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Kendlmühlfilzen-Rundweg

Erlebnisreiche Moorwanderung im Chiemgau

Die Rundwanderung durch die Kendlmühlfilzen erschließt auf wunderbare Weise alle Facetten dieses einmaligen Hochmoors. Mittendrin steht ein Aussichtsturm, der einen schönen Blick über das Moor und in die Chiemgauer Alpen gewährt. Außerdem liegen auf dem Weg zwei interessante Museen, die sich mit der Natur der Kendlmühlfilzen und dem Torfabbau befassen.

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Wo früher Torf abgebaut wurde, sind durch die Wieder­vernässung kleine Seen entstanden. So hat die Renaturierung neue Lebensräume entstehen lassen.

Auf den ersten Blick hat der ehemalige Torfbahnhof Rottau mit der restaurierten Bockerlbahn etwas Nostalgisches an sich. Das hölzerne Gebäude mit Verladestation von 1920 ist ein interessantes Industriedenkmal. Es erinnert aber auch daran, dass dort auf übelste Weise Raubbau an der Natur betrieben wurde.
Seit Mitte des 18. Jahrhunderts stellten die Salinen die Befeuerung zunehmend von Holz auf Torf um. Der Torf aus den Kendlmühlfilzen landete in der Traunsteiner Saline. Die Rosenheimer Saline bezog ihren Torf dagegen aus den Nicklheimer Filzen. Und auch die Bevölkerung nutzte Torf als günstiges Heizmaterial.
Um die riesigen Mengen an gefördertem Torf leichter abtransportieren zu können, entstand ein kilometerlanges Gleisnetz durch das Moor. Ab den 1950er Jahren wurde der Torf dann nicht mehr als Brennmaterial, sondern für die Gewinnung von Blumenerde abgebaut. Den Höhepunkt erreichte die Torfgewinnung in den 70er und 80er Jahren.Während die bäuerlichen Handtorfstiche den Kendlmühlfilzen über die Jahrhunderte kaum zusetzten, war der Frästorfabbau für den Gartenbau auf eine erschöpfende Ausbeutung angelegt.Erst starker bürgerlicher Druck bewog die in Umweltfragen traditionell eher zögerliche bayerische Staatsregierung, keine Genehmigungen mehr zu erteilen und die Kendlmühlfilzen 1992 unter Naturschutz zu stellen.

Mittlerweile wurden die Kendlmühlfilzen renaturiert. Die Narben der industriellen Torfgewinnung sind dennoch bis heute sichtbar. Torf ist zwar ein nachwachsender Rohstoff, er wächst jedoch extrem langsam. In einem intakten Moor entsteht in hundert Jahren gerade einmal eine zehn Zentimeter dicke Torfschicht. Die vollständige Regeneration wird also sehr lange dauern.

Je nach Durchnässung des jeweiligen Standorts trifft man in den Kendlmühlfilzen auf ganz unterschiedliche Pflanzen.
In den Randzonen, wo der Boden eher trocken ist, stehen Fichten und Kiefern. Die anspruchslose Birke tritt als Pionierbaum in den entwässerten Hochmoorflächen auf, oft auch zusammen mit der Moorspirke, die kaum von der Latsche zu unterscheiden ist. Wo der Boden feucht genug ist, wachsen das Schmalblättrige Wollgras und das Breitblättrige Knabenkraut. In den offenen Heideflächen siedeln auf dem weichen Torfboden Zwergsträucher wie Rauschbeere oder Rosmarinheide. An den Gräben gedeihen Sumpf-Schwertlilien.
Die wieder­vernässten Kernzonen des Hochmoors sind für die meisten Pflanzen eine lebensfeindliche Umgebung und das Rückzugsgebiet von Spezialisten wie den Torfmoosen oder dem Sonnentau.

Tourcharakter und Schwierigkeit

18 km3:50 h

Anspruch■■■■■T1
Kondition■■■■■■
Orientierung■■■■■
Die Wanderung verläuft durchgängig auf befestigten, gut beschilderten Wegen. Im Moor sorgen Holzhäcksel dafür, dass es nicht batzig wird. Einige Abschnitte außerhalb des Moors sind etwas hatschert. Man braucht aber ohnehin ein wenig Ausdauer, da die Strecke doch recht weit ist. Um die Kendlmühlfilzen in Ruhe genießen zu können und vielleicht auch noch die Museen zu besuchen, sollte man also jeden Fall einen ganzen Tag einplanen.

