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Kramerspitz (1985 m)

Geheimtipp über den Katzenkopf

Auch wenn die Wanderung auf den Kramerspitz zu den Klassikern bei Garmisch gehört, den Steig über den Katzenkopf kennen doch nur sehr wenige. Genau das ist das Spannende am Kramer. Es gibt so viele Varianten abseits der Haupt­wanderwege, dass man immer mal wieder eine neue ausprobieren kann.

Mit dem Königsstand hat der Kramer an seiner Nordostecke einen wuchtigen Vorposten. Unten vom Pflegersee könnte man ihn fast für einen richtigen Gipfel halten, dabei ist er doch nur eine Art Kanzel.
Sein Name erinnert daran, dass der jagd­begeisterte König Maximilian II. an dem malerischen Platz seinen Einstand hatte. Heutzutage macht das Wild um den beliebten Aussichtspunkt wohl eher einen Bogen.

Auf dem Weg zum Kramerspitz bildet der Königsstand natürlich nur eine Zwischenstation. Interessant ist er im Rahmen dieser Wanderung nicht zuletzt deshalb, weil dort der weitgehend unbekannte Steig über den Katzenkopf beginnt. Wahrscheinlich dient der steile Steig der Jagd. Wer sonst würde sich die Mühe machen, die Latschen zurück­zuschneiden. Sonderlich gemütlich gestaltet sich die Passage über den Katzenkopf zwar nicht, dafür aber sehr ruhig und aussichtsreich. Die übrige Tour ist dann ein Klassiker.

Tourcharakter und Schwierigkeit

1300 m14 km6:00 h

Anspruch■■■■■■ T3
Kondition ■■■■■
Orientierung ■■■■■■

Die Steige auf dieser Tour sind an vielen Stellen schmal, steil und zum Teil auch luftig. Kurz vor dem Gipfel quert der Kramersteig durch die schattige Nordseite. Dort kann sich der Schnee lange halten. Am besten nur bei trockenen Verhältnissen unternehmen. Trittsicherheit und Schwindelfreiheit sind in jedem Fall angebracht.
Um die unbezeichneten Steige zu finden, muss man an zwei Stellen genau achtgeben und vielleicht auch danach suchen. Ansonsten macht die Orientierung wenig Probleme.

Da die Wanderung recht sonnenexponiert ist und viel durch die Latschen führt, wählt man am besten keinen übermäßig heißen Tag.

Wegbeschreibung

Kellerleitensteig

Praktischerweise hat am Kramer fast jeder Steig seinen Namen. So kommt es nicht zu Verwechslungen. Fangen wir also zunächst am Pflegersee1 mit dem Kellerleiten­steig an. Er verläuft eine Etage über dem bekannten Kramer­plateauweg. Der Kellerleitensteig entpuppt sich als breiter, bequemer Wanderweg. Wir folgen ihm einen Kilometer bis kurz vor den ersten Graben.

Maurersteig zum Königsstand

Genau vor dem ersten Graben zweigt dann der schmale Maurersteig ab. Es gibt keine Beschilderung oder Markierung. Der Steig zieht sich kurz am Graben bergauf. Vorsicht, nicht spitz rechts den Prälatensteig nehmen. Bereits nach 50 Metern schwenkt der Maurersteig unter einer Felswand nach rechts. Oberhalb der Wand sind eine prähistorische Höhensiedlung sowie der mittelalterliche Burgstall Falkenstein bekannt. Oberflächlich gibt es keine sichtbaren Spuren mehr.
Ein Stück weiter passieren wir die so genannte Wassergrotte2, in der eine bunte Sammlung an Kreuzen lagert. Vielleicht kann ein Stoßgebet nicht schaden, denn anschließend wird es etwas ausgesetzt. Auf einer schmalen Spur geht es durch eine steilen, mit hohem Gras bewachsenen Hang, in dem sich einzelne Kiefern festkrallen. An einer besonders heiklen Stelle wurde ein Seil gespannt. Über einer Felsstufe flacht das Gelände ab. Die übrige Strecke bis zum Königsstand3 ist einfach.

Katzenkopf

Vom Königsstand folgen wir dem markierten Wanderweg etwa 200 Meter weit. Rechter Hand erscheint eine Felswand. Entlang dieser Wand verläuft der anfangs schlecht erkennbare Kramersteig, der den offiziellen Weg schnell unter sich lässt. Bald taucht er in die Latschen ein und macht eine Kehrtwende nach rechts, so dass man sich nun über der genannten Felswand befindet. Ein paar Meter sind exponiert. Vertun kann man sich in der freigeschnittenen Latschengasse eigentlich kaum und so wird ohne Probleme der Katzenkopf4 erreicht.

Kramerspitz

Vom Katzenkopf wirkt der Hauptgipfel nicht mehr allzu fern. Eine Stunde dauert es allerdings schon noch. Es geht nun als erstes ein Stück bergab in einen Sattel, bei dem der reguläre Aufstieg von der Martinshütte dazustößt.
Der Kramersteig wird ab da breiter und gepflegter. Mit minimalem Felskontakt führt er über den Mittergern5 und quert danach einen abschüssigen Hang, den eine zerklüftete Wand aus Hauptdolomit überragt. Die Erosion nagt dort beharrlich am Kramersteig, der immer wieder repariert werden muss. Manchmal ist die Querung deshalb schlecht zu gehen.
Schließlich biegt der Weg um eine Ecke herum nach Süden auf einen langgezogenen Grasrücken. Dieser leitet zum Kramergipfel6 hinüber, welcher zuletzt über leichte Schrofen gewonnen wird. Zur Mittagszeit kann der Platz oben durchaus knapp werden.

Abstieg über Sankt Martin am Grasberg

Zurück wandern wir nicht mehr über den Katzenkopf, sondern auf dem bequemeren Normalweg hinab zur Martinshütte. Die Abzweigung zum Königsstand nahe der verfallenen Kramerhütte bleibt links liegen. Ab da ist der Weg breiter ausgebaut, weil er ursprünglich für Maximilian II. angelegt wurde, um zur Jagd auf den Königsstand zu reiten. Weiter unten gibt es im Bereich der so genannten Schwarzen Wand seit vielen Jahrzehnten eine stählerne Aussichtsplattform7. Diese Felsenkanzel bietet noch einmal einen letzten, herrlichen Blick über den Garmischer Talkessel. Einige Wegschleifen tiefer steht dann die beliebte Wandereinkehr Sankt Martin8.
Ab der Martinshütte läuft man zeitweise auf einer Kiesstraße. Schon nach wenigen Kehren führt links der Kellerleitensteig zurück zum Pflegersee. Also nicht bis zum Kramerplateauweg absteigen. Das wäre ein Umweg.