1. Ammergebirge
  2. Danielkamm

Kohlbergspitze (2202 m) bis Pitzenegg

Zünftige Gratwanderung am Danielkamm

Der weglose Kamm von der Kohlbergspitze zum Pitzenegg bietet eine der einsamsten Überschreitungen in den Ammergauer Alpen. Mit reichlich Kletterstellen, Grasschrofen und steilen Geröllfeldern erfordert die großartige Bergtour allerdings auch viel Übung im freien Gelände.

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Bei geeigneter Routenwahl sind diese Felsstufen am Pitzenegg leicht zu überklettern.

Ganz im Westen des langen Danielkamms liegt die beliebte Kohlbergspitze. Bei schönem Wetter hat man am Gipfel einen herrlichen Rundumblick über das Außerfern. Von Bichlbach sowie vom Heiterwanger See führen jeweils gute Steige hinauf.
Die östlichen Nachbargipfel der Kohlbergspitze sind dagegen völlig unerschlossen. Erst am Pitzenegg gibt es wieder einen Wanderweg. Dazwischen herrscht Wildnis. Obwohl die Kohlbergspitze selbst meistens gut besucht ist, unternehmen nur sehr wenige die lohnende Überschreitung von der Kohlbergspitze über den Zahn und das Kesseljoch hinüber zum Pitzenegg.Karg, rau und steinig präsentiert sich die Landschaft entlang des Kamms.Vereinzelt wachsen an geschützten Stellen Latschen oder Alpenrosen. Am besten kommen noch die polster­bildenden Seggen mit den unwirtlichen Bedingungen zurecht. Bei genauerem Hinsehen findet man aber auch Steinröschen und viele andere schöne Alpenblumen.
Vom geologischen Aufbau her besteht das Massiv überwiegend aus Plattenkalk. Auf der Südflanke treten die mehr oder weniger stark geneigten Platten­oberflächen hervor, die von einer dünnen, lückenhaften Grasnarbe bedeckt werden. Nach Norden brechen die Platten dann jäh ab und bilden stark zerklüftete Felswände.

Tourcharakter und Schwierigkeit

1480 m 1450 m 13 km7:00 h

Anspruch■■■■■T5 II-
Kondition■■■■■
Orientierung■■■■■■

Bis zur Kohlbergspitze handelt es sich noch um eine normale Bergwanderung. Ab da wird die Tour dann technisch anspruchsvoll und reichlich verwickelt. Es existieren praktisch keine Begehungspuren und kaum Steinmandl.
Die Kletterschwierigkeiten halten sich im unteren II. Grad. Der Fels ist nicht überall zuverlässig und die steilen Grasschrofen sind heikel zu gehen. Ausgesetzten Stellen sind am Grat natürlich auch vorhanden.

Bei Gewitterneigung sollte man spätestens auf der Kohlbergspitze umkehren. Im Notfall könnte man vor dem Zahn oder vom Kesseljoch jeweils über steile Geröllfelder nach Süden zum Alpenrosenweg flüchten.

Wegbeschreibung

Aufstieg zur Kohlbergspitze

In Bichlbach muss man erst einmal unter der Fernpassstraße sowie der Bahnstrecke hindurch. Drüben beginnt sogleich der gut beschilderte Weg auf die Kohlbergspitze. In Serpentinen leitet er hinauf zum horizontal verlaufenden Alpenrosenweg1. Dort je nach Belieben die linke oder rechte Variante einschlagen. In beiden Fällen zweigt der Gipfelanstieg nach einiger Zeit vom Alpenrosenweg ab. Rechts ist es bequemer, links am Zigerstein vorbei etwas felsiger.Wer nur die Kohlbergspitze besteigen möchte, kann bergauf den Steig über den Zigerstein nehmen und bergab die einfachere östliche Variante.Mit der Kohlbergspitze2 ist bereits der höchste Punkt des Tages erreicht, nicht jedoch der Höhepunkt der Tour.

