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Kampenwand (1664 m) von Hainbach

Ruhige Route über die Hofbauernalm

Wer eine ruhigere Wegalternative zur Kampenwand ausprobieren möchte, kann von Hainbach über den Dalsen­sattel und die Hofbauern­alm hinauf­wandern. Diese süd­exponierte, sonnige Strecke ist land­schaftlich eine der schönsten, aber auch ziemlich weit.
Stand:

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Kampenwand
Ungewohnte Perspektive von Süden auf die Kampenwand.

Kaum ein anderer Chiemgauer Berg erfreut sich einer derartigen Beliebtheit wie die Kampenwand. Den Trubel allein auf die Seil­bahn zu schieben, wäre allerdings zu einfach. Denn viele Wanderer starten ja auch im Tal. Es hängt schon mit der Attraktivität der Kampen­wand selbst zusammen, der reiz­vollen Kraxelei durch die eindrucks­volle Fels­schlucht der Kaisersäle, dem wunderbaren Panorama und den netten Almen in ihrem Umkreis. Sogar Menschen, die wenig vom Berg­wandern halten, wollen deshalb einmal im Leben oben stehen.
Natürlich gäbe es in der Gegend genügend andere lohnende Gipfel, die weit weniger besucht werden. Man denke nur an die Gederer­wand vis-a-vis oder die Sonnen­wend­wand, an der wir beim Aufstieg von Hainbach vorbei­kommen. Doch sie können mit der Kampen­wand nicht ganz mithalten und so muss man sich irgendwie arrangieren. Immerhin gibt es auch relativ beschauliche Wege, wie den hier beschriebenen oder denjenigen von Rottau über die Gedereralm.

Tourcharakter und Schwierigkeit

1180 m 19 km5:50 h

Anspruch ■■■■■■ T4  I  A/B
Kondition ■■■■■
Orientierung ■■■■■■
Obwohl viele Ungeübte zur Kampenwand hinaufwandern, erfordert sie grund­sätzlich schon eine gewisse Berg­erfahrung. Sowohl für den anspruchs­vollen, ein wenig ausgesetzten Kampenwand­steig (siehe Topo) von Süden als auch für den Normalweg über die Nordseite muss man absolut trittsicher und schwindel­frei sein. Die übrige Strecke ist einfach, jedoch sehr weit und es geht immer mal wieder auf und ab.

Wegbeschreibung

Durch den Klausgraben zum Dalsensattel

Klausgraben
Von Hainbach geht es durch den schattigen Klausgraben immer am Bach entlang zur Dalsenalm.

Das erste Zwischenziel ist der Dalsensattel. Dazu folgt man bei gemütlicher Steigung dem breiten, schattigen Weg entlang des munteren Wildbachs durch den Klausgraben. Linker Hand taucht bald eine Block­hütte auf, früher eine Köhlerei mit mehreren Meilern, heute eine Dienst­hütte der Forst­verwaltung. Der Name des Klausgrabens legt nahe, dass es weiter oben möglicherweise eine Triftklause gab. Die Prientaler Eisenverarbeitung in Hammerbach verschlang große Mengen an Holzkohle.
Mit der Zeit wird der Klausgaben enger. Von den Seiten ziehen sich wilde Gräben herab. Am Ende geht es steil bergauf zur Lichtung der Dalsenalm. Die Almhütte versteckt sich hinter dem Dalsensattel1, während wir bereits vor dem Sattel links Richtung Hofbauernalm abzweigen. Dass die Dalsenalm in einer Dalle, also einer Vertiefung liegt, könnte laut der Aschauer Chronik der Grund für ihren Namen sein.

Bike & Hike: Über den Dalsensattel zur Hofbauernalm kann man auch mit dem Mountainbike hinauf­strampeln. Wer mit den Öffentlichen anreist, muss möglicherweise bereits in Aschau starten, weil zum Teil nur kleine Busse ohne Fahrrad­mitnahme eingesetzt werden.

Kampenhöhe via Hofbauernalm

Ehemalige Hofbauernhochalm
Der Steig von der Hofbauernalm zur Kampenhöhe passiert die Mauerreste einer alten Almhütte.

