1. Karwendel

Kreuzwand (2132 m) und Viererspitze

Klettertour bei Mittenwald

(aktualisiert am )

Keck bauen sich Kreuzwand und Viererspitze über Mittenwald auf und so sind an ihnen vorwiegend die Alpinkletterer zu Hause. Doch beide Gipfel haben jeweils eine Schwachstelle, die sie für erfahrene Bergsteiger auch ohne Kletterausrüstung zugänglich machen.

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Die kompakte Wand an der Viererspitze wird durch einen Kamin in der rechten Hälfte bezwungen.

Kreuzwand und Viererspitze wirken vom Tal aus betrachtet sehr markant. Da überrascht es, dass sie von den umliegenden Gipfeln in Wirklichkeit um mehrere Hundert Meter überragt werden. Wegen des Panoramas steigt man also nicht unbedingt hinauf. Dafür gäbe es in der Nördlichen Karwendelkette bessere Gipfel, wie den Wörner oder die Westliche Karwendelspitze.
Der Reiz der Bergtour auf Kreuzwand und Viererspitze liegt vor allem in der spannenden Kletterroute und den atemberaubenden Tiefblicken. Außerdem bietet sie die Möglichkeit, abseits des oft überlaufenen Dammkars eine einsamere Seite des Karwendels zu erleben.
Um an die beiden Gipfel heranzukommen, nimmt man normalerweise das steile, von imposanten Felswänden eingerahmte Vordere Dammkar. Der alternative Aufstieg von der Mittenwalder Hütte durch die Vordere Kreuzklamm (II) gilt als extrem steinschlaggefährdet und ist für Ortsunkundige schwer zu finden.

Der Name der Viererspitze ließe vermuten, dass sie aus vier Spitzen besteht, vergleichbar mit der Dreitorspitze im Wetterstein. Oft haben Zahlwörter in Bergnamen aber auch mit der Uhrzeit zu tun. Denn manche Bergspitzen, wie beispielsweise der Einserkogel im Zahmen Kaiser, dienten den Menschen früher als natürliche Sonnenuhr.
Im Fall der Viererspitze hat die Zahl jedoch einen ganz anderen Ursprung. In ihrer Nordwand ist nämlich tatsächlich eine schwarze Vier zu erkennen und das sogar unten vom Tal aus.

Tourcharakter und Schwierigkeit

1400 m 16 km7:40 h

Anspruch■■■■■■T6 II
Kondition■■■■■
Orientierung■■■■■■

Die Tour erreicht vom Anspruch her die obereste Stufe auf der Trekkingskala und erfordert in jeder Hinsicht viel Erfahrung sowie eine gehörige Portion Ausdauer. Während die Schrofen an der Kreuzwand kaum den ersten Grad erreichen, muss man an der Viererspitze senkrecht durch einen Kamin hinaufklettern und natürlich auch wieder hinunter.

Ab der Dammkarhütte wird der Bereich der markierten und beschilderten Wege verlassen. Die deutlichen Begehungsspuren machen die Orientierung bei guter Sicht vergleichsweise einfach. Für das Klettergelände benötigt man Routengespür.

Wegbeschreibung

Aufstieg zur Dammkarhütte

Der günstigere Bahnübergang ist derjenige nördlich des Mittenwalder Bahnhofs. Drüben geht es rechts am Bahngelände entlang und an der ersten Abzweigung links. Nach der Isarbrücke führen einige Stufen zur Seilbahn hinauf. Auf der gegenüberliegenden Straßenseite steigt man hinab in das meist trockene Bachbett der Atzgrubenlaine und gelangt darin unter der Europastraße hindurch.
Anschließend links halten und der Beschilderung zur Dammkarhütte folgend im Wald den Ochsenbodensteig1 empor. Das dauert auf jeden Fall eine gute Stunde. Hinter der Geländeschulter am Ochsenboden quert der Steig dann mit deutlichem Höhenverlust die gewaltige Geröllreise zu Füßen der Kreuzwand hinüber zum unteren Ende des Dammkars. Von da schlängelt er sich in schier endlosen Serpentinen zwischen dem Predigtstuhl und der Kreuzwand bergauf zur Dammkarhütte2.

Kreuzwand über Vorderes Dammkar

Weiter oben im Kar halten wir uns rechts des Felsgerippes.

An der Dammkarhütte teilt sich das Dammkar auf. Während die allermeisten ins Hintere Dammkar wollen, geht es zur Kreuzwand rechts. Steigspuren leiten in einem weiten Südwestbogen ins Vordere Dammkar3 hinein.
Wir bleiben zunächst in der Karmitte, bis sich dieses an einer Felsrippe aufspaltet. Nun unbedingt rechts gehen, denn der breitere, linke Karbereich endet an einem Abbruch. Etwas mühsam durchsteigt man auf wenig solidem Untergrund also die rechte Schlucht bis in die Viererscharte zwischen dem Nördlichen Karwendelkopf und der Kreuzwand.
Die Kreuzwand bleibt vom Anspruch her hinter der Viererspitze zurück. Zum Warmklettern also genau richtig. Die Route folgt anfangs dem schrofigen Westgrat (I). Sobald es schwieriger wird, weicht man rechts in die abschüssige grasdurchsetzte Flanke aus und gewinnt in einem Linksbogen den Gipfel4. Das Kreuz steht auf dem östlichen Vorgipfel. Es ist nur in exponierter Kletterei (III) zu erreichen.

Übergang zur Viererspitze

Von der Kreuzwand lässt sich der Pfad hinüber zur Viererspitze gut überblicken. Er verläuft zu Beginn auf dem mittleren von drei Grasbändern, wechselt aber schnell auf das untere. Dieses steigt gegen eine Scharte an und setzt sich dahinter fort. In leichtem Auf und Ab rückt die Viererspitze näher. Das letzte Stück ist sehr ausgesetzt, jedoch noch ohne Kletterei. Diese beginnen erst an der kompakten Wand des Gipfelaufbaus. Ein mehrere Meter hoher Kamin (II) bildet die heutige Schlüsselstelle. Der Fels ist fest und bietet solide Trittstufen. Man steigt am besten an einem Absatz nach links aus dem Kamin aus und klettert dann durch brüchige Schrofen zum Gipfel5.

Abstieg

Wer gerne abfährt, wird im Vorderen Dammkar seine Freude haben. Das Geröll ist dort schön fein und weich.