Natur erleben im bayerischen und Tiroler Alpenraum • Wanderungen • Bergtouren • Ausflugstipps
  1. Touren 
  2. Berchtesgadener Alpen 

Kleiner Watzmann (2307 m) und Mooslahnerkopf

Klettertour über die Watzmannfrau

(0)

Während der Große Watzmann manchmal regelrecht überrannt wird, steigen nur ein paar Individualisten den versteckten Pfad zur Watzmannfrau hinauf. Es ist ein großes Glück, dass der Kleine Watzmann nicht mit Stahlseilen touristisch erschlossen wurde und so ein Stück ursprüngliches Bergerlebnis erhalten blieb.

Inhalt

  1. Tourcharakter und Schwierigkeit
  2. Wegbeschreibung
    1. Zur Kührointalm
    2. Normalweg über den Gendarm
    3. Übergang zum Mooslahnerkopf
    4. Abstieg zur Kühroint
    5. Umgekehrte Tourrichtung
  3. Tourskizze mit GPS-Track
  4. Anfahrt und Einkehrmöglichkeiten
  5. Wanderkarten
Zur Galerie (9 Fotos)
Bergopfer-Gedenkkapelle auf der Kührointalm vor der Watzmanngruppe. In der Kapelle werden alle tödlichen Bergunfälle der Berchtesgadener Alpen auf Tafeln festgehalten.

Der Watzmann wird oft als schönster Berg Deutschlands bezeichnet. Seine Silhouette ist auch wirklich einmalig. Die Leser der Zeitschrift Bergsteiger kürten ihn 2014 sogar zum schönsten Berg der Welt. Das Ergebnis der unnützen Umfrage erstaunt nicht sonderlich. Kommen die meisten Leser der Zeitschrift doch aus Deutschland.

Aber auch im benachbarten Ausland erfreut sich der Watzmann großer Beliebtheit. Sein Bild zierte schon Packungen der Schweizer Chips-Marke Zweifel und eines österreichischen Hartkäses mit dem Namen Erzherzog Johann. Die Schweizer Grünliberale Partei warb mit einer spiegel­verkehrten Abbildung des Watzmanns für ein Volksbegehren.

So viel mediale Aufmerksamkeit führt zwangsläufig zu einem enormen touristischen Ansturm. Vielleicht entfernte der Alpenverein deshalb bei der Steigsanierung 2017 einen Teil der Sicherungen. Ob das Gedränge auf der Watzmann-Überschreitung dadurch dauerhaft weniger wird, ist fraglich.
Die beste Alternative zum Großen Watzmann stellt auf jeden Fall der Kleine Watzmann dar. Er bietet ein vergleichbares bergsteigerisches Erlebnis, dieselbe atemberaubende Landschaft und das mit viel mehr Ruhe.

Tourcharakter und Schwierigkeit

1800 m16 km9:00 h

Anspruch■■■■■■ T6 II
Kondition ■■■■■■
Orientierung ■■■■■■

An den Kleinen Watzmann sollte sich nur heranwagen, wer über ausgeprägtes Routengespür verfügt und sicher im II. Grad klettert. Der schwierigste Abschnitt ist der Übergang zum Mooslahnerkopf, bei dem es eine sehr gefährliche Passage in einer Steilgrasflanke gibt. Bei Nässe besteht dort Absturzgefahr!

Außerdem sollte die Wetterlage unbedingt stabil sein, denn ein schneller Rückzug ist nicht möglich. Nördlich unterhalb des Gipfels existiert eine kleine Biwak-Höhle. Vor Blitzschlag schützt diese aber natürlich nicht.

Wegbeschreibung

Zur Kührointalm

Es lohnt sich, frühmorgens kurz am Königssee vorbeizuschauen, wenn an der Promenade noch Ruhe herrscht. Anschließend bei der Holzbrücke über die Königsseer Ache, welche dort aus dem Königssee entspringt.
Auf der anderen Seite beginnt der Aufstieg zur Kührointalm. Diese ist überall ausgeschildert. Es geht durch ein Gehöft und ans obere Ende der Bobbahn1. Vor uns ragt der Grünstein empor, der später vom Gipfel des Kleinen Watzmanns völlig unscheinbar wirken wird. Bald bleibt der Grünstein rechts liegen. Auf bequemen, aber hatscherten Wegen gelangt man in ca. zwei Stunden zur Kührointalm. Zu dieser gehört mit der Kührointhütte2 ein wichtiges Unterkunftshaus. Viele nutzen die Kühroint als Ausweichquartier, wenn sie im Watzmannhaus keinen Schlafplatz mehr bekommen.

Normalweg über den Gendarm

Man passiert noch die Bergopfer-Gedenkkapelle und schlägt sich dann links in die Almweide. Diese wird nach schräg oben in Richtung Kleiner Watzmann überquert, wobei man auf einen unmarkierten Pfad trifft. Nach einem holprigen Aufstieg im Wald beginnt die felsdurchsetzte Latschenzone mit ersten Blicken ins Watzmannkar.
Unvermittelt bewacht der so genannte Gendarm3 den sich zum Grat verengenden Rücken. Dieses Hindernis (II) lässt sich am einfachsten rechts direkt neben den Steilabbrüchen erklettern. Links herum wäre deutlich schwieriger. Dahinter weisen Begehungsspuren, verblasste Markierungen und Steinmandl den Weg. Wir haben vorwiegend Gehgelände mit einigen leichten Kletterstellen an den Felsstufen. Ganz zuletzt wird es an den großen Platten unterm Gipfel4 noch einmal etwas anspruchsvoller.

Übergang zum Mooslahnerkopf

In nordöstlicher Richtung geht es den Steinmandln folgend über Schrofen und Geröll gut 100 Höhenmeter bergab, bis man oberhalb eines Abbruchs nach Osten queren kann. Ziel ist eine Schuttreise mit deutlich sichtbarer Spur. Das Gelände ist felsig und ausgesetzt, die letzte Kletterstelle etwas schwierig (II).
In der Schuttreise ein kurzes Stück absteigen und dann nach rechts zum Grat wechseln. Auf diesem zum Fensterl, einer Respekt einflößenden Scharte. Dort diagonal durch die Steilgrasflanke nach oben und drüben ebenso unangenehm wieder hinab. Danach gibt es einen markanten Durchschlupf. Nur wenig später steht eine kompakte Wand im Weg, neben der man einige Meter bis zu einer geeigneten Kletterstelle absteigt.
Ist die Wand überwunden, wird es deutlich einfacher. Viele Steinmandl leiten uns sicher durch ein Meer aus großen Felsblöcken. Hinter diesem Trümmerfeld wird der Mooslahnerkopf5 schließlich von Nordwesten her erreicht.

Abstieg zur Kühroint

Vom Mooslahnerkopf führt ein viel begangener Steig zurück zur Kührointalm. Unweit der Alm kreuzt er einen Fahrweg. Diesen besser ignorieren, denn geradeaus ist es schneller. Der weitere Abstieg erfolgt auf dem Hinweg.

Umgekehrte Tourrichtung

Da die Routenfindung zwischen Mooslahnerkopf und Watzmann bergauf noch kniffliger ist, sollte die Tour am besten in der beschriebenen Richtung unternommen werden.