Zum Zahn

Ab der Kohlbergspitze geht es weglos am zunächst noch unschwierigen Grat entlang. Es sind einige Pfadspuren zu erkennen, die vom Grat nach rechts in den abschüssigen Hang führen. Davon nicht ablenken lassen, denn diese stammen von den zahlreich vorhandenen Gämsen und Schafen.
Am besten bleibt man direkt am Grat, wo es über kleine Felsstufen (I) in die Scharte vor den so genannten Zahn geht. Sei Name passt perfekt. Denn er baut sich als spitzer, abweisender Turm vor uns auf. So sind wir gezwungen, in die Südflanke auszuweichen. Wir queren bei etwas Höhenverlust ein Geröllfeld, aus dem wir so bald wie möglich über steile Grasschrofen zu einer nach Süden hervorstehenden Schulter emporkraxeln. Von da einfach zum grasbewachsenen, flachen Zahngipfel3, der oben ziemlich unspektakulär aussieht.

Übergang zum Pitzenegg

Beim Aufstieg zum Kesseljoch muss man auf die Südseite ausweichen, da der Westgrat von Felstürmen blockiert wird. Links im Bild ist der Zahn zu sehen.

Vom Gipfel des Zahns laufen wir einige Meter ostwärts bis zu einem Steinmandl. Voraus befindet sich ein Abbruch. Das Steinmandl markiert eine nordseitige Rinne (I-II), durch die es einige Meter auf ein Band hinabgeht. Ein Stück weiter kommt vor dem Kesseljoch dasselbe Spiel wie beim Zahn. Erneut muss der Grat verlassen werden, um eine Felswand südlich durch abschüssige Schrofen zu umklettern – nicht schwer, aber gefährlich. Danach geht es über Schutt und an einem kleinen Latschenfeld vorbei problemlos auf das Kesseljoch4.
Hinüber zum Pitzenegg folgt zuletzt ein durchwegs luftiger Gratabschnitt, der unterhalb des Gipfels noch einige Kletterstellen bis II- aufweist. Die Felsstufen sind letztlich harmloser zu überwinden, als es den Anschein hat. Am Pitzenegg5 öffnet sich der Blick auf den weiteren Verlauf des Danielkamms.Jenseits des Wiesjochs käme als Nächstes die Hochschrutte, falls man noch nicht genug hat. Der Übergang ist vergleichbar mit dem eben zurückgelegten. Normalerweise wird das Wiesjoch von Süden her erreicht. Zudem gibt es eine spannende, fast völlig unbekannte Route von Norden aus dem Pitzental durch die Schrutte.

Abstieg über das Wiestal nach Lähn

Vom Pitzenegg zieht sich ein spärlich markierter, undeutlicher Pfad den Südrücken hinab. An einigen Stellen treten die für den Plattenkalk typischen Karrenfelder auf. Bei den ersten Latschen wenden wir uns nach Osten. Man muss nun auf der so genannten Oberen Wies6 irgendwie zwischen den einzelnen Latschengruppen hindurchfinden und biegt später im offenen Weideland hinab zum besser markierten Alpenrosenweg.
Wer zurück nach Bichlbach muss, nimmt den Alpenrosenweg nach rechts. Ansonsten durchquert man das Latschenfeld linker Hand und wandert dann bergab zu einer weithin sichtbaren Kiesstraße.Auf der öden Kiesstraße würde man links zur Einkehr auf der Bichlbacher Alm gelangen. Leider ist das ein recht langatmiger Hatscher mit Gegenanstieg. Östlich der Bichlbacher Alm gibt es einen Abstieg nach Lähn. Man muss also wenigstens nicht mehr zurück.In die entgegengesetzte Richtung führt die Kiesstraße in langen Schleifen nach Lähn hinunter, was keine gute Wahl wäre. Direkter und außerdem viel reizvoller ist es nämlich, geradeaus durch das Wiestal7 nach Lähn abzusteigen. Der markierte Pfad verläuft im Wiestal entlang des Moosbachs, dessen Seite er immer mal wieder wechselt. Unten im Talgrund geradeaus weiter an einem Lawinenschutz­wall vorbei und schließlich links nach Lähn hinein.

Lähn im Außerfern hieß ursprünglich Mittewald, bis der Ort 1456 von einer Lawine (Lahne) zerstört und an anderer Stelle wieder aufgebaut wurde. Im schneereichen Winter 1689 kam es erneut zu einem Lawinenunglück. Heute sorgen massive, meterhohe Wälle für einen zuverlässigen Lawinenschutz.Mehr Info