Zur Bergstation der Kampenwandbahn, sie steht auf einem Absatz unterhalb der Kampen­höhe, können wir zwischen mehreren bezeichneten Wander­wegen wählen.
Am kürzesten, aber praktisch ohne Aussicht ist die östliche Route über den Markkaser. Der Name Mark deutet auf einen ehemaligen Grenzpunkt der Aschauer Herrschaft hin, der noch heute auf der Gemeindegrenze liegt.
Deutlich lohnender erweist sich die Strecke über die Hof­bauern­alm, wobei man entweder den Fahrweg oder den Steig über die Dalsen-Diensthütte2 nimmt. Letzterer ist bei trockenen Verhältnissen die bessere Wahl. Er führt recht idyllisch über drei kleine Lichtungen und trifft kurz vor der bewirteten Hofbauern­alm3 wieder auf den Fahrweg.

Ab der Hofbauernalm genießt man bereits eine wirklich schöne Aussicht. Dem bequemen Steig folgend, wandern wir an einer Almruine vorbei. Rechter Hand fällt dort ein von Klaubsteinen eingezäunter alter Almanger auf. Anschließend biegt der Weg um die Bauernwand herum und quert mehrere Geröllfelder. Dabei tritt auch die Kampenwand ins Blickfeld. Kurz darauf erreichen wir dann die Bergstation der Kampenwandbahn4.

Von Süden auf die Kampenwand

Gesicherte Kletterstelle am Kampenwandsteig.

Wir lassen das Gedränge an der Kampen­wand­bahn links liegen und zweigen gleich hinter der Sonnenalm zur Steinberg­alm ab. Nach einem Abstieg von ungefähr 50 Höhen­metern muss man aufpassen und links auf den unbezeichneten Steig Richtung Hoch­platten­scharte wechseln, also nicht weiter talwärts zur Steinbergalm laufen.
Sehr unterhaltsam in stetem Auf und Ab quert der Steig die Südflanke der Kampenwand, die aus dieser Perspektive mit den von der Sonne angestrahlten weißen Felsen aus Wetterstein­kalk viel freundlicher aussieht als von Norden. An den lichten Stellen wachsen viele verschiedene Blumen, Disteln und Sträucher – sehr paradiesisch.

Nach längerer Zeit kommt eine Kreuzung. Der rechte Weg führt über die Piesen­hausener Hochalm zur Hochplatte, geradeaus geht es zur Hochplatten­scharte und links zum Kletter­steig auf die Kampenwand. Ziemlich steil und schnurgerade gelangt man durch die Latschen zu einem Absatz unter einer überhängenden Wand. Von da leitet ein Drahtseil auf einem diagonalen Band rechts um eine Ecke herum. Zuletzt kraxelt man etwas schwerer (A/B) ein paar Meter senkrecht hinauf und da ragt plötzlich direkt voraus das riesige Kreuz in den Himmel. Es steht auf dem Ostgipfel5, dem am leichtesten erreichbaren Zacken der Kampenwand. Dass der Hauptgipfel noch vier Meter mehr misst, lässt sich verkraften.

Abstieg auf dem Normalweg

Kaisersäle
Die von außen wie eine kompakte Mauer erscheinende Kampenwand wird im Inneren von der Felsschlucht der Kaisersäle durchzogen.

Auf dem Normalweg durch die Kaisersäle zur Steinlingalm ist manchmal so viel los, dass es zu Warte­zeiten kommt. Trotzdem liegt es nahe, bergab zur Abwechslung diese Route zu nehmen. Die gut 20 Meter tiefe Fels­schlucht der Kaisersäle im Inneren der Kampenwand fasziniert immer wieder aufs Neue. Im Frühjahr bleibt der Schnee darin lange liegen. Vorsicht, unter dem Schnee entstehen Hohl­räume, in die man einbrechen kann.
Die Kaisersäle besitzen nach Norden eine portalartige Öffnung, die den Weg zur Steinlingalm freigibt.Sehr Versierte könnten stattdessen auch geradeaus den gefährlichen Südwandsteig (II) einschlagen.Über splittrige Schrofen und jede Menge Schotter wandern wir dann hinab zur quirligen Steinlingalm6. Von da verläuft der breite Panorama­weg am Staffelstein vorbei zurück zur Bergstation.

Abstecher zur Schoßrinn

Wer unten in Hainbach noch Zeit und Lust hat, ein schneller Abstecher zur Schoßrinn, dem höchsten Wasserfall des Prientals, lohnt sich immer.