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Kampenwand (1664 m) von Hohenaschau

Klassiker über den Reitweg

Der gemütliche Reitweg von Hohenaschau über die Schlechtenbergalm und die Steinlingalm zur Kampenwand gehört zu den Chiemgauer Wanderklassikern. Durch seine geringe Steigung ist der Reitweg angenehm zu gehen, dafür aber auch relativ weit. Eilige können mehrmals über steilere Alternativen abkürzen.
Stand:

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Die von außen kompakt wirkende Kampenwand ist in ihrem Inneren hohl.

Bereits ein Jahr nachdem der Nürnberger Industrie­pionier Theodor Freiherr von Cramer-Klett die Herrschaft Hohenaschau erworben hatte, ließ er 1876 den Reitweg zur Kampenhöhe anlegen. Oben auf der Kampenhöhe entstand ein Jagdhaus, das heute der DAV-Sektion München und Oberland als Selbstversorger­unterkunft dient. Theodor von Cramer-Klett war selbst Mitglied im DAV. Der Reitweg durfte von den Bauern für den Almauftrieb genutzt werden und war auch zum Wandern freigegeben.Als 1878 die durch Cramer-Klett angestoßene und finanzierte Bahnlinie von Prien nach Aschau eröffnet wurde, kam die Kampenwand als Ausflugsziel in Mode.Reiseführer der damaligen Zeit berichten von 30 Rastbänken entlang des Reitwegs. Bänke gibt es auch heute noch, aber es sind wohl etwas weniger. Mit seiner angenehmen Steigung von maximal 10 % avancierte der Reitweg zeitweise zum beliebtesten Zustieg. Ein besonderes Schauspiel ereignete sich auf ihm 1949, als Maultiere die über fünf Tonnen schweren Einzelteile des Gipfelkreuzes zur Steinlingalm transportierten.
Erst als immer mehr Wanderer mit dem Auto anreisten, entwickelte sich der Parkplatz Aigen bei Hintergschwendt zum häufigsten Ausgangspunkt.

Der Reitweg ist nicht mehr komplett original erhalten. Einige Abschnitte wurden mit Forst- und Almstraßen überbaut. Deshalb lässt sich sein Verlauf teilweise schlecht nachvollziehen. Der GPS-Track auf der Tourkarte gibt ihn exakt wieder. Mögliche Abkürzer sind gestrichelt eingezeichnet.

Tourcharakter und Schwierigkeit

1050 m 18 km5:00 h

Anspruch ■■■■■■ T4  I  A
Kondition ■■■■■■
Orientierung ■■■■■■
Bis zur Steinlingalm handelt es sich um eine sehr einfache, wenn auch anstrengende Bergwanderung. Der Gipfelanstieg erfolgt dann durch mäßig ausgesetztes, schrofiges Ier-Gelände, das unbedingte Trittsicherheit und Schwindelfreiheit erfordert. Die Route ist völlig zu Recht mit einem schwarzen Punkt gekennzeichnet. Trotzdem sind auffällig viele Unerfahrene unterwegs. Besser würden sie sich zuerst an einfacheren Bergen versuchen. Ein unschwieriges Ausweichziel wäre beispielsweise der Sulten im Norden der Kampenwand.