Wegbeschreibung

Auf Feldwegen nach Rottau

Man folgt vom Bahnhof in Bernau ein paar Hundert Meter der Bahnstrecke Richtung Osten und wendet sich dann rechts nach Farbing. Mit dem Bachweg entlang der Bernauer Achen und dem schattigen Waldweg stehen zwei Alternativen zur Auswahl. Beim Farbinger Hof1 treffen sie sich wieder. Gleich hinter dem Farbinger Hof links halten. Der Wanderweg verläuft auf Feldwegen und schlägt ein paar Haken. Im Süden sind die Ausläufer des Kampenwandgebiets zu sehen. Später taucht auch die Gedererwand auf. Nach Überqueren einer Nebenstraße kommt bald am Waldrand eine großzügige Kneippanlage2. Sogar Fitnessgeräte sind vorhanden.
Ab der Kneippanlage gilt die Beschilderung für das Museum Salz & Moor bzw. den Moorerlebnisweg. Ein Stück weiter kreuzt bei Rottau3 erneut eine Nebenstraße. Nun entweder außen um Rottau herum oder rechts in den Ort hinein. Das schmucke kleine Dorf liegt auf dem Schwemmkegel des Rottauer Bachs, der viel Material aus dem Kampenwandgebiet abtransportiert. Im Norden und Osten ist Rottau von Mooren umgeben.

Zum Brunnhaus Klaushäusl

Das Brunnhaus Klaushäusl war eine Pumpstation für die Soleleitung von Bad Reichenhall nach Rosenheim. Heute ist darin das Museum Salz & Moor untergebracht.

Östlich von Rottau trifft man am Hacklweg auf den Grießenbach, neben dem es südwärts zum Brunnhaus Klaushäusl geht. Im Brunnhaus ist das sehenswerte Museum Salz & Moor untergebracht. Als letztes vollständig erhaltenes Brunnhaus der ehemaligen Soleleitung von Bad Reichenhall über Traunstein nach Rosenheim besitzt die Anlage eine große industrie­geschichtliche Bedeutung.
Vor oder nach dem Museumsbesuch lohnt es sich, den kurzen Moorerlebnisweg4 an der Südwestecke der Filzen abzulaufen. Der informative Lehrpfad bereitet gut auf den eigentlichen Besuch des Moors vor. Er führt auch an einem aufgelassenen Handtorfstich vorbei.

Durch die Kendlmühlfilzen

Die Gräben wurden zur Wiedervernässung des Moors geschlossen.

Von Klaushäusl wandern wir am Waldsaum entlang noch ein Stück ostwärts, bis es links endgültig ins Moor hineingeht. Dabei folgen wir stets den Wegweisern zur Aussichtsplattform. Der befestigte Weg wurde teilweise direkt auf den alten Gleisen der Bockerlbahn angelegt, die noch heute das ganze Moor durchziehen. Zwischendrin gibt es immer wieder Rastbänke. An der Aussichtsplattform5 lohnt es sich, eine längere Pause einzulegen. Das ist der schönste Brotzeitplatz auf der ganzen Wanderung.
Nach dem Aussichtsturm kommt eine mit Wasser voll gelaufene Abbaustelle. Heute ein sehr idyllischer Ort, an dem selten Libellenarten leben und Frösche quaken.
Bald darauf biegt der so genannte Ewigkeitsweg rechts in einen Birkenwald. Der Name beruht darauf, dass den Arbeitern der lange Fußmarsch ins Moor wie eine Ewigkeit vorkam. Das muss vor dem Bau der Bockerlbahn gewesen sein.
Ein paar Hundert Meter weiter zweigen wir dann links vom Ewigkeitsweg ab. Auf einem verschlungenen Pfad geht es durch einen lichten Kiefernwald wieder aus dem Moor hinaus.

Rückweg über den Torfbahnhof Rottau

Am Nordrand der Kendlmühlfilzen wandern wir im Freien auf einem Feldweg neben artenreichen Feuchtwiesen zum Torfbahnhof Rottau6. In dem ehemaligen Bahnhofs­gebäude ist das Moor- und Torfmuseum untergebracht. Manchmal werden Museumsfahrten mit der restaurierten Bockerlbahn angeboten.
Hinter dem Torfbahnhof führt der Weg neben der Bahnstrecke im Wald schnurgerade Richtung Bernau, was sich noch eine ganze Weile zieht.