass sich der Höhlenbach nur noch in die Tiefe gräbt und die Schlüssel­loch­form hervorbringt.