Wegbeschreibung

Reitweg zur Schlechtenbergalm

Teilweise wurde der Reitweg durch die Felsen gebrochen.
Dem Hauptwanderweg ins Kampwenwand­gebiet folgend, geht es an der Talstation vorbei zwischen Wiesen in wenigen Minuten zum Waldrand hinauf. Im Wald wenden wir uns an der zweiten Abzweigung spitz links. Das ist der Reitweg. Er kreuzt den Fuchsluger Bach und beschreibt dann eine S-Kurve.Wer abkürzen möchte, hält sich bei der nächsten Gelegenheit spitz rechts. Dort beginnt gleich der ehemalige Holzziehweg mit einer interessanten durch den Fels gebrochenen Gasse, die älter als der Reitweg ist. Der Ziehweg führt hinter der Felsengasse unter der überhängenden Geißstiegwand1 zur Skipiste.Der Reitweg überquert die Skipiste weiter unten als der Ziehweg, mit dem er sich nach ein paar Schlenkern nördlich der Maiswand2 wieder vereinigt.
Ab der Maiswand verschwindet der schmale Reitweg teilweise unter der Almstraße. Wir verlassen nun den Wald. Voraus breiten sich die Aschauer Hochweiden aus und die Kampenwand tritt ins Blickfeld. Der Reitweg zweigt bald links ab, passiert das Liftstüberl und schlängelt sich durch das so genannte Goriloch auf der Westseite des Sultens zur Schlechtenbergalm3.Schneller wäre es, auf der Almstraße weiterzulaufen oder die Skipiste über die Gorialm zu nehmen. Wobei alle Varianten letztlich die Schlechtenbergalm passieren.

Steinlingalm über Sultensattel

Düster ragt die Kampenwand über der Steinlingalm auf. Die Alm hat ihren Namen von den Felsblöcken, die überall umherliegen.
Bei der Schlechtenbergalm macht der Reitweg noch eine Schleife Richtung Westen. Einfacher bleibt man aber auf der teilweise geteerten Straße. Wenige Minuten nach dem Sultensattel wird schließlich die beliebte Steinlingalm4 erreicht.
Um die Hütten verstreut liegen beeindruckende Felsblöcke, die man leicht für die Reste eines Felssturzes von der Kampenwand halten könnte. Doch sie bestehen aus Hauptdolomit, die Kampenwand dagegen aus Wettersteinkalk. In Wirklichkeit witterten die Blöcke aus den erosions­anfälligen Raibler Schichten heraus, die dort über dem Hauptdolomit liegen. Ein ziemliches geologisches Durcheinander, denn diese Gesteine entstanden chronologisch genau in der umgekehrten Reihenfolge, zuerst der Wettersteinkalk, danach die Raibler Schichten und zuletzt der Hauptdolomit.

Normalweg zum Kampenwand Ostgipfel

Das Kreuz steht auf der Kampenwand am Ostgipfel, der vier Meter weniger misst als der Hauptgipfel.
Der Gipfelaufsteig von der Steinlingalm verläuft zunächst auf einem steilen, ausgefransten Schotterweg, dann über gut gestufte Schrofen (I) zum Eingang in die Felsflucht der Kaisersäle. In den Kaisersälen gibt es noch vereinzelt ein paar Kraxelmeter. An einer Engstelle ist der Durchlass kaum zwei Meter breit. Unter dem Felsturm des Ostgipfels5 befindet sich ein Vorplatz, fast wie bei einer Burg mit Hof und Bergfried. Ein mit Drahtseil gesicherter Quergang leitet nordseitig am Gipfel vorbei, der schließlich von der Rückseite her gewonnen wird. Die betonierte und eingezäunte Plattform entstand als Fundament für das mächtige Gipfelkreuz.
Nach Westen ins Priental versperrt der um einige Meter höhere Hauptgipfel die Sicht. Doch ansonsten reicht das Panorama vom Chiemsee über den Hochgern und den Geigelstein bis ins Kaisergebirge.

Varianten für den Rückweg

Statt des Normalwegs könnte man vom Ostgipfel den gesicherten Kampenwandsteig (siehe Topo) auf der Südseite abklettern und über die Hochplatten­scharte zur Steinlingalm zurück.
Lohnend wäre außerdem der letzte Teil des Reitwegs, der von der Steinlingalm zur Bergstation der Kampenwandbahn führt. Von der Bergstation wandert man dann über die Möslarnalm und am Hirschenstein vorbei wieder zur Schlechtenbergalm.
Wer besonders schnell absteigen möchte, folgt ab der Gorialm einfach der steilen Schneise der Skipiste. Sie ist nicht zu verfehlen.